Dissertation Wo bleibt die Wertschaetzung Holzaht

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Wo bleibt die Wertschätzung? – Der Einfluss von Wertschätzung auf die Wertschöpfung in Dienstleistungsunternehmen

Klaudia Holzaht

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„Wo bleibt die Wertschätzung?“-

Der Einfluss von Wertschätzung auf die Wertschöpfung

in Dienstleistungsunternehmen

Wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung

des akademischen Grades eines Doktors der Philosophie (Dr. phil.)

an der Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie der

technischen Universität Dortmund

Erstprüfer

Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. med. Michael Kastner

Zweitprüfer

Univ.-Prof. Dr. phil. Bernd Gasch

Autorin:

Klaudia Holzaht

Matrikelnummer: 125808

Dortmund, März 2016

Danksagung

An erster Stelle möchte ich besonders meinem Doktorvater und Erstgutachter Herrn Professor

Dr. Dr. Michael Kastner danken. Seine motivierende und wertschätzende Haltung hat mich

während der gesamten Zeit der Promotionsphase in vorbildlicher Weise unterstützt. Ebenso

möchte ich dem Zweitgutachter Herrn Professor Dr. Bernd Gasch danken.

Mein Dank gilt ebenso der Unternehmung mit ihren Mitarbeitern, in der ich die empirische

Erhebung durchführen durfte. Ohne diese engagierte Unterstützung wäre die Erhebung der

Daten nicht möglich gewesen.

Herzlichen Dank an alle, die keine Mühen gescheut haben, den Text zu lesen und Anregungen

zu geben; besonderen Dank an Angela Y. Richter, die in Sachen Korrektur Hervorragendes

geleistet hat.

Eine wichtige Rolle zur Bewältigung meiner Dissertationsschrift haben meine Familie und

meine Freunde gespielt mit ihrer Unterstützung in Worten und Taten, und „Schübsen“ in die

richtige Richtung. Vielen Dank!

Inhaltsverzeichnis

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1

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ........................................................................................... 1!

Abbildungsverzeichnis ................................................................................... 4!

Tabellenverzeichnis ........................................................................................ 7!

Abkürzungsverzeichnis .................................................................................. 9!

1 Einleitung .................................................................................................... 10!

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen .................. 17!

2.1 Dynaxität der Arbeitswelt als Herausforderung für die Gesundheit ......................... 17!

2.2 Grundlagen Betriebliches Gesundheitsmanagement ................................................. 23!

2.2.1 Gesundheit und Wohlbefinden ........................................................................... 25!

2.2.2 Gesundheit und Wohlbefinden in Organisationen ............................................. 29!

2.3 Wandel der Arbeit und Betriebliches Gesundheitsmanagement ............................... 31!

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

........................................................................................................................ 35!

3.1 PSO-Modell als Ordnungskriterium .......................................................................... 36!

3.1.1 Ressourcen als Handlungskompetenz ................................................................ 38!

3.1.2 Soziale Ressourcen und Beanspruchungen ........................................................ 40!

3.1.3 Zusammenhang zwischen Ressourcen, Puffer und Belastungen ....................... 44!

3.2 Ressourcen im Bereich der Person ............................................................................ 53!

3.2.1 Empfundene Wertschätzung in Organisationen ................................................. 53!

3.2.2 Wertschätzende Kommunikation ....................................................................... 59!

3.2.3 Der Salutogenetische Ansatz .............................................................................. 60!

3.2.4 Positive Psychologie .......................................................................................... 67!

3.3 Ressourcen in der Situation der Arbeitsplatzgestaltung ............................................ 68!

3.3.1 Soziale Unterstützung als Ressource .................................................................. 68!

3.3.2 Führungsverhalten als soziale Ressource ........................................................... 69!

3.3.3 Salutogene Ressourcen am Arbeitsplatz ............................................................ 77!

Inhaltsverzeichnis

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2

3.3.4 Arbeitszufriedenheit und Motivation ................................................................. 78!

3.3.5 Arbeitszufriedenheit und Leistung durch soziale Ressourcen ........................... 88!

3.3.6 Anforderungs-Kontroll-Modell am Arbeitsplatz nach Karasek/Theorell .......... 92!

3.4 Ressourcen im Bereich der Organisation .................................................................. 97!

3.5 Ablauf des Leistungs- und Gesundheitsmanagements ............................................ 104!

3.6 Präsentismus/Absentismus ...................................................................................... 108!

3.7 Zusammenfassung des Forschungsstands ............................................................... 109!

4 Fragestellung und Hypothesen ............................................................... 115!

4.1 Untersuchungsgang und Forschungsfragen ............................................................ 115!

4.2 Entwicklung der Hypothesen .................................................................................. 118!

4.2.1 Erster Untersuchungsschritt – Wirkung von sozialen Ressourcen auf Gesundheit

und Arbeitszufriedenheit ........................................................................................... 118!

4.2.2 Zweiter Untersuchungsschritt – Wirkung von Arbeitszufriedenheit auf

Gesundheit sowie von Arbeitszufriedenheit und Gesundheit auf Leistung .............. 122!

4.2.3 Dritter Untersuchungsschritt – rekursive Betrachtung ..................................... 124!

4.2.4 Vierter Untersuchungsschritt – Wirkung von individueller Wertschätzung auf

Gesundheit ................................................................................................................. 127!

5 Methodisches Vorgehen .......................................................................... 129!

5.1 Untersuchungsdesign .............................................................................................. 129!

5.2 Forschungsfragebogen ............................................................................................ 131!

5.3 Konstruktion der Variablen ..................................................................................... 138!

6 Ergebnisse ................................................................................................. 141!

6.1 Beschreibung der Stichprobe .................................................................................. 141!

6.2 Deskriptive Statistik und Hypothesenprüfung ........................................................ 143!

6.2.1 Deskriptive Statistik ......................................................................................... 144!

6.2.2 Hypothesenüberprüfung der ersten drei Untersuchungsschritte – Soziale

Ressourcen,

Gesundheit,

Arbeitszufriedenheit

und

Leistung

im

Strukturgleichungsmodell ......................................................................................... 149!

Inhaltsverzeichnis

_________________________________________________________________________

3

6.2.3 Hypothesenüberprüfungen des vierten Untersuchungsschritts – Signifikanz der

Wirkung von individueller Wertschätzung auf Gesundheit ...................................... 162!

7 Diskussion ................................................................................................. 177!

7.1 Diskussion der methodischen Vorgehensweise und Gütekriterien des Fragebogens

....................................................................................................................................... 177!

7.2 Diskussion der Ergebnisse des Strukturgleichungsmodells .................................... 180!

7.3 Diskussion der Ergebnisse zum Modell der empfundenen Wertschätzung ............ 185!

7.4 Diskussion der Einzelergebnisse zu einer Gesamtinterpretation ............................ 187!

7.5 Kritische Reflexion der Untersuchung .................................................................... 190!

8 Zusammenfassung, Implikationen für die Praxis und Ausblick ......... 192!

9 Literatur ................................................................................................... 196!

10 Anhang .................................................................................................... 209!

10.1 Fragebogen ............................................................................................................ 209!

10.2 Anschreiben ........................................................................................................... 214!

10.3 Deskriptive Statistik der Items .............................................................................. 216!

Abbildungsverzeichnis

_________________________________________________________________________

4

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Überblick über die Hauptkapitel ................................................................... 16!

Abbildung 2: Neue Arbeits-, Organisations- und Lebensformen (Kastner 2010a, S. 98) .. 19!

Abbildung 3: Gesundheit im Kontinuum zwischen physischen, psychischen und sozialen

Kräften (eigene Darstellung) ............................................................................................... 27!

Abbildung 4: Vier-Faktoren-Ansatz des Subjektiven Wohlbefindens (Mayring 1991, S. 53)

............................................................................................................................................. 28!

Abbildung 5: Transaktionen Person, Situation, Organisation (Kastner 2010a, S. 102;

Kastner 2013, Copyright Kastner, IAPAM Herdecke © 2010) .......................................... 37!

Abbildung 6: Die Wirkung von Ressourcen im Stressprozess (D. Zapf & Semmer, 2004, S.

1042) .................................................................................................................................... 40!

Abbildung 7: Soziale Ressourcen (eigene Darstellung) angelehnt an Kastner (2014a, S.

133,171) ............................................................................................................................... 42!

Abbildung 8: Belastung und Beanspruchung (Kastner, 2010c, S. 301) .............................. 46!

Abbildung 9: Psychische Belastung (Kastner, 2010c, S. 307) ............................................ 47!

Abbildung 10: „Work-Life-Balance“-Wippe (Kastner, 2010c, S. 297) .............................. 48!

Abbildung 11: Work-Life-Balance-Kurven (Kastner, 2010c, S. 299) ................................ 52!

Abbildung 12: HoL (Health-oriented Leadership) (Franke 2011) ...................................... 72!

Abbildung 13: Die „großen Drei“ in der Motivationspsychologie (Kastner, 2005/2006, S.

32) ........................................................................................................................................ 80!

Abbildung 14: Faktoren der Anforderungen und Kontrolle (eigne Darstellung nach

Karasek/Theorell 1990, S. 32) ............................................................................................. 94!

Abbildung 15: Wirkmechanismen einer Gratifikationskrise (eigne Darstellung nach

Siegrist (1996b, S. 99) ......................................................................................................... 99!

Abbildung 16: Haus des Leistungs- und Gesundheitsmanagements (Kastner 2010a, S. 122)

........................................................................................................................................... 104!

Abbildung 17: SOE-Kreis (Kastner 2010a, S. 124) .......................................................... 106!

Abbildung 18: Wertschöpfungskette des ganzheitlichen integrativen Leistungs- und

Gesundheitsmanagement (Kastner, 2010d, S. 8) .............................................................. 106!

Abbildung 19: Absentismus, Präsentismus (Kastner 2010a, S. 128) ................................ 109!

Abbildung 20: Entwicklung von langfristigen Beanspruchungs- und Stressfolgen

(Lohmann-Haislah, 2012, S. 93) ....................................................................................... 110!

Abbildungsverzeichnis

_________________________________________________________________________

5

Abbildung 21: fehlende Ressourcen – Beanspruchungs/Stressfolgen (Lohmann-Haislah,

2012, S. 104) ..................................................................................................................... 111!

Abbildung 22: Strukturgleichungsmodell des LGM in der Fallstudie (Schmidt & Kastner,

2011, S. 130) ..................................................................................................................... 112!

Abbildung 23: Abfolge der ersten drei Untersuchungsschritte, soziale Ressourcen,

Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und Leistung (eigene Darstellung) .............................. 116!

Abbildung 24: Einfluss von individuell erwünschter Wertschätzung auf die Gesundheit –

vierter Untersuchungsschritt (eigene Darstellung) ............................................................ 117!

Abbildung 25: Bildung der Variablen zum Untersuchungsschritt eins – soziale Ressourcen

in Verbindung mit der Work-Life-Balance-Wippe nach Kastner (2010c, S. 297) (eigene

Darstellung) ....................................................................................................................... 120!

Abbildung 26: Darstellung Hypothesenbildung erster Untersuchungsschritt (eigene

Darstellung) ....................................................................................................................... 121!

Abbildung 27: Darstellung Hypothesenbildung zweiter Untersuchungsschritt (eigene

Darstellung) ....................................................................................................................... 123!

Abbildung 28: Darstellung Hypothesenbildung dritter Untersuchungsschritt (eigene

Darstellung) ....................................................................................................................... 125!

Abbildung 29: Zuordnung der Skalen zu den Konstrukten bzw. Variablen (eigene

Darstellung) ....................................................................................................................... 140!

Abbildung 30: Soziodemografische Beschreibung der Stichprobe ................................... 143!

Abbildung 31: Hypothesenprüfung erster Untersuchungsschritt (eigene Darstellung) .... 151!

Abbildung 32: Hypothesenprüfung zweiter Untersuchungsschritt (eigene Darstellung) . 154!

Abbildung 33: Hypothesenprüfung Zusammenfassung erster und zweiter

Untersuchungsschritt (eigene Darstellung) ....................................................................... 156!

Abbildung 34: Hypothesenprüfung dritter Untersuchungsschritt (eigene Darstellung) ... 159!

Abbildung 35: Erwünschtheit der verschiedenen Formen von Wertschätzung ................ 164!

Abbildung 36: Verteilung der empfundenen Wertschätzung über die verschiedenen

Personengruppen ............................................................................................................... 165!

Abbildung 37: Ergebnis erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit –

verbale Bestätigung ........................................................................................................... 168!

Abbildung 38: Ergebnis erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit –

monetäre Bestätigung ........................................................................................................ 170!

Abbildungsverzeichnis

_________________________________________________________________________

6

Abbildung 39: Ergebnis erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit –

Berücksichtigung von persönlichen Bedürfnissen ............................................................ 171!

Abbildung 40: Ergebnis erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit –

gute Beurteilung der Zielerreichung ................................................................................. 172!

Abbildung 41: Ergebnis erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit –

Übertragung von Verantwortung ...................................................................................... 174!

Tabellenverzeichnis

_________________________________________________________________________

7

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Motivationstheorien (Inhalts- und Prozesstheorien) .......................................... 82!

Tabelle 2: Erwünschte und empfundene Wertschätzung mit möglichen Auswirkungen auf

Gesundheit ......................................................................................................................... 127!

Tabelle 3: Vorgehen zur Entwicklung von Skalen und Items über Konstrukte ................ 132!

Tabelle 4: Zuordnung der Quellen zu den Skalen ............................................................. 134!

Tabelle 5: Zuordnung der Items zu den Skalen ................................................................. 135!

Tabelle 6: Methodendesign zur Überprüfung der Hypothesen ......................................... 144!

Tabelle 7: Statistische Kennzahlen der Faktorwerte ......................................................... 145!

Tabelle 8: Korrelation der latenten Variablen erster und zweiter Untersuchungsschritt .. 146!

Tabelle 9: Faktorladungen der Items erster und zweiter Untersuchungsschritt ................ 147!

Tabelle 10: Messung der Konstruktreliabilität und DEV erster und zweiter

Untersuchungsschritt ......................................................................................................... 149!

Tabelle 11: Pfadkoeffizienten, t-Werte und Signifikanzniveau erster Untersuchungsschritt

........................................................................................................................................... 152!

Tabelle 12: Pfadkoeffizienten, t-Werte und Signifikanzniveau zweiter

Untersuchungsschritt ......................................................................................................... 155!

Tabelle 13: Korrelation der latenten Variablen dritter Untersuchungsschritt ................... 157!

Tabelle 14: Messung der Konstruktreliabilität und DEV dritter Untersuchungsschritt .... 158!

Tabelle 15: Pfadkoeffizienten, t-Werte und Signifikanzniveau dritter Untersuchungsschritt

........................................................................................................................................... 160!

Tabelle 16: Hypothesen angenommen oder verworfen erster, zweiter und dritter

Untersuchungsschritt ......................................................................................................... 161!

Tabelle 17: Methodendesign zur Hypothesenüberprüfung des Untersuchungsschritts vier

........................................................................................................................................... 166!

Tabelle 18: Verwendete Skalen und Items zur Hypothesenüberprüfung –

Untersuchungsschritt vier .................................................................................................. 166!

Tabelle 19: Absolute Häufigkeiten erwünschte und empfunden Wertschätzung sowie

Gesundheit – verbale Bestätigung ..................................................................................... 169!

Tabelle 20: Absolute Häufigkeiten erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie

Gesundheit – monetäre Bestätigung .................................................................................. 170!

Tabelle 21: Absolute Häufigkeiten erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie

Gesundheit – Berücksichtigung von persönlichen Bedürfnissen ...................................... 171!

Tabellenverzeichnis

_________________________________________________________________________

8

Tabelle 22: Absolute Häufigkeiten erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie

Gesundheit – gute Beurteilung der Zielerreichung ........................................................... 173!

Tabelle 23: Absolute Häufigkeiten erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie

Gesundheit – Übertragung von Verantwortung ................................................................ 174!

Tabelle 24: Hypothesen angenommen oder verworfen vierter Untersuchungsschritt ...... 175!

Abkürzungsverzeichnis

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9

Abkürzungsverzeichnis

AOK

Allgemeine Ortskrankenkasse

ARBG

Arbeitsschutzgesetz

BGM

Betriebliches Gesundheitsmanagement

BGW

Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und

Wohlfahrtspflege

BKK

Betriebskrankenkassen

DAK

Deutsche Angestellten Krankenkasse

ENWHP

European Network for Work Health Promotion

Headdi-Man

Health-Achievement-Diversity-Demography-Innovation-

Management

HoL

Health-oriented Leadership

J-D-R- Modell

Job-Demands-Resources – Modell

LGM

Leistungs- und Gesundheitsmanagement

OBSE

Organization-Based Self-Esteem

PSO-Modell

Person, Situation, Organisation-Modell

SALSA

Salutogenetische Subjektive Arbeitsanalyse

SALUTE

Personale und organisationale Ressourcen der Salutogenese

UK

Unfallkasse

WAI

Work Ability Index

WHO

World Health Organization

1 Einleitung

_________________________________________________________________________

10

1 Einleitung

Es scheint nichts zu geben, was Wertschätzung im Kontext von Organisation nicht zu

erfüllen vermag (Zwack et al. 2011, S. 430). Sie verbessert die Beziehungen der

Mitarbeiter untereinander sowie die der Führungskraft und der Mitarbeiter. Sie soll

Bestandteil der Unternehmenskultur sein sowie für Motivation, Leistungsbereitschaft,

Wohlbefinden und Gesundheit sorgen. Wertschätzung soll der Bindungsstoff der

Mitarbeiter an das Unternehmen sein und zudem die Arbeitszufriedenheit erhöhen. Die

positive Beeinflussung all dieser Faktoren wiederum hat schlussendlich auch zum Ziel, die

Wertschöpfung in Organisationen zu erhöhen.

Wertschätzung wird von allen Ebenen in einer Organisation eingefordert. Fast jeder

Mitarbeiter meint wertschätzend zu agieren, vermisst jedoch an vielen Stellen eben diese

(Zwack

et

al.

2011,

S.

429f.).

In

der

Mitarbeiterbefragung

eines

Telekommunikationskonzerns wurde die Frage gestellt “Wie wertschätzend agieren Sie“?

Die Auswertung der Antworten ergab, dass alle Mitarbeiter -also 100%- einschätzten, sich

wertschätzend zu Kollegen zu verhalten. Zugleich kann davon ausgegangen werden, dass

in jedem Unternehmensbereich eine mangelnde Wertschätzung durch Kollegen,

Führungskräfte oder Unternehmensleitung empfunden wird.

Wertschätzung wird somit immer wieder als Kernressource in Organisationen genannt,

wobei generell soziale Ressourcen in der Arbeitswelt an Relevanz zunehmen. Dies zeigt

sich zum Beispiel an der Initiative „heartleaders.de“, die den Tag der Wertschätzung ins

Leben gerufen haben. Dieser soll an jedem dritten Tag des Monats in den Betrieben und

Büros deutscher Firmen stattfinden. Der Initiative „heartleaders.de“ gehören Manager

führender deutscher Unternehmen an.

Dass soziale Ressourcen eine wichtige Funktion haben, belegen neurobiologische Studien.

Demnach sind Menschen auf soziale Resonanz und Kooperation ausgelegte Wesen (J.

Bauer, 2006). Sie wollen zwischenmenschliche Anerkennung und Zuneigung finden und

geben. Es motiviert sie, von anderen gesehen zu werden. Die Identifikation mit dem

Unternehmen wird gestärkt. Das Gefühl des Eingebunden-Seins wächst. Wer sich

zugehörig fühlt, fühlt sich wohl. Er traut sich etwas zu und engagiert sich stärker, auch bei

schwierigen Aufgaben, weil das Selbstbewusstsein gewachsen ist. Auch unter widrigen

1 Einleitung

_________________________________________________________________________

11

Bedingungen hält er länger durch. Seine Stimmung ist positiv. Er honoriert die

Wertschätzung in der Regel mit vermehrtem Arbeitseinsatz und größerer Flexibilität, z.B.

bei Vertretungseinsätzen oder der Bereitschaft zu ungünstigen Schichten. Wertschätzung

findet so, über viele Faktoren Eingang in die Wertschöpfung der Unternehmen.

Kastner (2013, S. 522) schreibt dazu, dass der Mensch ein emotionales soziales Lauf-,

Rhythmus- und Täuschungstier ist. Er braucht emotionale Sicherheit, soziale

Unterstützung und Geborgenheit, um leistungsfähig und gesund zu sein.

So haben Wertschätzungsdefizite negative Folgen für den Betrieb. Wer sich nicht

wertgeschätzt fühlt – jeder zweite befragte Mitarbeiter würde dies in Bezug auf seine

Führungskraft behaupten (Dieckhoff & Hoffmann, 2005) - reagiert auf diese Kränkung

nicht nur in emotionaler Hinsicht, etwa mit Ärger oder Hilflosigkeit. Die negativen

psychischen Einflüsse können auf den Körper übertragen werden und dieser wird in

Mitleidenschaft gezogen - beispielsweise in Form von erhöhtem Blutdruck und

Stresshormon-Ausschüttung, was langfristig dem Herz-Kreislauf-System schaden kann.

Wertschätzungsmangel schadet der Gesundheit des Einzelnen. Die Folge aus einem

Mangel an Wertschätzung sind höhere Fehlzeiten (GEVA-Institut München). Man befragte

Beschäftigte aus Abteilungen mit hohen Fehlzeiten danach, welche Ursachen sie für die

erhöhten Fehlzeiten vermuteten. Meist war die Antwort, dass ihr Chef sie nicht motivieren

könne und ihnen die kleinen Gesten zwischenmenschlicher Anerkennung fehlten.

Ebenso hat der Düsseldorfer Medizinsoziologe J. Siegrist aufgezeigt, dass Wertschätzung

als Gesundheitsfaktor gilt (Siegrist, 1996b). Besonders das Herz-Kreislauf-System nimmt

Schaden (siehe Abschnitt 3.1.3.) und das relative Risiko für einen Herzinfarkt kann sich

erhöhen, wenn das Verhältnis von Verausgabungsbereitschaft und erhaltener Anerkennung

nicht stimmt. Menschen geraten in eine sogenannte Gratifikationskrise, wenn sie für ihren

Einsatz im Unternehmen ihrer Meinung nach nicht genügend Anerkennung (Aufstieg,

Image, Lob) bekommen (siehe Abschnitt 3.4.1).

Auch bei psychischen Erkrankungen (siehe Abschnitt 3.1.3.) spielt Wertschätzung eine

wichtige Rolle. Hawkins et al. (1999) konnten zeigen, dass Wertschätzung bei Männern

geeignet ist, um Depressionen vorzubeugen. Bestätigung wie zum Beispiel in Form von

1 Einleitung

_________________________________________________________________________

12

anerkennenden Äußerungen stärkt die Psyche und schützt vor Hilflosigkeitsempfindungen.

Ist das Klima offen und vertrauensvoll, so können Menschen entspannter arbeiten.

Angstfreiheit ist eine wichtige Voraussetzung für gute Leistung - und damit für

Wertschöpfung - (vgl. auch Kastner, 2010a, S. 91). Wer sich wertgeschätzt fühlt, dessen

Selbstwertgefühl ist stark. Er ist wenig anfällig für Kränkungen, seelisch ausgeglichen,

entstresst und eher gewappnet für den Umgang mit Belastungen.

Zur Förderung der Gesundheit ihrer Mitarbeiter haben viele Unternehmen mittlerweile ein

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) eingeführt. Investitionen in Maßnahmen

und Angebote werden meist von der Belegschaft unterschiedlich bewertet und akzeptiert.

Diese Erfahrung gilt sowohl für Einzelmaßnahmen zur Gesundheitsförderung als auch für

ein

systematisches

prozessorientiertes

Vorgehen

in

Form

eines

Betrieblichen

Gesundheitsmanagements. Wo Beschäftigte sich von ihrem Unternehmen und seinen

Vertretern persönlich wertgeschätzt fühlen, verstehen sie Maßnahmen des Betrieblichen

Gesundheitsmanagements als Ausdruck von Wertschätzung und „glauben“ die positive

Intention. Folglich ist die Akzeptanzquote der zugehörigen Maßnahmen hoch. Fühlen sich

die Mitarbeiter jedoch nicht wertgeschätzt, fehlt oft die Akzeptanz der BGM-Maßnahmen.

Dies gilt besonders für Organisationen, wo die Kultur in der Vergangenheit von der

Betrachtung des Menschen als Kostenfaktor geprägt war. Der Betrieb sollte jedoch die

betriebswirtschaftlichen

Argumente

klar

kommunizieren

und

Impulse

für

ein

Gesundheitsmanagement setzen, damit klar wird, dass sowohl das Unternehmen als auch

die Mitarbeiter von den Maßnahmen profitieren. Der Einzelne trägt eine Verantwortung

zur Erhaltung seiner Arbeitskraft (laut Arbeitsvertrag), und der Betrieb trägt ebenfalls

Verantwortung und leistet seinen Beitrag dazu. Wertschätzung fungiert auch hier als

Katalysator.

Wertschätzender Umgang und damit einhergehendes Wohlbefinden sind eine Frage der

Unternehmenskultur. Im DGB-Index ‚Gute Arbeit‘ gaben fast 90% der Befragten an, dass

die

Unternehmenskultur

einen

hohen

oder

sehr

hohen

Einfluss

auf

die

Mitarbeitergesundheit hat (Giesert, 2008). Diese wird maßgeblich von Führungskräften

gestaltet, sollte aber unabhängig von Gehaltsstufe oder Hierarchieebene erfolgen.

1 Einleitung

_________________________________________________________________________

13

Die Unternehmenskultur wird geprägt von jedem Beschäftigten im Betrieb. Wertschätzung

und soziale Rückmeldung sind zwei zentrale „Humankriterien“ von Arbeit, die als

Ressourcen zur Bewältigung der täglichen Arbeitsanforderungen und damit zur

Gesundheitsprävention beitragen. Durch die Beeinflussung dieser Faktoren wird Leistung

und so die Wertschöpfung in Unternehmen geprägt. Arbeitsanforderungen in

Organisationen unterliegen einer rasanten Entwicklung. Durch den Wettbewerbs- und

damit Veränderungsdruck von globalen Märkten haben sich die Arbeits- und

Organisationsformen diesen Rahmenbedingungen angepasst, und haben zu weitgreifenden

Veränderungen der Arbeitswelt geführt. So sind Schnelligkeit in der Kommunikation und

im Aufbau von persönlichen Kompetenzen zur Bewältigung von neuen und komplexen

Anforderungen gefragt (vgl. Kapitel 2.1). Dazu gehört auch die Veränderung der

Arbeitsplätze, die mehr und mehr von Raum und Zeit unabhängig werden.

Ziel der Arbeit ist die Untersuchung, ob soziale Ressourcen zur Förderung von Gesundheit,

Arbeitszufriedenheit und Leistung, in Organisationen geeignet sind. Dabei werden

insbesondere die sozialen Ressourcen der Wertschätzung, der sozialen Unterstützung und

die der Gesundheitsorientierung der Führungskraft untersucht. Diese Betrachtungen

erfolgen unter dem Aspekt von dynaxischen Entwicklungen (vgl. Kapitel 2.1) mit neuen

Arbeits- und Organisationsformen

Der Begriff der Leistung bildet in dieser Arbeit die Wertschöpfung ab. Wobei hier die

klassische Definition der Wertschöpfung: geschaffener Produktionswert abzüglich der

Vorleistung, durch die sogenannten „weichen“ Faktoren erweitert wird. Diese

immateriellen Ressourcen wie Wissen, Image, Motivation, Führungsverhalten, Innovation

usw. sind in vielen Unternehmen, gerade im Bereich der Dienstleistungen, ein wertvoller

Wettbewerbsvorteil (vgl. Kaplan & Norton, 2004). Die Reduktion auf Leistung hat ihren

Grund in der Handhabbarkeit der zahlreichen Einflussfaktoren und in der Annahme, dass

Leistung ein wesentlicher Faktor zur Wertschöpfung in Organisationen ist.

Weiterhin geht die Autorin davon aus, dass Leistung wiederum einen positiven Effekt auf

die Wertschätzung hat. Der Zusammenhang von Wertschätzung und Wertschöpfung ist

demnach eine wechselseitige Beziehung, die sich, über verschiedene Faktoren, positiv oder

auch negativ beeinflusst.

1 Einleitung

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14

Ebenso wird der Widerspruch in der Wahrnehmung der erteilten und der individuell

empfundenen Wertschätzung einer näheren Betrachtung unterzogen. Diese Diskrepanz

lässt sich in der Frage: „Wo bleibt die Wertschätzung?“ zusammenfassen.

Daraus ergeben sich die Fragestellungen:

• Wie wirken die sozialen Ressourcen Wertschätzung, soziale Unterstützung und

Gesundheitsorientierung der Führungskraft auf Gesundheit und

Arbeitszufriedenheit?

• Wie beeinflussen sich Gesundheit und Arbeitszufriedenheit?

• Wie wird Leistung durch Gesundheit und Arbeitszufriedenheit beeinflusst?

• Hat eine individuell empfundene Wertschätzung einen größeren Effekt auf

Gesundheit als andere Formen der Wertschätzung?

Zur Beantwortung der oben erläuterten Fragestellungen folgte der Aufbau der Arbeit einer

bestimmten Struktur. Dieser Aufbau wird nun anhand eines roten Fadens mit den einzelnen

Kapiteln skizziert.

Im Kapitel 2 werden grundsätzliche Ausgangspunkte und Entwicklungen der

Gesundheitsförderung im Kontext von Organisationen dargelegt. Der Wandel der Arbeits-,

Organisations- und Lebensformen im Zusammenhang mit einer erhöhten Beanspruchung

von Mensch und Organisation bildet dabei den Ausgangspunkt und ist die Ursache für

Notwendigkeit und Entwicklung von Gesundheitsförderung in Organisationen. Als eine

theoretische Ausgangsbasis zum Konstrukt der Gesundheit wird dieser Begriff im

Zusammenhang mit Wohlbefinden sowie im Spannungsfeld mit Arbeit beschrieben.

Nachdem die Ausgangsbasis der Fragestellungen und damit die Grundlage der Arbeit

erläutert wurde, werden im Kapitel 3 die theoretischen Konzepte zu sozialen Ressourcen,

Arbeitszufriedenheit und Leistung unter Einbeziehung von Gesundheit im Kontext von

Organisationen vorgestellt. Als ein Leitfaden zur Einordnung und Strukturierung dient das

Leistungs- und Gesundheitsmanagement nach Kastner. Das zentrale Konstrukt der

1 Einleitung

_________________________________________________________________________

15

Ressourcen wird in den Bereichen Person, Situation und Organisation (PSO) jeweils

aufgegriffen und mit den für diese Arbeit grundlegenden Theorien in Verbindung gebracht.

Eine explizite Betrachtung erfahren die sozialen Ressourcen der Wertschätzung, sozialen

Unterstützung und die Gesundheitsorientierung der Führungskraft. Zudem werden die

Konstrukte theoretisch abgeleitet und verbundene Begrifflichkeiten wie zum Beispiel

Belastungen, Führung und Motivation definiert. Zum Schluss des Kapitels wird der

Forschungsstand im Rahmen der Forschungsfragen beschrieben, so dass diese in die

aktuelle Forschung eingeordnet werden können.

Im nachfolgenden Kapitel 4 werden aufbauend auf dem theoretischen Teil die

Forschungsfragen und Hypothesen entwickelt. Dabei werden die Hypothesen dem

Untersuchungsgang, der sich in vier Teilschritte aufgliedert, zugeordnet. In den ersten drei

Teilschritten spiegeln die Hypothesen die Beziehungen der sozialen Ressourcen der

Wertschätzung, sozialen Unterstützung und die Gesundheitsorientierung der Führungskraft

mit Gesundheit und Arbeitszufriedenheit sowie Leistung wieder. Im vierten Teilschritt

bilden die Hypothesen die Frage nach der Wirkung von individueller Wertschätzung auf

die Gesundheit ab.

Kapitel 5 umfasst das methodische Vorgehen. Dazu wird das Untersuchungsdesign, der

Forschungsfragebogen mit der Entwicklung der Konstrukte, Skalen und Items beschrieben.

Methodisch werden die ersten drei Untersuchungsschritte mit der Analyse der

Beziehungen der Konstrukte mit einem Strukturgleichungsmodell gelöst. Für den vierten

Untersuchungsschritt zur Wirkung von individueller Wertschätzung wird mit einem

Signifikanztest gearbeitet.

Die Ergebnisse mit der Beschreibung der Stichprobe, deskriptiven Statistik und den

Hypothesenüberprüfungen folgen in Kapitel 6. Die einzelnen Ergebnisse werden am Ende

des Kapitels zusammengefasst. Eine tabellarische Darstellung zeigt, ob die Hypothesen

angenommen oder verworfen worden sind.

Die Zusammenfassung dient im Kapitel 7 als Grundlage der Diskussion. Dabei werden

zuerst die Gütekriterien betrachtet. Danach werden die Einzelergebnisse zu einer

1 Einleitung

_________________________________________________________________________

16

Gesamtinterpretation zusammengefasst. Daran anschließend erfolgt eine kritische

Reflexion der Ergebnisse.

Im Kapitel 8 werden die Ergebnisse in ihren wesentlichen Punkten in einer Implikation für

die Praxis zusammengefasst. Die Arbeit schließt mit einem Ausblick ab.

Die Darstellung zeigt die Hauptkapitel und soll damit den Überblick gewährleisten.

Abbildung 1: Überblick über die Hauptkapitel

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

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17

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

Die Gesundheit der Mitarbeiter in Organisationen hat in den vergangen Jahren einen

immer höheren Stellenwert erlangt und wird als ein Zukunftsthema für diese betrachtet.

Die Frage, warum es aus humanitären und ökonomischen Gründen nützlich ist, in die

Gesundheit der Arbeitnehmer zu investieren, wird in diesem Kapitel thematisiert. Ebenso

wird der wesentliche Baustein von Gesundheit in Organisationen, das Betriebliche

Gesundheitsmanagement mit seinen Grundlagen, neuen Aufgaben und Herausforderungen,

unter dem Aspekt des Wandels der Arbeit vorgestellt. In diesem Rahmen wird auch

Gesundheit und Wohlbefinden von Mitarbeitern näher betrachtet und definiert.

Dazu wird zunächst der Wandel der Arbeit in seinem Zusammenhang mit der Gesundheit

der Mitarbeiter beschrieben.

2.1 Dynaxität der Arbeitswelt als Herausforderung für die Gesundheit

Warum ist es nun für Organisationen interessant, dass ihre Mitarbeiter gesund sind bzw.

die Gesundheit derer zu fördern?

Leistungsaspekte, wie die richtigen Mitarbeiter am richtigen Arbeitsplatz zum richtigen

Zeitpunkt zur Verfügung zu haben, ist für Unternehmen Herausforderung und

ökonomische Notwendigkeit zugleich. Für Organisationen wird es im „War for Talents“

immer schwieriger, die „geeigneten“ Leute zu finden (Kastner, 2010d, S. 7).

Ist es gelungen, für die jeweilige Aufgabe, qualifizierte Personen in das Unternehmen zu

integrieren, ist es für die Organisation wichtig, diese Menschen mit ihrer gesamten zur

Verfügung stehenden Leistungsfähigkeit einzusetzen sowie diese in der Organisation

dauerhaft zur Verfügung zu haben. Für Organisationen sind gesunde, motivierte und

leistungsfähige Mitarbeiter genauso wichtig (B. Badura, 2011, S. V) wie die Bindung

dieser Mitarbeiter an die Organisation. Sie werden so zu einem Erfolgsfaktor für die

Unternehmen (Kastner, 1994). Dabei spielen finanzielle Aspekte wie die Senkung der

Krankheitstage aber auch das volle zur Verfügung stehende Leistungsniveau des

Mitarbeiters bei Anwesenheit eine Rolle (B. Badura & Hehlmann, 2003, S. 4; Kuhn, 2001,

S. 20). Darüber hinaus soll der Arbeitnehmer über eine immer längere Lebensarbeitszeit

gesund und damit leistungsfähig sowie motiviert sein (Kastner, 2010d, S. 7).

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

_________________________________________________________________________

18

Dabei gibt es „zwei Seiten“ der Auswirkungen von Arbeit auf die Menschen. Die

Gesundheitskomponenten von Arbeit, wie Sinnhaftigkeit, soziale Unterstützung und

Anerkennung, dienen auch der Entwicklung von Leistung und Motivation (Kastner 2013,

S. 531). Neben diesen positiven Auswirkungen gibt es eine Vielfalt von Risiken durch

Erwerbstätigkeit. Diese Risiken können sich in Beanspruchungen mit der Folge von

gesundheitlichen Einschränkungen der Mitarbeiter und mit ökonomischen Auswirkungen

in Organisationen widerspiegeln. Durch den Wandel von Arbeit werden diese Mitarbeiter

neuen und steigenden Anforderungen und Belastungen ausgesetzt, was sich wiederum auf

deren Leistung und Gesundheit auswirkt.

Die

Fragestellung

in

dieser

Arbeit

wie

soziale

Ressourcen,

Gesundheit,

Arbeitszufriedenheit und Leistung zusammenhängen kann unter diesen Aspekten für

Organisationen Möglichkeiten aufzeigen, um Gesundheit sowie Leistungsfähigkeit, zu

erhalten und zu fördern.

Auslöser für den Wandel in der Arbeitswelt mit neuen Arbeitsformen und daraus

resultierenden

Anforderungen

sind

eine

Reihe

von

Veränderungen

der

Rahmenbedingungen für Organisationen. Nachfolgend werden die für diese Arbeit

wichtigen Veränderungen skizziert.

Die heutige Arbeitswelt ist durch eine größer werdende Dynamik und zugleich eine

steigende Komplexität der zu bewältigen Aufgaben gekennzeichnet. Kastner prägte dazu

den Begriff der Dynaxität (Kastner, 1998, S. 16ff.; Kastner, et al., 2001, S. 36). Dynaxität

beinhaltet eine steigende Dynamik mit einer gleichzeitig größer werdenden Komplexität.

Sie ist durch ständige und immer schneller werdende Veränderungen, wie ökonomische

Rahmenbedingungen durch sich ständig ändernde Konkurrenzen, bedingt. Diese

Veränderungen entstehen durch Shareholder Value sowie Faktoren des technischen

Fortschritts mit neuen Informationstechnologien (Iserloh & Otte, 2011, S. 218). Dabei

spielen Raum und Zeit eine untergeordnete Rolle. Um zu „überleben“ müssen sich

Unternehmen nahezu permanent diesen Rahmenbedingungen anpassen. Globalisierte und

sich ständig ändernde Märkte verlangen mit Ausrichtung auf ökonomische Faktoren eine

erhöhte Flexibilität. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, wie Email,

Inter- und Intranet, mit der Möglichkeit, sich von jedem Ort in ein Unternehmensnetzwerk

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

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19

einzuwählen, machen die Balance zwischen Arbeit und Freizeit schwierig. Eine strikte

Trennung gibt es nicht mehr, eine Entgrenzung von Arbeit und Freizeit ist die Folge

(Gerlmaier, 2009, S. 13ff.; Kastner, 2010c, S. 286; Voswinkel, 2009, S. 57f.). Emails

können nach Feierabend abgerufen und bearbeitet werden. Gearbeitet werden kann

unabhängig von Raum und Zeit und meistens individuell (B. Badura & Hehlmann, 2003,

S. 59; Kastner, 2004, S. 13f.). Eine telefonische Erreichbarkeit rund um die Uhr ist in

manchen Unternehmungen keine Ausnahme mehr. Eine durchgehende Erholungsphase,

Abschalten von der Arbeit und Konzentration auf freie Zeit für private Aufgaben und

Interessen ist nur noch schwer möglich. Vielmehr verschwimmen die Grenzen von Arbeit

und Freizeit (Kastner, 2004, S. 13f.; TK-Gesundheitsreport, 2012, S. 7ff.; Wieland, 2001,

S. 34). Für den Dienstleistungssektor ergeben sich daraus eine Verdichtung und

Flexibilisierung der Arbeitsprozesse sowie die Übertragung von unternehmerischer

Verantwortung auf eine breitere Mitarbeiterschicht. In der Folge kommt es zu

Veränderungen in den Arbeitsstrukturen. Dies wird deutlich in vermehrten Outsourcing-

Maßnahmen und Entlassungen.

In der nachfolgenden Abbildung wird gezeigt, dass dezentrale Arbeitsplätze mit einer

hohen Flexibilität und gleichzeitiger Entgrenzung von Arbeit und Freizeit neue Arbeits-

und Organisationsformen und damit ebenfalls neue Lebensformen erfordern.

Abbildung 2: Neue Arbeits-, Organisations- und Lebensformen (Kastner 2010a, S. 98)

Arbeite wo, wann, wie Du

willst, bzw. wie Du musst!

Entgrenzt

Work Life Balance

Lebensbereiche abgegrenzt

Dezentral

Zentral

+

-

-

-

+

+

Neue Arbeits- und Organisationsformen

A‘

B‘

D‘

A

C

D

B

Dezentralität

Stabilität Flexibel

Stabil

Hinsichtlich: Ort, Zeit, Tätigkeit, Organisationsform, Person

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

_________________________________________________________________________

20

Für die Mitarbeiter haben diese neuen Arbeits-, Organisations- und Lebensformen

weitgehende Konsequenzen. Nicht nur sollen sie sich zur Begegnung der globalen

Konkurrenz immer weiter möglichst selbstverantwortlich qualifizieren. Darüberhinaus

sollen sie flexibel in ihrer Arbeitszeit, ihrem Arbeitsort und ihrer Arbeitstätigkeit sein, um

komplexere und qualitativ hochwertige Aufgaben übernehmen zu können (Fröschle-Mess,

2005, S. XI; Kastner, 2004, S. 12; 2010c, S. 289; Kuhn, 2001, S. 10; Oppolzer, 2010, S. 8;

Seiler, 2009, S. 30f.). Zudem müssen sie sich mit neu entwickelnden Arbeitsmodellen

auseinandersetzen.

Dazu

gehört

die

Tendenz,

dass

die

unbeschränkte

Vollzeitbeschäftigung als „Normalarbeitsverhältnis“ verdrängt wird. An ihre Stelle tritt die

Teilzeitbeschäftigung mit geringem Einkommen, das befristete Arbeitsverhältnis und die

Arbeit als freier Mitarbeiter (Kastner, 2004, S. 12; Kuhn, 2001, S. 14; Sverke, et al., 2006,

S. 60).

Den oben skizierten Wandel in der Arbeitswelt mit Auswirkungen auf die Tätigkeiten fasst

Otte (2011) in vier Hypothesen zusammen (vgl. dazu auch Lohmann-Haislah, 2012, S. 11):

• Akzeleration – Arbeitsverdichtung und Arbeitsintensivierung durch Zeitdruck und

steigendem Arbeitsvolumen mit steigenden Lernanforderungen sowie Erhöhung

der Komplexität der Aufgaben

• Subjektivierung – die Entwicklung neuer Steuerungsformen; Normalarbeitsverhält-

nisse werden weniger dabei steigen, befristete und Teilzeit Arbeitsverhältnisse

sowie die Eigenverantwortung für den Ablauf und den Erfolg von Arbeitsprozessen

nimmt zu

• Tetiarisierung

Arbeit

wandelt

sich

immer

mehr

in

Richtung

des

Dienstleistungssektors mit der Zunahme von geistigen und interaktiven Fähigkeiten

• Informatisierung – die Durchdringung der Arbeit mit modernen Kommunikations-

techniken mit der Entgrenzung von Arbeit und Freizeit mit weniger sozialer

Unterstützung von Kollegen und durch Mobilität ein kleiner werdendes soziales

Netz

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

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21

Für die Organisationen bedeutet dies: Um im Konkurrenzkampf bestehen zu können und

diese neuen Arbeitsformen und -modelle in Organisationen umsetzen zu können, sind die

Qualifikationen und Fähigkeiten der Mitarbeiter ein entschiedener Faktor (Badura,

Hehlmann 2003, S. 2) geworden. Damit diese Mitarbeiter an das Unternehmen gebunden

sind sowie gesund und leistungsfähig bleiben, rücken Gesundheit, Arbeitszufriedenheit

und Leistungsfähigkeit und die damit verbundene Wertschöpfung als zentrale Themen von

Organisationen in den Fokus. Sie werden zu einem Wettbewerbsvorteil und einer

Wachstumsreserve (Kastner, 2004, S. 2; Kuhn, 2001, S. 21; Oppolzer, 2005, S. 62ff.).

Auf der Ebene der Mitarbeiter führen die Anforderungen aus neuen Arbeits- und

Organisations- und Lebensformen zu einer erhöhten Beanspruchung. Die Folge davon ist

die Zunahme von psychisch belasteten Arbeitsplätzen (Orthmann, Otte 2011, S. 23) mit

Wirkung auf die psychische und physische Gesundheit von Menschen (Haubl & Voss,

2011, S. 7; Walter, et al., 2006, S. 13ff.; Wieland, 2001, S. 39ff.). Gleichzeitig verlieren die

sozialen Strukturen in einer fluiden Organisation ihre Funktion der sozialen Sicherheit

(Kastner, et al., 2001, S. 37f.). Die wichtige Ressource der sozialen Unterstützung durch

Kollegen kann ihre Wirkung zur Stressreduktion nur im geringen Umfang entfalten

(Kastner, 2004, S. 14)

So steigen seit dem Jahr 2000 die psychischen Belastungen kontinuierlich an (Bär &

Tophoven, 2010, S. 38; TK-Gesundheitsreport, 2012, S. 7ff.) Im Jahr 2011 ist laut TK-

Gesundheitsreport die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage im Vergleich zum Vorjahr um gut

vier Prozent gestiegen. Dabei entstehen Gesundheitsbeeinträchtigungen immer mehr durch

psychomentale Belastungsfolgen und weniger durch körperliche (Orthmann & Otte, 2011,

S. 21). Kastner (2010a, S. 96f.) führt zu den Folgen aus, dass laut einer Forsa Studie sich

63% der Arbeitnehmer um mindestens ein Viertel in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt

fühlen mit der Folge der Minderung der Produktivität um 15%. Die Hauptgründe wurden

mit arbeitsbezogenen Faktoren wie mangelnde Wertschätzung, innerbetriebliche

Veränderungen und fehlende Leistungsmöglichkeiten beschrieben. Die in Kastner (2010a,

S. 97) angeführte Metastudie von Fissler & Knospe (2009, S. 49) zeigt auf, dass durch

Absentismus (35%) und Präsentismus (65%) 10% bis 15% der Gesamtproduktivität

verloren gehen.

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

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22

Aus den Ausführungen zum Wandel von Arbeit und das Zusammenspiel mit der

Gesundheit der Mitarbeiter wird deutlich: Um wettbewerbsfähig zu bleiben und

ökonomische Konsequenzen, aus krankheitsbedingter Verminderung der Produktivität

nicht entstehen zu lassen, ist es für Unternehmen wichtig, Mitarbeiter gesund zu erhalten

(Lück et al. 2009, S. 80; Oppolzer 2005, S. 62ff.; Walter et al. 2002, S. 532).

Ein wichtiger Baustein zur Gesundheitsförderung in Organisationen ist das Betriebliche

Gesundheitsmanagement (BGM). BGM steht dabei im Spannungsfeld der humanitären

Fragen nach einer Verbesserung der Arbeits- und Lebensqualität und der Wertschöpfung in

Organisationen (Badura, Hehlmann 2003, S. 3f.; Kastner 2010a, S. 96).

Alleine die Senkung von Krankheitstagen birgt ein enormes Potenzial zur Kostenreduktion

(Walter et al. 2002, S. 534). Im Jahr 2005 wurden ca. 70 % des Sozialprodukts durch die

menschliche Arbeitskraft erwirtschaftet. Die durchschnittliche Anzahl der Krankentage lag

bei 12,2, die Kosten des dadurch entstandenen Produktionsausfalls summierten sich somit

auf ca. 38 Mrd. Euro. Hier wird die ökonomische Relevanz schnell ersichtlich (Schraub, et

al., 2009, S. 101). Andere Faktoren wie Arbeitszufriedenheit, Motivation und

Leistungsbereitschaft und deren Auswirkung auf die Produktivität können nicht eindeutig

berechnet werden. Weitere Ziele aus Sicht der Unternehmen sind die Verringerung der

Fluktuation, die Steigerung von Produkt- und Dienstleistungsqualität und die Verbesserung

des Images. Hinzu kommt die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen, die

Steigerung der effizienten Prozesse und die Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern

(Kerkau 1997, S. 68f.).

Kritsch angemerkt sei an dieser Stelle, dass die ökonomische Perspektive, ein

grundsätzliches Ziel ist, jedoch nicht das alleinige. Es geht ebenfalls um das vielleicht

wichtigste Ziel: Die Gesundheit jedes einzelnen sowie die Gesundheit der Organisation.

Denn

menschengerechte

Formen

der

Arbeitsplatzgestaltung

enthalten

gesundheitsförderliche Potenziale (Becke, 2007, S. 9). Hier stellt sich die Frage: „Kann

man beides getrennt betrachten oder bedingt nicht das eine das andere?“ Die logische

Konsequenz aus letzterem wäre, eine wesentliche Übereinstimmung der Ziele von

Individuen und Organisationen anzustreben (Kastner 1990, S. 42).

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

_________________________________________________________________________

23

Wenn Gesundheit und damit BGM in Organisationen ein wichtiges Thema ist, dann ist es

von Interesse, wie sich diese in diesem Kontext von Arbeit entwickelt haben, welche

Grundlagen der Gesundheitsförderung es in Unternehmen gibt und wie diese konkret

umgesetzt wird. Das nachfolgende Kapitel soll Antworten dazu geben. Welche Rolle und

welche Möglichkeiten dazu die sozialen Ressourcen bilden, wird an späterer Stelle

erläutert (vgl. Kapitel 3).

2.2 Grundlagen Betriebliches Gesundheitsmanagement

Seit der Ottawa Charta der WHO 1986, der ersten internationalen Konferenz zur

Gesundheitsförderung (WHO), rückte die betriebliche Gesundheit in den Industrieländern

stärker in den Focus der Unternehmenskultur (Fröschle-Mess, 2005, S. XII; Rosenbrock,

1998, S. 17; Walter, et al., 2002, S. 532). Die Charta war eine erste Antwort auf die sich

verändernden Anforderungen der Arbeitswelt in den Industrieländern (Rieländer, 1999, S.

6).Die Resolution rief zum aktiven Handeln für das Ziel „Gesundheit für alle bis zum Jahr

2000“ (WHO) auf, wobei das Jahr 2000 nur ein erstes angestrebtes Etappenziel bedeutete.

Darin enthalten ist das Ziel der Schaffung gesünderer Arbeitsbedingungen, Förderung des

Wohlbefindens und die Einschränkung von arbeitsbedingten Krankheiten und

Verletzungen (Ulich, Wülser 2010, S. 3). Gesundheit wird hier nicht mehr als ein zu

erreichendes Lebensziel definiert, sondern als eine Alltagsfähigkeit, die Menschen

erlangen können, um ihr körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu verbessern

(Bengel et al. 2001, S. 19).

Die große Neuerung lag in der Auffassung, dass Gesundheit kein Status, sondern ein

Prozess ist, der sowohl soziale und individuelle Ressourcen wie auch körperliche

Fähigkeiten umfasst (Fröschle-Mess 2005, S. 39f). Eine weitere richtungsweisende

Neuerung ist die größere Selbstbestimmung der Menschen über ihre Gesundheit (Badura,

Hehlmann

2003,

S.

13).

Darüber

hinaus

wurde

die

Verantwortung

für

Gesundheitsförderung nicht nur dem Gesundheitssektor, sondern ebenfalls allen

Politikbereichen zugeordnet (Rosenbrock 1998, S. 3ff.). Zur Unterstützung dieser Ziele

soll die Entwicklung gesünderer Lebensweisen bis hin zu einem umfassenden

Wohlbefinden gefördert werden. Zu beachten ist in diesem Kontext, dass besonders in den

Industrieländern veränderte Arbeitsbedingungen einen entscheidenden Einfluss auf die

Gesundheit haben (Dragano & Siegrist, 2006, S. 167f.; Kuhn, 2001, S. 18f.). In der

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

_________________________________________________________________________

24

deutschen Übersetzung1 der Ottawa Charta ist zu lesen: „Die Art und Weise, wie eine

Gesellschaft die Arbeit, die Arbeitsbedingungen und die Freizeit organisiert, sollte eine

Quelle der Gesundheit und nicht der Krankheit sein. Gesundheitsförderung schafft sichere,

anregende, befriedigende und angenehme Arbeits- und Lebensbedingungen.“ Die WHO

integrierte somit die Beziehung zwischen der Qualität des Arbeitslebens und der damit

verbundenen allgemeinen Lebensqualität in ihre Konzeption der Gesundheit (Ulich,

Wülser 2010, S. 3).

In der Ottawa Charta wird der Prozess der Selbstbestimmung über die Lebensumstände

und der Umwelt betont und die Möglichkeit der Einflussnahme auf diese Faktoren. Damit

nimmt

die

„Verhaltensprävention“

mit

der

Beeinflussung

des

persönlichen

Gesundheitsverhaltens eine wichtige Rolle ein. Die strukturellen Veränderungen der

Umweltbedingungen mit Maßnahmen zur Gesundheitsförderung haben jedoch Vorrang

(Udris, et al., 1991, S. 2). Das positive Gesundheitskonzept der Ottawa Charta reicht weit

über den pathogenen geprägten Präventionsansatz hinaus (Becke 2007, S. 8). Im Kontext

von Arbeit bestehen die Gemeinsamkeiten zum Konzept von A. Antonovsky in der

salutogenen und präventiven Fragestellung „Was hält gesund?“, in der Entwicklung und

Förderung von Ressourcen, die zur Gesundheit befähigen sowie in der Betrachtung

mehrerer Systemebenen (Fröschle-Mess 2005, S. 41; Rosenbrock 1998, S. 4). So kann als

leitende Frage zur Umsetzung eines Gesundheitsmanagements formuliert werden: Was hält

Menschen gesund? (Fröschle-Mess 2005, S. 37 f.). Die Stärkung von protektiven Faktoren

wie die des Kohärenzgefühls wird zum zentralen Anliegen der Gesundheitsförderung

(Bengel et al. 2001, S. 71; Walter et al. 2002, S. 532). Neben den personalen Ressourcen

fokussiert die salutogenetische Perspektive auf aufgabenbezogene und organisatorische

Ressourcen durch z. B. Handlungsspielräume sowie Formen der sozialen Unterstützung

durch Kollegen als soziale Ressource (Becke 2007, S. 8). Diese ressourcenorientierte

Betrachtungsweise von personalen, situativen und organisationalen Ressourcen liegt auch

dieser Arbeit zugrunde. Sie soll so einen Beitrag im organisationalen Kontext zu der Frage

„Was hält gesund?“ leisten.

1WHO-autorisierte Übersetzung: Hildebrandt/Kickbusch auf der Basis von Entwürfen aus der DDR und von

Badura sowie Milz.

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

_________________________________________________________________________

25

Der Aufruf der WHO zum aktiven Handeln zeigte sich in den letzten 26 Jahren auch in der

Entwicklung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Beteiligt daran waren einige

Krankenkassen (z. B. AOK, BKK) und Berufsgenossenschaften (z. B. BGW) (Oppolzer

2005,

S.

62f;

Rosenbrock

1998,

S.

16f).

Dabei

hat

sich

Betriebliches

Gesundheitsmanagement aus den Erweiterungen der rechtlichen Verpflichtungen der

Unternehmen, wie etwa des Arbeitsschutzgesetzes (ArbG), entwickelt (Oppolzer 2005, S.

62). Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung schließen sich demnach nicht aus, sie sind

gemeinsam Bestandteile des Betrieblichen Gesundheitsmanagement in Unternehmen

(Ulich, Wülser 2010, S. 10). BGM schafft die betrieblichen Rahmenbedingungen, die

betrieblichen Strukturen und notwendigen Prozesse zur gesundheitsförderlichen Gestaltung

von Arbeit sowie die Förderung von gesundheitsförderlichem Verhalten der Arbeitnehmer

(Fröschle-Mess 2005, S. 66; Walter et al. 2002, S. 534).

Die Gesundheitsförderung in Unternehmen hat also durch die Schaffung von geeigneten

Bedingungen für die Person, die Situation am Arbeitsplatz und in den organisationalen

Rahmenbedingungen die Erhaltung und Förderung der Gesundheit ihrer Mitglieder zum

Ziel. Zur Erreichung dieses Ziel ist eine Definition, was mit Gesundheit der Menschen

gemeint ist, die Grundlage.

2.2.1 Gesundheit und Wohlbefinden

Der Mitarbeiter mit seiner Gesundheit und seinem Wohlbefinden steht im Mittelpunkt des

Betrieblichen Gesundheitsmanagements (Ulich, Wülser 2010, S. 25). Gesundheit ist nach

neuerer Auffassung im Zusammenhang mit dem salutogenen Konzept kein statischer

Zustand. Vielmehr wird Gesundheit in einem dynamischen Entwicklungsprozess immer

wieder vom Organismus eines Individuums hergestellt (Udris 2006, S. 6). Wie Gesundheit

sich konkret für einen Menschen ausgestaltet und wie diese von ihm erlebt wird, ist jedoch

nicht trivial. Zur Gesundheit gibt es zahlreiche Definitionen. Die für die

Organisationspsychologie wohl bedeutsamste Definition ist die der WHO von 1946:

„Gesundheit wird definiert als ein Zustand des vollkommenen körperlichen, sozialen und

geistigen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheiten und Gebrechen“

(Definition: 1946) (…).

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

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26

Damit wurde ein ganzheitlicher und positiv besetzter Gesundheitsbegriff entwickelt. Nach

Ducki (2000) wird dieser am häufigsten zitiert und zugleich kritisiert. Waller (2002)

bezeichnet diese Definition als utopisch und statisch in ihrem Charakter aufgrund der

Formulierungen „vollkommenes Wohlbefinden“ und „Zustand“. Zudem steht die

subjektive Empfindung des einzelnen Menschen im Vordergrund, denn Wohlbefinden

kann nur aus der Perspektive des Individuums definiert werden. Zum einem wird das

Fehlen von körperlichen Beschwerden bzw. die Abwesenheit von Krankheit betrachtet,

zum anderen finden Vorstellungen wie Fitness, Leistungsfähigkeit und Gesundheit als

Reserve Eingang in das Gesundheitsempfinden. Aus der psychischen Sicht sind Faktoren

wie Wohlbefinden, Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und auch Genussfähigkeit für das

Gesundheitsempfinden wichtig (Waller 2002).

Mit der neueren Definition der WHO aus der Ottawa Charta von 1986, wird diese

Definition um die aktive Rolle zur Gestaltung von Gesundheit und um den prozesshaften

Charakter erweitert. Gleichzeitig findet eine Betonung auf die Beziehung zwischen der

Qualität des Arbeitslebens und der individuellen Lebensqualität statt. Arbeit ist nunmehr

eine potenzielle Quelle von Gesundheit; sie ermöglicht den Alltag zu strukturieren, soziale

Erfahrungen außerhalb des Familienlebens zu sammeln sowie arbeitsbezogene Ziele zu

realisieren (Becke 2007, S. 8f.). Über Erwerbstätigkeit und Arbeit werden ein

regelmäßiges Einkommen gesichert, der soziale Status bestimmt und Bedürfnisse nach

Wertschätzung sowie Selbstverwirklichung erfüllt (Antonovsky, Franke 1997, S. 112f.).

In der Definition der WHO wird der Begriff des Wohlbefindens als wichtiger Aspekt und

abhängiger Gesundheitsparameter genannt. Zusätzlich ist Wohlbefinden ein Zielkriterium

und Ansatzpunkt zur Gesundheitsförderung (Bongartz, 2000, S. 13). Auch aus der

psychischen Sicht sind Faktoren wie Wohlbefinden, Zufriedenheit, Ausgeglichenheit sowie

Genussfähigkeit für das Gesundheitsempfinden wichtig (Waller 2002, S. 12). Udris (Udris

2006, S. 6) argumentiert, dass ein absolutes Wohlbefinden kaum zu erreichen sei, vielmehr

hebt er die Handlungsfähigkeit mit der Fähigkeit zur Setzung und zur Verfolgung von

Zielen sowie Nutzung von eigenen Kompetenzen zur Bewältigung von Anforderungen und

Belastungen hervor (vgl. auch Greiner, 1998, S. 46ff.). Den Definitionen zur Gesundheit

und Wohlbefinden ist gemein, dass Wahrnehmungsprozesse und Bewältigungsstrategien

mit einbezogen werden und Austauschprozesse zwischen Individuum und Umwelt

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

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27

mitverantwortlich für die Erhaltung des Gleichgewichtszustands des Organismus sind

(Udris et al. 1991, S. 4).

Zusammenfassend gibt es drei Dimensionen unter denen Gesundheit definiert und

betrachtet werden kann: Eine physische, psychische und soziale; eine, die das Befinden

und Handeln betrachtet sowie das Kontinuum von Gesundheit und Krankheit (Udris et al.

1991, S. 8). Neben der Betrachtung von körperlichen und medizinisch diagnostizierbaren

Faktoren werden subjektive Komponenten wie z. B. individuelle Lebensbedingungen

hinzugenommen. So wird Gesundheit in mehreren Dimensionen betrachtet und zusätzlich

werden

subjektive

Faktoren

mit

einbezogen.

Es

entsteht

eine

subjektive

Gesundheitseinschätzung (Greiner 1998, S. 44).

Abbildung 3: Gesundheit im Kontinuum zwischen physischen, psychischen und sozialen Kräften

(eigene Darstellung)

Nach diesem Modell können die einzelnen Dimensionen unterschiedlich ausgeprägt sein.

So ist es möglich, dass die physische Gesundheit eingeschränkt ist, jedoch durch eine

positive Beurteilung der psychischen und sozialen Gesundheit insgesamt der

Gesundheitszustand als positiv erlebt wird. Zudem ist Gesundheit als ein dynamischer

Prozess dargestellt mit sich stetig ändernden Zuständen in den drei Dimensionen. So ist

Gesundheit ein individueller dynamischer Prozess. Subjektiv erlebtes Wohlbefinden und

Lebenszufriedenheit

werden

von

vielen

Menschen

als

eine

wesentliche

Entscheidungsgrundlage zur Einschätzung ihrer Gesundheit herangezogen (Becker 1991;

physisch

psychisch

sozial

Gesundheit

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

_________________________________________________________________________

28

Faltermaier 2005, S. 150). Die Bewertung der eigenen Gesundheit enthält also subjektive

Beurteilungen und ist zumindest in Teilen eine subjektive Konstruktion. Zugleich gestaltet

der Mensch seine Gesundheit mit dem ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen, also

auch durch soziale Ressourcen und Möglichkeiten. Sie werden durch erlebtes

Wohlbefinden aktiviert und weiterentwickelt (Bongartz, 2000, S. 16). Kann nun etwas so

Subjektives wie das eigene Wohlbefinden allgemeingültig definiert werden?

Beschreibungen

zum

Wohlbefinden

finden

sich

in

zahlreichen

Quellen

in

unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. So sind die Ansätze zur eindeutigen

Definition sowie die Bildung von Kategorien und Faktoren dementsprechend vielfältig.

Der Psychologe (Mayring, 1991, S. 51) beklagt die vielfältigen Definitionen der Variablen

von subjektivem Wohlbefinden und unterscheidet nach empirischen Studien zur

Faktorenstruktur des subjektiven Wohlbefindens vier Faktoren. Er führt Faktoren des

negativen Befindens (Freiheit von subjektiver Belastung), des positiven Befindens

kurzfristig (Freude) und langfristig (Glück) sowie kognitive (Zufriedenheit) auf. Dabei hält

Mayring es für wichtig, zwischen einer „state“-Komponente, die das aktuelle Erleben und

einer

„traite“-Komponente,

welche

das

langfristige

Erleben

widerspiegelt,

zu

unterscheiden (Mayring 1991, S. 52). Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht diesen

Ansatz.

Abbildung 4: Vier-Faktoren-Ansatz des Subjektiven Wohlbefindens (Mayring 1991, S. 53)

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

_________________________________________________________________________

29

In ähnlicher Weise argumentiert Zapf, der Lebensfreude aus einer Kombination von

subjektivem Wohlbefinden und objektiv positiven Lebensbedingungen beschreibt.

Lebensfreude

betrifft

dabei

die

Einschätzungen

über

das

Leben

mit

den

Lebensbedingungen wie Zufriedenheit, Glück, Einsamkeit, Erwartungen, Kompetenzen

und Unsicherheiten, Konflikten und Prioritäten (W. Zapf & Glatzer, 1984 zitiert nach

Kastner, 2004, S.23). Im Gegensatz hierzu legten Costa, McCrae und Zonderman (1987, S.

302ff.) in einer Untersuchung dar, dass Persönlichkeitsmerkmale einen größeren Einfluss

auf das Wohlbefinden haben als Ereignisse. Becker (1982, S. 261) hat einen ähnlichen

Gedanken bereits 1982 formuliert; er sieht psychische Gesundheit im Zusammenspiel von

subjektivem Wohlbefinden und individuellen Kompetenzen begründet.

Aus den unterschiedlichen Ansätzen lässt sich ableiten: Subjektives Wohlbefinden und

damit individuelles Gesundheitsempfinden wird durch individuelle Faktoren wie

Kompetenzen aber auch Ressourcen, die in der eigenen Person und der Umwelt vorhanden

sind, beeinflusst. Welchen Einfluss das Wohlbefinden auf die Gesundheit von Mitarbeitern

hat, wird im nachfolgenden Kapitel dargestellt.

2.2.2 Gesundheit und Wohlbefinden in Organisationen

Im Rahmen von Gesundheit in Organisationen ist das subjektive Wohlbefinden ein

wichtiger Faktor. Einen Ansatz für das affektive Wohlbefinden im Arbeitskontext bietet

(Warr, 1999, S. 393ff.). Er unterscheidet anhand von Wohlbefindensindikatoren (Freude

und

Aktivierung)

mit

den

drei

Unterdimensionen

(enthusiastisch/deprimiert,

zufrieden/angespannt, erfreut/nicht erfreut). Zugleich wird die Arbeitszufriedenheit erfasst

(Ulich, Wülser 2010, S. 33). Je nach Alter tragen unterschiedliche Ziele zum subjektiven

Wohlbefinden bei. Bei jüngeren Erwachsenen sind es Leistung und beruflicher Erfolg, bei

älteren Menschen Gesundheit und die Fähigkeit, Veränderungen zu akzeptieren (Ryff,

1989, S. 1075ff.zitiert nach Kastner 2004, S.24).

Unabhängig vom Alter ist für die Empfindung eines lang anhaltenden Wohlbefindens eine

Übereinstimmung zwischen der Person und ihrer Umwelt nötig. Für das Zusammenspiel

von Person und Umwelt im Arbeitsbereich wurde von French, Rodgers und Cobb (French,

et al., 1974, S. 316ff.) ein Ansatz entwickelt. Für ein dauerhaftes Wohlbefinden müssen die

Anforderungen am Arbeitsplatz mit den Fähigkeiten und den Bedürfnissen des

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

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30

Mitarbeiters so gut wie möglich übereinstimmen (Becker 1991, S. 29). Die Passung der

individuellen Lebenssituation und die vorherrschenden Rahmenbedingungen am

Arbeitsplatz beeinflussen, wie stark das Wohlbefinden am Arbeitsplatz ausgeprägt ist. Hat

ein Unternehmen eine eigene Kindertagesstätte, in dem Kinder während der Arbeitszeit gut

betreut werden, ist dies für Eltern höchst wahrscheinlich eine Entlastung, die zum

Wohlbefinden am Arbeitsplatz beiträgt. Für Mitarbeiter ohne Kinder trägt ein fester Platz

in der Kindertagesstätte nicht zu einem erhöhten Wohlbefinden bei; hier können andere

Dinge, wie zum Beispiel ein firmeneigenes Sportstudio, zum Wohlbefinden beitragen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Begriff des subjektiven Wohlbefindens

vielschichtig ist (vgl. auch Kastner, 2004, S. 25). Zudem hat Wohlbefinden einen

entscheidenden Einfluss auf das individuelle Gesundheitsempfinden. Es ist abhängig von

der Lebenssituation, in der sich der Mensch befindet, von Persönlichkeitsmerkmalen, von

Zielvorstellungen und nicht zuletzt vom Alter. Wie sich subjektives Wohlbefinden steigern

lässt, kann nur individuell beantwortet werden. Jedoch kann davon ausgegangen werden,

dass für das Entstehen von Wohlbefinden positive Erfahrungen immer ein Ausgangspunkt

sind.

Für

den

Arbeitskontext

sind

solche

Erfahrungen

sinnvolle

Arbeit,

Handlungsspielraum, soziale Unterstützung, Wertschätzung und Anerkennung von Mensch

und Arbeit (Kastner, 2010a, S. 93f.). Wenn nun für die individuelle Beurteilung von

Gesundheit das subjektiv empfundene Wohlbefinden ein entscheidender Faktor ist (Diener

& Fujita, 1997, S. 329), liegt es für Organisationen durchaus im Interesse, Maßnahmen,

wie zum Beispiel soziale Ressourcen, zur Steigerung des Wohlbefindens seiner Mitarbeiter

am Arbeitsplatz ein- und umzusetzen.

Was für das psychische Wohlbefinden gilt, gilt ebenso für das physische Wohlbefinden.

Das physische Wohlbefinden wird ebenso als ein subjektiver Zustand verstanden. Laut

Frank (1991, S. 72) ist das körperliche Wohlbefinden nicht mit physischer Gesundheit oder

Fitness gleichzusetzen. Es beruht dagegen auf dem Verhältnis des Individuums zu seinem

Körper, dessen Zustand als positiv wahrgenommen wird. Hier geht es alleine um die

individuelle Wahrnehmung. So ist es möglich, dass trotz einer physischen

Beeinträchtigung das körperliche Wohlbefinden ebenso wie beim psychischen

Wohlbefinden durchaus als positiv beschrieben wird. .

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

_________________________________________________________________________

31

Aufgrund der obigen Ausführungen könnte die Idee entstehen, allein subjektive

Bestandteile sind ausschlaggebend für Gesundheit. Solange Gesundheit und Wohlbefinden

ausreichend vorhanden sind und gefördert werden, ist der Mensch gesund. Dabei gilt es

zugleich, die objektiven und messbaren Bestandteile von Gesundheit nicht zu

vernachlässigen. Vielmehr sind beide, objektive und subjektive Faktoren, zusammen

wichtig für Gesundheit; wobei eine positive Einschätzung von individueller Gesundheit

durch die Stärkung von sozialen Ressourcen wiederum objektive Parameter günstig

beeinflussen können. Objektiv betrachtet ist ein zu hoher Blutdruck gesundheitsschädlich,

auch wenn sich der Mensch subjektiv gut fühlt. Jedoch hat dieser Mensch die Möglichkeit

mit seinen Handlungen und Ressourcen seine Gesundheit günstig zu beeinflussen. So kann

sein Wissen über die Schädlichkeit von hohem Blutdruck durch Bewegung, Änderung von

Lebens- und Arbeitsbedingungen oder auch Einnahme von Medikamenten eine

Verbesserung herbeiführen.

Im Rahmen dieser Arbeit werden Menschen in Organisationen und deren subjektiv

empfundener Gesundheitszustand im Sinne von ganzheitlich empfundener Gesundheit

betrachtet. Das Forschungsinteresse konzentriert sich auf gesundheitsförderliche

Bedingungen durch soziale Ressourcen, die das Potenzial haben, die subjektive

Befindlichkeit von Menschen positiv zu beeinflussen. Wie oben beschrieben, ist

Gesundheit sowie Arbeitszufriedenheit und damit Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter in

sich ändernden dynaxischen Arbeitsbedingungen eine Voraussetzung zur Wertschöpfung.

Durch diese stetigen Veränderungen ändern sich ebenfalls die Anforderungen an das

Betriebliche Gesundheitsmanagement.

2.3 Wandel der Arbeit und Betriebliches Gesundheitsmanagement

Welche Anforderungen gibt es an ein Betriebliches Gesundheitsmanagement und wie

kann ein solches Instrument zu gesundheitsförderlichen Zwecken in Organisationen

eingesetzt werden? Durch Globalisierung und Wettbewerbsdruck (vgl. Kapitel 2.1)

verändern sich Organisations- und Arbeitsbedingungen. Es entstehen neue Belastungen

und Beanspruchungen mit Auswirkungen auf die Gesundheit von Arbeitnehmern. Mit

diesen Auswirkungen ändern sich entsprechend die Anforderungen an ein Betriebliches

Gesundheitsmanagement (Ahlers, 2009, S. 36ff.; Köper, 2004, S. 387f.; Kuhn, 2001, S.

19ff.).

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

_________________________________________________________________________

32

Diese neuen Anforderungen, so werden in Deutschland Arbeitsverdichtung, Arbeitstempo

und der Termindruck als besonders belastend empfunden (Oppolzer 2010, S. 77), führen

zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Bei den Ausfallzeiten nehmen psychosoziale

Erkrankungen stetig zu. Gerade im Dienstleistungssektor steigen die psychischen

Erkrankungen. Dabei gibt es Zusammenhänge zwischen Stressoren in der Arbeitswelt und

Gesundheitsindikatoren wie psychosomatische Belastungen (Dragano, Siegrist 2006, S.

169; Levi 2002, S. 11) bis zu Depressionen unter besonderer Berücksichtigung von

Burnout. Psychosoziale Erkrankungen wie Stress und Ermüdung bis zu Depressionen

zeigen ihre Auswirkung im Gesundheitsempfinden und in der Leistungsfähigkeit der

Mitarbeiter (Gerlmaier & Kastner, 2001, S. 89ff.; Hinding, et al., 2010, S. 186; Kuhn,

2001, S. 19).

Ebenso weist Siegrist (1996a) darauf hin, dass neue Arbeits- und Organisationsformen mit

neuen Belastungs- und Beanspruchungsfolgen sich auf Krankheitsbilder der Beschäftigten

und deren Bewältigung auswirken. Die größte Gruppe der Krankheitsdiagnosen sind

Muskel- und Skeletterkrankungen (TK-Gesundheitsreport, 2012; E. Ulich, 2011, S. 79f.)

sowie Magen-Darm-Erkrankungen und Ermüdungserscheinungen, welche häufig im

Zusammenhang mit Stress entstehen.

Gesunde Mitarbeiter werden für Organisationen, gerade unter dem Aspekt des Kosten- und

Leistungsdrucks durch die Globalisierung, immer wichtiger. Die Verschiebung hin zum

Dienstleistungssektor bedingt zudem eine stärkere Ausrichtung auf den Produktionsfaktor

Mensch (Ferrie, 2006, S. 94).

Durch die Dauer von psychischen Erkrankungen sind die Kosten für Organisationen hier

besonderes hoch. Im Jahr 2000 dauerte z. B. ein Krankenhausfall im Mittel aller Diagnosen

10,3 Tag für psychische Störungen waren dies 27,4 Tage (Badura, Hehlmann 2003, S. 65).

Dabei ist es keineswegs unstrittig, ob die steigende Anzahl an psychischen Erkrankungen

ausschließlich in steigenden Anforderungen und Belastungen begründet sind. Orthmann

und Otte (2011) verweisen dazu auf den DAK-Gesundheitsreport (2005, S. 65). Als

Hypothesen werden dort angegeben:

2 Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen

_________________________________________________________________________

33

• Die Inzidenz bzw. Prävalenz psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen

in der erwerbstätigen Bevölkerung nehmen zu.

• Durch eine verbesserte Diagnostik für psychische Erkrankungen seitens der

Allgemein- bzw. Hausärzte werden mehr psychische Störungen entdeckt.

• Patienten, welche ihren Allgemein- bzw. Hausarzt aufsuchen äußern, vermehrt

psychische Beschwerden.

• Die Diagnose einer psychischen Erkrankung wird häufiger als explizite Diagnose

aufgenommen, Patienten können diese zunehmend akzeptieren.

• Die Zunahme von Arbeitsunfähigkeiten aufgrund psychischer Störungen ist ein

Artefakt. Sie hängt unter anderem von den Gewohnheiten der Ärzte bei der

Diagnose-Kodierung ab.

So mag es mehrere Faktoren zur gestiegenen Diagnostik von psychischen Erkrankungen

geben. Entscheidend ist jedoch, dass diese von den Mitarbeitern empfunden werden und so

zu Ausfallzeiten führen. Organisationen wiederum sollten ihre Rahmenbedingungen schon

aus ökomischen Gründen so gestalten, dass solchen Erkrankungen vorgebeugt wird.

Ein Mittel zur Bewältigung von negativen Beanspruchungsfolgen sind die sozialen

Ressourcen und damit ein wichtiger Baustein im BGM (Lohmann-Haislah 2012, S. 68).

Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement, dass die Mitarbeiter einer Organisation

wertschätzt, gerecht belohnt und anerkennt sowie soziale Ressourcen, wie Unterstützung

und Handlungsspielräume, berücksichtigt, steigert die Motivation der Mitarbeiter

(Kuhnert, et al., 2010, S. 172). So sind für ein erfolgreiches Betriebliches

Gesundheitsmanagement Strategien und Maßnahmen zum Aufbau und zur Stärkung

gesundheitsförderlicher Ressourcen zur Bewältigung von Belastungen ein zentraler und

entscheidender Faktor (Köper, 2004, S. 389; Oppolzer, 2010, S. 21). Das Konzept der

Salutogenese stellt die zentrale theoretische Grundlage dazu dar (G. Bauer & Schmid,

2006, S. 47).

Die herausragende Neuerung des salutogenen Konzepts von Antonovsky ist ein

Paradigmenwandel. Der krankheitsorientierte pathogene Gedanke erfährt durch die

Fragestellung „Was hält gesund?“ einen Perspektivenwechsel zur präventiven

_________________________________________________________________________

34

Ressourcenorientierung (Udris 2006, S. 5). Zudem wird der dichotome Ansatz mit den

Polen „Krank“ und „Gesund“ aufgehoben und der prozesshafte Charakter von Gesundheit

betrachtet. Dies entspricht auch der Ottawa Charta in der Betrachtung eines positiven, von

Ressourcenorientierung über mehrere Systemebenen geprägten, Gesundheitsgedankens.

Auch das Modell von Siegrist (1996a, 1996b) mit sozialen Ressourcen der Anerkennung

und Wertschätzung sowie das Modell von Karasek/Theorell (1979; 1990) mit seinen

sozialen Ressourcen, wie Handlungsspielraum und soziale Unterstützung, bieten Ansätze

zur Gesundheitsförderung. Zur strukturierten Planung und zum Ablauf des Betrieblichen

Gesundheitsmanagements bietet das Leistungs- und Gesundheitsmanagement (LGM) von

Kastner (2013) ein konkretes und praxisorientiertes Modell. Diese Modelle werden

nachfolgend ausführlicher beschrieben, wobei das LGM als ein leitendes Konzept zur

Ordnung der sozialen Ressourcen, Theorien und Modelle im Kontext von Person, Situation

und Organisation dient.

In diesem Sinne sollen soziale Ressourcen, insbesondere die der Wertschätzung, in der

vorliegenden Studie als roter Faden dienen, wobei die Wechselwirkungen zwischen

sozialen Ressourcen und einzelnen Aspekten, mit ihrer Wirkung auf Leistung als

wesentlicher Faktor für die Wertschöpfung, im betrieblichen Zusammenhang analysiert

werden sollen. Zu diesen Aspekten gehören die „Empfundene Gesundheit“, „Leistung

bzw. Leistungsfähigkeit“ und „Arbeitszufriedenheit“ .

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

35

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

Im Kapitel 2 (Grundlagen von Gesundheitsförderung in Organisationen) wurde der Wandel

von Arbeit im Zusammenhang mit sozialen Ressourcen, Gesundheit, Arbeitszufriedenheit

und Leistung von Mitarbeitern in Organisationen dargestellt. Zusammenfassend kann

festgehalten werden: Gesundheitliche Risiken ergeben sich durch wachsende Spielräume

der Arbeitsgestaltung und eine erhöhte Verantwortung für den Output gekoppelt mit

prekären Arbeitsverhältnissen (Sauer, 2012). Mitarbeiter entwickeln mit der steigenden

Dynamik und Komplexität (Dynaxität) immer mehr psychische Beeinträchtigungen

(Kastner, 2013, S. 521).

Gesunde und leistungsfähige Arbeitnehmer sind jedoch für Organisationen ökonomisch

notwendig. So beschreibt Kastner (2013, S. 529), dass Leistung und Gesundheit eng

miteinander verknüpft sind, wobei er den Begriff „Leistungsgesundheit“ so versteht, dass

auch Mitarbeiter mit einem Handicap zu herausragenden Leistungen fähig sind. Um

Motivation, Leistungsfähigkeit mit der Bindung der Mitarbeiter an eine gesunde und

leistungsfähige Organisation zu ermöglichen, bedarf es eines ganzheitlichen Leistungs-

und Gesundheitsmanagements (Kastner 2013, S. 521).

Mit dem Konzept des ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagements nach

Kastner (2013) ist eine praktische präventiv geprägte Umsetzung zur Förderung von

Gesundheit und Leistung, gerade für Maßnahmen aus dem BGM, gelungen. Ebenso gilt

dies für die Bindung des Personals an die Organisationen.

Eingebunden ist das LGM in das „HEADDI-Man“ Konzept nach Kastner (2014a).

HEADDI wird hier als Akronym für Health-Achievement-Diverstiy-Demography-

Innovation-Management verwendet. Es stellt die Facetten des Leistungs-, Gesundheits-,

Diversitäts-, Demographie und Innovationsmanagements dar. Diese einzelnen Facetten

bedürfen der Betrachtung und spielen gleichzeitig zusammen, so dass das Bild eines mit

diesen fünf Themenfeldern jonglierenden Mannes entsteht. Mit diesen hochkomplexen

Herausforderungen sehen sich die Organisationen zur Erhaltung ihrer Leistungs-,

Gesundheits- und Innovationsfähigkeit konfrontiert (Kastner, 2014a).

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

36

Als leitendes Konzept ist das LGM nach Kastner (2013) für diese Arbeit von besonderer

Bedeutung. Die einzelnen Bestandteile des Konzeptes dienen zur Strategieentwicklung und

Strukturierung im Rahmen von Leistungs- und Gesundheitsförderung. Sie werden nach

und nach näher ausgeführt, wobei die Komponenten des PSO-Modell (Person, Situation,

Organisation), welches ein Bestandteil des LGM ist, als ein Ordnungskriterium zur

Beschreibung der einzelnen Bestandteile und der Zuordnung von Ressourcen zu den

Bereichen Person, Situation und Organisation dienen soll. Ebenso wird die theoretische

Fundierung diesem Ordnungskriterium unterworfen.

3.1 PSO-Modell als Ordnungskriterium

Als ein Modell zur Strukturierung im Rahmen des Leistungs- und Gesundheitsmanagement

kann das darin enthaltene PSO-Modell nach Kastner (Kastner, 2006a, S. 447) gesehen

werden. Im PSO-Modell werden die dynamischen Wechselwirkungen von Person,

Situation und Organisation betrachtet und so die Dichotomie zwischen Verhalten und

Verhältnissen aufgelöst. Das Modell beschreibt die „Stellschrauben“ Person mit ihren

Anlagen und relativ stabilen Persönlichkeitsmerkmalen, die Situation am Arbeitsplatz mit

den Faktoren des Arbeitsplatzes wie Lärm und Arbeitsaufgaben ebenso wie die Interaktion

mit den direkten Kollegen und dem Vorgesetzten sowie die Prozesse der Organisation mit

deren Kultur und Regeln. Verhalten setzt sich aus den einzelnen Faktoren und deren

Interaktion, der Person (P), Situation (S) und Organisation (O) zusammen. Die

Interaktionen können multiplikative und exponentielle Zusammenhänge ergeben. Mit Hilfe

des PSO-Modells lässt sich nun das Verhalten in Organisationen beschreiben, erklären,

vorhersagen und verändern (Kastner 2010a, S. 101). Durch die Zerlegung in die einzelnen

Komponenten ist eine präzisere Erfassung von präventiven Maßnahmen mit ihren

Ursachen und Wirkungen möglich (Schmidt, Kastner 2011, S. 115).

Das Modell bildet vollständig im Rahmen eines Leistungs- und Gesundheitsmanagements

die verschiedenen Komponenten einer Organisation ab. Es ermöglicht eine Sichtweise

darauf, welche Maßnahmen vorgenommen werden, wo diese erfolgen, ob diese vollständig

sind und welche Wirkung sie einzeln und in Zusammenwirkung mit den anderen Faktoren

entfalten (Kastner, 1998, S. 176ff.). So ist einfach ersichtlich, dass Aktionen, die als ein

umfassendes

Betriebliches

Gesundheitsmanagement

eingeschätzt

werden,

wie

Rückenschule, Kurse zu Entspannungsübungen und mehr Gemüse in der Kantine, bei

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

37

weitem nicht die gesamte Organisation einbeziehen (Kastner 2010a, S. 85). Die

beispielhaft oben genannten Aktionen lassen sich alle der Stellschraube Person zuordnen.

Betrachtet man nun das PSO-Modell wird klar, dass Aktionen bezüglich der Situation und

Organisation und die entsprechenden Interaktionen mit Kollegen und der Führungskraft

keinen Eingang in die Maßnahmen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement gefunden

haben. Erst durch das Zusammenspiel und die Abdeckung aller Komponenten des PSO-

Modells entsteht ein vollständiges und sinnvolles Gesundheitsmanagement. Dazu die

folgende Abbildung:

Abbildung 5: Transaktionen Person, Situation, Organisation (Kastner 2010a, S. 102; Kastner 2013,

Copyright Kastner, IAPAM Herdecke © 2010)

Eine Anwendung des PSO-Modells auf die für diese Arbeit zentrale soziale Ressource der

Wertschätzung ergibt: Die Ressource Wertschätzung ist in allen drei Komponenten

vorhanden. Auf der Ebene der Person (P) ist es die Fähigkeit, Wertschätzung

wahrzunehmen und zu erteilen sowie sich selbst wertzuschätzen, auf der Ebene der

Situation (S) die empfundene Wertschätzung, die von Kollegen und der Führungskraft

erteilt wurde und auf der Organisationsebene (O) die Wertschätzung, die sich in der

Unternehmenskultur und in den Sanktionssystemen, z. B. in einer Fehler-Vertrauens-Lern-

Kultur ausdrückt. Eine Interaktion zwischen den drei Komponenten, welche von

Wertschätzung getragen ist, sollte im Sinne der dynamischen Wechselwirkung einen

Effekt verzeichnen. Wenn sich der Mitarbeiter selbstwertschätzt, von seiner Führungskraft

wertgeschätzt wird und die Organisation eine Kultur der Wertschätzung entfaltet, die sich

Person

Situation

Organisation

P x S x O

P x S

S x O

P x O

Stellschraube Organisation

z. B. Maßnahme hinsichtlich

! Vertrauens-Fehlerlern-

Innovations-Gesundheitskultur

! (Guten) Führungsprozessen

etc..

Stellschraube Person

z. B. Maßnahme hinsichtlich

!  Selbst- und Zeitmanagement

!  Sozialkompetente

Kommunikation

!  Work Life Balance etc.

Stellschraube Situation

z. B. Maßnahme hinsichtlich

!  Softwareergonomie

!  Arbeitsplatzgestaltung

!  Unterstützungssysteme

etc.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

38

z. B. in Kommunikations- und Informationsprozessen ausdrückt, so ist es wahrscheinlich,

dass diese Komponenten sich gegenseitig multiplikativ beeinflussen. Das Resultat ist ein

besseres

Gesundheitsempfinden

gekoppelt

mit

erhöhter

Leistungsfähigkeit

und

Arbeitszufriedenheit, was sich wiederum in einer Umsetzungskompetenz (Volition)

ausdrückt.

Dieses Modell ermöglicht es, das Leistungs- und Gesundheitsverhalten präventiv zu

optimieren. Ein Zerlegen in die einzelnen Komponenten macht die genaue Abschätzung

von Investitionen und deren Nutzen sichtbar (Kastner 2010a, S. 101). Im Folgenden sollen

für die unterschiedlichen Bereiche Person, Situation und Organisation eine Einordnung der

sozialen Ressourcen sowie die dieser Arbeit zugrundeliegenden Theorien zu sozialen

Ressourcen vorgenommen werden. Zum besseren Verständnis von Ressourcen und

insbesondere die der sozialen Ressourcen wird zunächst eine Definition dieser

vorgenommen. Zudem wird das Zusammenspiel mit Gesundheit sowie Belastungen und

Beanspruchungen erläutert.

3.1.1 Ressourcen als Handlungskompetenz

Die psychologische Definition von Ressourcen ist positiv konnotiert und wird mit

Begriffen wie „Hilfsmittel“, „Kräfte“ oder auch „Schätze“ eines Individuums beschrieben

(Klemenz, 2009, S. 37). Personale Ressourcen ermöglichen das Erreichen persönlicher

Ziele und sind geeignet, schädigende Einflüsse zu reduzieren (Richter & Hacker, 1998, S.

25). Ressourcen werden unterschiedlich kategorisiert. So werden sie in interne und in

externe Ressourcen unterschieden. Stabile Merkmale einer Person wie Selbstwert,

Selbstwirksamkeit, Kontrollkognitionen, Kohärenzgefühl, Hardiness und Optimismus

werden zu den internen Ressourcen gerechnet (D. Zapf & Semmer, 2004, S. 1055).

Lazarus und Folkmann (1984, S. 158f.) bezeichnen die einer Person zur Verfügung

stehenden Handlungsmöglichkeiten und Anpassungsfähigkeit an eine Situation als

personale Ressourcen. Im organisationalen Kontext bezeichnet Kastner interne Ressourcen

(personale) als „Handlungskompetenz hinsichtlich beruflicher Leistung und zugleich

Gesundheit“ (2010c, S. 305).

Externe Ressourcen (soziale und organisationale) ergeben sich aus der Situation.

Wesentliche Ressourcen am Arbeitsplatz sind Kontrolle, z. B. über Einflussmöglichkeiten,

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

39

eigenen Handlungsspielraum und durch soziale Unterstützung (D. Zapf & Semmer, 2004,

S. 1042). Kastner (2010c, S. 305) merkt dazu an, dass zahlreiche Studien zeigen, dass

soziale Unterstützung in Verbindung mit dem eigenen Handlungsspielraum die

Arbeitszufriedenheit, das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl bei der Arbeit fördern.

Betrachtet man die Verbindung von sozialen Ressourcen und Gesundheit, so ergibt sich,

dass zu den sozialen Ressourcen auch die Förderung der Gesundheit zählt. Sie ist ein

transaktionales

dynamisches

Gleichgewicht

mit

physischen

und

psychischen

Abwehrmechanismen im Zusammenspiel mit potentiell gesundheitsgefährdenden

biologischen und sozialen Einflüssen der Umwelt. Gesundheit wird demnach bestimmt von

der Verfügbarkeit und Nutzung von gesundheitsschützenden (protektiven) bzw.

wiederherstellenden (restaurativen) Ressourcen von Person und Umwelt (Udris, 2006, S.

6).

Jedoch werden Ressourcen häufig nicht allein stehend definiert und betrachtet, sondern im

Zusammenhang mit Bewältigungsprozessen auf einzelne Stressoren. Ressourcen

beeinflussen die Bewertungsphase von Stressoren ebenso wie Bewältigung eines solchen

Ereignisses (Ducki & Kalytta, 2006, S. 31; D. Zapf & Dormann, 2006, S. 707). Damit sind

sie wie ein Hilfsmittel , das einem Individuum als Handlungskompetenz zur Verfügung

steht, entweder zur Vermeidung oder zur Verminderung von Stressoren (Frese, 1994, S.

34). Sie erleichtern einer Person die Adaption an Situationen und ermöglichen Handlungen

(Lazarus & Folkmann, 1984, S. 158f.). Die folgende Abbildung fasst dies zusammen.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

40

Abbildung 6: Die Wirkung von Ressourcen im Stressprozess (D. Zapf & Semmer, 2004, S. 1042)

Der Frage, wie Ressourcen in Organisationen zur Bewältigung von Beanspruchungsfolgen

aus dynaxischen Anforderungen eingesetzt werden können, wird im nächsten Kapitel

nachgegangen.

3.1.2 Soziale Ressourcen und Beanspruchungen

Wie im vorhergehenden Kapitel beschrieben, sind Ressourcen, die einem Menschen zur

Verfügung stehen, entscheidend für den Umgang mit Belastungen und die Auswirkungen

von Belastungen auf die eigene Person (E. Ulich & Wülser, 2010, S. 38). Verfügbare

Ressourcen

als

Handlungskompetenzen,

sind

demnach

entscheidend,

um

die

Beanspruchungsfolgen aus Belastungen zu mindern oder gar zu verhindern.

Organisationen haben hier ein Instrument, das sie in Form der sozialen Ressourcen gut

steuern und beeinflussen können.

Werden Ressourcen der Person und Umwelt (vgl. Kapitel 3.1.1) im betrieblichen Kontext

analysiert, so sind personale Ressourcen (Person) gesundheitsförderliche oder

wiederherstellende

Handlungsmuster

und

Überzeugungssyteme,

wie

z. B.

der

„Kohärenzsinn“ nach Antonovsky (1997). Organisationale Ressourcen (Umwelt) sind in

Handlungsspielräumen zu finden (Richter & Hacker, 1998, S. 25).

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

41

Ebenso gibt es Ressourcen, die auf den ersten Blick für Organisationen nicht förderlich

sind, jedoch zum Alltag in diesen gehören. Zu diesen Ressourcen zählen Formen von

Mikropolitik. Burns (1961, S. 257) definiert den Begriff der Mikropolitik als ein

politisches Verhalten in Konkurrenzsituationen mit der Benutzung anderer Individuen als

Ressourcen. Dazu gehören auch die eher negativ konnotierten Verhaltensformen von

Kooperationen im Sinne von Seilschaften, Täuschen und Taktieren (Neuberger, 2006, S.

42). Dabei wird oft nach dem Verfahren gehandelt „eine Hand wäscht die andere“, selbst

wenn andere Mitglieder der Organisation dadurch benachteiligt werden. Das dieses

Organisationen und deren Mitglieder schädigen kann, ist unbestritten, jedoch Alltag in

Arbeitsumgebungen (Neuberger, 2006, S. 43). Als positiv im Rahmen von Mikropolitik

werden Verhaltensweisen, wie anderen Vorteile verschaffen, loben, begeistern, Verbündete

suchen und faire Tauschbeziehungen aufbauen, bewertet. Der Grad zwischen dem was als

positives Verhalten und dem, was als negatives Verhalten bewertet wird, ist schmal. Eine

solche Beurteilung ist auch von der herrschenden Unternehmenskultur bestimmt und kann

somit nicht eindeutig sein. Unabhängig von jeder Bewertung ist die Nutzung von

Mikropolitik zu eigenen Zwecken als Ressource auf der personellen Ebene einzustufen

(Neuberger, 2006, S. 42f.).

So kann zusammengefasst werden: Aspekte von sozialen Ressourcen in Organisationen

sind Unterstützung durch die Führungskräfte und Kollegen, eine gesundheitsorientierte

Führung und nicht zuletzt Wertschätzung der Organisationsmitglieder. Dies beinhaltet

auch Interaktionen im Rahmen von mikropolitischen Vorgehensweisen.

Sollen nun soziale Ressourcen in Organisationen gefördert werden, sind geeignete

Rahmenbedingungen, das Wissen um deren Auswirkungen, das geeignete Verhalten der

Führungskräfte sowie eine Förderung des richtigen Verhaltens der Mitarbeiter

Ansatzpunkte. Greifen alle diese Aspekte zusammen, dann erhöht sich die Möglichkeit zu

einem gesundheitsförderlichen Arbeitsplatz mit einer hohen Arbeitszufriedenheit, der eine

hohe Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter ermöglicht. In der nachfolgenden Abbildung ist

dies grafisch dargestellt.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

42

Abbildung 7: Soziale Ressourcen (eigene Darstellung) angelehnt an Kastner (2014a, S. 133,171)

In der Abbildung werden soziale Ressourcen in ihrer Wirkung auf Gesundheit und

Arbeitszufriedenheit betrachtet. In der Zusammenfassung sind soziale Ressourcen

Gesundmacher und sorgen ebenso für Arbeitszufriedenheit. Anknüpfungspunkte zur

Förderung ergeben sich in Organisationen nach dem PSO-Modell (vgl. Kapitel 3.1). Im

Bereich der Person sind konkrete Maßnahmen in den unterschiedlichen Welten des

Individuums (Körper-, Geistes-, Lebens- und Soziale Welt) nach Kastner (2010c, S. 312)

systematisch anzusiedeln und ebenso „abzuarbeiten“. Gleiches gilt für den Bereich der

Situation und der Organisation.

Der Kern dieser Arbeit ist die Untersuchung der sozialen Ressourcen mit besonderem

Augenmerk auf die Ressource Wertschätzung. Wobei sich Wertschätzung auf allen Ebenen

des PSO-Modells wiederfindet (eine Beschreibung dazu wurde in Kapitel 3.1

vorgenommen). Die Fokussierung auf Ressourcen hat ihren Hintergrund darin, dass

Anforderungen und Belastungen in Unternehmen allgegenwärtig sind. Die Mitarbeiter

haben in der Regel nur einen geringen Einfluss auf diese Faktoren (Moldaschl, 2007, S.

304). Worauf der Mensch jedoch einen Einfluss hat, ist der Umgang mit Anforderungen.

So bestehen Einflussmöglichkeiten in der Wahrnehmung der vorhandenen Ressourcen, in

der Stärkung dieser und im Aufbau von Ressourcen. Werden Ressourcen als solche nicht

wahrgenommen, so stehen sie auch nicht zur Verfügung. Auslöser für eine solche

„Wahrnehmungsstörung“

können

Stresssituationen

sein.

Zum

Beispiel

führen

Voraussetzungen,

Anknüpfungspunkte,

Ergebnis,

Soziale(Ressourcen((

(

• 

sind(Gesundmacher(

• 

und(sorgen(für(

Zufriedenheit(am((

((((((Arbeitsplatz(

(Körperwelt(((Fitness...)(

(Geisteswelt((Selbstwert/Resilienz/OpDmismus(

(HandlungsF(u.(Gesundheitskompetenz)(

P

(Lebenswelt((EmoDonen,(wie(MoDvaDon/(

(FrustraDon/Angst..)(

(Soziale(Welt((Hilfeverhalten/Sicherheitsbedürfnis/((

(Austausch...)(

(

S

(Führung,(soziale(SituaDon,(Aufgaben...(

(

O

(Gesundheitskultur,(Entgeltsysteme...(

Leistung(

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

43

Empfindungen

wie

Angst

oder

Ausgeliefertsein

zu

einem

eingeschränkten

Verhaltensrepertoire und zum sogenannten „Tunnelblick“ (Kastner, 2010a, S. 91). Der

Blick auf die vorhandenen Ressourcen wird verstellt.

Was brauchen nun einzelne Menschen in einer Organisation zur Wahrnehmung und zur

Förderung von sozialen Ressourcen insbesondere die der Wertschätzung? Wertschätzung

kann durch verschiedene Personengruppen erfolgen. In einer hierarchisch geordneten

Organisation sind diese zunächst alle Führungsebenen, wobei die direkte Führungskraft die

bedeutsamste ist. Wertschätzungsquellen sind ebenfalls Kollegen und Kunden sowie

außerhalb des Arbeitsplatzes Personengruppen wie Familie und Freunde. Wichtig erscheint

der Autorin, dass Wertschätzung nicht gleich Wertschätzung ist. Die Qualität ist

entscheidend; im Sinne von adäquater auf das Individuum zugeschnittener Formen von

Wertschätzung. Während verbale Bestätigung für die einen wichtig ist, fühlen sich andere

Mitarbeiter durch eine gute Bewertung oder die Übertragung von mehr Verantwortung

bestätigt.

Wiederum

andere

Mitarbeiter

empfinden

Wertschätzung

bei

der

Berücksichtigung ihrer individuellen Bedürfnisse. Entscheidend ist, dass Wertschätzung

als solche gemeint sein sollte, damit sie vom Empfänger positiv empfunden werden kann.

Dazu bedarf es einer Sensibilität, was der einzelne Mitarbeiter für sich als wertschätzende

Form empfindet (Formen), durch wen er geschätzt werden möchte (Personengruppen) und

wie diese in einer geeigneten Art und Weise übermittelt werden kann (verbale und

nonverbale Kommunikation). Zur langfristigen Wirkung von Wertschätzung bedarf es

eines guten Beziehungsmanagements zwischen den unterschiedlichen Personengruppen

einer Organisation. Ein Klima, in dem der Mitarbeiter eine Stärkung seines Selbstwerts

erfährt und in dem er als Individuum mit eigenen Bedürfnissen wahrgenommen wird,

fördert Gesundheitsempfinden und Leistung. Dabei ist es keineswegs eine einseitige

Verantwortung der Führungskraft, all dies zu gewährleisten. Sie hat einen wesentlichen

Anteil an diesen Voraussetzungen, jedoch ist Wertschätzung keine Einbahnstraße. Es gibt

eine Selbstverantwortung des Mitarbeiters, zum einen seine Person selbst wertzuschätzen

und Wertschätzung gegenüber den erwähnten Personengruppen in einer geeigneten Art

und Weise auszuüben. So entsteht in Organisationen ein wertschätzendes gesundes Klima,

das für alle Beteiligte ein positives Gesundheitsempfinden, Arbeitszufriedenheit und

Leistungsfähigkeit möglich macht.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

44

Da die Annahme in dieser Arbeit ist, dass die Förderung von Ressourcen einem größeren

Einfluss von Führungskräften und Mitarbeitern unterliegt als die Entstehung von

Stressoren, Anforderungen und Belastungen, wird die Beschreibung dieser daher nicht

ausführlich, sondern in dem Maße, welches für das Verständnis des Zusammenwirkens mit

Ressourcen nötig ist, beschrieben. Hierbei wird eine Abgrenzung der Begriffe voneinander

vorgenommen und die Verwendung der Begriffe soweit beschrieben wie es für das

Verständnis der sozialen Ressourcen wichtig ist. Im nachfolgenden Kapitel werden

zunächst der Begriff des Stresses und dessen Zusammenhang mit Belastungen erläutert.

Darauf folgt die Darstellung des Spannungsfeldes von Anforderungen und Belastungen mit

Ressourcen und Puffern.

3.1.3 Zusammenhang zwischen Ressourcen, Puffer und Belastungen

Mit Stress werden zunächst negative und belastende Auswirkungen in Verbindung

gebracht. Dabei kann dieser durchaus auch im positiven Sinne gebraucht werden. Stress

ermöglicht, Fähigkeiten und Ressourcen zur Bewältigung von Situationen zu aktivieren

und auszubilden. „Einen Job zu haben, der stressig ist“, ist heutzutage nichts Verwerfliches

mehr, sondern kann durchaus zum guten Ton gehören. Der Geforderte ist ein wichtiger

Teil der Organisation und in der Lage, eine herausfordernde Situation zu bewältigen.

Dieses Erfolgserlebnis kann nützlich, persönlichkeits- und gesundheitsförderlich sein (E.

Ulich & Wülser, 2010, S. 56). Was jedoch genau mit Stress gemeint ist, ist nicht eindeutig;

der Begriff wird in der Literatur inkonsistent verwendet (Bamberg, et al., 2003, S. 37; E.

Ulich, 2005, S. 485ff.). Als Orientierung wird in dieser Arbeit die Definition von Greif zu

Grunde gelegt. Nach dieser Definition ist Stress ein subjektiver Zustand, der aus einem

tatsächlichen oder einem wahrgenommenen Ungleichgewicht einer Situation von

Belastungen entsteht. Dabei wird erwartet, die Belastungen mit den zur Verfügung

stehenden Ressourcen nicht bewältigen zu können (Greif, 1989, S. 435). So wird Stress

häufig synonym im Zusammenhang mit Belastungen und Anforderungen gebraucht

(Richter & Hacker, 1998, S. 15). Belastungen entstehen in unserer Umgebung durch

objektive Größen und Faktoren; diese wirken auf den Menschen ein. Die Auswirkungen

auf den Menschen werden dabei nicht in Betracht gezogen. Diese zeigen sich in Form von

Belastungen. Sie sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich in Abhängigkeit von

persönlichen Fähigkeiten und Eigenschaften. Eine identische Belastung bewirkt bei

unterschiedlichen

Menschen,

in

Abhängigkeit

ihrer

Bewältigungsmöglichkeiten,

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

45

unterschiedliche Beanspruchungen (Rohmert & Rutenfranz, 1975, S. 8). Im

Zusammenhang mit Belastungen ist ebenso der Ansatz der kritischen Lebensereignisse

(life-events) zu berücksichtigen. Dazu zählen nicht nur herausragende Lebenssituation wie

schwere Krankheiten, der Verlust von Angehörigen oder der Wechsel der Arbeitsstelle,

sondern ebenso die Summierung der Alltagsquerelen (daily hassels). All dies hat einen

Einfluss auf die Bewertung der Belastungsfaktoren (Hacker, 2005, S. 16). Durch Lazarus

und Launier (1981) werden diese Ansätze erweitert, indem die subjektive Bedeutsamkeit

und die Gewichtung dieser Ereignisse mit einbezogen werden. Bezüglich der

Fragestellung, inwieweit soziale Ressourcen die Gesundheit beeinflussen können, kann

festgehalten werden, dass die Beanspruchung auch davon abhängt, welche Ressourcen zur

Verarbeitung zur Verfügung stehen (Stadler & Spieß, 2002, S. 2).

Werden Belastungen in Organisationen betrachtet, gibt es die unterschiedlichsten Faktoren

wie Lärm, Staub und die Ausstattung des Arbeitsplatzes. Anforderungen, die durch die

Arbeitsaufgabe entstehen, rechnet Kastner (2010c, S. 300) ebenfalls zu den Belastungen.

Diese Konzeption findet sich in der Definition der psychischen Belastung und psychischen

Beanspruchung wieder (DIN EN ISO 10075-1)2. Den Wirkzusammenhang von Belastung

und Beanspruchung hat Kastner (2010c, S. 301) in seinem Modell der Belastungs-

Beanspruchungsachse gezeigt. Dort sind die Zusammenhänge zwischen Belastungen,

Beanspruchungen, Lebensqualität und Gesundheit beschrieben: Demnach sind Belastungen

am Arbeitsplatz (Lärm) und Anforderungen (Arbeitsaufgabe) Variablen, die außerhalb der

Haut entstehen. Dabei sind ebenfalls die selbst produzierten internen Belastungen wie z. B.

Perfektionismus zu berücksichtigen (Kastner, 2004, S. 35). Ob die psychischen

Belastungen zur Beanspruchung werden, entscheidet sich nach den zur Verfügung

stehenden Ressourcen und Puffern (Kastner, 2010c, S. 300). Das Modell wird in der

nachfolgenden Abbildung dargestellt.

2 In der DIN EN ISO 10075-1 wird der Begriff der psychischen Belastung definiert: Die Gesamtheit aller

erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.

Psychische Beanspruch wird definiert als: Die unmittelbare (nicht die langfristige) Auswirkung der

psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden oder

augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

46

Abbildung 8: Belastung und Beanspruchung (Kastner, 2010c, S. 301)

Darüber hinaus zeigt Kastner (2010c), dass eine entstandene Belastung sich in vier Welten

(Körper-, Geistes-, Lebens- und soziale Welt) zeigt. In der Köperwelt kann die Physis

durch Bewegung, Ernährung und Regeneration gesundheitsförderlich unterstützt werden.

Hier ist es möglich, eindeutige physische Parameter wie Blutdruck oder Körpergewicht zu

bestimmen.

Diese

eingeschränkten

Maßnahmen

werden

oft

für

Betriebliches

Gesundheitsmanagement gehalten (Kastner, 2010c, S. 312). In der Geisteswelt werden die

(Selbst-)

Wahrnehmungen,

Denk-

und

Entscheidungsprozesse

und

Attritionen

widergespiegelt. Dort zeigt sich unter anderem der Umgang mit Dynaxität und Resilienz.

In der Lebenswelt wird der Mensch als „emotionales soziales Tier“ mit der Palette der

positiven und negativen Emotionen dargestellt. Die soziale Umgebung mit Partnern,

Kindern, Freunden und Kollegen wird in der sozialen Welt gezeigt. Damit ist die

unmittelbare personenspezifische Ausstrahlung auf das soziale Milieu gemeint. Das, was in

die Umwelt hinein gegeben wird, wird als Reaktion dieser ebenso zurück erhalten

(Kastner, 2010c, S. 312ff.).

Zeigen sich nun in den vier Welten Belastungen, die sich aus Beanspruchungen ergeben

haben, ist es nach Kastner (2010c, S. 307) entscheidend, ob Handlungen zur Bewältigung

dieser Belastungen als Erfolg oder Misserfolg erlebt werden. Wird eine solche Handlung

als Erfolg erlebt und werden neue Anforderungen mit dieser Erfahrung ebenfalls positiv

Belastung

innerhalb der Haut

subjektive Wahrnehmung

(subj. Belastung) der objektiven Umwelt

z.B. Lärmempfinden durch Adaptation

Belastung

außerhalb der Haut

physikalische Einflüsse

z. B. Lärm in Dezibel

Anforderungen

z. B. von außen

gestellte Aufgaben

Gesundheit

und

Sicherheit

L

e

b

e

n

s

q

u

a

l

i

t

ä

t

externale situative und organisationale

Ressourcen und Puffer

z. B. soziale Unterstützung,

Handlungsspielraum, Arbeitsplatzsicherheit

subjektive Repräsentanz dieser

Anforderungen von außen

= subjektive Herausforderung durch

Aufgabe

selbst „innerhalb der Haut“

gestellte Anforderungen

z.B. Perfektionismus

personale Ressourcen und Puffer

z. B. Selbstwirksamkeit, Kohärenz,

Verantwortungsbereitschaft, Selbst-

organisations- und Selbstlernkompetenzen

Beanspruchung

innerhalb der Haut

Körperwelt

z. B. Herzfrequenz

Geisteswelt

z. B. Regression auf

primitive Verhaltensmuster;

Unsicherheit, die Situation

adäquat zu bewältigen

Lebenswelt

z. B. Angst, Ärger

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

47

bewältigt, so werden Kompetenzen und Ressourcen gestärkt und ausgebildet. Durch ein

solch positives Erleben mit einer „Aufspiralisierung“ von Ressourcen werden ebenfalls

psychische Gesundheit und Resilienz gefördert. Im umgekehrten Fall des Misserfolgs ist

eine „Abspiralisierung“ mit der Folge der Ressourcenschwächung bis zum Burnout und

zur Depression möglich. Nachfolgend werden die Auf- und Abspiralisierung mit

Auswirkung auf die psychische Belastung graphisch dargestellt.

Abbildung 9: Psychische Belastung (Kastner, 2010c, S. 307)

Die Darstellung der Auf- und Abschaukelungsprozesse zeigt ebenfalls die Bedeutung der

sozialen Unterstützung. Gelingt es dem Mitarbeiter, durch Anerkennung und

Wertschätzung seiner Arbeit Erfolgserlebnisse zu vermitteln, hat dieser die Möglichkeit,

seine Ressourcen und Kompetenzen wahrzunehmen. Er wird in die Lage versetzt diese

weiter zu stärken und zur Bewältigung von Anforderungen in der Arbeitsaufgabe zu

nutzen, ebenso wie zur Ausbildung seiner Gesundheitskompetenz3. Im umgekehrten Fall

der Entwertung oder Geringschätzung des Mitarbeiters kann der Blick auf Ressourcen und

die Wahrnehmung dieser verstellt werden.

Kastner wählt zur Darstellung des Zusammenspiels von Belastungen und Anforderungen

3 Kastner definiert Gesundheitskompetenz als Handlungskompetenz bzgl. Gesundheit. Sie umfasst die

Selbstkompetenz, Sozialkompetenz, Fachkompetenz und Methodenkompetenz. Gesundheitskompetenz ist

demnach ein entscheidender Faktor zur Aufrechterhaltung der Gesundheit und eine zentrale Personengröße.

Kastner 2010, S. 301f.

Beanspruchung

Ressourcen-

stärkung

Ressourcen-

schwächung

fortlaufende

Auf-

spiralisierung

psychische

Gesundheit /

Resilienz

Aufsuchen

objektiver

Belastungs-

situationen

fortlaufende

Ab-

spiralisierung

psychische

Beeinträchti-

gung / Burnout

Meiden

objektiver

Belastungs-

situationen

objektive

Belastung

subjektive

Belastung

Erfolg

Misserfolg

passende

(hohe)

Bean-

spruch-

barkeit

unpass-

ende

(niedrige)

Bean-

spruch-

barkeit

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

48

auf der einen Seite und Ressourcen auf der anderen Seite das Bild einer Wippe. Das

Austarieren von Anforderungen und Ressourcen erfolgt durch eine Wippbewegung die

sich

langfristig

in

ausgeglichenen

Amplituden

widerspiegeln

sollte.

Diese

gesundheitsförderliche Beanspruchung ermöglicht die Nutzung sowie Ausbildung von

Ressourcen. Inwieweit Ressourcen genutzt werden hängt vom Menschen selbst ab. Die

Ressource der Unterstützung kann z. B. bewusst durch die Pflege von Freundschaften

bewusst ausgebaut werden.

Dabei ist es gerade bei zunehmender Entgrenzung von Arbeit und dem Hineinspielen in

den Freizeitbereich sinnvoll, den Arbeits- und Privatbereich im Sinne von Belastungs- und

Beanspruchungsaspekten sowie Erholung- und Regenerationsphänomenen zu betrachten

(Kastner, 2004, S. 3). Die einzelnen Bereiche sollten eine Basisbalance aufweisen, in

denen investives und konsumtives Verhalten austariert sind (Kastner, 2010c, S. 296). Die

Balance auf der individuellen Ebene wird durch das Austarieren von Belastungen und

Anforderungen, Ressourcen und Puffern erreicht (Kastner, 2010c, S. 297).

Abbildung 10: „Work-Life-Balance“-Wippe (Kastner, 2010c, S. 297)

Belastung und Anforderung sowie Ressourcen können einen internen und externen

Charakter haben. Im internen Bereich finden sich als Belastung der eigene Perfektionismus

Person

z. B. Perfektionismus

Situation

z. B. Aufgaben

Organisation

z. B. Verantwortung

Person

z. B. Fähigkeiten

Situation

z. B. PC-Ausstattung

Organisation

z. B. Belohnung

Person

z. B. Resilienz

Situation

z. B. soziale Unterstützung

Organisation

z. B. Autonomie

Person

z. B. Ich-Stärke, Neugier

Situation

z. B. Aufgabenvielfalt

Organisation

z. B. Regelungen für Neues

Anforderungspuffer

Belastungen und Anforderungen

Ressourcen

Ressourcenpuffer

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

49

und als Ressource das Selbstwertgefühl. Im externen Bereich als Belastungen

Arbeitsplatzsituation und als Ressource Wertschätzung und Anerkennung. Dabei werden

Belastungen und Anforderungen sowie die Seite der Ressourcen als wertfrei gesehen. Sie

stehen in einem Spannungsverhältnis zueinander. Durch Belastungen werden Ressourcen

aufgebaut und Ressourcen werden wiederum zur Bewältigung von Anforderungen und

Ressourcen benötigt. Wichtig für eine Balance der Wippe ist, dass beide Seiten zueinander

passen. Die vom Individuum benötigten Ressourcen zu einer Anforderung im

Arbeitskontext müssen zur Bewältigung hilfreich sein (Kastner, 2010c, S. 297). So ist zum

Beispiel eine Fremdsprache hilfreich, wenn sie im beruflichen Umfeld benötigt wird; sind

Fremdsprachenkenntnisse nicht notwendig, so passt diese Ressource nicht zu der

Anforderung. Die Passung von Ressourcen und Anforderungen impliziert, dass auch, wenn

eine optimale Ressourcenausstattung zur Verfügung steht, dem nicht unendlich viele

Belastungen entgegengesetzt werden können (Lesch, et al., 2011, S. 12).

Durchaus kritisch betrachtet Moldaschl (2007, S. 289f.) die begriffliche Verwendung von

Belastungen

und

Ressourcen.

Er

gibt

zu

bedenken,

dass

Belastungen

und

Beanspruchungen personenunabhängig bestimmbar sein müssen. Die Notwendigkeit zur

Veränderung einer Arbeitsaufgabe kann nicht nur davon abhängig gemacht werden, ob

eine konkrete Person sie ausführen kann. Kritik erfolgt ebenso von Ducki (1998, S. 146) an

der Klassifikation von Ressourcen. So wird das Vorhandensein eines Faktors als Ressource

identifiziert, ist er nicht vorhanden, wird er häufig als Belastung klassifiziert. Ist soziale

Unterstützung vorhanden, so wird sie als Ressource eingeordnet, ist sie jedoch nicht

vorhanden, so wird sie oft als Belastung klassifiziert (Moldaschl, 2007, S. 294). Die

Trennung von Ressourcen und Belastungen ist aufgrund ihrer unterschiedlichen

Wirkungen

z. B.

auf

die

Gesundheit

und

der

sich

daraus

ergebenden

Interventionsmöglichkeiten notwendig. In Organisationen sollen Belastungen am

Arbeitsplatz vermieden werden, und wünschenswert ist es, gesundheitsförderliche

Ressourcen aufzubauen. Eine genaue Analyse von Belastungen und Ressourcen steht vor

der Entwicklung von Lösungsansätzen. Das Ausmaß der Belastungen und verfügbaren

Ressourcen ist alleine durch die subjektive Bewertung der Mitarbeiter möglich. Hier bedarf

es Erhebungsmethoden, die der subjektiven Wahrnehmung Rechnung tragen (Lasshofer,

2012, S. 38ff.).

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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50

Die ebenfalls in der „Work-Life- Balance“-Wippe angeführten Puffer unterscheiden sich

von den Ressourcen in der Hinsicht, das Ressourcen verstärkend auf Aktivitäten und

Energien wirken mit der Hoffnung, dass sich die Investition auszahlt (Return on

Investment). Puffer hingegen sollen unerwünschte Energien oder Aktivitäten bzw.

Belastungen und Anforderungen mildern. Die Erwartung an Puffer ist nicht ein Return on

Investment, vielmehr muss in die Pflege investiert werden. Sie sind mit einer Versicherung

vergleichbar, dienen also zur Absicherung, dennoch sollen sie möglichst nicht in Anspruch

genommen werden (Kastner, 2010c, S. 298). So kann Erholungsfähigkeit als ein personaler

Puffer definiert werden. Im ausgeglichenen wippen wird sie nicht benötigt, im Fall von

hohen Anforderungen und Belastungen sollte genügend in sie investiert worden sein, um

gesund zu bleiben (Kastner, 2004, S. 39).

Zur Gesunderhaltung ist ebenso Resilienz ein wesentlicher Baustein im Leistungs- und

Gesundheitsmanagement. Mitarbeiter, die eine möglichst hohe Widerstandkraft bei

psychischen Belastungen vorweisen und so gesund und leistungsfähig bleiben, sind für

Organisationen von Interesse (Kastner, 2010b, S. 324). Häufig wird der Begriff der

Resilienz in Verbindung mit Ressourcen genannt. Kastner versteht unter Resilienz im

psychologischen Kontext die psychische Widerstandskraft und ordnet diese wiederum als

Pufferfähigkeit ein. Nachfolgend wird die Frage geklärt, ob Resilienz den Ressourcen

zuzuordnen ist oder einen Puffer darstellt.

Werden Ressourcen als zur Verfügung stehende Handlungskompetenzen aus internen oder

externen Quellen verstanden (vgl. Kapitel 3.1.1) und stehen diese als Quelle zur

Verfügung, bedarf es keinem gesonderten Aufwand, diese zu nutzen. Resilienz nun steht

jedoch nicht „automatisch“ zur Verfügung, sondern ist das Ergebnis eines Lernprozesses

und kann so von den Ressourcen abgegrenzt werden (Schwab & Fingerle, 2013, S. 99). So

ist Selbstvertrauen zur Resilienz-Erlangung ein wichtiger Faktor. Selbstvertrauen wird über

Lernprozesse, wenn zum Beispiel Eltern ihr Kind ermutigen „du schaffst das“, ausgebildet.

Wird dieses „du schaffst das“ mit Erfolgserlebnissen verknüpft, erfolgt eine

Aufspiralisierung des Selbstbewusstseins, was dann wiederum als Resilienz stärkender

Faktor wirkt. Somit ist Resilienz kein Hilfsmittel, was „per se“ zur Verfügung steht. Es ist

vielmehr ein im Laufe der Zeit ausgebildeter Schutzfaktor. Im Wippprozess der „Work-

Life-Balance“-Wippe wird dieser Puffer optimaler Weise nicht in Anspruch genommen.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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51

Vielmehr ist dieser Puffer, ähnlich wie die Erholungsfähigkeit, eine Art Versicherung

gegen das „Durchschlagen“ der Wippe. Wird Wertschätzung in Verbindung mit Resilienz

gesetzt, so könnte Wertschätzung durchaus als eine Ressource zur Resilienz gesehen

werden. Zwar wird der Zusammenhang zwischen dem Selbstwert und der Entwicklung von

Resilienz durchaus kritisch diskutiert, jedoch wurde durch einige Studien der

Zusammenhang nachgewiesen, während es einen eindeutigen positiven Zusammenhang

zwischen der sozialen Unterstützung und der psychischen Widerstandfähigkeit gibt

(Bengel & Lyssenko, 2012, S. 58ff.). So kann man festhalten, dass von außen

wahrgenommene Wertschätzung eine Ressource ist, die Resilienz fördert.

Bei der Beziehung zwischen Ressourcen, Puffern und Belastungen ist es wichtig, den

Zeitfaktor zu berücksichtigen. Es genügt nicht, einzelne Belastungen oder Stressoren mit

Schädigungen wie Herzinfarkt oder Depression in Verbindung zu bringen, die bestenfalls

durch Bezugspersonen oder Entspannungsübungen aufgefangen werden können. Eine

Betrachtung

der

langfristigen

Entwicklungsprozesse

mit

ihren

dynamischen

Wechselwirkungen sind zur Betrachtung und Erreichung einer individuellen und

erwünschten Lebensqualität von großer Bedeutung (Kastner, 2004, S. 34f.).

Leistung und Beanspruchung werden in der Achse der Wippe abgebildet. Eine

gesundheitsförderliche Beanspruchung ist eine adäquate Beanspruchung. Dauerhafte

Ausschläge der Wippe nach links (Überforderung) oder nach rechts (Unterforderung)

können nicht mehr in den vier Welten ausbalanciert werden. Entscheidende Faktoren sind

der Verlauf über die Zeit und den Aspekt der Stabilität durch Dynamik. Um eine

gesundheitsförderliche und adäquate Beanspruchung sichtbar zu machen, wählt Kastner

das Bild der Wippe, auf dem ein Mensch auf einem Einrad sitzt. Würde nun ein Stift an

den Schultern montiert und damit an einer Leinwand vorbeigefahren werden, so zeichnet

sich über die Zeitdauer, wie in der nachfolgen Abbildung dargestellt, die persönliche

Work-Life-Balance-Kurve ab.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

52

Abbildung 11: Work-Life-Balance-Kurven (Kastner, 2010c, S. 299)

Das Verständnis über die Funktionen des Wippens und die damit verbundenen Work-Life-

Balance-Kurven sind essential zum Verständnis zum Aufbau von Ressourcen und deren

Zusammenhang zu Belastungen und Anforderungen. Für einen gesundheitlich förderlichen

Arbeitsplatz ist eine Kurve mit gesunder Frequenz (2/3 vom Zahnfleisch) Voraussetzung.

In dem Bild der Wippe wird ein „Durchschlagen“ der einzelnen Seiten durch Puffer

vermindert oder sogar vermieden. Dabei unterscheiden sich die Puffer von den Ressourcen

durch die Abfederung von unerwünschten Energien oder Aktivitäten bzw. Belastungen

oder Anforderungen. In Puffer wird im Gegensatz zu Ressourcen investiert in der

Hoffnung, sie nicht in Anspruch nehmen zu müssen. Sie sind als eine Art Versicherung zu

begreifen, die man lieber nicht in Anspruch nimmt (Kastner, 2010c, S. 298).

Fazit: Beanspruchungen, die aus Belastungen entstehen, müssen nicht zwangsläufig

gesundheitsbeeinträchtigend wirken. Sie können vielmehr durch die Nutzung und

Ausbildung von Ressourcen für den Menschen nützlich oder sogar notwendig sein. Als

Bild dazu bietet sich das Immunsystem eines Kindes an. Dieses muss, um ausgebildet zu

werden, mit Bakterien und Viren konfrontiert werden. Allerdings in dem Maße, in dem das

Immunsystem in der Lage ist, zu reagieren. Ebenso kann man sagen: Ressourcen und

Belastungen müssen eine individuelle Passung haben, um langfristig einen Ausgleich zu

ungesunde'Frequenz'

(Überforderung/Fehlbeanspruchung)'

2/3'vom'

„Zahnfleisch“'

Basislinie(

Basislinie(

eingeschränkte'Leistung(sfähigkeit)'

Unterforderung/Fehlbeanspruchung'

Basislinie(

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

53

erreichen. Zusätzlich gilt: Selbst eine optimale Ausstattung mit Ressourcen impliziert nicht

eine unendliche Belastungsfähigkeit des Menschen. Vielmehr gibt es natürliche Grenzen.

Nach der Beschreibung der Begriffe sowie die Klärung der Zusammenhänge von

Ressourcen, Belastungen, Beanspruchungen und Puffern, werden nun im Rahmen des

PSO-Modells, die Ressourcen und die wesentlichen Theorien, für diese Arbeit, in den

einzelnen Bereichen dargestellt.

3.2 Ressourcen im Bereich der Person

Auf der Ebene der Person nach dem PSO-Modell wird der Arbeitnehmer mit seinen

sozialen Ressourcen betrachtet. Im Rahmen der Arbeit sind dies Wertschätzung, welche

von außen wahrgenommen wird, sowie die Selbstwertschätzung. Ebenso wird der

Fragestellung „Was ist wertschätzende Kommunikation und wie kommt sie beim

Mitarbeiter an?“ nachgegangen. Die wichtigen, der Arbeit zugrunde liegenden Theorien

der Salutogenese und der positiven Psychologie werden in den Bereich der Person

eingeordnet und erläutert.

3.2.1 Empfundene Wertschätzung in Organisationen

Wertschätzung ist ein alltäglicher Begriff und wird meist mit Respekt, Achtung,

Wohlwollen und Anerkennung in Verbindung gebracht (Engelbrecht, et al., 2010, S. 204).

Im betrieblichen Kontext wird Wertschätzung als „Wert“-Konstrukt zur Förderung von

Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Führungskräften, zur Steigerung von Leistung

und Motivation und zur Verbesserung von Arbeitszufriedenheit und Gesundheitsförderung

häufig benutzt. Nach Kastner (1990, S. 34) geben Werte Orientierung, sie sind für das

Individuum oder eine Gruppe etwas Wünschenswertes. Das Handeln richtet sich in seiner

Art und Weise danach aus, Ziele und Mittel werden beeinflusst. Im Kontext des

Betrieblichen Gesundheitsmanagement wird auf den Aspekt der Wertschätzung

hinsichtlich der Auswirkung auf die Gesundheit und das Stresserleben von Mitarbeitern

besonderen Wert gelegt (Ciesinger, et al., 2010, S. 7; Jacobshagen & Semmer, 2009, S. 12;

Jacobshagen, et al., 2006, S. 87; Siebecke, 2010, S. 8; Siegrist, 1996b; E. Ulich & Wülser,

2010, S. 94; Viswesvaran, et al., 1999, S. 314f.) sowie auf den Einfluss für die Leistung

von Mitarbeitern (Bartscher, 2005, S. 41; Ciesinger, et al., 2010, S. 6; Siebecke, 2010, S.

8) als auch auf die Arbeitszufriedenheit (Decker, Fischbach 2010, S. 11). In der Literatur

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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54

werden vor allem die Auswirkungen von Wertschätzung oder eben mangelnder

Wertschätzung beschrieben (Göll & Rettler, 2010). So finden sich in der Literatur

zahlreiche verschiedene Definitionen, je nachdem von welcher wissenschaftlichen

Disziplin sie erstellt wurden (Hinding et al. 2010, S. 188). Zudem wird nicht nur der

Begriff in vielfältiger Hinsicht verwendet, ebenso ist die Wahrnehmung und Empfindung

von Wertschätzung individuell (Zwack et al. 2011, S. 431).

Wählt man zur Annäherung an den Begriff den sprachwissenschaftlichen Einstieg, setzt

sich Wertschätzung aus dem Substantiv „Wert“ und dem Verb „schätzen“ zusammen.

Doch sowohl der Begriff Wert wie auch schätzen sind in unserer Sprache mit

verschiedenen Interpretations- und Ausdrucksmöglichkeiten verknüpft, die besonders beim

Verb schätzen sowohl positiv wie auch negativ konnotiert sind. Während „Wert“ als

Wertvorstellung oder Wertorientierung im Sinne von grundlegender Wertanschauung über

normative Sollvorstellungen und ethisch-moralische Orientierungen oder aber auch der

Wert an sich über eine deskriptive oder ökonomische Beurteilung beschrieben wird

(Rosenstiel, 1993, S. 27). Dabei sind Werte auf einem hohen Abstraktionsniveau

angesiedelt. So lassen sich Werte von Freiheit und Selbstbestimmung nicht auf konkrete

Inhalte oder ein bestimmtes Verhaltensmuster beziehen (vgl. Rosenstiel, 2003, S. 34f.).

Kritisch betrachtet können Werte so zum Ziel moralischer Handlungen missbraucht

werden. Sie werden zu Vorschriften, die zur Stabilisation einer Gesellschaftsordnung

dienen, die mit Macht durchgesetzt werden (Thomè). Beispiele finden sich zahlreich in der

Vergangenheit und Gegenwart. Als Beispiel können die Wertevorstellungen der Mafia

angeführt werden. Diese führen bei deren Mitgliedern zur Wahrnehmung einer eigenen

Ethik mit entsprechenden Handlungen. Dass diese Ethik nicht mit unserem Weltbild

vereinbar ist, versteht sich von selbst. Damit ist es auch eine Frage, wie Werte in einer

jeweiligen Gesellschaftsordnung und so schlussendlich von jedem Individuum definiert

werden. Bezieht man dieses auf den Wert der Wertschätzung, erfährt unter Umständen ein

Mitglied der Mafia für kriminelle Handlungen wie Schutzgelderpressung im Rahmen des

Ehrenkodex Wertschätzung. Während dieses in anderen Gesellschaftsordnungen ein nicht

akzeptiertes Verhalten ist und mit strafrechtlichen Konsequenzen geahndet wird. So könnte

man sagen, dass die Gesellschaftsordnung, in der sich ein Individuum bewegt, nicht das

Maß aller Dinge ist.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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55

Beim Verb „schätzen“ findet sich ebenso keine einheitliche Bedeutung. Es wird häufig im

Sinne von Bewertung von Dingen oder Tätigkeiten und in Zusammenhang mit Abschätzen

von materiellen Werten benutzt. Ebenso können immaterielle Dinge wie etwa

Eigenschaften oder Tätigkeiten einer Person geschätzt werden (Hinding et al. 2010, S.

189). Auch die Psychologie hat bis jetzt keine einheitliche Definition von Wertschätzung

hervorgebracht, obwohl Wertschätzung in der Psychologie seit langem ein wichtiges

Thema ist. Schon 1920 stellte der Philosoph und Psychologe W. James (1920) fest, dass

Anerkennung eins der wichtigsten Bedürfnisse der menschlichen Natur ist. Soziale

Bindungsbedürfnisse spielen bei Maslow (1968, S. 42) eine bedeutende Rolle. In Rogers

Theorie der Therapeutischen Beziehung ist durch Wertschätzung das Erkennen des eigenen

Selbst und die Förderung der Selbstakzeptanz möglich. Die ideale Therapeutische

Beziehung ist demnach getragen von Authentizität, Akzeptanz, Ehrlichkeit und Zuneigung

(Rogers, 1982). Semmer & Jacobshagen (2003) weisen ebenso auf die Rolle des

Selbstwertes für das Wohlbefinden hin. Statuskontrolle und Wertschätzung sind

entscheidende Faktoren zum positiven Empfinden des eigenen Selbstwerts (vgl. auch

Becker, 1991, S. 43). Zum Ausbau des Selbstwertes gehört ebenso die Fähigkeit, eine

grundlegend wertschätzende Haltung zu sich selbst aufzubauen (Bartscher, 2005). Nach

Crocker und Park (2004, S. 392) gehört der Schutz des bestehenden Selbstwerts eines

Individuums zu den psychologischen Grundbedürfnissen. Die Autoren verweisen dazu auf

zahlreiche psychologische Studien. Dabei resultiert Selbstwert aus der individuellen

Einschätzung von Eigenschaften und Fähigkeiten sowie Einstellung zum Selbst

(Baumeister, et al., 2003, S. 2; Bowling, et al., 2010, S. 601). Quellen dieser Einschätzung

können zum einem aus der Selbstwahrnehmung (innen) durch das Beobachten des eigenen

Verhaltens und zum anderen durch soziale Rückmeldung sowie soziale Vergleichsprozesse

entstehen (außen) (Filipp & Frey, 1988, S. 425; Franks & Marolla, 1976, S. 325). Bezogen

auf die in dieser Arbeit beschriebenen sozialen Ressourcen ist der Selbstwert durch die

Wertschätzung der eigenen Person sowie durch die Wahrnehmung sozialer Ressourcen in

der Umwelt beeinflusst. Bedeutsam ist der Selbstwert in den Konsequenzen auf das

Verhalten von Personen (Baumeister, et al., 2003, S. 2; Bowling, et al., 2010, S. 601); so

werden Erfolg und Kompetenzen durch die Beurteilung des eigenen Werts positiv oder

negativ beeinflusst.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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56

Im organisationalen Umfeld wurde im Zusammenhang mit dem Selbstwert das Konzept

des OBSE (Organzisation-Based Self-Esteem) entwickelt. Hier wird in Abgrenzung zum

generellen Selbstwert die Bewertung des Selbst als Mitglied einer Organisation und als

Teilaspekt des Selbstwerts, betrachtet (Baumeister, et al., 2003; Bowling, et al., 2010).

Für die in der Arbeit untersuchten Faktoren von Arbeitszufriedenheit, Leistung und

Gesundheit sind Zusammenhänge mit dem Selbstwert empirisch untermauert. So fanden

Judge et. al. (2001, S. 80) in einer Meta-Analyse Zusammenhänge von Selbstwert,

Arbeitszufriedenheit und Leistung. Zusätzlich zur Leistung untersuchten Bowling et. al.

(2010) die Gesundheit von Mitarbeitern und fanden negative Zusammenhänge zwischen

Selbstwert, Depressionen und körperlichen Beschwerden.

Die Betrachtung und Definition von Wertschätzung in unterschiedlichen Bereichen sowie

die des Konstrukts des Selbstwerts macht deutlich, wie facettenreich und wenig einheitlich

dieser Begriff verwendet wird.

Wenn nun Wertschätzung ein Faktor zur positiven Unterstützung des Selbstwerts ist, führt

dann „das Gegenteil von Wertschätzung“ zu einem geringeren Selbstwert? Und wie wirkt

sich dieser geringere Selbstwert auf Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung aus?

Aus der Literatur ergeben sich wenige Ansatzpunkte, um das „Gegenteil von

Wertschätzung“ zu beschreiben. Hinding und Kastner (2014, S. 294) führen dazu aus, dass

der Arbeitsalltag sowohl von Wertschätzungs- als auch von Entwertungserlebnissen

geprägt ist. Dabei sind Bereiche, in denen Entwertung erlebt wird, das berufliche

Selbstverständnis und der eigene Qualitätsbegriff. Dies spiegelt sich unter anderem in

fehlenden Handlungsspielräumen, fehlendem Vertrauen, mangelnder Unterstützung und in

der Empfindung von Ungerechtigkeiten wider (Hinding & Kastner, 2014, S. 294f.).

Im Extremfall kann eine Entwertung darin bestehen, dass einem Mitarbeiter oder seinem

Verhalten keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Diese Nichtbeachtung widerspricht dem

Bedürfnis der emotionalen Sicherheit mit Folgen für Gesundheit und Leistung (Kastner,

2013, S. 522).

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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57

So kann festgehalten werden, dass mangelnde Wertschätzung durch Missachtung oder

Herabsetzung des Gegenübers die Gefahr einer potenziellen Herabsetzung der eigenen

subjektiven Bewertung in sich birgt, welche Auswirkungen auf das Stresserleben und die

Arbeitszufriedenheit haben kann (N.K. Semmer, et al., 2006, S. 87). Wertschätzendes

Verhalten durch das Zeigen von Interesse an einer Person und deren Arbeit wie auch das

Ernstnehmen von Problemen und Vorschlägen sind ein wichtiger Bestandteil der

Zusammenarbeit in Organisationen. Dazu zählt ebenso Wertschätzung in Verbindung mit

der personellen Vielfalt (diversity). Hier geht es um die Nutzung der Potenziale aller

Mitarbeiter. Diese wird im Zuge von Fachkräftemangel und der Notwendigkeit von

Innovationen ein entschiedener Leistungsfaktor für Unternehmen (Kastner, 2014a, S. 136)

und ist somit ein wichtiges Zukunftsthema. Wertschätzung zeigt sich hier in der Inklusion;

sie schließt Ausgrenzung und Chancen-Ungleichheit aus. Sei es in der Gleichbehandlung

bei

Bezahlung

und

Aufstiegschancen

von

Frauen

ebenso

wie

bei

den

Weiterbildungsmöglichkeiten und der beruflichen Entwicklung von angelernten

Mitarbeitern, Zeitarbeitern oder auch älteren Mitarbeitern (Bender, 2010, S. 184).

Wertschätzung zeigt sich gerade bei Diversity-Themen im gegenseitigen Respekt und in

der Anerkennung von Kompetenzen und Leistungen (Neuy, et al., 2007, S. 63). Dies

bedingt eine grundsätzliche positive Grundhaltung gegenüber des Wertes eines

Individuums an sich mit Akzeptanz der Persönlichkeit des Mitarbeiters (vgl. hierzu auch

Schnopp Schnopp, 1980, S. 104). Für diese Wertschätzungsthemen mit Auswirkungen auf

Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und Leistung ist die Führungskraft eine wichtige Quelle

(Bartscher, 2005, S. 42; Eilles-Matthiesen & Scherer, 2011, S. 15).

In der Zusammenfassung ist die Wertschätzung ein zentraler Wert, der häufig mit

Unternehmenskultur oder mit einem Führungsstil in Zusammenhang gebracht wird.

Wertschätzung

liefert

einen

wichtigen

Beitrag

zur

Leistungsentfaltung

und

Leistungserstellung

im

organisationalen

Rahmen

(Bartscher,

2005)

Somit

ist

Wertschätzung, auch im Hinblick auf Wertschöpfung, für Mensch und Organisation von

Bedeutung. Wichtig ist jedoch, dass diese als solche wahrgenommen und empfunden wird.

Quellen von Wertschätzung in Organisation sind Ansprechpartner (Gruppen) und

Handlungen (Formen).

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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58

Wie in der Einleitung beschrieben, geben Mitarbeiter in Befragungen an, dass sie

wertschätzend handeln; zugleich beklagen sie mangelnde Wertschätzung. Die Vermutung

der Autorin ist, dass in der Interaktion von Menschen Wertschätzung verloren geht. Ein

Erklärungsansatz hierzu wäre: Wertschätzung muss als solche wahrgenommen werden.

Das, was als Wertschätzung gemeint und transportiert werden soll, muss beim Empfänger

als Botschaft nicht automatisch als Wertschätzung verstanden werden. „Gedacht“ ist nicht

gleich „Gesagt“, „Gesagt“ ist nicht gleich „Gehört“, „Gehört“ ist nicht gleich

„Verstanden“. Dieser Satz veranschaulicht die einzelnen Stationen einer Botschaft und die

Gefahr, dass, was vom Sender einer Botschaft gemeint ist, nicht zwangsläufig dasselbe ist,

was der Empfänger versteht (Bartscher, 2005, S. 42).

Äußert eine Führungskraft ihre Anerkennung für eine besondere Leistung eines

Mitarbeiters, z. B. in der Form von „dafür muss ich sie mal loben“, kann dies als

Wertschätzung vom Mitarbeiter wahrgenommen werden. Bei einem anderen Mitarbeiter

kann dies jedoch eine „semantische Reaktion“4 in Form der Herabsetzung seiner Person

(das Wort „Loben“ könnte auch als negativ konnotiert interpretiert werden) empfunden

werden. Die Reaktion auf „muss“ kann als eine nicht freiwillige und von der Führungskraft

eigentlich ungewollte Anerkennung der Leistung verstanden werden. Die Annahme der

Autorin ist, dass jeder Mitarbeiter Wertschätzung in seiner eigenen Art und Weise

interpretiert und erkennt. Der eine möchte für seine Leistung gelobt werden, ein anderer

eine besondere Fortbildung bekommen und noch ein anderer einen Bonus für eine

engagierte Leistung oder einen herausragenden Erfolg. Wertschätzung kann als eine

Handlung beschrieben werden, die der Mitarbeiter auf sich selbst bezieht und mit einem

positiven Gefühl verknüpft. Sie ist damit auch eine emotionale Reaktion auf Äußerungen

oder Handlungen unserer relevanten Ansprechpartner (Zwack et al. 2011, S. 439).

Die Frage, die sich daraus ableitet, ist: Wie kann es gelingen, dass der Mensch, trotz

individueller Zugänge, Wertschätzung empfindet? Ein wichtiger Faktor dazu ist die Form

der Kommunikation. Sie wird im folgenden Kapitel thematisiert.

4 Nach Korzybski ist eine Semantische Reaktion eine psychologische Reaktion eines Individuums auf

Wörter, Zeichen und Symbole, die eine bestimmte Bedeutung für ein Individuum haben.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

59

3.2.2 Wertschätzende Kommunikation

Damit Wertschätzung beim Empfänger tatsächlich wahrgenommen wird, bedarf es der

„richtigen“ Kommunikation. So wird Wertschätzung durch die Art und Weise der

Kommunikation, im positiven wie im negativen Sinn, beeinflusst. Eine gute und richtige

Kommunikation besteht aus Zuhören, verzichtet auf Kränkung, hat eine klare

Ausdrucksweise und bewegt sich auf „Augenhöhe“ mit seinem Gegenüber (Kastner 2008,

S. 115).

Es gibt verschiedene Kommunikationsmodelle, die sicherstellen können, dass

Wertschätzung beim Empfänger ankommt. Zwack et al. (2011, S. 437) schlagen zur

wertschätzenden Kommunikation und zur Sicherstellung, dass der Mitarbeiter sich gemeint

fühlt, das Modell der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg (2010) vor, welchem

eine Unterscheidung zwischen Inhalts- und Beziehungsaspekt zugrunde liegt. Das TALK-

Modell von Schulz von Thun (Neuberger, 1985; 1981) unterscheidet ebenfalls in einen

Inhalts- und Beziehungsaspekt. In diesem Modell werden die Komponenten eines

Gespräches als Tatsache, Ausdruck, Lenkung und Kontakt bezeichnet. Kastner (2008, S.

123ff.) erweitert das TALK-Modell um die Unterscheidung in Intention und reales

Ergebnis bei Sender um Empfänger. Dieses Modell veranschaulicht, dass eine Intention,

einen Sachverhalt sachlogisch auszudrücken, nicht notwendigerweise in einer adäquaten

Weise geschieht oder beim Empfänger als eine solche Information ankommt. Kombiniert

man diese Facetten mit den vier Dimensionen des TALK-Modells entstehen mindestens

256 mögliche Kombinationen (sieht man von Mischformen bei „Tatsachen“, „Ausdruck“,

„Lenkung“ und „Kontakt“ ab). Damit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Botschaft

so wie sie gemeint ist nicht formuliert oder nicht wahrgenommen wird.

Ziel der Kapitel 3.2.1 und 3.2.2 ist es, die soziale Ressource der Wertschätzung auf der

Ebene der Person näher zu beschreiben ebenso wie die Wahrnehmung dieser durch

geeignete

Kommunikationsformen.

Wird

Wertschätzung

als

eine

Ressource

wahrgenommen, beeinflusst sie positiv Leistung, Arbeitszufriedenheit und Gesundheit. Sie

wird somit zu einer gesundheitsförderlichen Ressource. Eine der grundlegenden Theorien

dieser Arbeit zu gesundheitsförderlichen Ressourcen und damit zu Gesundheitsförderung

in Organisationen, ist das Konzept der Salutogenese nach Antonovsky (1979; 1997). Es

wird im nachfolgenden Kapitel mit den der Person zugeordneten Widerstandsressourcen

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

60

beschrieben. Die in diesem Konzept ebenso enthaltenen gesundheitsförderlichen

Ressourcen am Arbeitsplatz werden entsprechend im Kapitel 3.3.3 (Salutogene Ressourcen

am Arbeitsplatz) eingeordnet und dargestellt.

3.2.3 Der Salutogenetische Ansatz

Das Konzept der Salutogenese nach Antonovsky (1979; 1997) ist eine der wesentlichen

theoretischen Grundlagen dieser Arbeit, weil es Gesundheit aus einem ganzheitlichen

Verständnis heraus versteht. Durch die Fragestellung „Was hält gesund?“ läutet es einen

Paradigmenwechsel ein und stellt die Stärkung der gesundheitsförderlichen Ressourcen in

den Mittelpunkt. Eben jene Untersuchung der Ressourcen mit ihrem positiven Einfluss auf

Gesundheit hat einen wesentlichen Bezug zur Fragestellung dieser Arbeit.

Perspektivwechsel

Viele Jahrzehnte war der Blick der Gesundheitswissenschaft darauf fokussiert, die Gründe

für Krankheit zu suchen, mit dem maßgeblichen Ziel, die pathogenetischen Dynamiken zur

Krankheitsentstehung zu verstehen. Der Ausgangsgedanke war die Erforschung der

Ursachen von Krankheit mit dem Ziel, die Risikofaktoren zu meiden um damit die

Krankheit nicht erst entstehen zu lassen. Das bedeutet, dass das Ziel der

Krankheitsprävention die „Vermeidung des Auftretens von Krankheiten“ ist (K.

Hurrelmann, et al., 2004, S. 11). Die gesundheitspolitischen Debatten, die die

Weltgesundheitsorganisation in Alma Ata (1978) und, wie oben beschrieben, in Ottawa

1986 ausgelöst hatten, dass auch ökonomische, kulturelle, politische und soziale

Überlegungen in die Forschung zur Gesundheit und zu ihrer Prävention eingebracht

werden müssten, veränderten die Strategie der Krankheits- bzw. Forschung zur

Gesundheit. Gesundheit dient zur individuellen und gesellschaftlichen positiven Gestaltung

der Lebensumstände. Die Verantwortung dafür wird dem Menschen selbst zugeschrieben

(Bengel, et al., 2001, S. 19). Damit stellt dieser veränderte Blick auf Gesundheit auch eine

Orientierung auf die Ressourcen, die im Menschen selbst liegen, dar. Im Mittelpunkt einer

sich verändernden Herangehensweise steht die sogenannte Salutogenese, die einen

Paradigmenwechsel in der Beurteilung von Krankheit und Gesundheit herbeigeführt hat.

Konzept der Salutogenese

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

61

Bei der salutogenetischen Herangehensweise liegt das Augenmerk darauf, zu erklären, wie

Gesundheit

entsteht.

Der

Begriff

setzt

sich

aus

dem

Lateinischen

„Salus“

(Unverletzlichkeit/Heil, Glück) und „Genese“ (Entstehung) zusammen. Es geht also um

die Frage, welche Faktoren sind maßgeblich daran beteiligt, dass ein Mensch gesund ist

und bleibt. Der Begriff und das Konzept wurde von Aaron Antonovsky geprägt (K.

Hurrelmann, 2000, S. 119), der mit seiner Arbeit „Health, Stress and Coping“

(Antonovsky, 1979) eine erweiterte Perspektive der Bewertung von Krankheit und

Gesundheit vorgelegt hat.

Gesundheits-Krankheitskontinuum

Antonovsky geht davon aus, dass Gesundheit und Krankheit kein sich einander

ausschließendes Gegensatzpaar sind, sondern dass eine ständige Bewegung auf einem

Gesundheits- und Krankheitskontinuum stattfindet. Der Aufbau von Gesundheit ist

vielmehr ein stetig andauernder Prozess. Jeder Mensch bewegt sich Zeit seines Lebens auf

einem Kontinuum zwischen Gesundheit und Krankheit. Solange der Mensch lebt, und sei

er todkrank, ist er auch in gewissem Ausmaß gesund (Antonovsky & Franke, 1997, S. 23).

Wenn nun Gesundheit kein statischer Zustand ist und auch nicht im Sinne der WHO-

Verfassung von 1946 als „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen

Wohlbefindens“ definierbar ist, entsteht Gesundheit immer wieder neu in einer aktiven

Adaption des Menschen mit den Einflüssen seiner Umwelt (Antonovsky & Franke, 1997,

S. 27). Dieser Annahme liegt die Beobachtung der Wirklichkeit zugrunde, dass das Leben

nie gradlinig und nie ohne beanspruchende Lebenssituationen verläuft und Menschen auf

Ereignisse in ihrem Leben reagieren müssen. Der Zustand der Homöostase ist demnach

nicht der Normalzustand sondern vielmehr die Umstände, welche ein Ungleichgewicht

erzeugen. Antonovsky wählt dazu den Begriff der Entropie (Antonovsky & Franke, 1997,

S. 22).

Welche Wirkungen solche Beanspruchungen auf den Organismus haben, hängt wiederum

davon ab, wie mit den Anforderungen und potenziellen Stressoren durch die

hervorgerufenen Spannungszustände umgegangen wird. Stressoren werden nicht zwingend

als krankmachend und negativ bewertet. Vielmehr werden sie als Stimuli betrachtet mit der

Möglichkeit, sich mit Ihnen intensiv im Rahmen von persönlichen Möglichkeiten und

Rahmenbedingungen auseinander zu setzten. Die subjektive Bewertung des Stressors und

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

62

die individuellen Ressourcen zur Bewältigung sind somit von zentraler Bedeutung (vgl.

dazu auch Kapitel 3.1.3). Dabei ist das Ziel, eine Balance zwischen beiden herzustellen

(Bengel, et al., 2001, S. 20; Neureiter, 2010, S. 18). Die Bedeutung der subjektiven

Bewertung wird im transaktionellen Stressmodell von Lazarus & Folkmann (1984)

deutlich. Das Stressmodell orientiert sich an der kognitiven und emotionalen Bewertung,

die der Mensch in Bezug auf Anforderungssituationen vornimmt, sowie den Möglichkeiten

diese zu bewältigen. Kann eine Situation mit den vorhandenen Ressourcen und

Bewältigungsstrategien nicht bewältigt werden, entsteht Stress. Es wird von einem

mehrgliedrigen Zyklus ausgegangen, welcher wiederholt, in der wechselseitigen

Beeinflussung von Individuum und Umwelt, durchlaufen wird und folgende Komponenten

beinhaltet:

Die kognitive Analyse und kognitiv-emotionale Bewertung der wahrgenommenen

belastenden Situationen im Hinblick auf Stressoren (primary appraisal)

Nachfolgend die Bewertung eigener Ressourcen zur Bewältigung dieser Situation,

für den Fall, dass die Stressoren eintreffen, bzw. schon eingetroffen sind (secondary

appraisal)

Danach eine Neubewertung der Belastungssituation (re-appraisal)

Kohärenzgefühl

Wie gelingt Gesundheit trotz widriger Umstände und allseits vorhandenen Stressoren?

Antonovsky (1997, S. 124) betrachtet Stressoren nicht zwingend als negativ. Eine Balance

zwischen Ressourcen und Defiziten ermöglicht Lebenserfahrungen, die eine Position auf

dem so genannten SOC-Kontinuum erreichen lassen. Das Kohärenzgefühl (nach

Antonovsky sense of coherence) ist das Kernelement des salutogenetischen Konzepts.

Antonovsky (1979, S. 123) entwickelte es auf der Suche nach einer theoretischen

Untermauerung

für

die

Auswirkungen

wie

z. B.

soziale

Unterstützung

und

Handlungsspielraum auf die positive Beeinflussung von Gesundheit wirken. Dieser

Kohärenzsinn verweist auf eine allgemeine Grundhaltung des Individuums gegenüber der

Welt und des eigenen Lebens hin, auf die unmittelbaren Umstände, Situationen und Rollen,

die jemand einnehmen muss oder gerade einnimmt. Menschen haben dann einen starken

Kohärenzsinn, wenn sie die Fähigkeit entwickelt haben, den inneren und äußeren Reizen

positiv zu begegnen, sie zu verstehen und ihnen Sinn zu verleihen. Dies wirkt sich

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

63

wiederum auf die Gesundheit oder die Fähigkeit aus, sich auf dem Kontinuum in Richtung

Gesundheitspol zu bewegen (Bengel, et al., 2001, S. 28).

Antonovsky bezeichnet diese grundlegende Einstellung zum Leben als dispositionale

Orientierung mit den drei Komponenten (Antonovsky, 1979, S. 34ff.):

Gefühl der Verstehbarkeit (sense of comprehensibility)

Bei der Verstehbarkeit werden interne und externe Stimuli als kognitiv sinnhaft,

vorhersehbar und nachvollziehbar wahrgenommen - nicht als chaotisches und willkürliches

Rauschen. Auch zukünftige Stimuli werden als vorhersehbar oder zumindest als erklärbar

eingestuft.

Gefühl der Handhabbarkeit bzw. Bewältigkbarkeit (sense of manageability)

Bei der Handhabbarkeit ist es erlebbar, dass Anforderungen entsprechende Ressourcen zur

Bewältigung gegenüber stehen und mobilisiert werden können. Über diese verfügt der

Mensch selbst oder er kann auf externe Hilfestellung im Sinne von sozialer Unterstützung

zurückgreifen.

Gefühl der Sinnhaftigkeit bzw. Bedeutsamkeit (sense of meaningfulness)

Die Bedeutsamkeit ist das grundlegende Motivationselement. Herausforderungen werden

als wichtig genug angesehen, sich dafür emotional zu engagieren. Die Auseinandersetzung

mit Herausforderungen ist in ein tragfähiges, sinnstiftendes eigenes Lebenskonzept

eingebunden. Das ist wesentlich, um auch kritische Lebensereignisse als Herausforderung

anzunehmen.

Antonovsky schreibt:

The sense of coherence is a global orientation that expresses the extent to which one has a

pervasive, enduring though dynamic feeling of confidence that one´s internal and external

environments are predictable and that there is a high probability that things will work out as

well as can reasonably expected (Antonovsky, 1979, S. 123).

Diese positive und optimistische Grundhaltung erhöht wiederum die Fähigkeit, schwierige

Situationen zu bewältigen. Eine Konsequenz dieser Kompetenz ist ein erhöhtes

Gesundheitspotential für diese Personengruppe (Siegrist, 2012, S. 145). Solche Menschen

mit einer vorwärts gerichteten Lebenseinstellung, hierzu gehört auch ein religiöser Glaube,

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

64

sind Menschen, die ein geringeres Risiko tragen zu erkranken (Bonelli & Koening, 2013).

Das Kohärenzempfinden ist nicht für alle Lebensbereiche gleich und nicht für alle

Bereiche ausgeprägt; dies hängt von der subjektiven Bedeutsamkeit für die einzelne Person

ab. Es gibt jedoch vier wichtige Bereiche, in denen ein starkes SOC entscheidend ist. Dies

sind die eigenen Gefühle, die unmittelbaren interpersonellen Beziehungen, seine eigene

wichtigste Tätigkeit und der Bereich der existentiellen Fragen (Antonovsky & Franke,

1997, S. 39).

Der zentrale Ansatz einer Gesundheitsförderung ist es, die vorhandenen Ressourcen zu

nutzen und weniger darauf zu schauen, welche Schwächen vorhanden sind. Die

Stärkeorientierung erhöht damit die Zugangsmöglichkeiten und die Erreichbarkeit, wenn

man den Menschen nicht defizitorientiert begegnet, sondern Talente und Ressourcen

identifiziert und gezielt adressiert (Altgeld & Kickbusch, 2012, S. 188). Diese Form des

„Empowerments“, als eine ressourcenorientierte Intervention ist das Motto der Ottawa

Charta, die sich emanzipatorisch gibt und für Menschen ein höheres Maß an

Selbstbestimmung über ihre Gesundheit einfordert, damit Individuen und Gruppen ihre

Bedürfnisse wahrnehmen und ihre Lebensumstände selber verändern können (Hurrelmann

et al. 2004, S. 44). Für das Niveau des SOC sind nicht nur die oben beschriebenen

Faktoren entscheidend, sondern zusätzlich die Stressoren, welche unterschiedlich bewertet

und zeitlich ausgeprägt sein können (chronische Stressoren, wichtige Lebensereignisse und

tägliche Widrigkeiten). Sie schaffen Lebenserfahrungen und damit Ressourcen, die ein

starkes Kohärenzgefühl verursachen und verstärken (Antonovsky & Franke, 1997, S. 43).

Generalisierte Widerstandsressourcen

Zur

Entwicklung

eines

starken

Kohärenzgefühls

spielen

die

generalisierten

Widerstandsressourcen eine zentrale Rolle. Diese zeitlich überdauernden Faktoren prägen

die Lebensumstände einer Person maßgeblich. Werden Situationen als belastend erfahren,

geht es nun darum, alle zur Verfügungen stehenden Ressourcen und Kompetenzen, die

einen Beitrag zur Bewältigung der erfahrenen Krise leisten können, zu mobilisieren

Antonovsky spricht von sogenannten Widerstandsressourcen als genetisch und

gesellschaftlich bedingte Potentiale. Sie lassen sich auf verschiedenen Ebenen finden

(Altgeld & Kickbusch, 2012, S. 188):

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

65

• Auf der individuellen Ebene (organisch-konstitutionell, Intelligenz oder Ich-Stärke)

• Auf der Ebene des sozialen Nahraums (Beziehungen zur Familie, zu Freunden,

Nachbarn, Arbeitskollegen)

• Auf gesellschaftlicher Ebene (Verfügbarkeit materieller Ressourcen)

• Auf der kulturellen Ebene (z.B. Zugangsmöglichkeiten zu kulturellem Kapital im

Sinne tragfähiger Wertorientierungen).

Mit diesem Blickwinkel wird es möglich, Individuen und soziale Systeme zu analysieren

und diese gezielt zu stärken. Dies ist ein gesundheitsstrategischer Ansatz, der darauf

verweist, andere Schwerpunkte zu setzen. Nicht mehr symptomorientierte Ansätze zur

Behandlung von Krankheiten und den damit einhergehenden erzieherischen Maßnahmen

zur Verhaltensänderung sollten im Fokus stehen, als vielmehr

„breitere,

gemeindeorientierte

Ansätze

zu

[verfolgen],

um

gesundheitsrelevante

Lebensbedingungen [zu] beeinflussen und Gesundheit als Handlungsziel in eine Vielzahl von

Politikbereichen einbeziehen zu können“ (K. Hurrelmann, et al., 2012, S. 677)

Zusammenfassend

bezeichnen

das

Kohärenzgefühl

und

die

generalisierten

Widerstandsressourcen die Gesamtheit personenbezogener biologischer, psychischer und

sozialer Ressourcen, die Gesundheit zu fördern vermögen.

Kritik

Würdigt man das Salutogenetische Modell in seiner Gesamtheit, lassen sich bestimmte

Argumentationslinien

verfolgen,

die

sowohl

die

große

Bedeutung

für

die

Gesundheitsforschung betonen als auch kritische Anmerkungen dazu hervorheben: Der

Verdienst Antonovskys ist es, Gesundheit aus einer ganzheitlichen Perspektive zu

betrachten. Soziale und personale Ressourcen werden zur Erhaltung und Widerherstellung

von Gesundheit in den Mittelpunkt gestellt. Die Verantwortung und Handlungsfähigkeit ist

bei jedem Menschen selbst angesiedelt. Die Rolle des „Opfers“ wird zur Rolle des „aktiv

Handelnden“ mit dem Aufbau und der Nutzung von äußeren und inneren Ressourcen.

Krankheit und Gesundheit sind als Bestandteil des Lebens als Kontinuum zu sehen, das

sich mehr oder weniger in beide Richtungen, Gesundheit oder auch Krankheit, bewegen

kann. Gesundheit ist ein Bestandteil des täglichen Lebens und kein Lebensziel (Vogt &

Hoff, 2012, S. 156).

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

66

Dem statischen und zuweilen mechanistisch ausgerichteten Krankheitsverständnis

widerspricht folgender Gedanke: Ein Symptom wird erkannt und der `Defekt´ wird

bekämpft. Im Sinne der Salutogenese haben Krankheit und Gesundheit einen individuellen

Bezugsrahmen

und

werden

aus

dem

Automatismus

der

pathogenetischen

Herangehensweise herausgelöst.. Antonovsky hat die Perspektive erweitert und den

Handlungsrahmen vergrößert. Es kommt weniger auf die Frage an, an welchen Faktoren

man die Möglichkeiten des Scheiterns (im Sinne eines Kampfes gegen Krankheit)

festmachen kann, als vielmehr auf die Frage, welche Ressourcen zur Verfügung stehen, um

trotz vieler Widrigkeiten individuelles Wohlbefinden möglich zu machen (Lorenz, 2005, S.

26).

Das

Modell

der

Salutogenese

hat

viel

dazu

beigetragen,

Gesundheitsförderungsmodelle zu entwickeln, die die Schutzfaktoren für die Gesundheit

als wirkungsvoller erachten, als einfach nur Risikofaktoren zurückzudrängen. „Gesundheit

wird jetzt als Ressource für erhöhte Lebensqualität verstanden“ (K. Hurrelmann, et al.,

2012, S. 677). Dies hat in jedem Fall dazu geführt, die Perspektiven zur Entstehung und

Bewältigung von Stress und Krankheit zu erweitern.

Eine kritische Beurteilung der Salutogenese betrifft die empirische Überprüfbarkeit des

Gesamtmodells der Salutogenese. Bislang haben nur einzelne Studien eine Untersuchung

des Gesamtmodells zum Gegenstand gehabt und zudem sind die Ergebnisse

widersprüchlich. So lassen sich beispielsweise die drei Komponenten der Kohärenz, die

Verstehbarkeit, die Handhabbarkeit und die Sinnhaftigkeit sowie deren Wechselwirkungen

zueinander und ihren Einfluss auf den Gesundheitszustand, nicht getrennt abbilden

(Bengel, et al., 2001, S. 91f.; Geyer, 2010). Bengel et al. (2001, S. 92) kritisiert an

Antonovskys Modell, dass es sich durch die Nähe zur Stressforschung mit anderen

Modellen überschneidet und dadurch nicht viel Neues bietet (vgl. auch Ducki, 2000, S.

52f.).

Durch den Perspektivwechsel in der Fragestellung, nach dem „was Gesund erhält“ erfolgt

zwangsläufig ein ressourcenorientierter Blickwinkel. Die Konzentration auf Stärken und

Fähigkeiten von Individuen erfährt auch in der „positiven Psychologie“ besondere

Beachtung. Das nachfolgende Kapitel skizziert diese und zeigt ihre Bedeutung für die

Förderung von Ressourcen auf.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

67

3.2.4 Positive Psychologie

Im Konzept der positiven Psychologie wird der Fokus wie in der Salutogenese nicht auf

pathologische Faktoren, sondern auf positive Eigenschaften und Fähigkeiten gelegt

(Auhagen, 2008, S. 1; Hefferon, 2011, S. 21; Seligman, 2009).

Der „broaden“ und „build“ Effekt von Fredrickson (2001) beschreibt, dass positive

Emotionen personale Ressourcen sind, und dass deren Aktivierung zu einer Erweiterung

der momentanen Denk- und Handlungsmöglichkeiten führt. Bei der „Building“-Hypothese

wird der oben beschriebene „Broadening“ -Effekt beim Erleben positiver Emotionen

verstärkt. Sie führt zu langfristigen neuen Handlungs- und Denkmustern mit dem Aufbau

neuer Fertigkeiten und Fähigkeiten (A. B. Burns, et al., 2008, S. 361; Fredrickson, 2001, S.

218ff.; Fredrickson & Joiner, 2002, S. 172). Kritik erfährt die „Building“-Hypothese durch

die geringe empirische Untermauerung. Betrachtet man diese jedoch im Spannungsfeld mit

negativen Emotionen, wird die Ausbildung von Ressourcen durch positive Emotionen

deutlich. Bei negativen Emotionen wie Angst kommt es durch Vermeidungsreaktionen zu

einer gegenläufigen Reaktion. Diese kann Handlungsweisen einschränken oder sogar

blockieren und wirkt durch Stressreaktionen gesundheitsschädigend (Fredrickson, 2001;

Kastner, 2010a, S. 91). Eine solche Vermeidungsreaktion ist in lebensbedrohlichen

Situationen durchaus hilfreich. Im organisationalen Kontext schränkt sie Handlungsweisen

ein und verhindert lösungsorientiertes Verhalten sowie Lernfähigkeiten. In der

Zusammenfassung kann festgehalten werden: Positive Emotionen haben die Förderung

von Ressourcen zur Folge. Negative Emotionen schränken Kompetenzen und das

Handlungsspektrum ein.

Generell unterliegt der Begriff der „positiven Psychologie“ im deutschsprachigen Raum

einer kritischen Betrachtung. Die Betonung des Begriffes „positiv“ impliziert, dass in der

bestehenden Psychologie bisher eine Konzentration auf die negativen Seiten des

Verhaltens und Erlebens vorherrscht. Klemenz (2009, S. 78) merkt dazu an, dass die

Selbstwirksamkeitstheorie von Bandura, mit einer Ressourcenorientierung zu den

bedeutenden Theorien der Psychologie gehören. Ebenso findet die Ressourcenorientierung

Eingang in Teilgebiete der Sozial- oder Umweltpsychologie wie auch in die

Gesundheitspsychologie und in die Organisationspsychologie (Klemenz, 2009, S. 76ff.).

Somit sind ressourcenorientierte oder positive Betrachtungen bereits seit langem

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

68

Bestandteil verschiedener Teilgebiete der Psychologie.

Dem Ordnungskriterium des PSO-Modells folgend werden nun die Ressourcen der

Situation betrachtet.

3.3 Ressourcen in der Situation der Arbeitsplatzgestaltung

Auf der Ebene der Situation geht es um die Arbeitsplatzsituation. Hier sind neben dem

physikalischen Arbeitsplatz auch Führungskräfte und Kollegen für die Situation

maßgeblich. In Rahmen der Arbeit wird in diesem Kapitel die soziale Unterstützung von

Führungskraft und Kollegen in die Theorie eingebunden. Darüber hinaus wird die

Gesundheitsorientierung der Führungskraft betrachtet. Der Einfluss der Führungskraft auf

Gesundheit und Leistung ist nach Kastner (2013, S. 532) von großer Bedeutung; so

erreicht diese ihren höchsten Zusammenhang, wenn die Führungsprozesse gut gestaltet

sind. Der Mensch als emotionales soziales Lauf-, Rhythmus- und-Täuschungstier braucht

emotionale Sicherheit, soziale Unterstützung und Geborgenheit, um leistungsfähig und

gesund zu sein (Kastner 2013, S. 522).

3.3.1 Soziale Unterstützung als Ressource

Soziale Ressourcen beinhalten die potenziellen Beziehungen eines Individuums,

unabhängig davon, ob diese genutzt werden oder nicht. Die soziale Unterstützung wird

grundsätzlich definiert als eine tatsächlich in Anspruch genommene Unterstützung der

sozialen Bezugspersonen (Faltermaier, 2005, S. 103f.). Eine Unterteilung der sozialen

Unterstützung kann vorgenommen werden in informelle Unterstützung in Form von

Informationen, z. B. eines gute Rates, in instrumentelle Unterstützung durch finanzielle

Mittel und emotionelle Unterstützung, z. B. durch Trost und Zuspruch (Kienle, et al., 2006,

S. 107f.; D. Zapf & Dormann, 2006, S. 708). Darüber hinaus enthält Cobb’s (1976, S. 300)

Definition zur sozialen Unterstützung die These, dass soziale Unterstützung mit der

Überzeugung verbunden ist, von anderen Menschen geliebt zu werden sowie Respekt und

Wertschätzung zu erfahren. So enthält die soziale Unterstützung die Komponente der

Wertschätzung.

Positiv wirkt soziale Unterstützung als direkte positive Beeinflussung auf die psychische

Beanspruchung sowie das Wohlbefinden (T. A. Beehr, 1995; Schwarzer & Leppin, 1989,

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

69

S. 130ff.; Viswesvaran, et al., 1999, S. 315f.). Sie kann jedoch negative Effekte haben. Sie

ist dann unerwünscht, wenn die Person sich hilfsbedürftig fühlt und ihr Ansehen

beeinträchtigt sieht. Der Selbstwert wird dadurch negativ beeinträchtigt (T. A. Beehr,

1995, S. 201). Ebenso erfolgt eine negative Bewertung, wenn das Gefühl entsteht, die

Hilfeleistung dazu erwidern zu müssen (Buunk, et al., 1998, S. 168). In diesem Kontext ist

soziale Unterstützung am wirksamsten, wenn sie nicht als solche registriert wird (Bolger,

et al., 2000, S. 954).

Soziale Unterstützung wird am Arbeitsplatz vor allem durch die Führungskraft und durch

Kollegen wahrgenommen. Sie beeinflusst das Wohlbefinden und die Gesundheit positiv.

Dazu zählt, wie mitarbeiterorientiert das Vorgesetztenverhalten ist (Orthmann, et al., 2011,

S. 144).

Als wichtige Quelle von sozialer Unterstützung am Arbeitsplatz wird die Führungskraft

mit ihrem Führungsverhalten im Zusammenhang mit Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und

Leistung im nachfolgenden Kapitel thematisiert.

3.3.2 Führungsverhalten als soziale Ressource

Welchen Zusammenhang gibt es nun zwischen der Führungskraft als soziale Ressource,

mit ihrer Möglichkeit zur sozialen Unterstützung und der gesundheitsorientierten Führung

mit Arbeitszufriedenheit, Gesundheit sowie Leistung der Mitarbeiter? In der Literatur wird

immer wieder dargelegt, dass Führung einen entscheidenden Einfluss auf Gesundheit,

Bindung an das Unternehmen und Arbeitsplatzzufriedenheit der Mitarbeiter hat (T.A.

Beehr, 1985, S. 377f.; Eilles-Matthiesen & Scherer, 2011, S. 24; Stadler & Spieß, 2002, S.

6). Die Qualität von zwischenmenschlichen Beziehungen ist für die Leistungsfähigkeit und

Arbeitszufriedenheit ein zentraler Faktor. Sie kann durch die Aktivierung von positiven

Emotionen sowie der Gestaltung eines emotionalen positiven Beziehungsklimas

außerordentlich beeinflusst werden (Klemenz, 2009, S. 91).

Definition von Führung

Wenn Führung nun eine entschiedene Rolle im Zusammenspiel mit Arbeitszufriedenheit,

Gesundheit und Leistung einnimmt, dann ist es notwendig zu verstehen, was mit Führung

gemeint ist. Die meisten Definitionen von Führung beinhalten den sozialen Einfluss einer

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

70

Person über andere Personen zur Strukturierung von Aktivitäten und Beziehungen in einer

Gruppe oder einer Organisation (Yukl, 1994, S. 3). Rosenstiel (2001, S. 319) definiert

Führung als „unmittelbare, absichtliche und zielbezogene Einflussnahme“. Daraus ist eine

Einflussnahme auf Personen zur Zielerreichung zu erkennen. Eine Führungskraft nimmt

über soziale Interaktionen Einfluss auf ihre Mitarbeiter. Diese soziale Einflussnahme wird

in dieser Arbeit aus der positiven Perspektive der sozialen Unterstützung betrachtet. Der

Einfluss erstreckt sich auf das Gesundheitsempfinden der Mitarbeiter und welche

Voraussetzungen zur Gesundheitsförderung in Organisationen bestehen. Jedoch sind sich

in der Praxis die Führungskräfte oft ihres Einflusses auf ein gesundheitsförderliches Klima

nicht bewusst (Kastner, 2010a, S. 82; Stadler, et al., 2000, S. 139). Wird nun der

Zusammenhang von Führung auf Gesundheit näher betrachtet, so kann dieser in drei

Gruppen klassifiziert werden: In direkte Zusammenhänge, indirekte Effekte und

Puffereffekte. Zu den ersten gehören die Zusammenhänge zwischen Führung und

Gesundheitsindikatoren, bei den indirekten Effekten wird über eine Drittvariable vermittelt

und bei den Puffereffekten, auch Moderatoreffekte genannt, beeinflusst Führung den

Zusammenhang zwischen Stressoren und Gesundheit. Pfaff (1989) beschreibt die

Auswirkung der Zusammenhänge aufgrund empirischer Belege. Demzufolge sind die

besten Belege bei der direkten Förderung von Gesundheit (Direkteffektthese) sowie bei der

Abschwächung der Belastungen (Pufferthese). Weniger Belege finden sich jedoch bei der

direkten Abschwächung von Belastungen (Präventionshypothese).

Aufgaben von Führung

Nachdem eine Definition von Führung vorgenommen wurde, werden nun die Aufgaben,

die aus Führung entstehen, betrachtet. Es gibt unterschiedliche Führungsaufgaben. Sie

können grundsätzlich zwischen Aufgabenorientierung und Mitarbeiterorientierung

unterschieden werden. Bei der Aufgabenorientierung geht es um Verhaltensweisen, die

Aufgaben möglichst effizient zu erfüllen. Bei der Mitarbeiterorientierung geht es um alle

Belange der Mitarbeiter, darin enthalten sind freundliche und respektvolle Zuwendung.

Hier findet sich der Bezug zu den sozialen Ressourcen. Für ein erfolgreiches

Führungsverhalten sind beide Bereiche gleichermaßen wichtig (Prümper & Becker, 2011,

S. 38). Das Augenmerk in der alltäglichen Arbeit liegt oftmals auf Sach- und

Fachaufgaben anstelle auf Personen und Beziehungsarbeit (Orthmann, et al., 2011, S. 137).

Ziele sollen erreicht werden, Kennzahlen erfüllt werden. Das „Was“ ist wichtiger als das

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

71

„Wie“. Die Aufgabe der Mitarbeiterorientierung leidet und wird nicht im gleichen Umfang

wahrgenommen. So leidet ebenso die Förderung von sozialen Ressourcen; diese sind zur

Anpassungsfähigkeit

der

Organisationen

in

Zeiten

von

Globalisierung

und

demographischem Wandel jedoch notwendig. So sind Mitarbeiterorientierung und

Sozialkompetenz an der „Mensch-Mensch-Schnittstelle“ als Führungskompetenz ein

entschiedener Faktor zur Bewältigung des Wandels (Zok, 2011, S. 27).

Entgegen der Notwendigkeit zur Mitarbeiterorientierung erfolgt die Auswahl von

Führungskräften in der Regel durch deren Sachkompetenz. Die mangelnde Fähigkeit, sich

den Mitarbeitern zuzuwenden und soziale Unterstützung zu vermitteln, hat Auswirkungen

auf die Mitarbeiterzufriedenheit und deren Fehlzeiten (Nieder, 2000, S. 154). Verstärkt

wird dies dadurch, dass Führungskräfte oft nicht ausreichend in Mitarbeiterführung und

psychologischen Zusammenhängen ausgebildet sind (Nieder, 2000, S. 153).

Führung und soziale Unterstützung

Zu den Zusammenhängen von Führung und sozialer Unterstützung weisen Skakon et. al.

(2010, S. 131), in der Zusammenfassung von Studien darauf hin, dass soziale

Unterstützung sowie Beteiligungsmöglichkeiten das Stressempfinden von Arbeitnehmern

reduziert, bei einem gleichzeitig verbesserten Gesundheits- und Wohlbefinden. Zudem gibt

es einen „spill-over“ des Gesundheits- und Wohlbefindens der Führungskraft auf die

Mitarbeiter. Ebenso analysierte eine Studie von Wilde et. al. „Soziale Unterstützung und

Gesundheit“ den Zusammenhang von sozialer Unterstützung durch Kollegen und durch

Führungskräfte. Das Ergebnis zeigt, dass die soziale Unterstützung von Kollegen einen

direkten Einfluss auf das Befinden der Mitarbeiter hat, während die soziale Unterstützung

durch die Führungskraft einen mediierenden Einfluss hat. Die Unterstützung durch die

Führungskraft scheint sich auf das allgemeine Unterstützungsverhalten in der Abteilung

auszuwirken, was sich wiederum positiv auf das Befinden der Mitarbeiter auswirkt (Wilde,

et al., 2008, S. 104). Ein weiter Einflussfaktor auf das Gesundheitsempfinden von

Mitarbeitern ist die Gesundheitsorientierung der Führungskraft.

Gesundheitsorientierung der Führungskraft

Zur Beschreibung der Gesundheitsorientierung der Führungskraft hat Franke einen

umfassenden Ansatz entwickelt (Franke & Felfe, 2011, S. 64ff.). Der HoL (Health-oriented

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

72

Leadership) -Führungsstil beschreibt, was gesundheitliche Führung ausmacht. Er beinhaltet

die bewusste Wahrnehmung des Stresserlebens und der Gesundheit sowie die

Möglichkeiten zur Beeinflussung derer (awareness). Der Wert der eigenen Gesundheit und

die der Mitarbeiter wird als wichtig eingeordnet sowie die aktive Beeinflussung auch der

gesundheitsförderlichen Arbeitsbedingungen (Value). Das eigene Verhalten mit dem

Ausmaß an persönlichen gesundheitsförderlichen Handlungen in Zusammenhang mit der

Motivierung von Mitarbeitern zu gesundheitsförderlichem Verhalten und entsprechender

Ressourcen wird reflektiert (behavior). Die nachfolgende Abbildung fasst diesen Ansatz

zusammen.

Abbildung 12: HoL (Health-oriented Leadership) (Franke 2011)

Mit den im Ansatz beschriebenen Komponenten soll durch die Vorbildfunktion der

Führungskraft

eine

gesundheitsförderliche

Arbeitsumgebung

und

die

positive

Beeinflussung der Gesundheit der Mitarbeiter erreicht werden (vgl. dazu auch Kastner,

2010a, S. 82ff.). In dieser Arbeit spiegelt sich der Ansatz der Vorbildfunktion der

Führungskraft im Kontext von Gesundheit in dem Aspekt der gesundheitsförderlichen

Führung

wieder.

Sie

wird

hier

als

soziale

Ressource

für

ein

positives

Gesundheitsempfinden und zur Förderung der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter

eingeordnet (vgl. auch Ducki & Felfe, 2011). Zudem ist es Aufgabe der Führungskraft,

Maßnahmen des Gesundheitsmanagements konsequent umzusetzen und authentisch

vorzuleben (Franke & Felfe, 2011, S. 4f).

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

73

Im folgenden soll nun die soziale Unterstützung sowie die Gesundheitsorientierung der

Führungskraft in ihren Wirkzusammenhängen auf Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und

Leistung beschrieben werden.

Wirkung von gesundheitlicher Führung

Wie oben ausgeführt, kann davon ausgegangen werden, dass Führungskräfte direkt oder

indirekt die Gesundheit bzw. das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter beeinflussen können.

Interessant ist die Frage, durch welches Verhalten und welche Faktoren eine solche

günstige

Wirkung

entstehen

kann.

Bei

Betrachtung

der

beiden

Seiten

der

„Belastungswippe“ (vgl. Kapitel 2.4.1.3) können Führungskräfte zum einem die

Belastungen/Anforderungen und zum anderen die Ressourcen/Puffer beeinflussen. Sie

können sowohl Einfluss auf die Arbeitsaufgabe nehmen und damit die Belastung variieren

als auch dafür sorgen, dass Ressourcen aufgebaut werden können. So werden durch

Qualifizierungsmaßnahmen und dem Einräumen von Handlungsspielräumen Ressourcen

entwickelt und gefördert (Franke & Felfe, 2011, S. 4). Im Zusammenspiel mit

wertschätzendem, sozial unterstützendem und gesundheitsorientiertem Verhalten entsteht

eine gesundheitsförderliche Führung. Ebenso ist die Führungskraft in der Lage, die Kultur

innerhalb einer Organisation durch persönliche Faktoren mitzugestalten. Maßgeblich ist

hier vor allem die persönliche Einstellung der Führungskraft (Wilde, et al., 2008, S. 84).

Aus gesundheitsfördernder Führung ergeben sich zentrale Einflussfaktoren. Durch die Art

und Weise der Kommunikation und Interaktion ist ein unmittelbarer Einfluss möglich.

Wertschätzung, soziale Unterstützung und Gesundheitsorientierung sind dabei für das

Gesundheits- und Wohlbefinden der Mitarbeiter von großer Bedeutung. Vorgesetzte

können die Arbeitsaufgabe und das Arbeitsumfeld und somit die Arbeitszufriedenheit

beeinflussen. Im Sinne des gesundheitsförderlichen Arbeitsplatzes heißt dies, die

Ressourcen zu fördern und zu stärken sowie Belastungen und Anforderungen so weit wie

möglich zu reduzieren.

In der Zusammenfassung kann festgehalten werden, dass gesundheitsorientierte Führung

einen Einfluss auf die Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung der Mitarbeiter hat.

Sie beeinflusst positiv, über diese Faktoren die Wertschöpfung, und damit die

Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

74

Gesundheit von Führungskräften

Vorgesetzte können wesentlich besser ihren Führungsaufgaben nachkommen und ihr

gesundheitsförderliches Verhalten zeigen, wenn sie Gesundheit und Wohlbefinden bei sich

selbst erleben. Kritisch sei dazu angemerkt, dass das Gesundheits- und Wohlbefinden der

Führungskraft selbst durch zunehmend steigende Anforderungen und größeren

Erwartungen beeinträchtigt wird (Franke & Felfe, 2011, S. 11). Durch diese Dynaxität

können Interessenkonflikte und Beanspruchungen entstehen. Dies hat nicht nur einen

Einfluss auf das subjektive Gesundheitsempfinden der Führungskraft, auch die

Ausgestaltung der Belastungs-/Anforderungsseite der „Work-Life-Balance“-Wippe im

Sinne von gesundheitsförderlichen Austarierens wird eingeschränkt. Eine Einflussnahme

auf „mitarbeitergerechte“ Anforderungen und Belastungen wird nicht mehr eigenständig

durch den Vorgesetzten gesteuert, sondern ebenso durch Anforderungen der Organisation,

Kunden und Share Holder. Die Gefahr der einseitigen Belastung der „Work-Life-

Balance“-Wippe ist nun nicht mehr durch den Mitarbeiter und seiner Führungskraft

bedingt, sondern zusätzlich durch kaum zu steuernde Anforderungen durch dritte

Interessensgruppen. Im Gegensatz zu der oft postulierten Meinung, dass Führungskräfte

durch erhöhte Beanspruchungen ein beeinträchtigtes Gesundheitsempfinden haben,

untersuchte die SHAPE-Studie 5, ob bei Führungskräften des mittleren und oberen

Managements tatsächlich durch Stressoren und Belastungen ein solches vorhanden ist. Das

Ergebnis der Studie zeigt, dass trotz hoher Anforderungen keine Erhöhung des Risikos für

körperliche

Erkrankungen

gegeben

ist.

Vielmehr

können

das

Fehlen

von

gesundheitsförderlichen

Ressourcen

wie

Kontrolle

der

Arbeitstätigkeit,

soziale

Unterstützung und Wertschätzung körperliche Beschwerden verursachen. Bemerkenswert

ist, dass sich bei weiblichen Führungskräften hohe Anforderungen mit gleichzeitig

fehlenden gesundheitsförderlichen Arbeitsbedingungen besonders stark auswirken

(Kromm, et al., 2009, S. 27ff.).

Aus den scheinbar gegensätzlichen Ergebnissen über den Gesundheitszustand der

Führungskräfte durch Beanspruchungen ergibt sich die Schlussfolgerung: Führungskräfte

5 Die SHAPE-Studie von 2008 (Studie an beruflich hoch ambitionierten Persönlichkeiten) untersuchte im

deutschsprachigen Raum 500 Manager des mittleren und oberen Managements. Durch Selbstauskunft anhand

eines Fragebogens wurden der habituelle Gesundheitszustand, berufliche und private Belastungen, Arbeits-

und Lebensbedingungen, Persönlichkeitseigenschaften sowie die Work-Life-Balance erhoben. Erhoben

wurden zusätzlich gesundheitliche Schutzfaktoren wie gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen und

protektives Gesundheitsverhalten.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

75

sind oftmals erhöhten Anforderungen und Belastungen ausgesetzt. Gerade im mittleren

Management müssen sie Sachaufgaben und Mitarbeiterführung „unter einen Hut“

bekommen. Werden ihnen jedoch genügend Kontrolle und Freiheiten in der Ausführung

ihrer Aufgabe gewährt, bekommen sie soziale Unterstützung durch ihre Führungskraft

sowie ihrer Mitarbeiter und erhalten für ihre Arbeit Anerkennung und Wertschätzung; so

sind dies Ressourcen, die die Beanspruchung mildern oder aufheben und nicht zur

Belastung werden lassen.

Gesunde Führung

Mögliche Formen von gesunder Führung sind die Aufspiralisierung von Ressourcen (vgl.

Kapitel 2.4.1.2) und „gesunder“ Führung nach Kastner.(2010a, S. 95). Diese enthält

strukturelle und personale Komponenten:

• strukturelle Führung wird hinsichtlich der Auf- und Ablauforganisation,

Entgeltsysteme, Laufbahnordnungen, Regeln und Normen gesundheitsförderlich

optimiert

• personale Führung wird hinsichtlich der Interaktion zwischen Mitarbeiter und

Führungskraft, Wertschätzung, adäquate Handlungsspielräume, Balance zwischen

Verausgabung und Gratifikation sowie Gesundheit als Kompetenz zu fördern in

positiver Richtung optimiert

Was der einzelne Mitarbeiter für seinen Ressourcen- und Kompetenzaufbau benötigt, ist

höchst individuell. Aufgaben und Anforderungen, die als lösbar und kontrollierbar erfahren

werden, führen zu mehr Ressourcen und zukünftig gesteigerter Belastbarkeit mit höheren

Zielen (Kastner, 2010a, S. 91). Die Führungskraft steht vor der Aufgabe, dass die

Anforderungen der unterschiedlichen Mitarbeitergruppen variieren und zugleich

ausreichende Regenerationsphasen als Faktor für Gesundheit und Leistung zur Verfügung

stehen (Kastner, 2010a, S. 93). Vergleichbar ist dies mit dem Trainingsreiz im Sport. Eine

Leistungssteigerung wird dann erreicht, wenn durch Training eine spezifische ausreichende

Forderung der Physis durchgeführt wird. Die natürliche Folge ist eine Ermüdung und

Leistungsminderung. Würde man sofort anschließend an einem ausreichenden

Trainingsreiz eine erneute Trainingseinheit anschließen, so wäre die Leistung gemindert.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

76

Eine Leistungssteigerung wird erzielt, wenn nach einer genügenden Ruhephase

(Regeneration) mit Anpassungsleistungen des Körpers ein erneuter Trainingsreiz gesetzt

wird. An diesem Beispiel wird deutlich: Leistungssteigerung erfolgt durch das

Zusammenspiel von Anforderung und Regeneration. Eine permanente Anspannung führt

zur Abspiralisierung der Ressourcen und verminderter Leistungsfähigkeit. So ist

Ressourcenpflege

individuell

und

hängt

vom

„Trainingszustand“

und

der

Gesundheitskompetenz ab (Kastner, 2010a, S. 94).

Führung als individuelle Förderung

Für die Führungskraft stellt sich die Herausforderung, die individuellen Bedürfnisse

hinsichtlich Anforderung, Entspannung und Ressourcenpflege einschätzen zu können. Eine

Form der Umsetzung ist, durch einen Perspektivenwechsel und durch das Hineinversetzen

in die Rolle des Mitarbeiters festzustellen, was der einzelne Mitarbeiter vom Vorgesetzten

erwartet oder braucht (Eilles-Matthiesen & Scherer, 2011, S. 17f.). So gilt es festzustellen,

wie soziale Unterstützung oder andere soziale Ressourcen bei welchem Mitarbeiter wirken.

Nicht nur diese Herausforderung soll von den Vorgesetzten gemeistert werden. Zudem gibt

es im Alltag immer wieder Ereignisse die nicht vorhersehbar sind und die Prioritäten

verschieben. Beispiele dazu sind wirtschaftliche Krisen, die Entlassungen nötig machen,

ebenso wie Mitarbeiter, die ihrerseits nicht respektvoll und wertschätzend agieren. Diese

Dilemmata verlangen immer wieder nach einer individuellen Lösung. Soziale

Unterstützung auf akzeptable Weise anzubieten und einzufordern ist gerade für

Führungskräfte eine wichtige soziale Kompetenz ((Eilles-Matthiesen & Zapf, 2000). All

dies macht Führung und soziale Unterstützung denkbar schwierig (Ducki & Felfe, 2011, S.

xii).

Fazit

Die Führungskraft ist eine Variable der Situation. Sie kann darüberhinaus Faktoren der

Organisation beeinflussen. So hat bei der Umsetzung von Maßnahmen aus dem BGM eine

erfolgskritische Rolle (Wilde, et al., 2008, S. 101). Bei allem wesentlichen Einfluss der

Führungskraft auf das subjektive Gesundheitsempfinden der Mitarbeiter ist nicht zu

vergessen, dass Arbeitnehmer eine Selbstverantwortung für ihr gesundheitliches

Wohlbefinden sowie ihre Leistungsfähigkeit und Leistungsmotivation haben (Kastner,

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

77

2010a, S. 82). Die Aufgabe der Führungskraft durch soziale Unterstützung und

gesundheitsorientiertem Verhalten zu einem gesundheitsförderlichen Arbeitsplatz

beizutragen, kann nicht in einer festgeschriebenen Verhaltensanweisung niedergelegt

werden. Durch die individuellen Zustände und Bedürfnisse der Mitarbeiter ist vielmehr ein

flexibles an der Person und Situation angepasstes Verhalten wünschenswert. Es gibt nicht

den richtigen Weg der Interaktion. Vielmehr ist eine empathische und wertschätzende

Grundhaltung der Führungskraft notwendig.

Damit haben Vorgesetzte als eine Variable der Situation Einflussmöglichkeiten, über

Ressourcen Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung zu gestalten und zu fördern. Im

salutogenetischen

Konzept

finden

sich

ebenfalls

Ressourcen,

die

für

einen

gesundheitsförderlichen Arbeitsplatz maßgeblich sind. Daher werden diese wichtigen

Ressourcen nachfolgend dargestellt.

3.3.3 Salutogene Ressourcen am Arbeitsplatz

Eingeordnet und erläutert wurde das salutogene Konzept von Antonovsky im Bereich der

Ressourcen der Person (vgl. Kapitel 3.2.3). Die dort beschriebenen Ressourcen

(Antonovsky bezeichnet diese als generalisierte Widerstandsressourcen) ermöglichen es,

trotz widriger Lebens- und Umweltbedingungen, gesund zu bleiben (Ducki & Kalytta,

2006, S. 30) . Das Konzept ist jedoch weiter gefasst als die zur Verfügung stehenden

personalen Ressourcen. Vielmehr bezieht Antonovsky seine Erkenntnisse auch auf die

Arbeitswelt. Laut Antonovsky (1997, S. 107ff.) gibt es drei grundlegende Ressourcen zu

einer gesundheitsförderlichen Arbeit:

• Mitbestimmung an sozial geschätzten Entscheidungsprozessen (sinnvolles Erleben

und Ermessensspielraum der eigenen Tätigkeit)

• Eine angemessene Belastungsbalance durch die salutogenetische Gestaltung von

Arbeitsinhalten und Organisationsabläufen (Handhabbarkeit der Tätigkeit im Sinne

von Über- und Unterbelastung)

• Soziale Unterstützung durch Netzwerke und positive soziale Beziehung in

Quantität und Qualität (durch Organisation, Vorgesetzte und Kollegen).

Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz gelingt dann, wenn durch die entsprechenden

Ressourcen die Arbeitnehmer ihre Tätigkeit als kohärent erlebenDie Voraussetzungen für

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

78

einen gesundheitsförderlichen Arbeitsplatz im Bereich der Situation wurden im Bereich der

sozialen Unterstützung, des Führungsverhaltens und der salutogenen Ressourcen am

Arbeitsplatz beschrieben. Die nachfolgenden Kapitel beschäftigen sich mit der Thematik

der Arbeitszufriedenheit und der Entstehung von Leistung. Der vielleicht wichtigste Faktor

dazu ist die Motivation, die nachfolgend im Kontext von Arbeit definiert und beschrieben

wird. Dazu wird ebenfalls die Bedeutung verschiedener Motivationstheorien für

Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung ausgearbeitet. Dieses erfolgt im Hinblick

auf die angenommene Beeinflussbarkeit dieser Faktoren.

3.3.4 Arbeitszufriedenheit und Motivation

Arbeits-Motivation

und

Arbeits-Zufriedenheit

sind

eng

verbunden.

Die

Arbeitszufriedenheit wird bei Nerdinger, Blickle und Schaper (2008, S. 427) als Folge von

Motivation benannt. Für Kleinbeck (2009, S. 347) ist Motivation eine Voraussetzung für

Leistung bei der Arbeit. So werden häufig dieselben (Motivations)-Konzepte zur Erklärung

herangezogen (N.K. Semmer & Udris, 2004, S. 169). Der Begriff der Motivation

beschreibt psychische Prozesse und Effekte, welche die Form, Richtung, Intensität und

Dauer von Verhalten bestimmen. Dabei ist Motivation nicht der einzige Aspekt, der

Verhalten erklärt, vielmehr sind Variablen wie Fähigkeiten, Werte, gesammelte

Erfahrungen ebenso zu berücksichtigen (Weinert, 2004, S. 188).

Zum Verständnis des Begriffs der Motivation wird dieser im Kontext von Organisationen,

näher erläutert. Dabei wird dieser ebenfalls mit Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und

Leistung in Verbindung gesetzt.

Intrinsische und Extrinsische Motivation

Häufig wird grundlegend in der Motivationsforschung unterschieden zwischen „von innen

heraus“ (intrinsisch) oder „von außen her“ (extrinsisch) (Heckhausen, 1989, S. 455). Der

Anreiz und die Ausrichtung von Verhalten werden über den Anreiz oder die Belohnung

eines angestrebten Ziels verstanden. Wird durch Verhalten ein bestimmtes Ziel erreicht

und dafür ein äußerer Anreiz wie eine Belohnung in Form von monetärer Gratifikation

oder Lob und Anerkennung erreicht, so sind extrinsische Motive für die Handlung

ausschlaggebend. Dem gegenübergestellt wird die intrinsische Motivation, bei der der

Anreiz im Vollzug der Tätigkeit selbst liegt. Hier liegt das Motiv nicht in

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

79

ergebnisabhängigen Konsequenzen, sondern in dem Bedürfnis nach Selbstbestimmung und

Kompetenz sowie Interesse und Involviertheit (Rheinberg, 2010, S. 387). Csikszentmihalyi

(1975, S. 41) beschreibt ein Charakteristikum intrinsischer Motivation: Das sogenannte

Flow-Erleben, bei dem Menschen völlig in der Sache aufgehen und darüber Zeit und die

eigene Person vergessen.

Im Zusammenhang mit Arbeitsmotivation ist hier die Überlegung wichtig, welche

extrinsischen Anreize sinnvoll sind und wie diese wiederrum auf intrinsische Motivation

wirken. So bewirkt der sogenannte Korrumpierungseffekt, dass durch Belohnung die

ursprüngliche Attraktivität der Handlung gesenkt wird. Abhängig ist dies von besonderen

Bedingungen: So wurde eine Korrumpierung durch monetäre Belohnungen, die für eine

interessante Tätigkeit erwartet wurden, beobachtet; jedoch nicht durch verbale Bestätigung

(Rheinberg, 2010, S. 372). So kann ist Wertschätzung ein wertvolles Mittel die

extrinsische Motivation unterstützen ohne sie zu korrumpieren.

Motive

Warum verhalten sich Menschen in bestimmten Situationen anders als andere und zeigen

ein stabiles Verhalten in verschiedenen Situationen? Was motiviert einen Mitarbeiter ein

konstantes leistungsorientiertes Handeln zu zeigen? Konsistentes individuelles Verhalten

über verschiedene Situationen und mehrere Zeitpunkte erklärt Heckhausen (1989, S. 9) mit

Motiven. Motive sind zeitlich überdauernde und inhaltlich spezifische psychische

Präferenzen.

Diese

Handlungsziele

können

in

unterschiedliche

Inhaltsklassen

zusammengefasst werden (Heckhausen, 1989, S. 9; Nerdinger, et al., 2008, S. 426).

Sinnvoll ist es, ein möglichst hohes Abstraktionsniveau von Handlungszielen jedoch mit

eindeutigen Zuordnungsmerkmalen zu definieren (Heckhausen, 1989, S. 10). Die

bekannteste Klassifizierung von Motiven basiert auf der Theorie von McClelland (1961).

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

80

Abbildung 13: Die „großen Drei“ in der Motivationspsychologie (Kastner, 2005/2006, S. 32)

Wird Wertschätzung mit dem Leistungsmotiv in Verbindung gebracht, wird durch

wertschätzende Äußerungen und Anerkennung von Leistung die Hoffnung auf Erfolg

unterstützt. Beim Anschlussmotiv wird durch Wertschätzung, der Wert der Person

hervorgehoben. Der Mitarbeiter fühlt sich „geschätzt“ und „gemocht“, die Hoffnung auf

Anschluss wird gestärkt. Wird das Verhalten von Mitarbeitern durch Wertschätzung

bestätigt, so wirkt sich dies wiederum positiv auf die Kontrollüberzeugungen aus. Der

Mitarbeiter erlebt sein Verhalten als wirksam.

Inhalts- und Prozesstheorien

Zur Beschreibung von Motivation im Zusammenhang mit Arbeitsmotivation lassen sich

die Theorien in Inhaltstheorien und Prozesstheorien unterteilen. Inhaltstheorien haben die

Frage zur Grundlage: Welche Faktoren wirken auf ein Individuum ein, damit es seine Ziele

erreicht (Rosenstiel, 2007, S. 242)? Es geht um die Frage der Auswahl der Handlungen

(Motive) (N.K. Semmer & Udris, 2004, S. 162). Prozesstheorien fragen dagegen warum

Menschen bestimmte Verhaltensweisen (Prozesse) wählen oder unterlassen, um ihre Ziele

zu erreichen. Hier steht die tatsächliche Umsetzung, die Volition, im Vordergrund (N.K.

Leistungsmo+v-

Hoffnung'auf'Erfolg'&'

Furcht'vor'Misserfolg'

Machtmo+v-

Hoffnung'auf'Kontrolle'

&'Furcht'vor'

Kontrollverlust'

Anschlussmo+v-

Hoffnung'auf'Anschluss'

&'Furcht'vor'

Zurückweisung'

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

81

Semmer & Udris, 2004, S. 162f.; Weinert, 2004, S. 205). Nachfolgend werden für

Arbeitszufriedenheit und Arbeitsleistung relevante Theorien, ohne den Anspruch auf

Vollständigkeit zu erheben, in einer Tabelle aufgezeigt. Ebenso wird ein Bezug zur

Gesundheit hergestellt.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

82

Tabelle 1: Motivationstheorien (Inhalts- und Prozesstheorien)

Inhaltstheorien

Bedürfnispyramide nach Maslow (1943)

Zwei-Faktoren-Theorie nach Herzberg et al. (1959)

Inhalt

Fünf hierarchisch strukturierte Bedürfnisebenen.

Erst wenn die Defizitbedürfnisse der

vorhergehenden Stufen erfüllt sind, widmet sich

der Mensch der Selbstverwirklichung.

Stufe 1: Physiologische Bedürfnisse

Stufe 2: Sicherheitsbedürfnisse

Stufe 3: Bedürfnisse der Zugehörigkeit und der

Zuneigung

Stufe 4: Bedürfnisse der Achtung und der

Wertschätzung

Stufe 5: Bedürfnisse der Selbstverwirklichung

Wirkung von Anreizen in der Organisation mit den

entsprechenden Konsequenzen

-Zwei Dimensionen (Motivatoren und

Hygienefaktoren)

-Motivatoren führen bei Vorhandensein zur

Arbeitszufriedenheit.

-sind sie nicht vorhanden, so ist die Auswirkung

neutral und nicht zwingend negativ.

-intrinsische Aspekte.

-Hygienefaktoren hingegen führen nicht zwingend

zur Zufriedenheit.

-Sind sie nicht vorhanden, führen sie jedoch sicher

zur Unzufriedenheit,

-extrinsische Aspekte.

Bedeutung im Kontext von Arbeit

Populäre Theorie zur Erklärung von

menschlichen Antrieben und anschauliches

Modell der Arbeitsmotivation.

Speziell für den Arbeitskontext entwickelt. Die

Darstellung der Bedeutung von Motivatoren für die

Arbeitszufriedenheit.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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83

Inhaltstheorien

Bedürfnispyramide nach Maslow (1943)

Zwei-Faktoren-Theorie nach Herzberg et al. (1959)

Kritik +/-

+ bedeutendes Modell zur Darstellung von

Bedürfnissen

+ grundlegende Theorie zur Arbeitsmotivation

wissenschaftliche entwickelte Klassen

Menschen gelten

notwendigerweise motivieren müssen

+ einfaches Modell, dass sich an den

Organisationskontext orientiert

+ zeigt, dass Mitarbeiter nicht nur durch

ökonomische

Anreize motiviert werden

verwendeten Kategorienschema replizierbar

Bezug zur

Arbeitszufriedenheit/Leistung

Durch die Erfüllung von Bedürfnissen in einer

bestimmten Rangfolge ist Motivation möglich.

Dies ist nicht auf den Arbeitskontext beschränkt.

Die Darstellung der Bedeutung von Motivatoren für

die Arbeitszufriedenheit. Deren Vermehrung führt

zur Arbeitszufriedenheit. Ebenso, wie die Darstellung

der Arbeitszufriedenheit nicht durch extrinsische

Faktoren wie monetäre Zuwendung zu erreichen ist.

Bezug zur Gesundheit

Erst wenn die Grundbedürfnisse nach Hunger,

Durst usw. befriedigt sind, entsteht auf der

zweiten Stufe das Bedürfnis nach Gesundheit.

Zudem werden die sozialen Bedürfnisse nach

Zuneigung und Zugehörigkeit sowie nach

Achtung und Wertschätzung thematisiert. Nach

deren Erfüllung ist Selbstverwirklichung

möglich.

Motivatoren wie Anerkennung, Leistung und

Beförderung führen zur Zufriedenheit und damit zum

Wohlbefinden. Werden Hygienefaktoren wie

Bezahlung, Arbeitsplatzsicherheit ... negativ

wahrgenommen, so führen sie zur Unzufriedenheit

und möglicherweise zu Stressempfinden. Setzt man

bei den Ressourcen (Motivatoren) an, können diese

zur Zufriedenheit und zum subjektiven Wohlbefinden

genutzt werden.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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84

Prozesstheorien

VIE-Theorie der Arbeitsmotivation nach Vroom

(1964)

Die Theorie der Zielsetzung nach Locke & Latham

(1990)

Inhalt

Die drei Konzepte der Valenz (V),

Instrumentalität (I) und Erwartung (E) bilden die

Grundlage der Theorie. V= wie wichtig der

Person das Ziel ist, bzw. sein erwünschter

Zustand ist. I= eine Handlung wird zur

Zielerreichung gewählt. E= die Person geht

dabei von Erwartungen oder

Wahrscheinlichkeiten aus.

Der Zusammenhang zwischen Zielen und Leistung

wird in zwei Hypothesen gefasst:

1. Schwierige, herausfordernde Ziele führen zu

besseren Leistungen als mittlere oder leicht zu

erreichende Ziele.

2. Herausfordernde und präzise (spezifische) Ziele

führen zu besseren Leistungen als allgemeine und

vage Ziele.

Zwei weitere Attribute:

1. Zielakzeptanz (im welchen Maß betrachtet die

Person ein Ziel als ihr eigenes) und

2. Commitment (in welchem Maß ist eine Person

persönlich daran interessiert, ein Ziel zu erreichen)

unterstützen die Bemühungen.

Bedeutung im Kontext von Arbeit

Eine wichtige Motivationstheorie der

Organisationspsychologie. Liefert Erklärungen

für das Arbeitsverhalten von Mitarbeitern. Es

erklärt den Auswahlprozess des Handelns und

dadurch Verhaltensunterscheide von Personen

am Arbeitsplatz.

Aus dieser Theorie lassen sich unmittelbar

Handlungsempfehlungen im Arbeitskontext zur

Optimierung von Leistung ableiten.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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85

Prozesstheorien

VIE-Theorie der Arbeitsmotivation nach Vroom

(1964)

Die Theorie der Zielsetzung nach Locke & Latham

(1990)

Kritik +/-

+ zahlreiche Untersuchungen bestätigen die

Vroomsche Theorie

Erwartungen und Instrumentalitäten entwickeln

und von welchen Faktoren sie beeinflusst

werden

Wesen, nur seinem Selbstinteresse folgend

betrachtet

eine rein ökonomische Bewertung der

Handlungen

+ die Theorie ist eine der besten empirisch

bestätigten Theorien in der

Organisationspsychologie

Bezug zur

Arbeitszufriedenheit/Leistung

Verhaltensunterschiede am Arbeitsplatz können

erklärt und gesteuert werden, Demnach wird

durch den Mitarbeiter eine gute Leistung

erbracht, wenn:

einer hohen Arbeitsleistung führen

den erwünschten Zielen führt

für sich als positiv bewertet werden

Leistung und Ausdauer lassen sich erhöhen, indem

die Ziele herausfordernd und spezifisch gesetzt

werden.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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86

Bezug zur Gesundheit

Auswahl einer Handlungsalternative hinsichtlich

der subjektiven Beurteilung über Aufwand,

Zielerreichung und Ergebnisse. Es ist keine

Verhaltensänderung möglich (auch hinsichtlich

gesundheitsförderlichem Verhalten), wenn eine

der drei Voraussetzungen negativ bewertet wird.

Die Anstrengung wird in Bezug auf die Ziele

reguliert. Durch die Spezifizierung der Ziele werden

die Komplexität und damit auch möglicherweise das

Stressempfinden reduziert. Beim Erreichen von

Zielen wird die Selbstwirksamkeit positiv beeinflusst.

Die Stärkung von Ressourcen wirkt

gesundheitsfördernd.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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88

Nach der Einordnung des Begriffs der Motivation in den Kontext von Organisationen

werden nachfolgend die Entstehung von Arbeitszufriedenheit und Leistung thematisiert.

Dies erfolgt Hinblick auf die spätere Untersuchung des Zusammenhangs von sozialen

Ressourcen mit den Faktoren Arbeitszufriedenheit und Leistung sowie zum Verständnis

dieser. Motivationale Faktoren haben in diesen Kontexten eine große Bedeutung und

darüber hinaus sind soziale Ressourcen grundlegende Bedingungen für diese.

3.3.5 Arbeitszufriedenheit und Leistung durch soziale Ressourcen

Warum ist Arbeits- oder Arbeitsplatzzufriedenheit als eine Variable der Situation, von

Mitarbeitern für Organisationen von Interesse und welche Rolle haben dabei die sozialen

Ressourcen? „Spaß an der Arbeit“ scheint eher argwöhnisch betrachtet zu werden und

passt nicht zu dem, dass Arbeit primär mit Mühe und Belastung in Zusammenhang

gebracht wird (vgl. dazu Kastner, 2004, S. 3). Die Abkehr vom Gedanken der Mühsal kann

durchaus als salutogen betrachtet werden. Studien belegen, dass soziale Unterstützung in

Verbindung mit einem adäquaten Handlungsspielraum das Wohlbefinden, das

Selbstwertgefühl und die Arbeitszufriedenheit fördern (Kastner, 2010c, S. 305; vgl. auch

Stadler & Spieß, 2002, S. 10). Zufriedenheit mit der Arbeit oder Arbeitszufriedenheit ist

für viele andere Faktoren wie Motivation in Verbindung mit Leistung oder Bindung an das

Unternehmen wichtig. Sie ist ein wesentlicher Einflussfaktor der Lebensqualität (Lesch, et

al., 2011, S. 4), die in Verbindung mit dem subjektiven Wohlbefinden und damit auch mit

dem subjektiven Gesundheitsempfinden steht. Wertschätzung, Stolz und Sinnhaftigkeit

beeinflussen den „Spaß an der Arbeit“ wesentlich (Decker & Fischbach, 2010, S. 11;

Siebecke, 2010, S. 8). Dass Wertschätzung tatsächlich mit Arbeitszufriedenheit, korreliert

stellen Jacobshagen und Semmer (2009, S. 13ff.) in einer Studie dar. Wertschätzung am

Arbeitsplatz wird vor allem durch Vorgesetzte und Kollegen erfahren (Decker &

Fischbach, 2010, S. 11). Nach Fuchs (2006, S. 73) setzt sich Arbeitszufriedenheit aus den

Ansprüchen der Menschen, die sie an ihre Arbeit stellen und den Erfahrungen, die sie

machen, zusammen. Beide Faktoren können positiv beeinflusst werden, entweder durch

Entwicklung

der

Frustrationstoleranz

oder

durch

die

Entwicklung

von

Problemlösungsstrategien (Lesch, et al., 2011, S. 17). Für beide Fähigkeiten ist

empfundene Wertschätzung hilfreich.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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89

In der Literatur hat es sich durchgesetzt, die Arbeitszufriedenheit als eine individuelle

Einschätzung der Mitarbeiter anzusehen. Sie spiegelt die Gefühle und Einstellungen eines

Mitarbeiters zu seiner Arbeit wider (Weinert, 2004, S. 245). Ein positiver Zusammenhang

zwischen Mitarbeiterorientierung der Führungskraft und der Arbeitszufriedenheit der

Beschäftigten wird ebenfalls angenommen (Prümper & Becker, 2011, S. 39). Warum ist es

nun für eine Organisation wichtig, dass ihre Mitarbeiter mir ihrer Arbeit- und ihrem

Arbeitsplatz zufrieden sind? Ein wichtiger Wettbewerbsvorteil ist die Leistungsmotivation

der Mitarbeiter. Es ist davon auszugehen, dass Mitarbeiterzufriedenheit und das

Betriebsklima entscheidend zur Leistungsmotivation beitragen (Kerkau, 1997, S. 68;

Neuberger, 1974, S. 140). Damit es zur Leistungsfähigkeit und zur Leistungsmotivation –

oder

zum

Engagement

kommt,

sind

zusätzliche

Faktoren,

außer

der

Arbeitszufriedenheit, notwendig. Entsprechend der Selbstbestimmungstherorie von Ryan

und Deci können Mitarbeiter engagiert oder passiv in Abhängigkeit von der sozialen

Umgebung, in der sie arbeiten, agieren. Dabei beeinflussen die drei psychologischen

Faktoren Kompetenz, Autonomie und Verbundenheit die intrinsische Motivation, die

Selbstregulation und das Wohlbefinden positiv oder auch negativ (Rayn & Deci, 2000, S.

68).

Wenn Leistung als = Wollen x Können x Dürfen definiert wird, dann sind Arbeitszu-

friedenheit und Arbeitsleistung von individuellen und situativen Faktoren abhängig. Die

Zufriedenheit beeinflusst das Wollen. In Verbindung mit Kompetenzen und Fähigkeiten

(Können) sowie der Unterstützung aus dem organisationalen Umfeld in einer Situation, die

Leistung möglich macht (Dürfen), entsteht Leistung. Wenn ein Mitarbeiter seine Aufgabe

ausfüllen möchte, die notwendigen Fähigkeiten dazu besitzt und die Organisation einen

Arbeitsplatz mit den geeigneten Arbeitsmitteln und Rahmenbedingen zur Verfügung stellt,

wird höchstwahrscheinlich eine hohe Produktivität (= Leistung) erreicht. Dazu ist eine

Identität mit der Aufgabe notwendig sowie diese als sinnhaft wahrzunehmen.

Handlungsspielraum, Entwicklungsmöglichkeiten und das Verhältnis zu Vorgesetzten und

Kollegen sind weitere Faktoren zur Beeinflussung der Leistungsfähigkeit (Kleinbeck,

1996, S. 18; Scheffer, 2005, S. 18). Stimmen die persönlichen Zeile von Mitarbeitern und

die der Organisation in wichtigen Teilen überein, kann eine optimale Produktivität mit den

Selbstentfaltungsmöglichkeiten der Mitarbeiter verbunden werden (Kleinbeck, 1996, S.

20).

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

90

Rich et al. (2010, S. 618) bringen Engagement in Abgrenzung zur Arbeitszufriedenheit mit

motivationalen Aspekten in Verbindung. Bei Engagement und Motivation sind positiv

bewertete Ziele noch nicht erreicht, wohingegen Zufriedenheit sich mit dem Erreichen von

Zielen einstellt. Somit geht Engagement über die Zufriedenheit bei der Arbeit hinaus.

Durch weitere Faktoren und durch motivationale Aspekte ist der Begriff des Engagements

sehr viel weiter gefasst und zielt auf Leistung und zukünftig zu erreichende Ziele und

Aufgaben ab. Schaufeli et al. (2002, S. 74) definieren Engagement im organisationalen

Kontext als einen positiven, affektiv-motivationalen Zustand, bezogen auf die

Arbeitstätigkeit, gekennzeichnet durch Hingabe und Absorption (vgl. auch Höge &

Schnell, 2012, S. 96). Erweitert wird das Verständnis von Engagement bei der Arbeit von

Höge und Schnell. Sie untersuchten in einer Studie den Zusammenhang zwischen

Sinnerfüllung bei der Arbeit und Entstehung von Arbeitsengagement. Der Hintergrund

dazu ist die Annahme, dass bisherige Studien hauptsächlich organisationale und

aufgabenbezogene Ressourcen wie Handlungsspielräume, soziale und personale

Ressourcen untersuchen (Höge & Schnell, 2012, S. 97), so zum Beispiel das Job-

Demands-Ressources Model (J-D-R) von Bakker und Demerouti (2007). Das Modell hat

die bekannten Theorien von Karasek & Theorell (Demand Control Modell) und Siegrist

(Effort-Reward Imbalance) zur Grundlage. Es trägt zusätzlich der Annahme Rechnung,

dass jeder Beruf seine spezifischen Risiko-Stressfaktoren hat und unterteilt diese in Job-

Anforderungen und Job-Ressourcen. Anforderungen wie hohe Arbeitsanforderungen und

eine schlechte Arbeitsumgebung sind mit physiologischen und psychologischen Kosten

wie gesundheitsschädlichen Folgen verbunden. Anforderungen im Beruf sind jedoch nicht

notwendigerweise negativ zu bewerten; sie werden dann zu Stressoren, wenn der Aufwand

zur Bewältigung dieser nicht mit einer ausreichenden Abpufferung verbunden ist.

Motivationale Aspekte der jobcharacteristik, die Merkmale zu einzelnen Tätigkeiten

benennt, die zu einer Förderung von Motivation und Leistung beitragen können (Hackman

und Oldham (1980) sowie die Theorie der conservation of resources von Hobfoll (2001), in

der Ressourcen in der Erwartung zukünftiger belastender Ereignisse vermehrt und

beschützt werden, stehen ebenfalls mit dem J-D-R-Modell in Beziehung. Die

ausschließliche Betrachtung dieser Ressourcen greift zu kurz, der sinngebende Aspekt wird

dabei nicht betrachtet. Damit könne jede beliebige Arbeitsaufgabe zu einem hohen

Arbeitsengagement führen, solange genügend organisationale und personale Ressourcen

zur Bewältigung zur Verfügung stünden (Höge & Schnell, 2012, S. 97). So führt ebenfalls

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

91

Kastner aus (1990, S. 36), dass im Zuge des Wertewandels der Sinn in der Arbeit mehr in

den Vordergrund tritt. Der individuelle Zugang zu Wertschöpfung entsteht durch Werte.

Werte ermöglichen Sinnhaftigkeit sowie die Erkenntnis, warum wir etwas tun und was der

Sinn unserer Aufgabe ist (Kastner, 2006b, S. 53).

Höge und Schnell (2012, S. 97) unterlegen empirisch in ihrer Studie, dass eben nicht nur

organisationale und aufgabenbezogene Ressourcen zum Arbeitsengagement führen. Ein

Arbeitsengagement verbunden mit einem affektiv-motivationalen Zustand ist eng durch die

kognitive Bewertung der Sinnerfüllung der Arbeit mediiert. Ebenso definiert Kahn (1990,

S. 700) Engagement als ein breit angelegtes Konstrukt. Dieses geht in seiner Bedeutung

über eng gefasste Merkmale der Organisation und der Person hinaus. Vielmehr wird

Engagement als ein weitergehendes motivationales Konzept, bei dem der Mitarbeiter seine

volle emotionale, physische und kognitive Energie auf die Aufgabenerfüllung ausrichtet,

definiert. Soziale Unterstützung wirkt sich positiv auf die Arbeitszufriedenheit, auf

Motivation, die Kompetenzen der Mitarbeiter und auf die Rahmenbedingungen aus.

Leistung und Engagement werden möglich und gefördert. Eine einfachere umzusetzende

und kostengünstigere Alternative wird es kaum geben. Investitionen in Wertschätzung

sowie soziale Unterstützung kosten nicht viel und tragen zum Entstehen von Leistung und

Engagement bei. Das salutogene Konzept von Antonovsky ist zu den Konstrukten der

Arbeitszufriedenheit und des Engagements kompatibel. Nach Antonovsky sind

Bedeutsamkeit, Verstehbarkeit und die Handhabbarkeit des eigenen Tun entscheidende

Faktoren für Wohlbefinden, Gesundheit und in der Folge zur Leistungsfähigkeit

(Antonovsky & Franke, 1997).

Der Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Leistung ist nicht unumstritten.

Studien, welche den Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Arbeitsleistung

untersuchen, zeigen durchaus unterschiedliche Ergebnisse. Diese lassen sich durch nicht

vergleichbare Variablen und mangelnde Reliabilität begründen. Ebenso ist ein direkter

Zusammenhang nicht in allen Untersuchungen nachzuweisen. Es scheint vielmehr so, dass

die beiden Konstrukte „Arbeitszufriedenheit“ und „Arbeitsleistung“ weitaus komplexer

und von mehreren Variablen abhängig sind als bisher angenommen. Nichtsdestotrotz ist

die Arbeitszufriedenheit ein wichtiger Faktor zur Arbeitsleistung. So erscheint es sinnvoll,

die beiden Konstrukte „Arbeitszufriedenheit“ und „Arbeitsleistung“ unter dem Aspekt

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

92

ihrer Einflussvariablen zu untersuchen (Six & Eckes, 1991).

Nachfolgend wird eine der grundlegenden Theorien zum Zusammenwirken von

Ressourcen und Anforderungen am Arbeitsplatz beschrieben. Ebenso erfolgt die

Einordung des Anforderungs-Kontroll-Modells in die Situation am Arbeitsplatz. Dieses

Modell bildet soziale Ressourcen, wie Wertschätzung ebenso ab, wie die Auswirkung von

Anforderungen und Kontrollmöglichkeiten auf Motivation und Gesundheitsempfinden.

Diese beeinflussen wiederum, über den Faktor Leistung, die Wertschöpfung.

3.3.6 Anforderungs-Kontroll-Modell am Arbeitsplatz nach Karasek/Theorell

Eine Einordnung des Anforderungs-Kontroll-Modells erfolgt in dem Bereich der Situation.

Zum einem wird in der Erweiterung des Modells die soziale Unterstützung mitbetrachtet,

zum anderen ergeben sich Anforderungen und Kontrollmöglichkeiten auch durch die

Führungskraft. Jedoch werden diese Anforderungen und Kontrollmöglichkeiten ebenso auf

Ebene der Organisation durch Anforderungen des Managements und von dritten Parteien

wie Anteilseignern mitgestaltet. So ist eine Einordnung in die Situation ebenso wie in die

Organisation möglich. Ausschlaggebend für die Zuordnung zur Situation ist die soziale

Unterstützung.

Wie oben beschrieben (siehe Kapitel 2.2) integriert die WHO in ihr Konzept zur

Gesundheit die Beziehung zwischen der Qualität des Arbeitslebens und der damit

verbundenen allgemeinen Lebensqualität. Das „European Network of Workplace Health

Promotion“ (ENWHP) präzisiert in seiner Barcelona Declaration (2002) die große

Bedeutung des Arbeitslebens und stellt fest, dass die Arbeitswelt und wie sie gestaltet ist,

eine der vielleicht größten sozialen Determinanten der Gesundheit ist. Psychologen,

Mediziner oder Soziologen schließen sich dieser Feststellung an und konstatieren, dass

Arbeit und Beruf sehr existenziell unseren Lebensalltag beeinflussen und, dass hier die

Ursachen für Stressoren und damit auch für Krankheit zu finden sind (Schmucker, 2011).

Zugleich ist Arbeit jedoch auch eine Quelle von Gesundheit. Antonovsky (1997, S. 112f.)

schreibt dazu, dass über Arbeit ein regelmäßiges Einkommen gesichert, der soziale Status

bestimmt wird und die Bedürfnisse nach Wertschätzung sowie Selbsterfüllung erfüllt

werden.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

93

Das Anforderungs-Kontroll-Modell („job strain“ model) von Karasek und Theorell (1979;

1990), spezialisiert sich auf die Bedingungen des Arbeitsplatzes. Das Modell beschreibt

sowohl Arbeitsressourcen als auch Anforderungen (D. Zapf & Semmer, 2004, S. 1022).

Bei diesen tätigkeitsspezifischen Dimensionen wird angenommen, dass ein hoher

Entscheidungsspielraum („control“ oder „decision latiude“) sich gesundheitsförderlich

auswirkt. Psychische Belastungen (demands) wie Zeitdruck, Arbeitsmenge und

widersprüchliche

Anforderungen

hingegen

wirken

sich

negativ

auf

das

Gesundheitsempfinden aus (E. Ulich & Wülser, 2010, S. 78f.). Danach sind die

psychischen Anforderungen und die Potentiale zur eigenen Gestaltung die maßgeblichen

psychischen Aspekte der Erwerbsarbeit. Dabei orientiert sich das Modell an der Qualität

von Tätigkeitsprofilen und versucht die Ausgangssituation des Arbeitsplatzes zu

objektivieren. Es kommt also nicht darauf an, wie die berufliche Tätigkeit subjektiv erlebt

wird, als vielmehr zu bestimmen, wie groß die Kontrolle über die Arbeitsaufgaben sind

und welche Schlussfolgerungen sich für die psychische Belastung ergeben (Friedel &

Orfeld, 2002, S. 50).

Die Faktoren „Anforderungen“ und „Kontrolle“ haben zwei mögliche Ausprägungen

(hoch/ niedrig). In der Kombination ergibt sich eine Vierfeldertafel mit vier möglichen

„Jobformen“. Folgende Übersicht verdeutlicht den Zusammenhang:

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

94

Abbildung 14: Faktoren der Anforderungen und Kontrolle (eigne Darstellung nach Karasek/Theorell

1990, S. 32)

Das Modell theoretisiert auf der einen Seite, wie die Kontrollmöglichkeiten auf

Anforderungen der Umwelt entscheidenden Einfluss auf Krankheiten haben, auf der

anderen Seite, wie sie aktives Verhalten und Lernen beeinflussen. So sind Berufe, die hohe

Anforderungen stellen und wenig Kontrolle darüber zulassen „passive Arbeit“ („high strain

jobs“). Die „passive Arbeit“ ist die schlecht möglichste Ausgangssituation in Bezug auf die

Gesundheit. Zu berücksichtigen ist ebenfalls, dass zu geringe Anforderungen im Sinne

einer Unterforderung ebenfalls Stress auslösend sind. Alternativ dazu ermöglicht ein

Arbeitsplatz ein eher gesundheitsförderliches Umfeld, wenn die Arbeitsbelastung hoch

aber noch angemessen ist und er mit entsprechenden Entscheidungsspielräumen und

Kontrolle ausgestattet ist. Der Entscheidungsspielraum wirkt hier als Ressource (vgl. dazu

auch Lohmann-Haislah, 2012, S. 14). Diese Konstellation ermöglicht es den Mitarbeitern,

sich neuen Herausforderungen zu stellen und entsprechend vorbereitet darauf zu reagieren.

Dieser Kontext führt zur sogenannten „aktiven Arbeit“ im Modell von Karasek und

Theorell, das Lernen, das Annehmen von Herausforderungen beinhaltet, das Gefühl der

Beherrschbarkeit bereit hält und Selbstwirksamkeit erzeugt (Jonge de, et al., 2000, S. 270).

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

95

Karasek und Theorell (1990, S. 68ff.) erweiterten ihr Modell um die Komponente der

sozialen

Unterstützung.

Eine

hohe

Arbeitsbelastung

mit

einem

hohen

Entscheidungsspielraum und sozialer Unterstützung ist mit positiven Auswirkungen auf die

psychische Gesundheit verbunden. Bei Tätigkeiten, die hohe Anforderungen bei geringer

Kontrolle und geringer sozialen Unterstützung oder sozialer Isolation („iso-strain jobs“)

hervorrufen,

wird

die

größte

gesundheitliche

Beeinträchtigung

in

Form

von

kardiovaskulären Erkrankungen erwartet (Johnson & Hall, 1988, S. 1336f.). Bei der

sozialen Unterstützung wird zwischen einer sozio-emotionalen Unterstützung mit einer

Pufferfunktion, welche vor allem die soziale und emotionale Integration beinhaltet, und

einer instrumentellen Unterstützung in Form von Hilfestellung bei Arbeitsaufgaben durch

Vorgesetzte und Kollegen unterschieden (Holzträger, 2012, S. 79f.; Karasek & Theorell,

1990, S. 69f.). Dieses Modell zeigt eine Ähnlichkeit zum Gratifikationsmodell nach

Siegrist, in dem die soziale Unterstützung durch Kollegen und Führungskräfte ebenso

einen Zusammenhang zur Gesundheit aufweist (vgl. dazu Kapitel 2.4.1.4)

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Karasek und Theorell im skizzierten Modell

den Zusammenhang von Arbeitsplatzkontrolle und Leistungsanforderungen herstellen und

den Effekt auf die Gesundheit erklären. Sie erweitern zudem den Einfluss der beiden

Komponenten auf die Arbeitsmotivation, die wahrgenommene Sinnhaftigkeit der Arbeit

und das Lernen am Arbeitsplatz. Ebenso fügen sie die zusätzliche Komponente der

sozialen Unterstützung ein, die sich vorteilhaft auf Arbeitsanforderungen auswirkt. So ist

diese geeignet, Belastungen abzupuffern oder direkt positiv zu beeinflussen.

Allerdings betonen sie die Unabhängigkeit des Einflusses der Arbeitsbedingungen von der

Person, dem Alter, der Bildung oder den typischen Ausprägungen des Charakters. Das

Modell beruht auf der Reiz-Reaktion-Theorie, die das Verhalten der Menschen durch

soziale Bedingungen und Zwänge außerhalb des Individuums erklärt (Grosse Frie, 2010, S.

14). Arbeitsanforderungen können beim Menschen dann stimulierend und anregend

wirken, wenn damit ein Spielraum zur Gestaltung einhergeht. Hohe Arbeitsanforderungen

an sich stellen noch keine stressverursachende Ausgangssituation dar. Erst die

Kombination mit fehlender Kontrolle über die Tätigkeit führt zu Problemen. Ein Problem

allerdings ist es auch, wenn trotz hoher Kontrollausübung und großer Herausforderung

kein Raum für Erholung bleibt, der Stress eindämmend wirken könnte. Dieses Modell ist

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

96

mittlerweile empirisch gut abgesichert, wenn es darum geht, zu zeigen, dass hohe

Arbeitsanforderungen, die mit einer geringen Kontrolle am Arbeitsplatz einhergehen,

Stress erzeugend sind (Siegrist, 1996b, S. 72f.). Untersuchungen zeigen für

Personengruppen unter dieser ungünstigen Anforderung- und Kontrollsituation ein zwei-

bis viermal so hohes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden im Vergleich zu Personen, die

eine günstige Konstellation von Anforderung und Kontrolle aufweisen. Es ist ein

soziogenetisches Konzept, das Herz-Kreislauferkrankungen und andere stressassoziierte

Erkrankungen erklären kann (Pfaff & Janßen, 2004, S. 117). Das Modell orientiert sich an

Vollzeiterwerbsbiografien, doch diese Vorstellung der Berufstätigkeit ist nicht mehr

zeitgemäß (Siegrist 2012, S. 125).

So ist das Modell einerseits einfach und ermöglicht Verallgemeinerungen besonders in der

interdisziplinären Anwendung und Diskussion. Andererseits ist die Einfachheit auch eine

Schwäche des Modells, weil sie andere Wirkungs- und Einflussgrößen auf menschliche

Reaktionen nicht berücksichtigt (Lohmann-Haislah, 2012, S. 14). Auch die Annahme, dass

die sogenannte aktive Arbeit die Motivation und das Lernen am Arbeitsplatz fördere und

damit zu einer besseren Gesundheit führt, konnte in Studien nicht bestätigt werden (Grosse

Frie, 2010, S. 15). Zudem ist die Definition des Kontrollbegriffs mehrdeutig und nicht klar

abgegrenzt. Bezieht der Begriff sich auf äußere Arbeitsbedingungen, auf das Arbeitsumfeld

oder auf verfügbaren Zugang zu Mitteln, um Aufgaben zu erledigen? Der Begriff der

„Kontrolle“ im Modell lässt Spielraum zur Interpretation (Grosse Frie, 2010, S. 16). Des

Weiteren kommt aus der sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Stressforschung Kritik:

Beanspruchende Situationen würden erst dadurch zur Belastung, wenn eine betroffene

Person sie in ihrer subjektiven Einschätzung zu einer solchen macht. Ohne die Verbindung

von Situation und Person lassen sich chronische Stresserfahrungen nicht erklären. So

fehlen dem Anforderungs-Kontroll-Modell, das die Arbeitsorganisation zentral in den

Vordergrund

stellt,

Erklärungsansätze,

warum

es

einer

Person

nicht

gelingt,

Stresserfahrung, z. B. durch Habitualisierung oder Reduktion der Ansprüche, zu umgehen

(Grosse Frie, 2010, S. 16).

Trotz aller Kritik bleibt das Anforderungs-Kontroll-Modell ein wichtiges Modell der

Arbeitspsychologie und ein zentraler Erklärungsansatz, der fehlende Kontrolle am

Arbeitsplatz als einen wichtigen Verursacher von Stress identifiziert. Es ist eine der

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

97

wenigen Theorien, die Voraussagen darüber zulassen, wie die Erhöhung von

Entscheidungsspielräumen für Mitarbeiter, die Gesundheit von Mitarbeitern positiv

beeinflussen kann (Jonge de, et al., 2000, S. 270).

Nach der Darstellung von Ressourcen im Bereich der Situation durch soziale

Unterstützung, Führungsverhalten und salutogene Ressourcen am Arbeitsplatz sowie der

Darstellung des Anforderungs-Kontroll-Modells wird nun der Ressourcenfrage auf der

Ebene der Organisation nachgegangen.

3.4 Ressourcen im Bereich der Organisation

Auf der Ebene der Organisationen werden Visionen, Ziele und Aufgaben sowie die

entsprechende Struktur festgelegt. Damit verbunden ist die Unternehmenskultur, die

Einfluss auf Art und Weise von Gesundheitsförderung, Kommunikationsstrukturen und

Wertschätzungskultur hat. Ebenso wird hier das Belohnungssystem festgelegt. Die

Gratifikationskrise nach Siegrist ist zu monetären und nicht monetären Belohnungen das

grundlegende Modell der Organisationspsychologie. So werden in diesem Modell Faktoren

von Wertschätzung und Wertschöpfung, mit ihren Zusammenhängen dargestellt.

Gratifikationskrise nach Siegrist

Das Erklärungsmodell nach Siegrist (Siegrist, 1996a, 1996b) beinhaltet neben der

Arbeitssituation und den Arbeitsbedingungen auch die psychischen Determinanten des

subjektiven Erlebens im beruflichen Kontext (Siegrist & Dragano, 2012, S. 182). Siegrist

(2012, S. 126) identifiziert für die aktuelle Berufstätigkeit potentielle Stressoren und

verweist darauf, dass das Anforderungs-Kontroll-Modell für die Arbeitsplatzsituation der

1970er und 80er Jahre zutreffend war. Vor dreißig Jahren gab es einen Arbeitsmarkt, der

mit dem heutigen nicht vergleichbar ist. Das bedeutet, Berufstätige heutzutage machen,

durch den Wandel der Arbeit (vgl. Kapitel 2.3) stresserzeugende Erfahrungen. Diese sind

z. B. unsichere Beschäftigungsverhältnisse, ihnen droht vielleicht der Verlust des

Arbeitsplatzes oder die Versetzung auf andere, oft niedriger dotierte Positionen an der

Arbeitsstätte. Siegrist (2009, S. 123f.; Siegrist & Dragano, 2012, S. 124f.) stellt fest, dass

die Tauschbeziehung im Arbeitsleben oft nicht stimmig ist: Für eine erbrachte Leistung

gibt es eine Gegenleistung. Wenn Verausgabung und Belohnung nicht mehr im

Gleichgewicht sind, kann das bei den Betroffenen zu Stressreaktionen und über die Zeit zu

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

98

gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Besonders gilt dies für Personen, die sich

stark verausgaben und vergleichsweise wenig Gratifikationen erhalten (E. Ulich & Wülser,

2010, S. 89).

Das Erwerbsleben ist also geprägt von einerseits unsicheren Arbeitsverhältnissen und

andererseits von einer nicht mehr stimmigen Reziprozität. Siegrist greift diese

Grundkonstellation

auf

und

integriert

sie

in

sein

Modell

der

beruflichen

Gratifikationskrisen

(effort-reward-imbalance

model).

Er

analysiert

die

Entwicklungstendenzen

der

Erwerbsarbeit

im

Allgemeinen

und

die

gesundheitsgefährdenden Wirkungen im Besonderen (Siegrist, 1996b, S. 62). Sein Modell

lehnt sich stark an das Anforderungs-Kontroll-Modell an, wird aber erweitert durch neue

Aspekte.

Im Mittelpunkt des Modells der beruflichen Gratifikationskrisen steht das oben skizzierte

Ungleichgewicht zwischen erbrachter Leistung und der dafür vorgesehenen Entlohnung.

Das entspricht dem Prinzip der sozialen Reziprozität, wonach ein Arbeitnehmer erwartet,

für

seinen

geleisteten

Arbeitseinsatz

adäquat

belohnt

zu

werden.

Solche

Transmittersysteme der Belohnung können materiell und/ oder immateriell sein:

• Einkommen/ Lohn/ Gehalt,

• Anerkennung und Unterstützung von Vorgesetzten und

• Statuskontrolle, was so viel bedeutet, wie Perspektiven zum Aufstieg oder

Arbeitsplatzsicherheit zu haben oder zumindest keinen beruflichen Abstieg erleben

zu müssen (Siegrist, 2002, S. 264).

Ein Missverhältnis zwischen Arbeitsleistung und Entlohnung führt zu emotionalen Krisen,

was wiederum die Ursache für Krankheit sein kann (E. Ulich & Wülser, 2010, S. 88f.).

Diesem Modell, zur Krise der fehlenden Gratifikation, wie er es nennt, liegt eine

grundsätzliche Hypothese zugrunde, die besagt, dass die Chancen stabiler Beschäftigung

und berufliche Weiterentwicklung sowie die Qualität alltäglicher Erwerbsarbeit in unserer

Gesellschaft ungleich verteilt sind. Diese Ungleichheit wiederum hat Auswirkungen auf

die Bedeutung des Berufs und das Einkommen und damit auf die Gesundheit

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

99

(Bundesregierung, 2012; Lampert, et al., 2013; 2005, 2008). Das folgende Modell

veranschaulicht die Wirkungsmechanismen:

Abbildung 15: Wirkmechanismen einer Gratifikationskrise (eigne Darstellung nach Siegrist (1996b, S.

99)

Das Modell unterscheidet eine extrinsische und eine intrinsische Ebene. Auf der

extrinsischen (situationsbezogenen). Ebene findet sich die sogenannte extrinsische

Verausgabung, die sich aus den beruflichen Anforderungen und Verpflichtungen ergibt und

weitgehend dem Begriff der psychologischen Anforderungen im Anforderungs-Kontroll-

Modell entspricht. Siegrist betont (1996b, S. 103) die Notwendigkeit zur Unterscheidung

bei der Beurteilung des Belastungscharakters zwischen den extrinsischen Anforderungen

(im Anforderungs-Kontroll-Modell) und der intrinsischen Verausgabung. Das heißt, es gibt

Mitarbeiter die sich „fortgesetzt überdurchschnittlich stark verausgaben“, egal ob dies auch

eine objektive Notwendigkeit darstellt oder nicht. Solche Personen besitzen ein „kognitiv

motivationales

Muster

hoher

intrinsischer

Verausgabungsbereitschaft

in

Leistungssituationen“ (Siegrist, 1996b, S. 104). Siegrist (1996b, S. 67ff.) identifiziert für

sein Modell drei Bereiche von Distresserfahrungen im Arbeitsalltag:

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

100

a)

Erfahrungen im Zusammenhang mit Arbeitsorganisation und Arbeitsinhalt sowie

der Erfahrung mit der

b)

sozialen Dimension, und Erfahrungen, welche sich auf den Bereich

c)

beruflicher Statuskontrolle beziehen.

Zu a) Arbeitsorganisation und Arbeitsinhalt

Der erste Bereich zur Arbeitsorganisation und zum Arbeitsinhalt lehnt sich an die Arbeiten

der Soziologen Karasek und Theorell an, die im Anforderungs-Kontroll-Modell

beschrieben sind. Siegrist folgt den Annahmen der Soziologen, dass fehlende berufliche

Autonomie und Entscheidungsmöglichkeiten, gekoppelt mit großen inhaltlichen

Anforderungen im Beruf, Belastungen verursachen können (Siegrist, 2009, S. 119).

Zu b) Soziale Dimension

Eine weitere Dimension, die Siegrist im Arbeitsalltag als bedeutsam erachtet, sind die

sozialen Beziehungen als eine Art Unterstützungssystem. Dies wird im Anforderungs-

Kontroll-Modell in seiner Erweiterung ebenfalls berücksichtigt (Johnson & Hall, 1988, S.

1336; Karasek & Theorell, 1990, S. 68ff.). Wie wichtig das soziale Umfeld für die

Gesundheit am Arbeitsplatz ist, zeigen viele Studien, die schon seit den 1970er Jahren

durchgeführt werden (Siegrist, 1996b, S. 75). Im fehlenden sozialen Rückhalt am

Arbeitsplatz resultieren beispielsweise erhöhte Risiken für Herz-Kreislauferkrankungen,

wobei andere Studien belegen, dass mangelnde Unterstützung von Vorgesetzten lediglich

als ein Teil einer belastenden Arbeitsplatzkonstellation gesehen werden kann.

Trotz noch vieler ungeklärter Zusammenhänge hält Siegrist die Bedeutung sozialer

Beziehungen aus stresstheoretischer Sicht für sehr bedeutsam. So erhöhe eine nicht

funktionierende

soziale

Unterstützung

nicht

nur

das

Risiko

kardiovaskulärer

Erkrankungen, es lässt auch den Umkehrschluss zu, dass sozio-emotionaler Rückhalt

vorhandene Distressbelastungen abzumildern vermag (Siegrist, 1996b, S. 78).

Zu c) Berufliche Statuskontrolle

Das Gratifikationsmodell von Siegrist will die Perspektive der Betrachtung erweitern und

neben sozialen Umständen und der inhaltlichen Leistungserbringung, auch Werte und

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

101

Dimensionen einbringen wie Arbeitslöhne und Gehälter oder berufliche Karrierechancen.

Menschen reagieren auf eine Vielzahl von Dimensionen, die nicht nur individuell bewertet

werden, aber auch in einen größeren und auch gesellschaftlichen Kontext gestellt werden

müssen. Zu ihnen gehört die Anerkennung für eine erbrachte Leistung als eine Belohnung,

die im beruflichen Kontext in der Regel leistungsbezogen erfolgt. Zu diesem Zweck hat

Siegrist (1996b, S. 78) die berufliche Statuskontrolle als Determinante in sein Modell

integriert. Er versteht darunter die Bedrohung des erworbenen beruflichen Status mit den

damit verbundenen Gratifikationen, und dass diese nicht mehr oder in einem angemessen

Umfang geleistet werden. Das heißt, Belastungserfahrungen im Arbeitsleben resultieren

aus einer Angst nicht nur vor einem Verlust des Arbeitsplatzes, sondern auch durch eine

fehlende berufliche Perspektive sowie nicht vorhandener Anerkennung für den

Arbeitseinsatz.

Die zentralen theoretischen Annahmen im Gratifikationskrisenmodell von Siegrist sind die

menschliche Fähigkeit zur Selbstregulation, die sich wiederum durch drei Modi darstellen

lässt: Im Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit, nach Selbstbewertung und Selbsteinbindung

in „sozial-kommunikativen Feldern, die stark emotional besetzt sind“ (Siegrist, 1996b, S.

87). Selbstwirksamkeit nach Albert Bandura bezeichnet eine Handlung, die von der

Überzeugung getragen ist, selbst in der Lage zu sein, Kontrolle über Ereignisse in der

unmittelbaren Umgebung auszuüben. Wobei wiederum diese Gewissheit, über die eigene

Fähigkeit zu kontrollieren, mit einer erhöhten Orientierungs- und Erfolgsgewissheit, einer

erhöhten Flexibilität sowie einer Fähigkeit zur besseren Chancennutzung sozialer

Netzwerke einhergeht. Allerdings ergänzt Siegrist diesen Ansatz der Selbstwirksamkeit um

einen externen Aspekt der Ergebniserwartung. Er geht davon aus, dass nicht alleine die

individuellen Kompetenzen ausreichen, sondern dass es auch Anforderungs- und

Lebensumstände gibt, die kontrollier- und bewältigbar sein müssen, um eine

„Systemresponsivität“ (Siegrist, 1996b, S. 93) zu gewährleisten. Schließlich bedeutet für

Siegrist die Selbstwirksamkeit die Möglichkeit, im Beruf etwas zu leisten. Dieses steht in

Abgrenzung zum Begriff der Leistungsmotivation nach McClelland, wo eher das

angestrebte individuelle Ziel im Vordergrund steht (Siegrist, 1996b, S. 92). Bei dem

Erfahrungsmodus „Selbstbewertung“ geht es um die Belohnung und die Anerkennung für

den erbrachten, beruflichen Einsatz. Der Begriff der Selbsteinbindung umfasst das Gefühl

der Zugehörigkeit zu einem System. Der Beruf und der Arbeitsplatz ist eine soziale

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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102

Verortung durch die berufliche Tätigkeit, mit der sich eine Person Identität schafft.

(Siegrist, 1996b, S. 94ff.).

In der „sozio-emotionalen Motivation“ sind diese drei Bestrebungen begründet, die sich in

einem sozialen Umfeld abspielen. Der Mensch braucht eine Gruppe, andere Personen, an

denen er sich messen, reiben oder vergleichen kann. Erst im sozialen Kontext entwickeln

sich diese genannten Bedürfnisse (Siegrist, 1996b, S. 88). Ob die Realität diesen

Bedürfnissen nach Selbstwirksamkeit, Selbstbewertung und Selbsteinbindung gerecht

wird, hängt aber in großem Maß vom sozialen Status einer Person und der damit

einhergehenden Chancenstruktur ab, den die Gesellschaft bietet (Siegrist, 1996b, S. 94).

Zusammenfassend

lässt

sich

feststellen:

Wenn

Arbeitsplätze

keinen

Entscheidungsspielraum zulassen und es keine Anreize gibt, etwas Neues zu lernen,

blockiert das, was wiederum die Erfahrung von Selbstwirksamkeit bewirkt. Wenn das

Beschäftigungsverhältnis bei verletzter Reziprozität von Leistung und Belohnung sowie

sozialer

Unterstützung

das

Selbstwertgefühl

einschränkt,

kommt

es

zu

Aktivierungsprozessen im Körper, die gesundheitsschädigendes Verhalten begünstigen

sowie gesundheitsbeeinträchtigend wirken (Siegrist, 1996b, S. 96).

Das Modell beruflicher Gratifikationskrisen vermittelt ebenso wie das „job strain“ Modell

eine Erklärung für distress vermittelte Arbeitsbelastungen und damit auch gesundheitliche

Beeinträchtigung (Siegrist, 2009, S. 117f.). Im Gegensatz zum „job strain“ Modell

berücksichtigt

das

Gratifikationskrisenmodell

neben

situationsbezogenen

auch

personenbezogene Merkmale („berufliche Kontrollbestrebungen“). Zudem orientiert es

sich in stresstheoretischer Sicht am Gesichtspunkt langfristig bedrohlicher Erfahrungen im

Zusammenhang einer sich weiter verändernden und globalisierten Wirtschaftswelt, die

weder Vollzeitbiografien noch sichere Arbeitsplätze bereithält (vgl. auch Siegrist, 2009, S.

124f.). Es ist ebenso empirisch gut abgesichert wie das „job strain“-Modell (Bosma, et al.,

1998, S. 68; K. Hurrelmann, et al., 2004, S. 123; Vegchel, et al., 2005). Insbesondere

wurde

der

Zusammenhang

zwischen

Gratifikationskrisen

und

koronaren

Herzerkrankungen und Bluthochdruck nachgewiesen (Bosma, et al., 1998; Vegchel, et al.,

2005). Desweitern gehört es zu einem theoretischen `Basismodell´, um psychisch-soziale

Stressoren am Arbeitsplatz zu identifizieren.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

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103

Die theoretische Beschreibung und die dazu gewonnen empirischen Erkenntnisse decken

sich auch mit einer Studie des Epidemiologen Michael Marmot, die weltweit

Aufmerksamkeit erregt hat. In groß angelegten Untersuchungen („Whithall 1 und 2“)

stellte der Wissenschaftler mit seinen Mitarbeitern einen Zusammenhang her zwischen der

hierarchischen Position von britischen Beamten und ihrem Gesundheitszustand. Demnach

sind Beamte an hierarchisch weit oben positionierten Arbeitsplätzen gesünder als Beamter

des anderen Endes der Hierarchieleiter. Marmot (2005, S. 137) hat dafür den Begriff des

„Status Syndroms“ entwickelt. Er führt die Tatsache, dass höhere Beamte tendenziell

gesünder sind und auch später sterben darauf zurück, dass mit der Hierarchie auch eine

größerer gesellschaftliche Anerkennung einhergeht und schließt sich den Aussagen zur

Bedeutung von Kontrolle und sozialer Anerkennung von Karasek und Siegrist an (Bosma,

et al., 1998; Stansfeld, et al., 1999).

Das Model der Gratifikationskrisen ist demnach ein fester Bestandteil in der Forschung zu

psychosozial begründeten Stressoren am Arbeitsplatz. Fazit: Zur Gestaltung von

gesundheitsförderlichen Arbeitsplätzen ist ein starkes Kohärenzgefühl wichtig, welches auf

den Arbeitsplatz bezogene Ressourcen der Sinnhaftigkeit, Handhabbarkeit und

Bedeutsamkeit beinhaltet. Ebenfalls sind ausreichende Handlungsspielräume (Kontrolle)

im Sinne des Anforderungs-Kontroll-Modells von Bedeutung. Dies zeigt sich im

Leistungs- und Gesundheitsmanagement (LGM) von Kastner insbesondere im

Zusammenspiel von Anforderungen und Ressourcen.

Die soziale Unterstützung sowie ausreichende Gratifikationen in materiellen und

immateriellen Faktoren, wie im Modell der Gratifikationskrise dargestellt, haben

gleichfalls salutogene Wirkungen. Setzt man dies in Beziehung zum LGM von Kastner, ist

das Verhältnis von Investition und Konsumation, die Frage also, ob es sich lohnt, in Bezug

auf die erwartete Belohnung sich zu verausgaben, zentral.

In den vorgehenden Kapiteln diente das PSO-Modell als Ordnungskriterium zur

Beschreibung der Arbeit zu Grunde liegenden sozialen Ressourcen, den Konstrukten der

Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung und der theoretischen Untermauerung.

Dabei wurde ebenfalls das LGM als ein übergeordnetes Konzept vorgestellt. Dabei ist

dieses nicht nur ein theoretisches Konstrukt, sondern praxistauglich in Organisationen

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

104

anwendbar. Wie dies mit Wirkung auf Wertschätzung und Wertschöpfung umgesetzt

werden kann, wird im nachfolgenden Kapitel dargestellt.

3.5 Ablauf des Leistungs- und Gesundheitsmanagements

Wie kann nun das Leistungs- und Gesundheitsmanagement konkret umgesetzt werden?

Das,

was

ein

Unternehmen

in

seinen

Prozessen

zum

Leistungs-

und

Gesundheitsmanagement umsetzten will, muss mit konkreten Inhalten und den dazu zu

verwendenden Instrumenten ausgearbeitet werden (Kastner 2013, S. 540). Dabei gilt der

Grundsatz „Strategie vor Prozess vor Struktur“ (Kastner, 2011, S. 507). Zur Erreichung

von Zielen oder auch Visionen müssen diese zunächst in Form von Zielen und Teilzielen

in einer Organisation festgelegt werden. Damit diese wiederum erfüllt werden können,

bedarf es Prozesse und bestimmter Aufgaben, um schlussendlich die nötigen Strukturen

dazu schaffen zu können (Kastner, 1998). Dies kann mit dem Aphorismus von Mark

Twain verglichen werden: „Wer nicht genau weiß, wohin er will, der darf sich nicht

wundern, wenn er ganz woanders ankommt.“ Die nachfolgende Abbildung veranschaulicht

diesen Grundsatz.

Abbildung 16: Haus des Leistungs- und Gesundheitsmanagements (Kastner 2010a, S. 122)

Mit der systemverträglichen Organisationentwicklung (SOE) entwickelte Kastner (1998, S.

179) ein Modell zum systematischen, strukturierten und konkreten Vorgehen zur

Verhaltensoptimierung in Organisationen und für Individuen. Dazu wird zunächst in der

Diagnosephase eine Idealentwicklung entworfen mit der Definition eines gewünschten

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

105

Zielzustands. Auf diese folgt die Realdiagnose und ein Abgleich des gewünschten

Zustands mit der Realität (Diskrepanzen Analyse). Die hier ermittelten Schwächen zeigen

den Handlungsbedarf auf und leiten in die Planungsphase über. So sind die

Voraussetzungen

für

eine

Strategie

geschaffen,

die

Person-,

Situation-

und

Organisationsaspekte unter gewissen Rahmenbedingungen berücksichtig. Es kann eine

Strategie entwickelt werden, welche die zu definierenden Prozesse mit den entsprechenden

Teilprozessen und Aufgaben einschließt. Dazu gehören auch notwendige Strukturen und

die Reihenfolge der Maßnahmen mit entsprechenden Evaluationsmöglichkeiten. Die

Aktionsphase besteht aus den Interventionen, Präventionen und Innovationen. Hier werden

konkrete Maßnahmen zu Schließung der Lücken zwischen Ideal und Realität mit

Meilensteinen und der Einsatz von Zeit, Geld und Energie festgelegt. Dabei gilt,

Interventionen sind letztlich Reparaturmaßnahmen, da die Diskrepanzen schon eingetreten

sind. Interventionen sind mit Präventionen im Zusammenhang zu planen mit der

Unterscheidung in Primär-, Sekundär- und Tertitärprävention. Präventionen erfordern die

Kenntnis der potentiellen Systemzustände. Über Innovationen werden zukünftige Zustände

beschrieben. Alle Maßnahmen müssen über Evaluationen gemessen, überprüft und

bewertet werden. Zur Vermeidung von zukünftigen Fehlern und dem Wiederholen von

Erfolgen ist Lernen der Schritt zur Veränderungen und zur Weiterentwicklung, was zu

einer Veränderung des Ideals führen kann (Kastner, 2010c, S. 316ff.). Als

Zusammenfassung und grafische Darstellung dient die folgende Abbildung.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

106

Abbildung 17: SOE-Kreis (Kastner 2010a, S. 124)

Verbindet man den Ablauf des SOE-Kreis mit dem PSO-Modell können strukturiert alle

Maßnahmen und Interventionen für die Person, Situation und Organisation analysiert und

durchgeführt werden (Kastner, 2010a, S. 125). Will man nun den Nutzen der

aufgewendeten Mittel evaluieren, so bietet die Wertschöpfungskette von Kastner dazu ein

geeignetes Instrument. Hier wird der Einfluss von Leistung repräsentiert durch „Messwerte

für Leistungsparameter“ auf die „Betriebswirtschaftlichen Kennzahlen“ und schließlich

den „ROI“ (Retrun on Investment) deutlich. Der Return on Investment spiegelt durch das

Verhältnis von eingesetzten Mitteln zum Output, die Wertschöpfung wieder.

Abbildung 18: Wertschöpfungskette des ganzheitlichen integrativen Leistungs- und

Gesundheitsmanagement (Kastner, 2010d, S. 8)

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Person

Erziehung zum

richtigen Verhalten

Situation

Begünstigung des

Richtigen Verhaltens

Organisation optimieren

Verhaltens-

verbesserung in

Bewertungs-

kennzahlen

Personaldaten

Messwerte für

Leistungs-

parameter

Betriebs-

Wirtschaftliche

Kennzahlen

ROI

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

107

Für Organisationen und Führungskräfte soll das, was für Maßnahmen im Rahmen zur

Gesunderhaltung von Mitarbeitern investiert wird, einen möglichst hohen Nutzen haben

(vgl. dazu auch Lück, et al., 2009). Dieser wird idealerweise in Geld oder Kennzahlen wie

den Return on Investment (ROI) gemessen. Allein der humanitäre Gedanke wird

Führungskräfte nicht animieren, sich um Gesundheit und Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter

zu bemühen. Die Motivation zu Maßnahmen zum Gesundheitsmanagement steigt, wenn

der Gewinn im Verhältnis des investierten Kapitals möglichst hoch ist, welches auch zur

Rechtfertigung gegenüber Unternehmensleitung und Anteilseigner aufgeführt werden kann

(Kastner 2010a, S. 126).

Ausgangspunkt des Return on Investment in der Wertschöpfungskette nach Kastner

(Kastner, 2010d, S. 8f.) sind die Maßnahmen an den Stellschrauben Person, Situation und

Organisation im Rahmen des PSO-Modells. Diese Maßnahmen wiederum führen zur

Verbesserung des Leistungs- und Gesundheitsverhaltens. Ein verbessertes Verhalten bzgl.

der Leistung und der Gesundheit spiegelt sich messbar in den Personaldaten wieder.

Ablesen kann man dies in Leistungsparametern wie Produkt- und Dienstleistungsqualität.

Diese günstigeren Leistungsparameter finden Eingang in betriebswirtschaftliche

Kennzahlen wie Produktivität, Qualität und letztlich in Gewinnmargen. Beim Durchlaufen

der Wertschöpfungskette wird die Abhängigkeit der gesunden und leistungsfähigen

Mitarbeiter zu den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen deutlich. Will ein Unternehmen

diese verbessern, ist der Ausgangpunkt eine Investition in die Gesundheit und

Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeiter (Kastner, 2010a, S. 126).

Ein Durchlauf der Wertschöpfungskette am Beispiel der sozialen Ressourcen ergibt

folgende Ergebnisse: Wird eine Person wertgeschätzt und verfügt sie über

Selbstwertschätzung

einer

Arbeitssituation

mit

sozialer

Unterstützung

durch

Führungskräfte und Kollegen sowie einer Gesundheitsorientierung der Führungskraft und

eine Organisation mit einer wertschätzenden Kultur und geeigneten Rahmenbedingungen

sollte sich eine Verhaltensverbesserung in Richtung Leistungsfähigkeit und verbessertes

Gesundheitsempfinden ergeben. Damit verbunden sind weniger Krankheitsbilder im

physischen und psychischen Bereich. Dies bedingt weniger Absentismus und Präsentismus

mit besseren Leistungsparametern bei Anwesenheit. Durch gestiegenen Output in Form

einer besseren Dienstleistungsqualität und mehr Kundenzufriedenheit ergeben sich bessere

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

108

Kennzahlen mit weniger Reklamationen, bessere Produkten, besseres Unternehmensimage

und schlussendlich eine höhere Wertschöpfung, in Form des gesteigerten Umsatzes.

Darüber hinaus steigt die Attraktivität als Arbeitgeber mit der Möglichkeit, Talente und

qualifizierte Mitarbeiter zu werben und zu binden.

Im Rahmen von Gesundheit wird in Unternehmen oft die Abwesenheit von Mitarbeitern

als Kennzahl verwendet. Im Spannungsfeld mit Präsentismus ist dies durchaus kritisch zu

beurteilen. Kommen Mitarbeiter krank zur Arbeit, ist das mit negativen Auswirkungen

(geringere

Leistungsfähigkeit,

Ansteckung

von

Kollegen,

Chronifizierung

von

Krankheiten) verbunden. Daraus resultierend ist Wertschätzung der Mitarbeiter, die krank

zur Arbeit kommen, ein falsches Signal mit ökonomischen Konsequenzen. Das

nachfolgende Kapitel widmet sich diesen für Organisationen nicht unerheblichem Thema.

3.6 Präsentismus/Absentismus

Aus ökonomischer Sicht ist die Senkung der Krankheitstage durch Krankheit und des

Absentismus (Abwesenheit vom Arbeitsplatz nicht durch Krankheit sondern andere

Gründe,

wie

z. B.

mangelnde

Motivation)

eine

erwünschte

Folge

aus

gesundheitsförderlichen Maßnahmen in Organisationen. Wird alleine diese Kennzahl

betrachtet, so wird man der Komplexität von Krankenfehltagen, Absentismus und

Präsentismus (Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz Krankheit) nicht gerecht. Die Zahl der

Krankentage ist seit Jahren auf einem konstant niedrigen Niveau, was aus der Angst vor

Arbeitsplatzverlust resultiert. Die Folge daraus ist ein verstärkter Präsentismus, der jedoch

schwer zu erfassen ist. Was oft übersehen wird, ist der ökonomische Schaden des

Präsentismus (Iverson & Krause, 2007, S. 46). Wenn Arbeitnehmer krank zur Arbeit

erscheinen, ist zum einem die persönliche Leistungsfähigkeit stark herabgesetzt, die

Gesundung dauert länger und in Extremfällen entwickelt sich eine Chronifizierung der

Krankheit, zudem werden Kollegen angesteckt (Kastner 2010a, S. 127). Im

Organisationskontext werden damit die Produktivitätseinbußen definiert, die durch

eingeschränkte Arbeitsfähigkeit wegen psychischer oder physischer Beeinträchtigungen

entstehen (Badura, Walter & Hehlmann, 2010).

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

109

Abbildung 19: Absentismus, Präsentismus (Kastner 2010a, S. 128)

Die Abbildung macht deutlich, dass die erwünschten und aus ökonomischer und

humanitärer Betrachtung sinnvollen Verhaltensweisen darin liegen, bei Krankheit diese

auszukurieren und bei Gesundheit und Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz anwesend zu

sein.

Im Kapitel 3 wurde die Einordnung, der für die Arbeit, wichtigen Begriffe und

grundlegenden Theorien, in die Anknüpfungspunkte der Person, Situation und

Organisation vorgenommen. Mit Hilfe des Leistungs- und Gesundheitsmanagements nach

Kastner erfolgte ebenso die Darstellung der praktischen Anwendbarkeit dieser in

Organisationen. Nachdem die theoretischen Grundlagen gelegt sind, wird nun eine

zusammenfassende Übersicht des Forschungsstands aufgezeigt.

3.7 Zusammenfassung des Forschungsstands

Zunächst wurden im Kapitel 2 die Grundlagen von Gesundheitsförderung in

Organisationen skizziert. Hier geht es um die Notwendigkeit und Entwicklung von

Gesundheitsförderung im Unternehmen sowie um die Klärung der Begriffe Gesundheit

und Wohlbefinden von Mitarbeitern. Eine zentrale Rolle hinsichtlich Herausforderungen

im Bereich der Gesundheit in Unternehmen sowie die zukünftige Entwicklung von

Arbeits-, Organisations- und Lebensformen nimmt der Begriff der Dynaxität ein. Diese

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

110

Kombination aus größer werdender Dynamik und steigender Komplexität der Aufgaben

hat durch erhöhte Empfindung von Stress Einfluss auf die Gesundheit und damit auf die

Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern. Anforderungen an ein Betriebliches Gesundheits- und

Leistungsmanagement ändern sich entsprechend und verlangen nach angepassten

Maßnahmen.

Es gibt eine Vielzahl von Modellen und Untersuchungen zur Auswirkung von

Belastungen, Stress und Beanspruchungen (z. B. das Transaktionale Stressmodell von

Lazarus). Diese sind empirisch gut untersucht und abgesichert. Es ist hinreichend

untersucht, dass Belastungen die aus Beanspruchungen entstehen, schädlich für Gesundheit

und Leistung sind. So untersuchte die BAUA im Stressreport 2012 (2012) auf breiter

Ebene (rund 20000 Arbeitnehmer) Faktoren, die zu Stress und unmittelbar sowie

langfristig zu Belastungsfolgen führen. Es wurde eine Zunahme von Beschwerden (im

Vergleich 2005/2006 und 2011/2012) festgestellt. Dazu die folgende Abbildung:

Abbildung 20: Entwicklung von langfristigen Beanspruchungs- und Stressfolgen (Lohmann-Haislah,

2012, S. 93)

Ebenso erfolgte die Untersuchung von Ressourcen als Mittel zur Bewältigung von

Belastungsfolgen. Besonders interessant für die in dieser Untersuchung im Fokus

stehenden sozialen Ressourcen, ist die Auswertung der sozialen Unterstützung. Diese

erfolgte hinsichtlich eines Mangels an Ressourcen und des Zusammenhang mit

Belastungsfolgen. Dazu die folgende Abbildung:

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

111

Abbildung 21: fehlende Ressourcen – Beanspruchungs/Stressfolgen (Lohmann-Haislah, 2012, S. 104)

Aus der Abbildung kann entnommen werden, dass fehlende Ressourcen die höchsten

Beanspruchungsfolgen aufweisen.

In der Literatur werden Auswirkungen von Anforderungen und Belastungen meist im

Spannungsfeld mit Ressourcen betrachtet (vgl. Kapitel 3.1.3). Bekannte Modelle sind

hierfür Siegrist in seinem Modell der Gratifikationskrise und Karasek/Theorell mit ihrem

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

112

Anforderungs-Kontroll-Modell. Eine konsequente ressourcenorientierte Betrachtung

erfolgt durch Antonovsky mit dem Konzept der Salutogenese (vgl. Kapitel 3). Diesen

ressourcenorientierten Ansatz verfolgt auch diese Arbeit. Hier geht es darum, die positiven

Wirkungen bestimmter sozialer Ressourcen auf Gesundheit und Arbeitszufriedenheit und

schlussendlich Leistung in diesen Zusammenhängen zu erklären.

Dabei diente das Leistungs- und Gesundheitsmanagement nach Kastner als ein

theoretischer Leitfaden und praktisch einsetzbares Konzept. Das Ergebnis der

Überprüfung des LGM in der Praxis zeigt die folgende Abbildung:

Abbildung 22: Strukturgleichungsmodell des LGM in der Fallstudie (Schmidt & Kastner, 2011, S. 130)

Demnach gibt es signifikante Zusammenhänge im Bereich von Anforderungen und

Belastungen mit Wirkung auf gesundheitsbelastende Faktoren und in der Folge auf

Leistung sowie qualitativen und quantitativen Zielen. Während mangelnde soziale

Unterstützung als wichtigster Faktor zur Leistungseinschränkung beitrug (vgl. Schmidt &

Kastner, 2011, S. 131).

Das in das LGM eingebettete PSO-Modell wird als Kriterium, um die komplexen

Zusammenhänge zu ordnen und zu strukturieren, verwendet (vgl. Kapitel 3). Demzufolge

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

113

werden zunächst die sozialen Ressourcen als der Person zur Verfügung stehende

Handlungskompetenzen beschrieben. Damit wird letztlich das Ziel des Leistungs- und

Gesundheitsmanagement, die Employability und die berufliche Handlungskompetenz zu

fördern, erreicht (Kastner, 2014a, S. 186). In der Literatur spielen soziale Ressourcen im

Zusammenspiel mit Anforderungen und Belastungen eine entscheidende Rolle. Sie werden

in empirisch gut untersuchten Fragebögen, die zur Erfassung von Gesundheitsförderung

am Arbeitsplatz eingesetzt werden, abgefragt (z. B. SALSA-Fragebogen). Der

Zusammenhang von sozialen Ressourcen mit Gesundheit sowie mit Arbeitszufriedenheit

wird in der Literatur vielfach empirisch untersucht und diskutiert (Kastner, 2010c, S. 305).

Dort wird herausgestellt, dass soziale Ressourcen wesentliche Faktoren zur Gesundheit

und Arbeitszufriedenheit sind. Eine der bekanntesten Studien dazu ist das

Forschungsprojekt SALUTE von Rimann und Udis (1993).

Der Begriff der Leistung, hier im Sinne von Leistungs-Motivation und Leistungs-Fähigkeit

diskutiert, findet in der Literatur ebenfalls viel Beachtung. Im Kapitel 3.3.5 (Ressourcen im

Bereich Situation) wird Leistung als Wollen x Können x Dürfen zusammengefasst

(Kleinbeck, 2009). Damit sind nach dem PSO-Modell von Kastner in allen Bereichen

(Person, Situation und Organisation) sowie in deren dynamischer Interaktion das

notwendige Verhalten (Wollen), notwendige Fähigkeiten (Können) und notwendige

Rahmenbedingungen (Dürfen) zu schaffen. Als theoretische Grundlage der Konstrukte

soziale Ressourcen, Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung werden im Kapitel 3

das Leistungs- und Gesundheitsmanagement nach Kastner, das Salutogenetische Konzept

nach Antonovsky, die positive Psychologie, die Modelle der Gratifikationskrise von

Siegrist und das Anforderungs-Kontroll-Modell nach Karasek/Theorell diskutiert.

Subsumierend kann festgehalten werden, Ressourcen in Form von Wertschätzung,

Anerkennung, Handlungsspielräumen und sozialer Unterstützung sind wesentliche

Elemente zur Förderung von Gesundheit und Zufriedenheit am Arbeitsplatz.

Eine empirische Untersuchung der Wirkzusammenhänge von sozialen Ressourcen,

Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung findet in der Literatur nur partiellen

Eingang. Insofern hat diese Arbeit zum Ziel, einen Beitrag zur Betrachtung der komplexen

Zusammenhänge zu liefern.

3 Konzept zum ganzheitlichen Leistungs- und Gesundheitsmanagement

_________________________________________________________________________

114

Bei der für diese Untersuchung zentralen sozialen Ressource der Wertschätzung finden

sich in der Literatur facettenreiche Ansätze. Bislang wurde durch die Psychologie noch

keine einheitliche Definition hervorgebracht (vgl. Kapitel 3.2.1). Die bislang fehlende

wissenschaftliche Normierung des Begriffs Wertschätzung birgt zwar einerseits Gefahren

der Ungenauigkeit in sich, bedeutet andererseits auch die Chance, empfundene

Wertschätzung am Arbeitsplatz von verschiedenen Seiten beleuchten zu können, um zu

einer präziseren Definition zu gelangen.

Die empfundene Wertschätzung, dass was beim Mitarbeiter ankommt, findet in der

Literatur eine weitaus geringere Betrachtung (vgl. Kapitel 3.2.2). Hier ist das Ziel der

Untersuchung diese Forschungslücke weiter zu schließen.

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

115

4 Fragestellung und Hypothesen

In der vorliegenden empirischen Untersuchung werden die sozialen Ressourcen der

Wertschätzung, der sozialen Unterstützung und die der Gesundheitsorientierung der

Führungskraft im Hinblick auf ihre Wirkung auf Gesundheit und Arbeitszufriedenheit der

Mitarbeiter

untersucht.

Ebenso

wie

Gesundheit

und

Arbeitszufriedenheit

im

Zusammenhang stehen. Darauf aufbauend wird empirisch erforscht, wie die empfundene

Gesundheit und Arbeitszufriedenheit die Leistung von Mitarbeitern beeinflussen. Wird die

Annahme bestätigt, dass soziale Ressourcen Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und

schlussendlich Leistung, und damit die Wertschöpfung, positiv beeinflussen, so bergen

soziale Ressourcen, insbesondere bei steigenden Anforderungen, ein wichtiges Potenzial.

Dazu werden zunächst im nachfolgenden Kapitel die sich daraus ergebenden

Forschungsfragen und der Gang der Untersuchung skizziert.

4.1 Untersuchungsgang und Forschungsfragen

Der Gang der Untersuchung erfolgt in vier Teilschritten. Im ersten Schritt wird der

Einfluss der sozialen Ressourcen Wertschätzung, soziale Unterstützung und der

Gesundheitsorientierung der Führungskraft auf die Gesundheit und Arbeitszufriedenheit

untersucht. Im zweiten Schritt wird analysiert, wie Gesundheit und Arbeitszufriedenheit

Leistung bedingen und welcher Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und

Gesundheit besteht. Eine rekursive Betrachtung des Einflusses von Leistung auf

Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Wertschätzung sowie von Gesundheit auf

Wertschätzung und Arbeitszufriedenheit wird in einem dritten Schritt vorgenommen. Die

nachfolgende Abbildung verdeutlicht die ersten drei Untersuchungsschritte.

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

116

Abbildung

23:

Abfolge

der

ersten

drei

Untersuchungsschritte,

soziale

Ressourcen,

Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und Leistung (eigene Darstellung)

Zur statistischen Analyse der Untersuchungsschritte wurde die Methode des

Strukturgleichungsmodells gewählt. Diese bietet die Möglichkeit, komplexe Ursache-

Wirkungsgefüge zu untersuchen. Es können also mehrere Hypothesen gleichzeitig

betrachtet sowie die Wechselwirkungen der Variablen. Bei diesen Wechselwirkungen kann

eine Variable gleichzeitig eine abhängige sowie wie eine unabhängige Größe darstellen.

Sie wird in diesem Fall als intervenierende Variable bezeichnet (Weiber & Mühlhaus,

2010, S. 6). Im Strukturgleichungsmodell werden die Variablen als endogene (abhängige)

oder exogene (unabhängige) bezeichnet (Weiber & Mühlhaus, 2010, S. 17). Durch die

Darstellung von kausalen Beziehungsgefügen im Strukturmodell werden Zusammenhänge

in einer übersichtlichen und einfachen Form dargestellt (Leonhart, 2013, S. 623). Durch

die

vorherige

Festlegung

der

Wirkzusammenhänge

hat

dieses

Modell

einen

konfirmatorischen Charakter.

Nachfolgend wird in einem vierten Untersuchungsschritt die Vermutung, dass Mitarbeiter

individuell verschiedene Bedürfnisse hinsichtlich der Form der Wertschätzung haben und

Wertschätzung

soziale

Unterstützung

Gesundheits-

orientierung der

Führungskraft

Arbeits-

zufriedenheit

empfundene

Gesundheit

(psychisch u.

physisch)

Leistung

erster Schritt

zweiter Schritt

dritter Schritt

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

117

diese entsprechend unterschiedlich empfinden und wahrnehmen, statistisch untersucht. Die

Annahme ist, dass individuell erwünschte und empfundene Wertschätzung die Gesundheit

stärker beeinflusst als andere Formen der Wertschätzung. Hat ein Mitarbeiter z. B. ein

individuelles Bedürfnis nach verbaler Wertschätzung und diese wird ihm z. B. durch die

Führungskraft entgegengebracht und von ihm als solche wahrgenommen, hat dies einen

höheren Effekt auf seine Gesundheit als eine andere Form der Anerkennung. Die

untersuchten Formen der Wertschätzung mit ihrem Einfluss auf die Gesundheit werden in

der nachfolgenden Darstellung skizziert.

Abbildung 24: Einfluss von individuell erwünschter Wertschätzung auf die Gesundheit – vierter

Untersuchungsschritt (eigene Darstellung)

Aus den unterschiedlichen Untersuchungsfeldern ergeben sich folgende Forschungsfragen:

• Wie beeinflussen die sozialen Ressourcen der Wertschätzung, der sozialen

Unterstützung und der Gesundheitsorientierung der Führungskraft die Gesundheit

und Arbeitszufriedenheit?

• Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Arbeitszufriedenheit und Gesundheit?

• Wie wirken sich Gesundheit und Arbeitszufriedenheit auf die Leistung von

Mitarbeitern aus?

individueller)

Wunsch)nach)

Wertschätzung)

individuelle)

Wertschätzung)

empfunden))

Formen)von)

Wertschätzung)

• 

verbale)

Anerkennung)

• 

monetäre)

Anerkennung)

• 

Berücksich=gung)von)

))))))pers.)Bedürfnissen)

• 

Beurteilung)der)

Zielerreichung)

• 

Übertragung)von))

))))))Verantwortung)

Effekt)auf)

empfundene)

Gesundheit)

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

118

• Wie wirkt sich die Leistung von Mitarbeitern auf die Gesundheit, die

Arbeitszufriedenheit und die Wertschätzung aus?

• Wie wirkt sich Gesundheit auf die Wertschätzung von Mitarbeitern aus?

• Wenn Mitarbeiter eine individuell als positiv bewertete Form der Wertschätzung

empfinden, ist dann der Einfluss auf ihre Gesundheit stärker als bei anderen

Formen der Wertschätzung?

4.2 Entwicklung der Hypothesen

Aus den oben genannten Forschungsfragen werden in diesem Kapitel die einzelnen

Hypothesen, unter Berücksichtigung der theoretischen Grundlagen, abgeleitet.

4.2.1 Erster Untersuchungsschritt – Wirkung von sozialen Ressourcen auf Gesundheit und

Arbeitszufriedenheit

Der erste Schritt der Untersuchung prüft den Einfluss der Wertschätzung, der sozialen

Unterstützung und der Gesundheitsorientierung der Führungskraft auf die Gesundheit und

die Arbeitszufriedenheit. In Verbindung mit der Theorie der Work-Life-Balance-Wippe

nach Kastner (2010c, S. 297) wird betrachtet, wie sich die untersuchten spezifischen

sozialen Ressourcen im Sinne einer langfristig gesundheitsförderlichen Amplitude der

Wippbewegung auf die Anforderungs- und Belastungsseite auswirken. Die zugrunde

liegende Fragestellung ist, ob diese Ressourcen das Potenzial haben, ein Gegengewicht zu

steigenden Anforderungen und Belastungen, welche sich aus den mit dem Wandel der

Arbeit einhergehenden neuen Arbeits-, Organisations- und Lebensformen (vgl. dazu

Kapitel 2.1) ergeben, zu bilden.

Wenn soziale Ressourcen ein Gegengewicht zur steigenden Anforderungen und

Belastungen bilden, dann sollte sich eine moderate Wippbewegung ergeben. Diese

Wippbewegung über die Achse sollte sich nach dem von Kastner beschriebenen Prozess,

in einer moderaten Amplitude (2/3 vom Zahnfleisch) widerspiegeln (vgl. Kapitel 3.1.3).

Diese Form der Amplitude wird durch die langfristige ausgeglichene Balance der

Ressourcen und Puffer im Spannungsfeld mit Anforderungen und Belastungen erreicht.

Bei Erreichen dieser Beanspruchungsform, spiegelt sich die daraus resultierende adäquate

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

119

Beanspruchung in einem langfristig positiv beeinflusstem Gesundheitsempfinden und einer

langfristig positiv beeinflussten Arbeitszufriedenheit wider. Die Balance in der

Wippbewegung ist individuell. So ist bei gleichen zur Verfügung stehenden Ressourcen für

einen Mitarbeiter eine Überforderung (die Wippe schlägt zur rechten Seite aus) und für

einen anderen Mitarbeiter eine Unterforderung (die Wippe schlägt zur linken Seite aus)

gegeben. In beiden Fällen kann das Gesundheitsempfinden negativ beeinträchtigt werden

(vgl. Kapitel 3.1.3).

Diese theoretische Betrachtung sollte nicht dazu verführen, ein Bild zu schaffen, indem

unendlich viele Ressourcen auf eine Seite der „Wippe“ gehäuft werden und damit eine

unendliche Belastungsfähigkeit von Mitarbeitern geschaffen wird. Auch wenn gesteigerte

soziale Ressourcen eine größere Anforderungs- und Belastungsseite der „Wippe“ möglich

machen, gilt es, natürliche und gesunde Grenzen zu beachten.

Die zugrunde liegende Theorie und die sich daraus ergebenden exogenen und endogenen

Variablen werden in der folgenden Abbildung veranschaulicht.

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

120

Abbildung 25: Bildung der Variablen zum Untersuchungsschritt eins – soziale Ressourcen in

Verbindung mit der Work-Life-Balance-Wippe nach Kastner (2010c, S. 297) (eigene Darstellung)

Somit ergeben sich für den ersten Untersuchungsschritt als exogene Variablen

Wertschätzung, soziale Unterstützung und Gesundheitsorientierung der Führungskraft.

Endogene Variablen sind Gesundheit und Arbeitszufriedenheit. Eine Darstellung der

exogenen und endogenen Variablen zeigt die nachfolgende Grafik.

Anforderungspuffer-

Belastungen-und-

Anforderungen-

Ressourcen-

Ressourcenpuffer-

Exogene Variablen

Wertschätzung

soziale Unterstützung

Gesundheitsorientierung der

Führungskraft

Endogene Variablen

Gesundheit

Arbeitszufriedenheit

2/3'vom'

„Zahnfleisch“'

Basislinie(

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

121

Abbildung 26: Darstellung Hypothesenbildung erster Untersuchungsschritt (eigene Darstellung)

Aus diesem ersten Bild der Ursache-Wirkungsanalyse werden die folgenden positiv

gerichteten Hypothesen gebildet:

H0: Gesundheit und Arbeitszufriedenheit werden nicht positiv von der Größe der sozialen

Ressourcen

der

Wertschätzung,

der

sozialen

Unterstützung

und

der

Gesundheitsorientierung der Führungskraft beeinflusst.

H1: Je höher die soziale Ressource der Wertschätzung ist, desto größer wird die Gesundheit

positiv beeinflusst.

Endogene

Variablen

Gesundheits-

orientierung

der

Führungs-

kraft

Exogene

Variablen

Wert-

schätzung

soziale

Unter-

stützung

Gesundheit

(physisch u.

psychisch)

Arbeitszu-

friedenheit

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

122

H2: Je höher die soziale Ressource der Wertschätzung ist, desto größer wird die

Arbeitszufriedenheit positiv beeinflusst.

H3: Je höher die soziale Ressource der sozialen Unterstützung ist, desto größer wird die

Gesundheit positiv beeinflusst.

H4: Je höher die soziale Ressource der sozialen Unterstützung ist, desto größer wird die

Arbeitszufriedenheit positiv beeinflusst.

H5: Je höher die soziale Ressource der Gesundheitsorientierung der Führungskraft ist,

desto größer wird die Gesundheit positiv beeinflusst.

H6: Je höher die soziale Ressource der Gesundheitsorientierung der Führungskraft ist,

desto größer wird die Arbeitszufriedenheit positiv beeinflusst.

4.2.2 Zweiter Untersuchungsschritt – Wirkung von Arbeitszufriedenheit auf Gesundheit

sowie von Arbeitszufriedenheit und Gesundheit auf Leistung

In diesem Untersuchungsschritt wird analysiert, ob eine höhere Arbeitszufriedenheit auf

Gesundheit positiv wirkt und wie höhere Gesundheit und höhere Arbeitszufriedenheit

Leistung im Sinne von Leistungsfähigkeit und Leistungsmotivation positiv beeinflussen

(vgl. dazu Kapitel 3.3.5).

Im vorhergehenden ersten Untersuchungsschritt wurde bereits die positive Beeinflussung

von Gesundheit und Arbeitszufriedenheit durch soziale Ressourcen theoretisch fundiert.

Nun wird weitergehend analysiert, ob es einen positiven Zusammenhang von

Arbeitszufriedenheit auf Gesundheit gibt. Ebenso ist im zweiten Untersuchungsschritt die

Annahme, dass höhere Gesundheit und höhere Arbeitszufriedenheit Leistung positiv

beeinflussen. Dass Gesundheit eine Wirkung auf Leistung hat, ist im Leistungs- und

Gesundheitsmanagement von Kastner dargelegt (vgl. Kapitel 3). Gesundheit ist somit eine

Komponente zur Leistungs-Fähigkeit. Die theoretische Fundierung des Einflusses von

Arbeitszufriedenheit auf Leistung ist im Kapitel 3.3.5 aufgeführt. Als Essenz kann daraus

festgehalten werden: Arbeitszufriedenheit beeinflusst die Volation und ist damit eine

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

123

aktive Komponente zur Leistungs-Motivation. Zur Übersicht dient die nachfolgende

Abbildung.

Abbildung 27: Darstellung Hypothesenbildung zweiter Untersuchungsschritt (eigene Darstellung)

Demnach sind die exogenen Variablen Gesundheit und Arbeitszufriedenheit und die

endogene Variablen Gesundheit und Leistung. Gesundheit ist ebenso eine intervenierende

Variable. Dies ist durch die Analyse der Wirkrichtung Gesundheit auf Leistung (=exogene

Variable) und der Wirkrichtung Arbeitszufriedenheit auf Gesundheit (=endogene Variable)

bedingt. Diese Besonderheit ist durch die Methodik des Strukturgleichungsmodells bedingt

(vgl. Kapitel 4.1).

Für den zweiten Untersuchungsschritt ergeben sich daraus die positiv gerichteten

Hypothesen:

H01: Gesundheit wird nicht positiv von der Größe der Arbeitszufriedenheit beeinflusst.

Leistung

Endogene Variable

Gesundheits-

orientierung

der

Führungs-

kraft

Exogene Variable

Wert-

schätzung

soziale

Unter-

stützung

Gesundheit

(physisch u.

psychisch)

Arbeitszu-

friedenheit

Intervenierende Variable

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

124

H02: Leistung wird nicht positiv von der Größe der Gesundheit und nicht positiv von der

Größe der Arbeitszufriedenheit beeinflusst.

H7: Je höher die Arbeitszufriedenheit ist, desto größer wird die Gesundheit positiv

beeinflusst.

H8: Je höher die Gesundheit ist und je höher die Arbeitszufriedenheit ist, desto größer wird

die Leistung positiv beeinflusst.

Eine

Betrachtung

von

rekursiven

Zusammenhängen

erfolgt

im

dritten

Untersuchungsschritt.

4.2.3 Dritter Untersuchungsschritt – rekursive Betrachtung

Die Wirkrichtung der latenten Variablen kann nicht nur in eine Richtung betrachtet

werden. Vielmehr besteht die Annahme, dass die Wertschätzung wiederum von der

Leistung und der Gesundheit abhängt. So könnte im Extremfall alles von allem abhängen

und sich im Sinne eines Kreislaufes gegenseitig beeinflussen. Zur Klärung dieser weiteren

Zusammenhänge werden zentrale Variablen dieser Arbeit ebenfalls in rekursiver Weise

untersucht. Diesen dritten Untersuchungsschritt stellt die nachfolgende Abbildung dar.

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

125

Abbildung 28: Darstellung Hypothesenbildung dritter Untersuchungsschritt (eigene Darstellung)

Damit ergeben sich als exogene Variable Leistung. Als endogene Variable Wertschätzung

und als intervenierende Variablen Gesundheit und Arbeitszufriedenheit. Daraus werden die

folgenden positiv gerichteten Hypothesen entwickelt:

H03: Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und Wertschätzung werden nicht von der Höhe der

Leistung positiv beeinflusst.

H04: Wertschätzung wird nicht von der Höhe der Gesundheit und von der Höhe der

Arbeitszufriedenheit positiv beeinflusst.

H05: Arbeitszufriedenheit wird nicht positiv von der Höhe der Gesundheit beeinflusst.

H9: Je höher die Gesundheit ist, desto größer wird Wertschätzung positiv beeinflusst.

Leistung

Gesundheits-

orientierung

der

Führungs-

kraft

Wert-

schätzung

soziale

Unter-

stützung

Gesundheit

(physisch u.

psychisch)

Arbeitszu-

friedenheit

Exogene'Variable'

Endogene

Variable

Intervenierende

Variablen

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

126

H10: Je höher die Leistung ist, desto größer wird Arbeitszufriedenheit positiv beeinflusst.

H11: Je höher die Leistung ist, desto größer wird Gesundheit positiv beeinflusst.

H12: Je höher die Leistung ist, desto größer wird Wertschätzung positiv beeinflusst.

H13: Je höher die Gesundheit ist, desto größer wird Arbeitszufriedenheit positiv beeinflusst.

H14: Je höher die Arbeitszufriedenheit ist, desto größer wird Wertschätzung positiv

beeinflusst.

Bei allen angeführten positiv gerichteten Hypothesen gilt für diese Arbeit: Je höher der

Einfluss einer unabhängigen Variablen auf eine abhängige Variable ist, desto besser wird

der Zustand oder die Ausprägung der abhängigen Variablen empfunden. Genauso gilt,

dass die Variablen keine beliebig hohe Ausprägung annehmen können. Es gibt natürliche

menschliche Grenzen bis zu denen eine Ausprägung eines Zustands möglich ist. Ebenso

besteht kein linearer Zusammenhang zwischen Einfluss und Ausprägung einer Variablen,

vielmehr nimmt der „Grenznutzen“ eines Zustandes ab. So ist beispielsweise bei der

Hypothese, dass je höher die Wertschätzung ist, desto größer wird die Gesundheit positiv

beeinflusst, die Annahme: Je höher die empfundene Wertschätzung ist, desto größer ist die

empfundene Gesundheit. Mit der Voraussetzung, dass die Ausprägung der Gesundheit bis

zu einer individuellen Grenze beeinflussbar ist. Je besser der eigene Gesundheitszustand

durch ein Individuum empfunden wird, desto mehr sinkt der „Nutzen“ von Gesundheit.

Das bedeutet, wenn sich jemand auf seiner eigenen „Gesundheitsskala“ am unteren Ende

einordnet, dann ist jegliche Verbesserung von Gesundheit und physischen- sowie

psychischen Funktionen eine große empfundene Verbesserung. Sieht er sich hingegen am

oberen Ende seiner persönlichen Gesundheit, dann sind Verbesserungen von geringerem

Nutzen, da grundlegende Funktionen vorhanden und nutzbar sind.

Somit sind alle Pfadanalysen des Strukturgleichungsmodells in ihrem Aufbau und den

entsprechenden Hypothesen erläutert. Der vierte Untersuchungsschritt unterliegt einer

geänderten Vorgehensweise hinsichtlich der Methodik. Ohne der Beschreibung der

4 Fragestellung und Hypothesen

_________________________________________________________________________

127

methodischen Vorgehensweise vorgreifen zu wollen, findet hier die Pfadanalyse keine

Anwendung, vielmehr wird mit Hilfe eines Signifikanztests der Einfluss von individueller

Wertschätzung auf das Gesundheitsempfinden analysiert.

4.2.4 Vierter Untersuchungsschritt – Wirkung von individueller Wertschätzung auf

Gesundheit

Eine zentrale Annahme dieser Arbeit ist, dass Individuen Präferenzen bei den

verschiedenen Formen von Wertschätzung haben (vgl. dazu Kapitel 3.2.1). Wird die

persönlich erwünschte Anerkennung empfunden, ist der Effekt auf die Gesundheit stärker

als bei anderen Formen der Wertschätzung.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die verschiedenen Formen von erwünschter und

empfundener Wertschätzung mit möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit.

Tabelle 2: Erwünschte und empfundene Wertschätzung mit möglichen Auswirkungen auf Gesundheit

Individueller

Wunsch nach

Wertschätzung

Individuelle

Wertschätzung

empfunden

Effekt auf

empfundene

Gesundheit

Individuelle

Wertschätzung

erwünscht und

empfunden

+

+

++

Individuelle

Wertschätzung

nicht erwünscht

aber empfunden

-

+

+

Individuelle

Wertschätzung

nicht erwünscht

und nicht

empfunden

-

-

+/-

Individuelle

Wertschätzung

erwünscht

und

nicht empfunden

+

-

--

Die sich daraus ergebenden Hypothesen lauten:

H06: Eine individuell als positive Form der Wertschätzung eingeschätzte, vermittelte und

als solche empfundene Wertschätzung hat keinen größeren Effekt auf die Gesundheit als

_________________________________________________________________________

128

andere Formen, die individuell als neutrale oder negative Formen der Wertschätzung

betrachtet werden.

H15: Eine individuell als positive Form der Wertschätzung eingeschätzte, vermittelte und

als solche empfundene Wertschätzung hat einen größeren Effekt auf die Gesundheit als

andere Formen, die individuell als neutrale oder negative Formen der Wertschätzung

betrachtet werden.

Im folgenden Kapitel wird das methodische Vorgehen zur Untersuchungsdurchführung

beschrieben.

5 Methodisches Vorgehen

_________________________________________________________________________

129

5 Methodisches Vorgehen

Zunächst wird das Untersuchungsdesign mit der Gewinnung der zur Untersuchung

notwendigen Daten skizziert, danach der Forschungsfragebogen näher erläutert und die

Operationalisierung der Items und Skalen beschrieben.

5.1 Untersuchungsdesign

Die Erhebung der Daten für die empirische Untersuchung erfolgte in Form eines

Onlinefragebogens. Neben der Ökonomie dieser Befragungsart kann dadurch ebenfalls ein

hoher Grad an Strukturiertheit sowie das Testgütekriterium der Objektivität erreicht

werden, ohne die weiteren Gütekriterien der Datenerhebung zu vernachlässigen. Zentrale

Kriterien der Testgüte sind Objektivität, Reliabilität und Validität (Bortz & Döring, 2006,

S. 195). Nachteilig bei dieser Art der Befragung ist eine relativ geringe Rücklaufquote

sowie die Tendenz, die Fragebögen nicht vollständig auszufüllen (Sedlmeier & Renkewitz,

2013, S. 85). Dem kann durch verschiedene Maßnahmen entgegengewirkt werden, indem

z. B. ein persönliches Anschreiben formuliert wird, die untersuchende Institution

vorgestellt wird oder ein Enddatum der Befragung angekündigt wird (Bortz & Döring,

2006, S. 256f.).

Die

Onlinebefragung

wurde

in

einem

der

größten

global

operierendem

Telekommunikationsunternehmen durchgeführt. Befragt wurden Mitarbeiter der Zentrale

der deutschen Landesniederlassung. Zum Zeitpunkt der Befragung waren dort ca. 6.000

Mitarbeiter beschäftigt. Es ist üblich, zur Kommunikation mit anderen Standorten und

Landesniederlassungen sowie mit Kunden moderne Kommunikationstechniken wie

Telefonkonferenzen, Videokonferenzen und E-Mails zu verwenden. Ebenso werden

Mobiltelefone, Smartphones und Blackberrys als Dienstgeräte verwendet. In einem

festgelegten Umfang kann von externen Standorten, wie z. B. von zu Hause aus, gearbeitet

werden. Dazu werden Laptops mit der Möglichkeit zur Einwahl ins Firmennetz zur

Verfügung gestellt. So gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten aber auch

Notwendigkeiten, an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten zu arbeiten.

Dies ist gerade für die Frage der Entgrenzung von Arbeitszeit und der damit

einhergehenden Steigerung von Anforderungen und Belastungen für die durchgeführte

Untersuchung von hohem Interesse.

5 Methodisches Vorgehen

_________________________________________________________________________

130

Die Items des Forschungsfragebogens wurden mit der Personalabteilung besprochen und

mit dem zuständigen Betriebsrat abgestimmt. Dabei wurden Fragen in ihrem Wortlaut

verändert bzw. angepasst sowie zusätzliche Fragen, die aus Sicht des Betriebsrats von

Interesse waren, aufgenommen. Zusätzlich lag ein besonderes Augenmerk auf der

Zusicherung und Einhaltung der Anonymität bei der Beantwortung der Fragen.

Die Befragung wurde mit dem unternehmensinternen Tool für Onlinebefragungen

durchgeführt. Die Einladung zur Befragung erfolgte über ein persönliches Anschreiben per

E-Mail an die Firmenadresse der ausgewählten Mitarbeiter, das einen Link zu der

Onlinebefragung enthielt. In der E-Mail wurden weiterhin die Fragestellung der

Untersuchung, die Forschungseinrichtung, Ansprechpartner zu technischen Fragen und zu

Untersuchungsfragestellungen, die Zusicherung der Anonymität sowie das Enddatum der

Befragung angegeben. Die Befragungsdauer wurde auf Wunsch des Unternehmens mit ca.

20 Minuten veranschlagt. Daraus entstand die Herausforderung, den Fragebogen so

ökonomisch wie möglich zu gestalten. Eine Abdeckung weiterer theoretischer

Einflussfaktoren auf die Konstrukte war unter den gegebenen Rahmenbedingungen daher

nicht Ziel der Befragung. Enthalten sind nach Einschätzung der Autorin alle wesentlichen

Aspekte, die zur Datenerhebung bzgl. der Hypothesen notwendig sind. Zugleich wurde

damit der Ökonomie des eingesetzten Instruments entsprochen (Gollwitzer & Jäger, 2014,

S. 41). Der Fragebogen und das Anschreiben können im Anhang eingesehen werden.

Durch einen Pretest wurden im Vorfeld mit einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern die

Verständlichkeit der Fragen und der Zeitaufwand der Befragung getestet. Nach dem Ende

der Befragung erhielt die Autorin die Daten in Form von automatisch aus dem

Onlinebefragungstool erstellten Excellisten. Sie hatte keinen Zugang zu den Rohdaten. So

wurden die Anonymisierung und die Auswertungskonsistenz sichergestellt.

Die Auswahl der Stichprobe erfolgte in Zusammenarbeit mit der Personalabteilung. Von

den zum Befragungszeitraum ca. 6000 Mitarbeitern der deutschen Landesniederlassung

wurden 1050 Mitarbeiter ausgewählt. Die Kriterien zur Auswahl der Stichprobe waren,

dass die Teilnehmer aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen stammen sowie an

mindestens drei vorhergehenden Befragungen nicht teilgenommen hatten. Somit wurde ein

Querschnitt aus den Mitarbeitern gebildet und eine Vermischung mit vorgehenden

5 Methodisches Vorgehen

_________________________________________________________________________

131

Befragungen vermieden.

Der Befragungszeitraum erstreckte sich insgesamt über drei Wochen. Nach der Hälfte der

Befragung erfolgte eine Erinnerung zur Teilnahme durch eine automatisch generierte

Erinnerungsmail.

Die

Durchführung

der

statistischen

Auswertung

wurde

mit

einem

Strukturgleichungsmodell über die Software SmartPLS (Version 2.0) vorgenommen.

Weitere Auswertungen zur deskriptiven Statistik erfolgten über SPSS (Version 20).

5.2 Forschungsfragebogen

Zur Formulierung der Fragen im Forschungsfragebogen wurde so weit wie möglich auf

bereits zu wissenschaftlichen Zwecken eingesetzte Fragebögen zurückgegriffen. Aufgrund

spezifischer Anforderungen des befragten Unternehmens mussten einige Fragen angepasst

werden. Diese Anpassungen erfolgten unter Beachtung der zentralen Grundsätze zur

Konstruktion von Fragebögen, insbesondere zur Auswahl und Formulierung der Fragen

(Bortz & Döring, 2006, S. 253ff.). Die Methodik zur Entwicklung der Konstrukte und

Skalen und damit die Erstellung der Items des eingesetzten Fragebogens werden im

folgendem dargestellt.

Entwicklung der Skalen und Items des Fragebogens über Konstrukte

Die Skalen und Items des Fragbogens sind durch die in den Hypothesen (vgl. Kapitel 4.2)

benannten Variablen Wertschätzung, soziale Unterstützung, Gesundheitsorientierung der

Führungskraft, Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung bestimmt. Zusätzlich

wurden für das befragte Unternehmen Items eingefügt, die von besonderem Interesse für

die Personalabteilung und den Betriebsrat waren.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die methodische Vorgehensweise:

5 Methodisches Vorgehen

_________________________________________________________________________

132

Tabelle 3: Vorgehen zur Entwicklung von Skalen und Items über Konstrukte

Schritt

Vorgehen zur Entwicklung von Skalen und Items über Konstrukte

1

Bildung von Variablen (Konstrukte) über die Entwicklung der

Hypothesen

2

Bildung der kausalen Beziehung über die Entwicklung der Hypothesen

(vgl. dazu die Darstellung zu den einzelnen Untersuchungsschritten)

3

Bildung von Skalen

4

Entwicklung von Items zu den Skalen

5

Zuordnung der Skalen zu den Konstrukten

Die Items des Fragebogens enthalten Fragen aus dem für die Unfallkasse des Bundes

entwickelten Fragebogen zur Mitarbeiterbefragung im Rahmen des betrieblichen

Gesundheitsmanagements (Bundes, 2010), aus dem Fragebogen Salutogenetische

Subjektive Arbeitsanalyse SALSA von Udris &Rimann (1999), aus dem Work Ability

Index WAI von Tuomi et al. (2001) sowie selbst erstellte Items. Diese selbst erstellten

Items beinhalten allgemeingültige Fragen zur subjektiven Beurteilung von Fragebereichen

(z. B. „Wie beurteilen Sie Ihren Gesundheitszustand insgesamt?“).

Die überwiegende Zahl der Fragen sind geschlossene Fragen. Für individuelle

Rückmeldungen gab es bei einigen Fragen die Möglichkeit der Antwort in Freitextform.

Alle Items, abgesehen von den soziodemografischen Fragen (z. B. zum Alter oder zur

disziplinarischen Personalverantwortung), fragen nach der subjektiven Einschätzung. Die

Daten beruhen somit auf der subjektiven Bewertung der Teilnehmer. Sie spiegeln somit die

tatsächlich

individuellen

empfundenen

Zustände

von

Wertschätzung,

sozialer

Unterstützung,

Gesundheitsorientierung

der

Führungskraft,

Gesundheit,

Arbeitszufriedenheit und Leistung wieder. Wie in Kapitel 2.2.1 (Gesundheit und

Wohlbefinden des Mitarbeiters) beschrieben, hat die individuelle Wahrnehmung einen

großen Anteil an Zuständen wie Gesundheit und Wohlbefinden und beeinflusst diese

entsprechend. Zudem ist zum einen bei den sozialen Ressourcen eine objektive Messung

nicht möglich, da deren Wahrnehmung und Empfindung individuell und damit subjektiv

ist. Zum anderen war bei den Variablen Gesundheit und Leistung eine objektive

Datenerhebung unter den Rahmenbedingungen des befragten Unternehmens nicht möglich.

5 Methodisches Vorgehen

_________________________________________________________________________

133

Für die vorliegende Arbeit ist dieser Faktor jedoch nicht bedeutsam, da explizit auf die

individuelle Wahrnehmung von Zuständen referenziert wird. Der Nachteil bei der Angabe

von subjektiven Zuständen liegt in der Beeinflussung durch soziale Erwünschtheit. Diese

kann zu Verfälschungen in den Antworten führen (Sedlmeier & Renkewitz, 2013, S. 93).

Um die Antworten entsprechend zu überprüfen, wurden Fragen, die mit den Variablen in

Beziehung stehen, zur Validierung der Antworten eingefügt. So wird z. B. die angegebene

empfundene Gesundheit mit Fragen zu physischen und psychischen Beschwerden in

Korrelation gesetzt.

Die Erhebung der Daten wurde unter diesen Voraussetzungen in dieser empirischen

Untersuchung mit dem Instrument der subjektiven Beurteilung vorgenommen. Dies gilt für

die Variablen Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung ebenso wie für die sozialen

Ressourcen (Wertschätzung, soziale Unterstützung und Gesundheitsorientierung der

Führungskraft). Hier ist die individuelle Wahrnehmung von sozialen Ressourcen für die

Bewältigungsprozesse der Anforderungen und Belastungen wichtig. Nur das, was ein

Individuum als Ressource wahrnimmt, kann von ihm als Gegengewicht zu Anforderungen

und Belastungen eingesetzt werden. So kann festgehalten werden, dass die von Dritten

objektiv als vorhanden beurteilte Wertschätzung (z. B. durch die Führungskraft) für den

Mitarbeiter nicht als Ressource zugänglich ist, wenn er diese nicht als solche wahrnimmt.

Erst durch die subjektive Bewertung und Wahrnehmung der Wertschätzung wird diese zur

Ressource (vgl. dazu Kapitel 3.2.1).

Der Fragebogen erhob zunächst soziodemografische Daten wie Alter, Geschlecht,

Personalverantwortung, Vollzeit- oder Teilzeitarbeitsverhältnis sowie die Dauer der

Betriebszugehörigkeit. Weitergehend erfolgte die Befragung zur subjektiven Einschätzung

der in Tabelle 4 (Zuordnung der Items zu den Skalen) dargestellten Fragenbereiche. Dabei

wurde eine fünfstellige Häufigkeits- oder Intensitätsskala mit verbal gegliederten

Antwortmöglichkeiten eingesetzt. Dies dient der Vereinheitlichung der Skalen und zur

Absicherung der statistischen Auswertbarkeit (Rohrmann, 1978). Im SALSA-Fragebogen

von Rimann und Udris (1999) sowie im Fragebogen der Unfallkasse des Bundes (Bundes,

2010) werden ebenfalls fünfstellige Skalen verwendet. Zusätzlich gab es auf Wunsch des

befragten Unternehmens die Möglichkeit, bei einigen Fragen die Antwortmöglichkeit

„Trifft nicht zu“ zu wählen. Eine Ausnahme bilden die Fragen aus dem WAI-Index. Bei

der Frage nach der eingeschätzten Arbeitsfähigkeit innerhalb der nächsten zwei Jahre wird

5 Methodisches Vorgehen

_________________________________________________________________________

134

eine vierstellige Intensitätsskala eingesetzt. Durch das Weglassen des mittleren oder

neutralen Bereichs soll eine eindeutige Aussage gemacht werden.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Quellen zu den unterschiedlichen Skalen.

Tabelle 4: Zuordnung der Quellen zu den Skalen

Skala

Quelle

Anzahl Items

Persönliche Daten

Erstellt durch die Autorin

5

Subjektive Bewertung des

Gesundheitsempfindens

Erstellt durch die Autorin

4

Gesundheitliche Beschwerden

UK-Bund

1

Individuelles Gesundheitsverhalten

UK-Bund

Erstellt durch die Autorin

1

1

Einflüsse am Arbeitsplatz auf das

subjektive Gesundheitsempfinden

SALSA

1

Subjektive Bewertung der

Leistungsfähigkeit

WAI

Erstellt durch die Autorin

2

2

Work-Life-Balance

UK-Bund

1

Subjektive Bewertung der

Bedingungen am Arbeitsplatz

SALSA

1

Empfundene Wertschätzung

unterschiedlicher Gruppen

Erstellt durch die Autorin

1

Individuelle Beurteilung des

Einflusses verschiedener Arten von

Wertschätzung

Erstellt durch die Autorin

1

Subjektiv empfundene

Wertschätzung verschiedener

Arten von Wertschätzung aus den

unterschiedlichen Gruppen

Erstellt durch die Autorin

1

Gesundheitsförderung der

Mitarbeiter durch Maßnahmen und

Vorbildfunktion der Führungskraft

Erstellt durch die Autorin

1

Empfundene soziale Unterstützung

durch Führungskraft und Kollegen

SALSA

1

5 Methodisches Vorgehen

_________________________________________________________________________

135

Nach Bildung der Skalen wurden diesen die folgenden Items zugeordnet. Dies wird in der

nachfolgenden Tabelle dargestellt.

Tabelle 5: Zuordnung der Items zu den Skalen

Skala

Item

Soziodemografische Fragen

Alter

Geschlecht

disziplinarische Personalverantwortung

Teilzeit

Wie viele Jahre bereits im Unternehmen

beschäftigt

Subjektive Bewertung des

Gesundheitsempfindens

Bitte beurteilen Sie Ihren

Gesundheitszustand insgesamt

Bitte beurteilen Sie Ihren seelischen

Gesundheitszustand

Bitte beurteilen Sie Ihren körperlichen

Gesundheitszustand

Gesundheitliche Beschwerden

Wie oft hatten Sie in den letzten 12

Monaten folgende Beschwerden?

Unlust

Individuelles Gesundheitsverhalten

Wie beurteilen Sie Ihr

Gesundheitsverhalten insgesamt?

Wie oft haben Sie in den letzten 12

Monaten die folgenden Aktivitäten

durchgeführt?

Einflüsse am Arbeitsplatz auf das

5 Methodisches Vorgehen

_________________________________________________________________________

136

Skala

Item

subjektive Gesundheitsempfinden

Arbeitszeit

Arbeitsplatzes hinsichtlich der Ergonomie

innerhalb der regulären Arbeitszeit ist

regelmäßig zu hoch

Kollegen im Team

Vorgesetzten

Vereinbarung von familiären und privaten

Verpflichtungen

Subjektive Bewertung der

Leistungsfähigkeit

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer

Leistungsfähigkeit?

Ich glaube, dass ich, ausgehend von

meinem jetzigen Gesundheitszustand,

meine derzeitige Arbeit auch in den

nächsten 2 Jahren ausüben kann.

Behindert Sie derzeit eine Verletzung oder

Erkrankung bei der Arbeit?

Ich erledige meine Arbeit mit Freude.

Work-Life-Balance

Inwieweit beeinflusst Ihre Arbeit die

folgenden privaten Aktivitäten?

Verpflichtungen nachzukommen.

aktivitäten ändern.

Subjektive Bewertung der Bedingungen am

Arbeitsplatz

Bitte geben Sie an, wie zufrieden Sie mit

den folgenden Bedingungen am

Arbeitsplatz sind

Ganzes, Abgerundetes.

sie auch am Arbeitsplatz verwirklichen

und mitentscheiden.

erledigen.

Gleiche tun.

Empfundene Wertschätzung

unterschiedlicher Gruppen

Bitte beurteilen Sie die von Ihnen

empfundene Wertschätzung durch:

5 Methodisches Vorgehen

_________________________________________________________________________

137

Skala

Item

Subjektiv empfundene Wertschätzung

verschiedener Formen von Wertschätzung

aus den unterschiedlichen Gruppen

In welcher Art und Weise haben Sie in den

letzten 12 Monaten Wertschätzung durch

die genannten Personengruppen erfahren?

Bedürfnissen

Individuelle Beurteilung des Einflusses

verschiedener Formen von Wertschätzung

Wie schätzen Sie den Einfluss dieser

Maßnahmen, zur Wertschätzung , für sich

persönlich ein?

Bedürfnissen

Gesundheitsförderung der Mitarbeiter

durch Maßnahmen und Vorbildfunktion der

Führungskraft

Die direkte Führungskraft:

Arbeitsklima und bietet hilfreiche

Maßnahmen an

Wohlbefinden bei der Arbeit

Verhalten

Empfundene soziale Unterstützung durch

Führungskraft und Kollegen

Mein direkter Vorgesetzter lässt mich

wissen, wenn ich meine Arbeit gut gemacht

habe

Ich kann Probleme, die bei meiner Arbeit

auftreten, mit meinem direkten

Vorgesetzten besprechen.

Ich erhalte Unterstützung von meinen

Kollegen aus dem Team.

Ich kann Probleme, die bei einer Arbeit

auftreten, mit meinen Kollegen besprechen.

Es gibt ein angenehmes Betriebsklima in

meinem Team.

5 Methodisches Vorgehen

_________________________________________________________________________

138

Zur Konstruktion der Variablen, die sich aus der Entwicklung der Hypothesen ergeben,

wird eine Zuordnung der Skalen zu einem Konstrukt vorgenommen.

5.3 Konstruktion der Variablen

Wie in Kapitel 4.2 bereits beschrieben wird zur statistischen Überprüfung der Hypothesen

ein

Strukturgleichungsmodell

verwendet.

Strukturgleichungsmodelle

untersuchen

komplexe kausale Beziehungsstrukturen. Sie machen die quantitative Abschätzung von

Ursache-Wirkungszusammenhängen möglich und bilden die im Vorfeld definierten

Wirkungszusammenhänge in einem Strukturmodell ab (Sedlmeier & Renkewitz, 2013, S.

669; Weiber & Mühlhaus, 2010, S. 17). Damit entspricht ein solches Verfahren im

besonderen Maße der Zielsetzung in dieser Arbeit. Untersucht werden die sozialen

Ressourcen mit ihrem Einfluss auf Gesundheit und Arbeitszufriedenheit und

schlussendlich deren Wirkung auf Leistung. Die vermuteten positiven kausalen Ursache-

und Wirkungsbeziehungen können gleichzeitig als inhaltlich relevante latente Variablen in

einem Modell dargestellt und getestet werden. Dabei können die Variablen abhängig und

unabhängig sein. Als Besonderheit des Verfahren gibt es intervenierende Variablen. Trotz

der Komplexität der Beziehungsgeflechte ergibt sich ein strukturiertes und übersichtliches

Bild der Untersuchung und ihrer Ergebnisse (vgl. Kapitel 4.1). Nachteilig bei dieser

Methode kann die Messbarkeit von latenten Variablen sein. Da diese nicht beobachtbar

sind, ist eine geeignete Operationalisierung und Güteprüfung zur Ergebnisinterpretation

wichtig. Dazu ist die theoretische Untermauerung unter anderem zur Entwicklung der

Hypothesen wesentlich (Sedlmeier & Renkewitz, 2013, S. 670; Weiber & Mühlhaus, 2010,

S. 3). Darüberhinaus ist ein solches Verfahren nur bei größeren Stichproben anwendbar.

Empfehlungen dazu benennen Größen ab 100 bzw. 200 Stichproben (Sedlmeier &

Renkewitz, 2013, S. 680). Für eine weitere Beschreibung der Variablen wird zusätzlich

eine deskriptive Statistik eingesetzt.

Zur Bildung von latenten Variablen in einem solchen Strukturgleichungsmodell ist es

notwendig, einem Konstrukt6 Items zuzuordnen. Die nachfolgenden Darstellungen zeigen

die Zuordnung der Skalen mit den in Tabelle 4 (Zuordnung der Items zu den Skalen)

aufgeführten Items zu einem Konstrukt.

6 Ein Konstrukt ist gleichbedeutend mit der Bildung der Variablen aus den Hypothesen.

5 Methodisches Vorgehen

_________________________________________________________________________

139

Wertschätzung-

empfundene-

Wertschätzung-

unterschiedlicher-

Gruppen-

soziale-Unterstützung-

empfundene-

soziale-

Unterstützung-

durch-Führungs:

kra<-u.-Kollegen-

Gesundheits:

orien?erung-der-

Führungskra<-

Gesundheits:

förderung-der-

Mitarbeiter-durch-

Maßnahmen-und-

Vorbildfunk?on-

5 Methodisches Vorgehen

_________________________________________________________________________

140

Abbildung 29: Zuordnung der Skalen zu den Konstrukten bzw. Variablen (eigene Darstellung)

Wie in Tabelle 4 (Zuordnung der Items zu den Skalen) dargestellt sind den Skalen Items

hinterlegt, die das Konstrukt beschreiben. Wie gut das Konstrukt durch die Items – oder

bei Strukturgleichungsmodellen Faktoren – erklärt wird, lässt sich mit statistischen

Verfahren darstellen. Im nachfolgenden Kapitel werden diese Verfahren erläutert und mit

den Ergebnissen dargestellt.

Gesundheit*

subjek.ve*

Bewertungdes

Gesundheits4

empfindens**

Arbeitszufriedenheit*

subjek.ve*

Bewertungder

Bedingungenam

Arbeitsplatz*

Leistung*

subjek.ve*

Bewertungder

Leistungsfähigkeit*

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

141

6 Ergebnisse

Vor der Darstellung der Ergebnisse wird zunächst die Stichprobe beschrieben.

Nachfolgend werden die Kennwerte der Reliabilität und Validität mithilfe der deskriptiven

Statistik beschrieben. Die Hypothesenüberprüfung der Untersuchungsschritte (zur

Entwicklung der Hypothesen und Untersuchungsschritte vgl. Kapitel 4.2) eins bis drei wird

mit einer Strukturgleichungsanalyse durchgeführt. In den nachfolgenden Kapiteln werden

deren Aufbau mit den gültigen Gütekriterien sowie die Ergebnisse dargestellt. Die

Auswertung des Untersuchungsschritts vier, Wirkung von individueller Wertschätzung auf

Gesundheit, wurde mit der Statistik-Software R Version 3.1.2 durchgeführt und dargestellt.

6.1 Beschreibung der Stichprobe

Zunächst werden die soziodemografischen Daten der Teilnehmer dargestellt, um die

Stichprobe näher zu beschreiben.

Insgesamt wurden 1050 Mitarbeiter ausgewählt und per E-Mail angeschrieben. Die

Auswahl der Mitarbeiter umfasste mehrere Unternehmensbereiche und Hierarchieebenen

(vgl. Kapitel 5.1). Insgesamt haben 388 Mitarbeiter freiwillig teilgenommen. Dies

entspricht einer Quote von 36,95 %. Diese Quote ist im Vergleich mit ähnlichen

Befragungen durchaus üblich. Nicht alle Items wurden durchgängig beantwortet. In der

Beschreibung der Stichprobe wird die jeweilige Antwortzahl angegeben.

In der Auswertung der Antworten zeigt sich die stärkste Ausprägung in den Altersklassen

40 bis 49 Jahre mit 43,8 % und 30 bis 39 Jahre mit 35,7 %. Summiert ergeben sich für die

Altersstufe 30 bis 49 Jahre somit 79,5 % der Antworten. Auf die Altersklassen unter 20 bis

29 Jahre entfallen 10,5 %, 50 bis 59 Jahre 9,2 % und älter als 60 Jahre 0,8 % der

Antworten. Demnach stammen fast 80 % der Antworten von Personen im mittleren Alter

zwischen 30 und 49 Jahren. In der Stichprobe sind 41,5 % weibliche und 58,2 %

männliche Teilnehmer. Der überwiegende Teil der Teilnehmer hat keine disziplinarische

Personalverantwortung (80,2 %), Führungsverantwortung haben laut eigener Angabe

19,8 %. In den Antworten bildet sich mit 91,2 % überwiegend eine Vollzeitbeschäftigung

ab, während 8,8 % angaben, in Teilzeit zu arbeiten. Die Dauer der Beschäftigung in dem

befragten Unternehmen betrug bei 9,5 % unter einem Jahr, bei 19,1 % 2 bis 5 Jahre, bei

49,9 % 6 bis 15 Jahre und bei 21,5 % mehr als 15 Jahre. Damit antworteten 71,4 % der

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

142

Befragten, die länger als 5 Jahre bei dem Unternehmen beschäftigt sind.

Zur besseren Übersicht sind die einzelnen Auswertungen im Folgenden grafisch

dargestellt.

10,5%

35,7%

43,8%

9,2%

0,8%

0%

5%

10%

15%

20%

25%

30%

35%

40%

45%

50%

<20%-%29%

30%-%39%

40%-%49%

50%-%59%

>%60%

Prozent(

Alter(

Altersverteilung(in(Prozent((n=381)(

58,2%

41,8%

0%

10%

20%

30%

40%

50%

60%

70%

männlich%

weiblich%

Prozent(

Geschlecht(in(Prozent(

(n=380)(

19,8%

80,2%

0%

20%

40%

60%

80%

100%

ja%

nein%

Prozent(

disziplinarische(

Personalverantwortung(

in(Prozent((n=373)(

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

143

Abbildung 30: Soziodemografische Beschreibung der Stichprobe

Nachdem die Stichprobe beschrieben und zur Veranschaulichung in Grafiken dargestellt

wurde, wird nun eine statistische Analyse der Daten und darauf aufbauend die

Hypothesenprüfung durchgeführt.

6.2 Deskriptive Statistik und Hypothesenprüfung

Zunächst werden das methodische Vorgehen und die Hypothesenüberprüfung der ersten

drei Untersuchungsschritte beschrieben. Nach dieser Zusammenfassung wird das

methodische Vorgehen des vierten Schritts aufgezeigt. Diese Reihenfolge wird wegen des

unterschiedlichen Methodendesigns der ersten drei Untersuchungsschritte und des

8,8%

91,2%

0%

20%

40%

60%

80%

100%

ja%

nein%

Prozent(

Teilzeitarbeit(in(Prozent(

(n=385)(

9,5%

19,1%

49,9%

21,5%

0%

10%

20%

30%

40%

50%

60%

0-1%

2-5%

6-15%

>15%

Prozent(

Jahre(beschäftigt(

BeschäFigungsdauer(in(Prozent((n=377)(

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

144

Untersuchungsschritts vier gewählt und soll die Nachvollziehbarkeit des Vorgehens

sicherstellen.

Das methodische Vorgehen bei der Datenanalyse der Untersuchungsschritte eins, zwei und

drei wird in der nachfolgenden Tabelle skizziert.

Tabelle 6: Methodendesign zur Überprüfung der Hypothesen

Schritt

Vorgehen deskriptive Statistik und Hypothesenüberprüfung

1

Ermittlung von statischen Kennwerten (Mittelwert, Median,

Minium, Maximum, Standardabweichung, Perzentile)

2

Validität der Items mit Überprüfung der Items mit Kontrollitems

über die Korrelation nach Spearman

3

Berechnung der Korrelationsstruktur

4

Überprüfung der Indikatorreliabilität

5

Messung der Konstruktreliabilität

6

Pfadanalyse

Als erster Schritt werden im nachfolgenden Kapitel die Ergebnisse der deskriptiven

Statistik beschrieben.

6.2.1 Deskriptive Statistik

Wegen fehlender Modellvoraussetzungen für ein normalverteilungsbasiertes Verfahren

wurde die Berechnung mithilfe eines verteilungsfreien Verfahrens (SmartPLS 2.0)

durchgeführt. Dieses ermöglicht, die aus der Hypothesenbildung gewonnenen relevanten

latenten Variablen bzw. Konstrukte sowie deren Beziehungen in Form einer Pfadanalyse

zu untersuchen.

Zunächst wurden mit der Software SPSS statistische Kennwerte wie Mittelwert, Median,

Standardabweichung und andere Kennzahlen ermittelt. Zur Sicherstellung der Validität der

Items wurden ebenfalls mit der Software SPSS die Korrelationen mit Kontrollitems

berechnet. So wurden beispielsweise die Angaben zur Häufigkeit bestimmter physischer

und psychischer Beschwerden über die Korrelation nach Spearmann mit dem empfundenen

Gesundheitszustand in Relation gesetzt. Die Ergebnisse für alle Kontrollitems im

Zusammenhang mit den ihnen zugeordneten Items zeigten eine Bestätigung und damit

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

145

Validität der erhobenen Antworten.

Nach Sicherstellung der Validität der Items erfolgte eine Zuordnung der Skalen zu den für

die Hypothesenprüfung relevanten Variablen. Dabei wurden zunächst die z-transformierten

Faktorwerte der Konstrukte mit ihren statistischen Kennwerten beschrieben. Die folgende

Tabelle zeigt die deskriptiven Merkmale:

Tabelle 7: Statistische Kennzahlen der Faktorwerte

Wert-

schätzung

soziale

Unter-

stützung

Gesundheits-

orientierung

Führungs-

kraft

Gesund-

heit

Arbeits-

zufrieden-

heit

Leistung

N gültig

388

388

388

388

388

388

fehlend

0

0

0

0

0

0

Mittelwert

0

0

0

0

0

0

Median

0,499

0,468

0,592

0,227

0,466

0,388

Standard-

abweichung

1,00

1,00

1,00

1,00

1,00

1,00

Minimum

-2,409

-2,283

-2,019

-4,350

-2,326

-2,955

Maximum

0,702

0,500

0,662

0,339

0,503

0,641

Perzentile 25

0,080

0,430

-0,066

0,225

0,440

0,064

50

0,499

0,468

0,592

0,227

0,466

0,388

75

0,541

0,484

0,630

0,251

0,479

0,583

Erwartungsgemäß ist der Mittelwert nach der z-Transformation bei null. Der Median

bewegt sich zwischen 0,592 (Gesundheitsorientierung der Führungskraft) und 0,227

(Gesundheit). Durch die z-Transformation ist die Standardabweichung eins.

Daran anschließend erfolgte die Analyse der Korrelation der Konstrukte. Die Korrelation

ist ein Zusammenhangsmaß, das Werte im Bereich von -1 (negative Korrelation) und +1

(positive Korrelation) annehmen kann, wobei der Wert null kein Zusammenhang bedeutet.

Den Zusammenhang der untersuchten Konstrukte zeigt die folgende Korrelationsstruktur

auf.

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

146

Tabelle 8: Korrelation der latenten Variablen erster und zweiter Untersuchungsschritt

Die gemessenen latenten Variablen korrelieren positiv miteinander. Es fällt auf, dass eine

hohe Korrelation aller Variablen vorliegt. Der Zusammenhang zwischen Gesundheit und

Gesundheitsorientierung der Führungskraft ist mit 0,425 am schwächsten ausgeprägt.

Insgesamt ist der Zusammenhang der Variablen mit Gesundheit etwas schwächer

ausgeprägt (0,425 bis 0,606) als die Zusammenhänge anderer Variablen. Der

Zusammenhang der Variablen ist in ihrer gezeigten Ausprägung für weitere

Untersuchungen durchaus zufriedenstellend. Eine tiefer gehende Interpretation an dieser

Stelle wäre verfrüht, da die Zusammenhänge oftmals komplizierter sind, als eine

Korrelationsmatrix sie darstellen kann.

Nach diesen positiven Ergebnissen kann mit der Überprüfung der Beziehungen von

latenten Variablen fortgefahren werden. Es ist notwendig, diese zunächst zuverlässig zu

schätzen (Ringle & Spreen, 2007, S. 211). Da diese latenten Konstrukte als Basis für die

Hypothesenprüfungen herangezogen werden, ist deren Güte und Aussagekraft

entscheidend für die Qualität der Auswertungen.

Arbeits-

zufrieden-

heit

Gesundheits-

orientierung

Führungs-

kraft

Gesund-

heit

Leistung

Soziale

Unterstüt-

zung

Wert-

schätzung

Arbeits-

zufrieden-

heit

1

Gesundheits-

orientierung

Führungs-

kraft

0,828

1

Gesund-

heit

0,499

0,425

1

Leistung

0,882

0,761

0,606

1

Soziale

Unterstüt-

zung

0,956

0,854

0,479

0,865

1

Wert-

schätzung

0,869

0,788

0,512

0,860

0,874

1

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

147

Zunächst wird die Indikatorreliabilität überprüft. Latente Variablen werden durch die

zugeordneten Indikatoren bzw. Faktoren erklärt. Zur Sicherstellung der Reliabilität in der

Faktorenanalyse soll die Hälfte der Varianz eines Faktors durch das ihm zugeordnete

Konstrukt erklärt werden. Daraus ergibt sich das in der Literatur genannte übliche

Beurteilungskriterium der Faktorladung von mindestens 0,7.

Die Tabelle zeigt die einzelnen Faktoren mit ihrer Faktorladung:

Tabelle 9: Faktorladungen der Items erster und zweiter Untersuchungsschritt

Variable

Faktor

Faktorladung

Wertschätzung

Wertschätzung Geschäftsführung

0,783

Wertschätzung Führungskraft

0,949

Wertschätzung Kollegen

0,958

Wertschätzung externe Kunden

0,615

Wertschätzung Angehörige und

Freunde

0,929

Soziale Unterstützung

Betriebsklima im Team

0,966

Lob durch die Führungskraft für

Arbeitsleistung

0,948

Möglichkeit private Probleme mit

der Führungskraft zu besprechen

0,973

Möglichkeit private Probleme mit

den Kollegen zu besprechen

0,969

Unterstützung durch Kollegen

0,963

Gesundheitsorientierung

der Führungskraft

Führungskraft achtet auf die

Einhaltung der Arbeitszeit

0,868

Führungskraft ist Vorbild für

gesundheitsförderliches Verhalten

0,851

Führungskraft schafft die

Voraussetzungen für hohes

Wohlbefinden am Arbeitsplatz

0,929

Führungskraft unterstützt

gesundheitsförderliches Arbeitsklima

0,900

Führungskraft achtet bei sich selbst

auf gesundheitsförderliches

Verhalten

0,807

Arbeitszufriedenheit

Genug Zeit, um Arbeit zu erledigen

0,971

Abwechslungsreiche Arbeit

0,977

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

148

Variable

Faktor

Faktorladung

Bei der Arbeit etwas Ganzes

(Abgerundetes) machen

0,906

Bei wichtigen Dingen kann ich

mitreden und mitentscheiden

0,972

Eine gute Idee kann ich am

Arbeitsplatz verwirklichen

0,959

Gesundheit

Einschätzung physische Gesundheit

0,988

Einschätzung psychische Gesundheit

0,986

Leistung

Freude an der Arbeit

0,885

Mit dem derzeitigen

Gesundheitszustand kann die Arbeit

auch noch in zwei Jahren ausgeübt

werden

0,957

Zufriedenheit mit der eigenen

Leistungsfähigkeit

0,947

Alle Faktoren, deren Ladung unter 0,7 liegt, werden nicht zur Berechnung der Konstrukte

herangezogen. Dieses Verfahren wird üblicherweise angewendet, wenn dadurch keine

wesentlichen Inhalte verloren gehen. Eine Ausnahme bildet in dieser Untersuchung das

Item „Wertschätzung durch externe Kunden“, das dem Konstrukt Wertschätzung

zugeordnet ist. Die Faktorladung beträgt 0,615. Das Item wird jedoch zur vollständigen

Abbildung des Konstrukts der empfundenen Wertschätzung durch unterschiedliche

Personengruppen beibehalten. Bei dem Konstrukt Leistung wurde der Faktor „Beurteilung

durch die Führungskraft“ (0,551) und „Behindert Sie derzeit eine Verletzung oder

Erkrankung bei Ihrer Arbeit?“ (0,379) aussortiert.

Nach Überprüfung der Indikatorreliabilität folgt die der Konstruktreliabilität. Die

Konstruktreliabilität dient zur Messung, wie gut ein Konstrukt durch die ihm zugeordneten

Items gemessen wird (Krafft, et al., 2005, S. 74). Diese verlangt, dass die Faktoren, die

einem Konstrukt zugeordnet sind, positiv miteinander korrelieren. Dabei wird mit Hilfe der

internen Konsistenz untersucht, wie gut die Faktoren eine latente Variable erklären.

Ebenso erfolgt eine Berechnung der durchschnittlich erfassten Varianz (DEV). Die DEV

erklärt den Anteil der durch die latente Variable erklärten Varianz in Relation zum

Messfehler (Nitzl, 2010, S. 24f.). Die Gütekriterien werden mit den ansonsten üblichen

Beurteilungsmaßen für reflektive Messmodelle gemessen. Die folgende Tabelle zeigt mit

Angabe

der

in

der

Literatur

üblichen

Schwellenwerte

die

Ergebnisse

der

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

149

Konstruktreliabilität und der DEV.

Tabelle 10: Messung der Konstruktreliabilität und DEV erster und zweiter Untersuchungsschritt

Durchschnittlich

erfasste Varianz

(DEV>=0,5)

Faktor-

reliabilität

(ρ>=0,6)

Cronbachs

Alpha

(α>0,7)

Wertschätzung

0,624

0,900

0,859

Soziale Unterstützung

0,929

0,985

0,981

Gesundheitsorientierung

der Führungskraft

0,801

0,941

0,916

Gesundheit

0,974

0,986

0,973

Arbeitszufriedenheit

0,911

0,984

0,980

Leistung

0,592

0,815

0,802

Die durchschnittlich erfasste Varianz zeigt über alle Konstrukte Werte von 0,592

(Leistung) bis 0,974 (Gesundheit). Die Faktorreliabilität hat mit 0,815 bei der Variable

Leistung ihre geringste Ausprägung. Bei den übrigen Variablen liegen die Werte bei 0,9

oder darüber. Cronbachs Alpha liegt bei 0,802 (Leistung) bis 0,981 (soziale

Unterstützung). Die Ergebnisse zeigen, dass diese die dem Konstrukt zugeordneten Items

erklären. Die Untersuchung der internen Konsistenz bzw. der Homogenität zeigt gute bis

sehr gute Werte.

Zusammenfassend kann festgestellt werden: Die Beurteilungen der statistischen Analyse

fallen durchweg positiv aus. Die Konstrukte sind zur Hypothesenüberprüfung geeignet.

Somit sind die Voraussetzungen für die weitere Analyse der Konstrukte und der

Pfadanalyse gegeben

6.2.2 Hypothesenüberprüfung der ersten drei Untersuchungsschritte – Soziale Ressourcen,

Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung im Strukturgleichungsmodell

In den vorhergehenden Kapiteln wurden die Stichprobe und statistische Kennwerte

beschrieben. Zudem wurden die Indikator- und Konstruktreliabilität ermittelt und somit

überprüft, ob die latenten Variablen zuverlässig geschätzt wurden. Nach der positiven

Bewertung der Gütekriterien und der Aussagekraft können im nächsten Schritt durch die

Analyse des Pfadmodells die Hypothesen überprüft werden.

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

150

In der Pfadanalyse ist es möglich, die Beziehungsstrukturen von Variablen zu analysieren.

Eine solche Analyse benötigt im Vorfeld theoretisch begründete formulierte Annahmen

(Weiber & Mühlhaus, 2010, S. 21). Diese sind in Form der oben beschriebenen

Hypothesen vorgenommen worden. Die Prüfung erfolgt mit Hilfe von Pfadkoeffizienten.

Die gerichteten Pfeile zwischen den Variablen stellen den angenommenen kausalen

Zusammenhang dar. Der Kausalpfad hat seinen Ausgangspunkt bei der unabhängigen

Variable und seinen Endpunkt bei der abhängigen Variable. Da die Stärke der Beziehung

durch den Pfadkoeffizienten ausgedrückt wird, gibt dieser einen ersten Hinweis auf die

Zusammenhänge der einzelnen Variablen. Er kann Werte zwischen -1 und +1 annehmen,

je näher sich der Wert absolut der Größe eins befindet desto stärker ist der Zusammenhang.

Dabei gibt das Vorzeichen die Richtung der Beziehung an, bei minus eins korrelieren die

Variablen negativ und bei dem Wert eins positiv. Bei dem Wert null besteht kein

Zusammenhang (Weiber & Mühlhaus, 2010, S. 11). Ebenso wird zur Prüfung der

Variablen das Bestimmtheitsmaß (R2) angegeben. Dieses liefert den durch die

Regressionsanalyse erklärten Varianzanteil. Die Werte liegen zwischen null und eins.

Beim Wert eins liegen alle Punkte im Streudiagramm auf der Regressionsgeraden und es

besteht ein linearer Zusammenhang. Bei null besteht kein Zusammenhang. Die Bewertung

lässt sich in kleiner gleich 0,19 (schwach), größer gleich 0,33 (mittelgut) und größer gleich

0,67 (substanziell) einteilen (Ringle & Spreen, 2007, S. 214). Wegen der fehlenden

Verteilungsannahmen

können

keine

parametrischen

Signifikanztests

für

die

Pfadkoeffizienten herangezogen werden. Stattdessen können durch die Bootstrapping

Methode Mittelwerte und Standardfehler für die Gewichte ermittelt werden; damit stehen

robuste Konfidenzintervalle zur Verfügung. Mit dieser Methode werden Subsamples (hier

n=500) geschätzt. Diese werden aus den Originaldaten nach dem Prinzip des „Ziehens und

Zurücklegens“ erstellt (Ringle & Spreen, 2007, S. 213). Mittels eines t-Tests wird die

Nullhypothese überprüft. Liegt der t-Wert über 1,96 so wird die Nullhypothese mit einer

Wahrscheinlichkeit von in der Literatur üblicherweise angegebenes Signifikanzniveau von

5% verworfen werden (vgl. dazu auch Bühner & Ziegler, 2009, S. 168; Ringle & Spreen,

2007, S. 213; Weiber & Mühlhaus, 2010, S. 256).

In die grafische Darstellung der Beziehungsgeflechte, die die Hypothesen widerspiegeln,

werden im Folgenden die Werte der Pfadkoeffizienten und die t-Werte eingetragen. Der

Pfadkoeffizient und der t-Wert wurden mit der Software SmartPLS mit zwei getrennten

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

151

Modellen errechnet (die rekursive Berechnung wurde in einem gesonderten Modell

vorgenommen) und in eine Grafik integriert. Für die Entscheidung, ob die Hypothesen

angenommen oder verworfen werden, wird der t-Wert zugrunde gelegt (vgl. dazu auch

Bühner & Ziegler, 2009, S. 167).

Wie im Kapitel 4.1 beschrieben, ist die Untersuchung und damit die Abfolge der

Hypothesen in vier aufeinanderfolgende Schritte gegliedert. Die Ergebnisse der

Hypothesenprüfung werden entsprechend dieser Gliederung dargestellt.

Hypothesenüberprüfung erster Untersuchungsschritt

Die Zusammenfassung des ersten Untersuchungsschritts ergibt das unten dargestellte

Strukturgleichungsmodell. Für dieses Modell wurde je eine Analyse der Pfadkoeffizienten

und deren t-Werte durchgeführt.

Abbildung 31: Hypothesenprüfung erster Untersuchungsschritt (eigene Darstellung)

In der Analyse des ersten Untersuchungsschritts sind die Pfadkoeffizienten der latenten

Gesundheits*

orien-erung/

der/

Führungs*

kra4/

Wert*

schätzung/

soziale/

Unter*

stützung/

Gesundheit/

Arbeitszu*

friedenheit/

0,136/

0,349/

0,022/

0,819/

*0,144/

*0,008/

2,277/

4,765/

12,754/

1,241/

0,437/

0,212/

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

152

exogenen Variablen Wertschätzung auf die latente endogene Variable Gesundheit (0,349)

höher als auf die latente endogene Variable Arbeitszufriedenheit (0,136). Werte der

Pfadkoeffizienten, die größter als 0,1 bzw. 0,2 sind, werden als akzeptabel klassifiziert

(Ringle, 2004, S. 15). Die Signifikanzüberprüfung durch den t-Test ergibt in beiden Fällen

(Wertschätzung -> Arbeitszufriedenheit 2,227 und Wertschätzung -> Gesundheit 4,765)

eine Signifikanz deutlich über 1,96. Die Wirkung von sozialer Unterstützung auf

Arbeitszufriedenheit ist 0,819 (Pfadkoeffizient). Der t-Wert ist mit 12,754 signifikant. Der

Wirkzusammenhang

von

sozialer

Unterstützung

auf

Gesundheit

ist

-0,144

(Pfadkoeffizient). Damit ist kein oder sogar ein schwach negativer Zusammenhang von

sozialer Unterstützung auf Gesundheit vorhanden. Die Berechnung des t-Werts zeigt ein

nicht signifikantes Ergebnis (1,241). Das Konstrukt Gesundheitsorientierung der

Führungskraft auf Arbeitszufriedenheit und auf Gesundheit zeigt bei den Pfadkoeffizienten

(0,022, -0,008) keine Wirkung. Die t-Werte zeigen mit 0,437 bzw. 0,212, dass die

Zusammenhänge nicht signifikant sind. Die Bestimmtheitsmaße sind mit 0,276 für das

Konstrukt Gesundheit schwach und mit 0,919 für das Konstrukt Arbeitszufriedenheit

substanziell ausgeprägt.

Die Werte der Pfadkoeffizienten, die t-Werte und das Signifikanzniveau werden zur

Übersicht in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.

Tabelle 11: Pfadkoeffizienten, t-Werte und Signifikanzniveau erster Untersuchungsschritt

Wirkrichtung der

Konstrukte

Pfadkoeffizient

>0,1 relevanter

Wirkzusammenhang

t-Wert

≥1,960

signifikant

Ergebnis der

Hypothesenüberprüfung

Wertschätzung auf

Arbeitszufriedenheit

0,136

2,277

signifikant

Wertschätzung auf

Gesundheit

0,349

4,765

signifikant

Soziale Unterstützung

auf Arbeitszufriedenheit

0,819

12,754

signifikant

Soziale Unterstützung

auf Gesundheit

-0,144

1,241

nicht signifikant

Gesundheitsorientierung

der Führungskraft auf

Arbeitszufriedenheit

0,022

0,437

nicht signifikant

Gesundheitsorientierung

der Führungskraft auf

Gesundheit

-0,008

0,212

nicht signifikant

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

153

In der Zusammenfassung zeigt sich die höchste Ausprägung von Pfadkoeffizienten in der

Wirkung von sozialer Unterstützung (0,819) auf Arbeitszufriedenheit mit einem t-Wert

von 12,754. Somit gibt es eine hohe positive Beeinflussung von sozialer Unterstützung auf

Arbeitszufriedenheit. Ebenfalls beeinflusst Wertschätzung die Gesundheit positiv mit

einem Pfadkoeffizienten von 0,349 und mit einem signifikanten t-Wert von 4,765. Als

nicht signifikant mit einem t-Wert von 1,241 ist die Wirkung von sozialer Unterstützung

auf Gesundheit. Damit ist kein bzw. ein sehr schwacher Zusammenhang von sozialer

Unterstützung auf die Gesundheit nachgewiesen worden. Bei dem Konstrukt der

Gesundheitsorientierung der Führungskraft lässt sich durch die Pfadkoeffizienten weder

eine Beeinflussung von Arbeitszufriedenheit (0,022) noch von Gesundheit (-0,008)

darstellen. Die entsprechenden t-Werte weisen ebenso keine Signifikanz auf. Damit

müssen die Hypothesen dazu verworfen werden.

Hypothesenüberprüfung zweiter Untersuchungsschritt

Die Hypothesenüberprüfung des zweiten Untersuchungsschrittes unterliegt den gleichen

Kriterien hinsichtlich der Pfadkoeffizienten und deren t-Werte, wie sie im ersten

Untersuchungsschritt erläutert wurden.

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

154

Abbildung 32: Hypothesenprüfung zweiter Untersuchungsschritt (eigene Darstellung)

Der Pfadkoeffizient in der Wirkung der Arbeitszufriedenheit auf Gesundheit beträgt 0,339

mit einem t-Wert von 3,064. Damit besteht ein positiver Einfluss von Arbeitszufriedenheit

auf Gesundheit. Die Pfadkoeffizienten bzw. t-Werte betragen auf das Konstrukt Leistung

bei Arbeitszufriedenheit 0,771; 18,077 (=hoher positiver Einfluss) sowie bei Gesundheit

0,222; 3,924 (=positiver Einfluss). Mit einem Bestimmtheitsmaß bei dem Konstrukt

Leistung von 0,815 ist dies substanziell ausgeprägt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Einfluss von Arbeitszufriedenheit auf die

Gesundheit positiv ist. Arbeitszufriedenheit auf Leistung wirkt sich hoch positiv aus.

Ebenso wirkt Gesundheit positiv auf die Leistung. Damit wirkt sich eine höhere

Arbeitszufriedenheit stärker auf Leistung aus, als eine Steigerung der Gesundheit in ihrer

Wirkung auf Leistung.

In der folgenden Tabelle werden die Pfadkoeffizienten, t-Werte und Signifikanzniveaus

des zweiten Untersuchungsschritts dargestellt.

Gesundheits*

orien-erung/

der/

Führungs*

kra4/

Wert*

schätzung/

soziale/

Unter*

stützung/

Korrela-onskoeffizient/

t*Wert/

signifikant////

nicht/signifikant

/!

Gesundheit/

Arbeitszu*

friedenheit/

Leistung/

0,339/

0,771/

0,222/

3,064/

18,077/

3,924/

(0,276)//

(0,815)//

(0,919)//

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

155

Tabelle 12: Pfadkoeffizienten, t-Werte und Signifikanzniveau zweiter Untersuchungsschritt

Wirkrichtung der

Konstrukte

Pfadkoeffizient

>0,1 relevanter

Zusammenhang

t-Wert

≥1,960 signifikant

Ergebnis der

Hypothesenüberprüfung

Arbeitszufriedenheit

auf Gesundheit

0,339

3,064

signifikant

Arbeitszufriedenheit

auf Leistung

0,771

18,077

signifikant

Gesundheit auf

Leistung

0,222

3,924

signifikant

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der ersten beiden Untersuchungsschritte zeigt das

vollständige

Pfadmodell

in

der

Wirkrichtung

der

sozialen

Ressourcen

über

Arbeitszufriedenheit und Gesundheit zu Leistung.

Zusammenfassung Hypothesenprüfung erster und zweiter Untersuchungsschritt

Die nachfolgende Darstellung fasst die ersten zwei Untersuchungsschritte mit deren

Pfadkoeffizienten und t-Werten zusammen.

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

156

Abbildung 33: Hypothesenprüfung Zusammenfassung erster und zweiter Untersuchungsschritt

(eigene Darstellung)

Nach Darstellung der Ergebnisse und Überprüfung der Hypothesen über eine Wirkrichtung

erfolgt nun im gleichen Methodendesign die Analyse für ausgewählte Konstrukte der

umgekehrten Wirkrichtung.

Hypothesenüberprüfung dritter Untersuchungsschritt

Im dritten Untersuchungsschritt wird eine rekursive Betrachtung der für diese

Untersuchung wichtigsten Konstrukte vorgenommen. Im Mittelpunkt stehen dabei die

Konstrukte Wertschätzung, Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung.

Die Analyse der Korrelationen der latenten Variablen und der Konstruktreliabiliät wird

dabei erneut vorgenommen. Da die Faktorladungen und die Untersuchungen der

statistischen Deskription keinen wesentlichen Änderungen unterlegen sind, werden diese

nicht nochmals dargestellt, sondern hierzu wird auf Kapitel 6.2.1 verwiesen.

Gesundheits*

orien-erung/

der/

Führungs*

kra4/

Wert*

schätzung/

soziale/

Unter*

stützung/

0,136/

0,349/

0,022/

0,819/

*0,144/

*0,008/

2,277/

4,765/

12,754/

1,241/

0,437/

0,212/

Gesundheit/

Arbeitszu*

friedenheit/

Leistung/

0,339/

0,771/

0,222/

3,064/

18,077/

3,924/

(0,276)//

(0,815)//

(0,919)//

Korrela-onskoeffizient/

t*Wert/

signifikant////

nicht/signifikant

/!

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

157

Tabelle 13: Korrelation der latenten Variablen dritter Untersuchungsschritt

Die Korrelation von Gesundheit und Arbeitszufriedenheit ist mit dem Wert 0,499 am

schwächsten ausgeprägt. Generell ist der Zusammenhang von Gesundheit mit den übrigen

Konstrukten am geringsten ausgeprägt. Der höchste Wert findet sich in der Korrelation von

Leistung und Arbeitszufriedenheit (0,877). Ebenso wie in der Korrelationsmatrix für die

Untersuchungsschritte eins und zwei liegt eine positive hohe Korrelation aller Variablen

vor. Da die komplexen und komplizierten Zusammenhänge eine Korrelationsmatrix nicht

wiedergegeben werden können, wird auch an dieser Stelle keine tiefergehende

Interpretation vorgenommen.

Wie für den ersten und zweiten Untersuchungsschritt werden die Konstruktreliabilität

sowie die durchschnittlich erfasste Varianz (DEV) mit den ansonsten üblichen

Beurteilungsmaßen für reflektive Messmodelle gemessen. Die folgende Tabelle zeigt mit

Angabe

der

in

der

Literatur

üblichen

Schwellenwerte

die

Ergebnisse

der

Konstruktreliabilität und der DEV.

Arbeits-

zufrieden-

heit

Gesund-

heit

Leistung

Wert-

schätzung

Arbeits-

zufrieden-

heit

1

Gesund-

heit

0,499

1

Leistung

0,877

0,607

1

Wert-

schätzung

0,869

0,512

0,858

1

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

158

Tabelle 14: Messung der Konstruktreliabilität und DEV dritter Untersuchungsschritt

Durchschnittlich

erfasste Varianz

(DEV>=0,5)

Faktor-

reliabilität

(ρ>=0,6)

Cronbachs

Alpha

(α>0,7)

Wertschätzung

0,734

0,931

0,904

Gesundheit

0,974

0,986

0,973

Arbeitszufriedenheit

0,916

0,982

0,977

Leistung

0,866

0,951

0,922

Die DEV zeigt Werte von 0,734 (Wertschätzung) bis 0,974 (Gesundheit). Die

Faktorreliabilität liegt durchgehend über 0,9 (0,931-0,986). Cronbachs Alpha ist

durchgängig über 0,9 (0,904-0,977) ausgeprägt.

Zusammen mit den nicht veränderten Faktorladungen werden die Konstrukte durch die

ihnen zugeordneten Items erklärt. Die interne Konsistenz bzw. Homogenität zeigt

durchweg bessere Ergebnisse als die des ersten und zweiten Untersuchungsschritts. So

zeigt die Zusammenfassung eine positive Beurteilung der Konstrukte zur weiteren

Hypothesenüberprüfung und Pfadanalyse.

Die nachfolgende Darstellung zeigt die Pfadkoeffizienten und die Signifikanz der

untersuchten Pfade in einer Übersicht auf.

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

159

Abbildung 34: Hypothesenprüfung dritter Untersuchungsschritt (eigene Darstellung)

Leistung auf das Konstrukt Wertschätzung zeigt eine relevante Wirkung (0,404), der t-

Wert (3,905) spiegelt die Signifikanz wider. Die Wirkrichtung der Pfadkoeffizienten und t-

Werte von Leistung auf Arbeitszufriedenheit (0,910; 27,605) und Gesundheit (0,608;

9,195) zeigen hoch positive Einflüsse und eine entsprechende Signifikanz, wobei der

Pfadkoeffizient von Leistung auf Arbeitszufriedenheit mit 0,910 eine fast vollständige

Relation darstellt. Hoch wirksam und signifikant ist ebenfalls Arbeitszufriedenheit auf

Wertschätzung (Pfadkoeffizient 0,509; t-Wert 4,389). Hingegen gibt es keine

Beeinflussung und keine Signifikanz von Gesundheit auf Arbeitszufriedenheit mit dem

Pfadkoeffizienten -0,054 und dem t-Wert 1,150. Eine Wirkung von Gesundheit auf

Wertschätzung (Pfadkoeffizient 0,013) ist nicht nachweisbar, die Signifikanz (t-Wert

0,552) kann gleichfalls nicht dargestellt werden. Das Bestimmtheitsmaß liegt für das

Konstrukt Arbeitszufriedenheit bei 0,771 und ist damit substanziell; bei Gesundheit ist es

mit 0,369 mittelgut ausgeprägt. Mit einem Wert von 0,796 für Wertschätzung ist dies dort

Leistung)

Gesundheits-

orien0erung)

der)

Führungs-

kra5)

Wert-

schätzung)

soziale)

Unter-

stützung)

Gesundheit)

(physisch)u.)

psychisch))

Arbeitszu-

friedenheit)

0,404)

0,509)

0,013)

0,910)

0,608)

-0,054)

3,905)

4,389)

0,552)

27,605)

9,195)

1,150)

(0,771))

(0,796))

(0,369))

Korrela0onskoeffizient)

t-Wert)

signifikant))))

nicht)signifikant

)!

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

160

ebenfalls substanziell ausgeprägt.

Die nachfolgende Tabelle dient zur Übersicht der Pfadanalyse der rekursiven Betrachtung.

Tabelle 15: Pfadkoeffizienten, t-Werte und Signifikanzniveau dritter Untersuchungsschritt

Wirkrichtung der

Konstrukte

Pfadkoeffizient

>0,1 relevanter

Zusammenhang

t-Wert

≥1,960 signifikant

Ergebnisse der

Hypothesenüberprüfung

Leistung auf

Wertschätzung

0,404

3,905

signifikant

Leistung auf

Arbeitszufriedenheit

0,910

27,605

signifikant

Leistung auf

Gesundheit

0,608

9,195

signifikant

Arbeitszufriedenheit

auf Wertschätzung

0,509

4,389

signifikant

Gesundheit auf

Arbeitszufriedenheit

-0,054

1,150

nicht signifikant

Gesundheit auf

Wertschätzung

0,013

0,552

nicht signifikant

Nach Darstellung der Hypothesenüberprüfung für den dritten Untersuchungsschritt werden

in der nachfolgenden Zusammenfassung der ersten drei Untersuchungsschritte die

wichtigsten Ergebnisse aufgegriffen.

Zusammenfassung Hypothesenüberprüfung erster, zweiter und dritter

Untersuchungsschritt

In der Zusammenfassung ergeben sich in der rekursiven Betrachtung stärkere Einflüsse

vom Konstrukt der Leistung auf Gesundheit und Arbeitszufriedenheit. Diese sind deutlich

höher als in der Erklärung von Leistung durch Gesundheit und Arbeitszufriedenheit.

Gleichwohl sind alle Pfadkoeffizienten signifikant ausgeprägt. So ergibt sich mit einem

Pfadkoeffizienten von Leistung auf Arbeitszufriedenheit von 0,910 ein starker

Zusammenhang. Wertschätzung wird durch eine höhere Leistung und höhere

Arbeitszufriedenheit stark positiv beeinflusst. Während sich für Gesundheit durch höhere

Arbeitszufriedenheit und höhere Wertschätzung keine Auswirkung ergibt und eine

Signifikanz nicht gegeben ist.

Fasst man nun die Untersuchungsschritte eins, zwei und drei zusammen, fällt auf, dass es

positive und signifikante Wirkungen in beide Pfadrichtungen gibt. Somit beeinflusst

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

161

Wertschätzung die Gesundheit positiv, die Gesundheit die Leistung positiv und Leistung

wiederum die Wertschätzung positiv. Ebenso ist die Erklärung von steigender Leistung

durch höhere Arbeitszufriedenheit und höhere Gesundheit als Ergebnis festzuhalten,

genauso wie höhere Leistung Arbeitszufriedenheit und Gesundheit positiv beeinflusst.

Dabei kristallisiert sich das Konstrukt der Arbeitszufriedenheit mit starken positiven

Wirkzusammenhängen in Richtung Leistung und Gesundheit und in rekursiver

Betrachtung in Richtung Wertschätzung als eine zentrale Variable zur Beeinflussung von

Leistung heraus. Arbeitszufriedenheit wiederum wird stark positiv von der latenten

Variablen der sozialen Unterstützung beeinflusst. Das Konstrukt der Gesundheit wird am

stärksten durch die Arbeitszufriedenheit positiv beeinflusst und in etwas geringerer

Ausprägung durch Wertschätzung; es unterliegt keinem Einfluss durch höhere soziale

Unterstützung und einer höheren Gesundheitsorientierung der Führungskraft. Dieses

Ergebnis scheint überraschend; daher wurden zur Überprüfung des Konstrukts der

Gesundheitsorientierung der Führungskraft und die mangelnde positive Beeinflussung von

Gesundheit durch soziale Unterstützung im Nachgang zur Untersuchung Interviews mit

befragten Mitarbeitern durchgeführt. Die Ergebnisse werden im Kapitel 6.2 dargestellt.

Zur Übersicht, welche Hypothesen des ersten, zweiten und dritten Untersuchungsschritts

angenommen oder verworfen worden sind, dient die nachfolgende Tabelle:

Tabelle 16: Hypothesen angenommen oder verworfen erster, zweiter und dritter Untersuchungsschritt

Hypo-

these

Pfade

t-Wert

(≥1,960

signifikant)

Ergebnis

H0

Wertschätzung -/-> Gesundheit

Wertschätzung -/-> Arbeitszufriedenheit

soziale Unterstützung -/-> Gesundheit

soziale Unterstützung -/-> Arbeitszufriedenheit

Gesundheitsorientierung der Führungskraft -/->

Gesundheit

Gesundheitsorientierung der Führungskraft -/->

Arbeitszufriedenheit

4,765

2,277

1,241

12,754

0,212

0,437

Verwerfen

H1

Wertschätzung --> Gesundheit

4,765

Annehmen

H2

Wertschätzung --> Arbeitszufriedenheit

2,277

Annehmen

H3

soziale Unterstützung --> Gesundheit

1,241

Verwerfen

H4

soziale Unterstützung--> Arbeitszufriedenheit

12,754

Annehmen

H5

Gesundheitsorientierung der Führungskraft -->

Gesundheit

0,212

Verwerfen

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

162

Hypo-

these

Pfade

t-Wert

(≥1,960

signifikant)

Ergebnis

H6

Gesundheitsorientierung der Führungskraft -->

Arbeitszufriedenheit

0,437

Verwerfen

H01

Arbeitszufriedenheit -/-> Gesundheit

3,064

Verwerfen

H02

Gesundheit -/-> Leistung

Arbeitszufriedenheit -/-> Leistung

3,924

18,077

Verwerfen

H7

Arbeitszufriedenheit--> Gesundheit

3,064

Annehmen

H8

Gesundheit --> Leistung

Arbeitszufriedenheit --> Leistung

3,924

18,077

Annehmen

H03

Leistung -/-> Arbeitszufriedenheit

Leistung -/-> Gesundheit

Leistung -/-> Wertschätzung

27,605

9,195

3,905

Verwerfen

H04

Gesundheit -/-> Wertschätzung

0,552

Annehmen

H05

Gesundheit -/-> Arbeitszufriedenheit

1,150

Annehmen

H9

Gesundheit --> Wertschätzung

0,552

Verwerfen

H10

Leistung --> Arbeitszufriedenheit

27,605

Annehmen

H11

Leistung --> Gesundheit

9,195

Annehmen

H12

Leistung --> Wertschätzung

3,905

Annehmen

H13

Gesundheit --> Arbeitszufriedenheit

1,150

Verwerfen

H14

Arbeitszufriedenheit --> Wertschätzung

4,389

Annehmen

Nach der Pfadanalyse der Untersuchungsschritte eins bis drei sowie deren Darstellung

bezüglich ihrer Signifikanz erfolgt die Beschreibung der methodischen Vorgehensweise

und der Ergebnisse des vierten Untersuchungsschritts. Dieser bezieht sich auf die zentrale

soziale Ressource der Wertschätzung, ihre Wahrnehmung und ihren Zusammenhang mit

Gesundheit.

6.2.3 Hypothesenüberprüfungen des vierten Untersuchungsschritts – Signifikanz der

Wirkung von individueller Wertschätzung auf Gesundheit

Zunächst wird erläutert, wie erwünschte und empfundene Wertschätzung in dieser Arbeit

definiert werden und wie die befragten Mitarbeiter diese beurteilen. Daran anschließend

erfolgen die Erläuterung der methodischen Vorgehensweise und die Vorstellung der

Ergebnisse.

Die Analyse dieses Untersuchungsschritts bezieht sich zum einen auf Formen von

erwünschter

Wertschätzung.

In

Kapitel

3.2.1

(Empfundene

Wertschätzung

in

Organisationen) wurde beschrieben, dass Individuen eine unterschiedliche Wahrnehmung

von Wertschätzung haben und somit verschiedene Bedürfnisse in Bezug auf deren Form

(Zwack et al. 2011, S. 431). Zum anderen bezieht sich die Analyse auf das, was vom

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

163

Mitarbeiter als Wertschätzung empfunden wird. Denn was beim Menschen tatsächlich als

Wertschätzung ankommt, ist individuell verschieden. Ein Schlüssel zur Wahrnehmung und

Empfindung von Anerkennung ist die Gestaltung von wertschätzender Kommunikation

(vgl. Kapitel 3.2.2 Wertschätzende Kommunikation). Durch eine solche Form der

Kommunikation kann zumindest die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass das, was der

Sender authentisch als Wertschätzung zum Ausdruck bringen will, auch so vom

Adressaten empfunden wird. Der Untersuchungsgang bildet folgende Fragestellungen ab:

Welche Präferenzen im Hinblick auf unterschiedliche Formen von Wertschätzung hat der

Mitarbeiter, was nimmt er tatsächlich als Wertschätzung wahr und wie wirkt sich dieses

auf seine individuelle Empfindung von Gesundheit aus?

Die nachfolgende Darstellung zeigt die Erwünschtheit der unterschiedlichen Formen von

Wertschätzung. Sie verdeutlicht, dass alle Formen von Wertschätzung hoch positiv

eingestuft werden. Die Anzahl negativer Beurteilungen ist dagegen sehr gering. Die

statistische Auswertung wird so erschwert, da die Nichterwünschtheit von Wertschätzung

nur eine geringe Antwortanzahl besitzt. Um hier dennoch eine statistische Aussage treffen

zu können, wird der Fisher-Test angewandt, der auch bei kleinen Antwortzahlen

zuverlässige Resultate hervorbringt (Rüger, 2010, S. 88ff.) .

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

164

Abbildung 35: Erwünschtheit der verschiedenen Formen von Wertschätzung

Die tatsächlich empfundene Wertschätzung wird in der nachfolgenden Darstellung gezeigt.

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

165

Abbildung 36: Verteilung der empfundenen Wertschätzung über die verschiedenen Personengruppen

Die Ergebnisse zur empfundenen Wertschätzung über die verschiedenen Personengruppen

zeigen, dass die Führungskraft mit 50 % die größte Quelle von empfundener

Wertschätzung in der Organisation ist. Darauf folgt das Team mit 16 % und Freunde und

Angehörige mit 13 %.

Nach diesen erklärenden Beschreibungen und Auswertungen zur erwünschten und

empfundenen Wertschätzung werden die folgenden Hypothesen (vgl. dazu auch Kapitel

4.2) überprüft.

H06: Eine individuell als positive Form eingeschätzte, vermittelte und als solche

empfundene Wertschätzung hat keinen größeren Effekt auf die Gesundheit als andere

Formen, die individuell als neutrale oder negative Formen der Wertschätzung betrachtet

werden.

H15: Eine individuell als positive Form eingeschätzte, vermittelte und als solche

empfundene Wertschätzung hat einen größeren Effekt auf die Gesundheit als andere

Formen, die individuell als neutrale oder negative Formen der Wertschätzung betrachtet

werden.

0"

10"

20"

30"

40"

50"

60"

Geschä/sführung"

Führungskra/"

Team"

Externe"Kunden"

Angehörige"und"Freunde"

SonsEge"

Prozent(

Empfundene(Wertschätzung(über(die(

verschiedenen(Personengruppen(

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

166

Die Auswertung wurde mit der Software R (Version 3.1.2) vorgenommen, es wurde

folgende Methodik angewandt.

Tabelle 17: Methodendesign zur Hypothesenüberprüfung des Untersuchungsschritts vier

Schritt

Methodendesign zur Hypothesenüberprüfung

1

Ermittlung der absoluten Häufigkeiten von wahrgenommener

Wertschätzung, der persönlichen Bewertung und des

Gesundheitszustands insgesamt.

2

Analyse des Zusammenhangs der Erwünschtheit der einzelnen Formen

von Wertschätzung und dem empfundenen Gesundheitszustand

(Darstellung in einer Matrix mit 5-stelliger Lickert-Skala).

3

Einteilung der Erwünschtheit, der Formen von Wertschätzung in

„erwünscht“ und „nicht erwünscht“ (Antworten in der Ausprägung <=3

= nicht erwünscht; >3 = erwünscht)

4

Ermittlung, ob Wertschätzung für die erwünschte Form empfunden

oder nicht empfunden wurde (es wurde von mind. einer

Personengruppe angegeben, die erwünschte Form der Wertschätzung

erhalten zu haben)

5

Berechnung und Darstellung mit dem Fisher-Test zum

Signifikanzniveau von 5%.

Die Konstrukte, Skalen und Items (vgl. dazu auch Tabelle 4: Zuordnung der Items zu den

Skalen), die zur Überprüfung der Hypothese verwendet wurden, werden in der

nachfolgenden Tabelle dargestellt.

Tabelle 18: Verwendete Skalen und Items zur Hypothesenüberprüfung – Untersuchungsschritt vier

Konstrukt

Skala

Item

Gesundheitszustand

Subjektive Bewertung

des

Gesundheitsempfindens

Bitte beurteilen Sie Ihren

Gesundheitszustand insgesamt.

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

167

Konstrukt

Skala

Item

Empfundene Wertschätzung

Subjektiv empfundene

Wertschätzung

verschiedener Formen

von Wertschätzung aus

den unterschiedlichen

Gruppen

In welcher Art und Weise

haben Sie in den letzten 12

Monaten Wertschätzung durch

die genannten

Personengruppen erfahren?

Bestätigung

persönlichen

Bedürfnissen

Zielerreichung

Verantwortung

Erwünschte Wertschätzung

Individuelle

Beurteilung des

Einflusses

verschiedener Formen

von Wertschätzung

Wie schätzen Sie den Einfluss

dieser Maßnahmen zur

Wertschätzung für sich

persönlich ein?

Bestätigung

persönlichen

Bedürfnissen

Zielerreichung

Verantwortung

Um eine statistische Beziehung zwischen empfundener Wertschätzung und Gesundheit

herzustellen, wir hier ein Signifikanzniveau von 5% und ein p-Wert von kleiner als 0.05

als Maßstab genommen. Dieser Wert gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass ein ähnliches

Ergebnis bei Eintreten der Nullhypothese – in diesem Fall: empfundene Wertschätzung hat

keinen Einfluss auf die Gesundheit – erreicht wird.

Für die unterschiedlichen in der Befragung angeführten Formen von Wertschätzung

werden nun die Ergebnisse aufgeführt und die Hypothesen überprüft.

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

168

Ergebnis „Verbale Bestätigung“

Nach der Berechnung mit dem exakten Fisher-Test ergibt sich für die Wertschätzung Form

„Verbale Bestätigung“ ein p-Wert von 0,435. Bei einem Signifikanzniveau von 5 %

beeinflusst die empfundene Wertschätzung nicht die Gesundheit. Somit muss die

Hypothese für die Form der Wertschätzung „verbale Bestätigung“ verworfen werden.

Abbildung 37: Ergebnis erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit – verbale

Bestätigung

Die Darstellung im Diagramm zeigt in einer differenzierten Auswertung, dass nur

erwünschte und nicht empfundene Wertschätzung mit einem verhältnismäßig schlechteren

Gesundheitszustand einhergeht. Wird Wertschätzung jedoch empfunden, so hat die

Erwünschtheit keinen Einfluss auf den Gesundheitszustand. Spielt verbale Bestätigung

keine Rolle für die Befragten und bleibt aus ( nicht erwünscht und nicht empfunden),

scheint dies ebenfalls den Gesundheitszustand nicht negativ zu beeinflussen. Die

Aussagekraft dieser Kategorie ist jedoch durch die geringe Antwortanzahl von drei

beschränkt. Die nachfolgende Tabelle zeigt die absoluten Häufigkeiten in den

unterschiedlichen Kategorien.

erwünscht

und empfunden

nicht erwünscht

und empfunden

erwünscht und

nicht empfunden

nicht erwünscht und

nicht empfunden

Gesundheit

sehr schlecht

ziemlich schlecht

es geht so

ziemlich gut

sehr gut

Verbale Bestätigung

Anteil

0.0

0.2

0.4

0.6

0.8

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

169

Tabelle 19: Absolute Häufigkeiten erwünschte und empfunden Wertschätzung sowie Gesundheit –

verbale Bestätigung

erwünscht und

empfunden

nicht erwünscht

und empfunden

erwünscht und

nicht empfunden

nicht erwünscht

und nicht

empfunden

sehr

schlecht

0

0

0

0

ziemlich

schlecht

6

2

0

0

es geht so 66

7

4

1

ziemlich

gut

175

13

5

2

sehr gut

42

0

3

0

In der Tabelle, die die absoluten Häufigkeiten wiedergibt, ist eine hohe Antwortanzahl in

der Kombination Wertschätzung „erwünscht“ und „empfunden“ und „ein ziemlich guter

Gesundheitszustand“ angegeben. Dies ist bedingt durch einen hohen Grad an

Erwünschtheit der verbalen Bestätigung sowie eine insgesamt hohe Angabe von einem

guten bis sehr guten Gesundheitszustand.

Ergebnis „Monetäre Bestätigung“

Mit einem durch Berechnung mit dem exakten Fisher-Test ermittelten p-Wert von 0,148

muss die Hypothese für die Form der Wertschätzung „Monetäre Bestätigung“ mit einem

Signifikanzniveau von 5 % ebenfalls verworfen werden. Damit hat die erwünschte und

erhaltene monetäre Bestätigung keinen Einfluss auf das Gesundheitsempfinden.

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

170

Abbildung 38: Ergebnis erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit – monetäre

Bestätigung

Im Diagramm sind keine wesentlichen Unterschiede bei einem durchgängig guten

Gesundheitsempfinden. Die „Monetäre Bestätigung“ scheint diesen nicht zu beeinflussen.

Im Gegenteil, dass Gesundheitsempfinden ist auch dann gut, wenn „Monetäre Bestätigung

weder erwartet noch geleistet wird.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die absoluten Häufigkeiten dazu.

Tabelle 20: Absolute Häufigkeiten erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit –

monetäre Bestätigung

erwünscht und

empfunden

nicht erwünscht

und empfunden

erwünscht und

nicht empfunden

nicht erwünscht und

nicht empfunden

sehr

schlecht

0

0

0

0

ziemlich

schlecht

1

0

4

2

es geht so

31

5

30

5

ziemlich

gut

88

8

75

15

sehr gut

27

1

13

0

erwünscht

und empfunden

nicht erwünscht

und empfunden

erwünscht und

nicht empfunden

nicht erwünscht und

nicht empfunden

Gesundheit

sehr schlecht

ziemlich schlecht

es geht so

ziemlich gut

sehr gut

Monetäre Bestätigung

Anteil

0.0

0.2

0.4

0.6

0.8

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

171

Ergebnis „Berücksichtigung von persönlichen Bedürfnissen“

Der exakte Fisher-Test ergibt einen p-Wert von 0.067. Damit muss die Hypothese mit

einem Signifikanzniveau von 5 % für die Form der Wertschätzung „Berücksichtigung von

persönlichen Bedürfnissen“ verworfen werden.

Abbildung 39: Ergebnis erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit –

Berücksichtigung von persönlichen Bedürfnissen

Bei genauerer Betrachtung der Darstellung wird deutlich: Wird Wertschätzung erwünscht

und empfunden, wird der Gesundheitszustand, im Vergleich zur Erwünschtheit und nicht

Empfundener Wertschätzung, als relativ gut angegeben. Dies wiegt jedoch nicht auf, dass

bei nicht erwünschter Wertschätzung und nicht empfundener Wertschätzung ein insgesamt

besser Gesundheitszustand empfunden wird. Somit hat die Berücksichtigung von

persönlichen Bedürfnissen keinen Einfluss auf die Gesundheit. In der folgenden Tabelle

sind die absoluten Häufigkeiten dazu aufgeführt.

Tabelle 21: Absolute Häufigkeiten erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit –

Berücksichtigung von persönlichen Bedürfnissen

erwünscht und

empfunden

nicht erwünscht

und empfunden

erwünscht und

nicht empfunden

nicht erwünscht und

nicht empfunden

sehr

schlecht

0

0

0

0

ziemlich

schlecht

4

0

3

1

erwünscht

und empfunden

nicht erwünscht

und empfunden

erwünscht und

nicht empfunden

nicht erwünscht und

nicht empfunden

Gesundheit

sehr schlecht

ziemlich schlecht

es geht so

ziemlich gut

sehr gut

Berücksichtigung von persönlichen Bedürfnissen

Anteil

0.0

0.2

0.4

0.6

0.8

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

172

erwünscht und

empfunden

nicht erwünscht

und empfunden

erwünscht und

nicht empfunden

nicht erwünscht und

nicht empfunden

es geht so

33

4

27

4

ziemlich

gut

107

12

40

14

sehr gut

24

4

9

1

Ergebnis „gute Beurteilung der Zielerreichung“

Die Berechnung mit dem exakten Fisher-Test ergibt einen p-Wert von <10-3. Damit wird

die Hypothese mit einem Signifikanzniveau von 5 % für die Form der Wertschätzung

„gute Beurteilung der Zielerreichung“ angenommen. Ein besserer Gesundheitszustand

hängt demnach davon ab, ob man eine gute Beurteilung in der Zielerreichung erhalten hat.

Abbildung 40: Ergebnis erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit – gute

Beurteilung der Zielerreichung

Im Diagramm ist zu erkennen, dass in der Kategorie „erwünscht und empfunden“ der beste

Gesundheitszustand angegeben wird, während bei „erwünscht und nicht empfunden“ die

Gesundheit schlechter beurteilt wird. Die Zahlen zu dieser Form der Wertschätzung liefern

also ein Beispiel, dass Gesundheit von erwünschter und empfundener Wertschätzung

positiv beeinflusst wird. Die folgende Tabelle zeigt die absoluten Häufigkeiten dazu.

erwünscht

und empfunden

nicht erwünscht

und empfunden

erwünscht und

nicht empfunden

nicht erwünscht und

nicht empfunden

Gesundheit

sehr schlecht

ziemlich schlecht

es geht so

ziemlich gut

sehr gut

Gute Beurteilung der Zielerreichung

Anteil

0.0

0.2

0.4

0.6

0.8

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

173

Tabelle 22: Absolute Häufigkeiten erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit –

gute Beurteilung der Zielerreichung

erwünscht und

empfunden

nicht erwünscht

und empfunden

erwünscht und

nicht empfunden

nicht erwünscht und

nicht empfunden

sehr

schlecht

0

0

0

0

ziemlich

schlecht

2

1

3

2

es geht so

34

11

21

5

ziemlich

gut

132

19

21

9

sehr gut

32

2

7

2

In den absoluten Häufigkeiten ist die hohe Anzahl von sehr guter bzw. ziemlich guter

Gesundheit bei erwünschter und empfundener Wertschätzung abzulesen.

Ergebnis „Übertragung von Verantwortung“

Hier ergibt sich nach Berechnung mit dem exakten Fisher-Test ein p-Wert von 0.175.

Somit muss die Hypothese für die Form der Wertschätzung „Übertragung von

Verantwortung“ verworfen werden. Das Signifikanzniveau beträgt 5 %.

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

174

Abbildung 41: Ergebnis erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit – Übertragung

von Verantwortung

In der Kategorie „erwünscht und empfunden“ zeigen sich im Diagramm relativ hohe Werte

bei ziemlich guter Gesundheit und sehr guter Gesundheit. Jedoch ist die relative

Antwortanzahl bei sehr guter Gesundheit in der Kategorie „erwünscht und nicht

empfunden“ höher. Der schlechteste Gesundheitszustand wird in der Kategorie „nicht

erwünscht und nicht empfunden“ angegeben. Die nachfolgende Tabelle zeigt die absoluten

Häufigkeiten dazu.

Tabelle 23: Absolute Häufigkeiten erwünschte und empfundene Wertschätzung sowie Gesundheit –

Übertragung von Verantwortung

erwünscht und

empfunden

nicht erwünscht

und empfunden

erwünscht und

nicht empfunden

nicht erwünscht und

nicht empfunden

sehr

schlecht

0

0

0

0

ziemlich

schlecht

2

2

1

2

es geht so

37

11

15

6

ziemlich

gut

134

20

27

8

sehr gut

30

3

9

0

erwünscht

und empfunden

nicht erwünscht

und empfunden

erwünscht und

nicht empfunden

nicht erwünscht und

nicht empfunden

Gesundheit

sehr schlecht

ziemlich schlecht

es geht so

ziemlich gut

sehr gut

Übertragung von Verantwortung

Anteil

0.0

0.2

0.4

0.6

0.8

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

175

In der Tabelle mit den absoluten Häufigkeiten ist eine hohe Antwortzahl bei sehr guter und

ziemlich guter Gesundheit in der Kategorie „Wertschätzung erwünscht und empfunden“

ablesbar.

Nach der Darstellung der Hypothesenüberprüfung des vierten Untersuchungsschritts

werden nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.

Zusammenfassung Hypothesenüberprüfung vierter Untersuchungsschritt

Insgesamt betrachtet hat sich die Hypothese, dass erwünschte und empfundene

Wertschätzung einen größeren Effekt auf die Gesundheit hat als Formen von

Wertschätzung, die als neutral oder negativ eingeschätzt werden, nicht beweisen lassen.

Eine Ausnahme bildet lediglich die Form der Wertschätzung „gute Beurteilung der

Zielerreichung“.

In der folgenden Tabelle sind die unterschiedlichen Formen von Wertschätzung mit ihren

Ergebnissen zur Übersicht aufgelistet.

Tabelle 24: Hypothesen angenommen oder verworfen vierter Untersuchungsschritt

Form der Wertschätzung

p-Wert

(Signifikanzniveau 5%)

Beurteilung

verbale Bestätigung

0,435

Verwerfen

monetäre Bestätigung

0,148

Verwerfen

Berücksichtigung von persönlichen

Bedürfnissen

0.067

Verwerfen

gute Beurteilung der Zielerreichung

<10-3

Annehmen

Übertragung von Verantwortung

0.175

Verwerfen

Allerdings zeigen sich in den absoluten Häufigkeiten gute Werte in der Beurteilung von

sehr guter und ziemlich guter Gesundheit in der Kategorie „Wertschätzung erwünscht und

empfunden“. Diese bilden jedoch kein ausreichendes Gegengewicht zur Einschätzung

eines schlechteren Gesundheitszustandes in der Kategorie „erwünscht und nicht

empfunden“.

6 Ergebnisse

_________________________________________________________________________

176

Betrachtet man in Ergänzung dazu die Ergebnisse aus den vorhergehenden

Untersuchungsschritten, so lässt sich festhalten, dass Wertschätzung einen Einfluss auf das

Gesundheitsempfinden der Mitarbeiter hat. Dies wurde im ersten Untersuchungsschritt

(vgl. dazu Kapitel 6.2.2) im Rahmen des Strukturgleichungsmodells dargestellt. Die

Pfadanalyse ergab in der Wirkrichtung Wertschätzung auf Gesundheit eine positive

Beeinflussung. Empfundene Wertschätzung wirkt also auf Gesundheit. Was sich mit den

Daten der durchgeführten Umfrage nicht statistisch beweisen ließ, ist, dass präferierte

Formen von Wertschätzung einen größeren Effekt auf die Gesundheit haben als

empfundene Wertschätzung überhaupt. Ob nun eine bestimmte Form von Wertschätzung

erwünscht wird oder nicht, ist dieser Untersuchung zufolge für das Gesundheitsempfinden

nicht entscheidend. Wichtig scheint vielmehr, dass Wertschätzung ankommt, also

empfunden wird. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass andere Formen oder die Art

und Weise der Vermittlung von Wertschätzung im Kontext von veränderten Arbeits-,

Organisations- und Lebensformen in den Vordergrund treten. Auch die Frage, von wem

Wertschätzung erwünscht und von wem Wertschätzung tatsächlich wahrgenommen wird,

ist interessant. So wurden im Nachgang zur Untersuchung Interviews zu diesen Themen

mit Teilnehmern an der Befragung durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Interviews werden

im Kapitel 7.3 thematisiert.

In der nachfolgenden Diskussion werden die Ergebnisse aufgegriffen und im

Gesamtzusammenhang interpretiert. Danach werden sie in den Forschungsstand

eingeordnet, um schlussendlich ein Resümee ziehen zu können.

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

177

7 Diskussion

In Kapitel 6 wurden die Ergebnisse aus der Datenanalyse vorgestellt. Diese dienten zur

Klärung der Wirkung der Zusammenhänge zwischen sozialen Ressourcen, Gesundheit,

Arbeitszufriedenheit und Leistung. Insbesondere die Frage, ob soziale Ressourcen im

Sinne der „Work-Life-Balance“-Wippe von Kastner (2010c, S. 297) ein Gegengewicht zu

Anforderungen und Belastungen bilden und so das Gesundheitsempfinden und die

Arbeitszufriedenheit positiv beeinflussen, sollte analysiert werden. Darauf aufbauend

erfolgte die Klärung des Einflusses von Arbeitszufriedenheit und Gesundheit auf die

Leistungsfähigkeit der Mitglieder in Organisationen. In einem weiteren Schritt wurde der

Einfluss von erwünschter und erhaltener Wertschätzung auf die Gesundheit untersucht. Mit

den Ergebnissen wurden die dazu formulierten Hypothesen H1 bis H14 sowie H15 überprüft.

Zur Überprüfung der Validität der Modelle ist die Qualität der zugrunde liegenden Daten

ein kritischer Faktor. Daher werden zunächst diese und daran anschließend die Hypothesen

mit ihren Ergebnissen und deren Wirkung auf die oben genannten Modelle diskutiert.

Eine kritische Reflexion der Arbeit schließt daran an. Daraus werden Schlussfolgerungen

für die praktische Nutzbarkeit dieser Untersuchung und Implikationen für die Praxis sowie

für mögliche weitere Forschungsarbeiten gezogen.

7.1 Diskussion der methodischen Vorgehensweise und Gütekriterien des Fragebogens

Diskutiert werden die zentralen Kriterien der Testgüte Objektivität, Reliabilität und

Validität (Bortz & Döring, 2006, S. 195). Sie werden im Rahmen einer Eignungsprüfung

aufgezeigt.

Die Erhebung der Daten erfolgte über ein unternehmensinternes Onlinebefragungstool, zu

dem nur ausgewählte Mitarbeiter der Personalabteilung Zugang haben. Die eingehenden

Antworten wurden durch eine „Response ID“ verschlüsselt, ein Rückschluss auf die

antwortende Person war so nicht möglich. Dieses Tool wird für alle Befragungen in der

Unternehmung eingesetzt. Somit war die Anonymisierungsmethodik den Mitarbeitern

bekannt. Die Beantwortung konnte anhand der Zusendung eines Links direkt am eigenen

Rechner durchgeführt werden. Die Fragen konnten so in einem geschützten Rahmen ohne

Beeinflussung durch Dritte beantwortet werden. Durch dieses Verfahren sollten Antworten

im Sinne der sozialen Erwünschtheit vermieden werden. Dennoch ist dies bei Fragen zu

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

178

Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung nicht auszuschließen. Um dem

entgegenzuwirken, wurde im Anschreiben nochmals die Anonymisierung betont. Das

persönliche Empfinden in der Bewertung wurde bewusst mit einbezogen, da die Fragen

sich konkret darauf bezogen.

Im Fragebogen wurden Items aus bereits bestehenden gut validierten Fragenbögen des

Bundes der Unfallkassen, SALSA und WAI (vgl. Kapitel 4.1.2) eingesetzt. Zusätzlich

wurden selbst erstellte Items zur Bewertung der subjektiven Einschätzung verwendet (z. B.

„Bitte beurteilen Sie Ihren Gesundheitszustand insgesamt.“).

Die Hypothesen H1 bis H14 betreffen den positiven Einfluss der sozialen Ressourcen auf

Arbeitszufriedenheit und Gesundheit sowie weitergehend den Einfluss auf Leistung. Dies

wurde in einem Strukturgleichungsmodell untersucht. Hypothese H15 bezieht sich darauf,

wie erwünschte und empfundene Wertschätzung sich auf das Gesundheitsempfinden

auswirken. Dies wurde anhand eines Signifikanztests (Fisher-Test) ermittelt.

Im Strukturgleichungsmodell werden die Konstrukte (latente Variablen) durch die

zugeordneten Faktoren erklärt. Zur Beurteilung der Reliabilität der Items erfolgt in

Strukturgleichungsmodellen

eine

Faktorenanalyse

(vgl.

Kapitel

6.2.1).

Die

Faktorreliabilität wird durch die Faktorladung berechnet. Dabei zeigen alle Faktorladungen

größer als 0,7 eine gute Erklärung des Konstrukts. In der Analyse zeigte sich für fast alle

Faktoren eine gute Eignung zur Erklärung der Konstrukte. Beibehalten wurde der Faktor

„Wertschätzung durch externe Kunden“ (0,615), da dieser zur vollständigen Erklärung des

Konstrukts der empfundenen Wertschätzung maßgeblich ist. Verworfen für das Konstrukt

der Leistung wurden die Faktoren „Beurteilung durch die Führungskraft“ (0,551) und

„Behindert Sie derzeit eine Verletzung oder Erkrankung bei Ihrer Arbeit?“ (0,379). Diese

Faktoren wiesen eine zu geringe Faktorladung auf und sind ein Hinweis auf eine stark

subjektive Einschätzung der eigenen Leistung. Objektivierte Faktoren wie die Beurteilung

der Führungskraft und eine Einschränkung durch Krankheitsfaktoren wurden nicht in

Betracht gezogen. Für zukünftige Untersuchungen wäre zu überlegen, ob eine zusätzliche

Berücksichtigung von objektiven Faktoren zur Validierung der Antworten sinnvoll wäre.

In dieser Arbeit wird jedoch auf die subjektiven Einschätzungen fokussiert, insofern wird

keine Einbeziehung von objektiven Daten vorgenommen – zumal diese von dem

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

179

untersuchten Unternehmen nicht zur Verfügung gestellt wurden. Die Stimmigkeit der

subjektiven Einschätzungen wurde durch Korrelation mit „Überprüfungsfragen“

sichergestellt (vgl. Kapitel 4.1.2).

Auffällig ist im Antwortverhalten die positive Beurteilung der empfundenen Zustände. So

wird das Gesundheitsempfinden überwiegend mit „ziemlich gut“ (49,19 %) und mit „sehr

gut“

(17,2

%)

beurteilt.

Einen

„sehr

schlechten

Gesundheitszustand“

gaben

vergleichsweise wenige (2,15 %) an. Eine ähnliche Tendenz gibt es bei der Einschätzung

der eigenen Leistungsfähigkeit. So beurteilen 14,1 % ihre Leistung als „sehr gut“ und

61,02 % als „ziemlich gut“. Eine geringe Anzahl der Befragten (0,56 %) schätzten die

eigene Leistung als „sehr schlecht“ ein. Dies könnte auf soziale Erwünschtheit im

Antwortverhalten hindeuten. Dagegen spricht allerdings die Überprüfung der Korrelation

mit Kontrollfragen. Natürlich kann auch hier die soziale Erwünschtheit eine Verzerrung in

den Antworten hervorrufen. Denkbar ist aber ebenfalls, dass die Beantwortung der Fragen

die tatsächlich empfundene Einschätzung wiedergibt. Diese Einschätzung könnte mit

objektiven Daten wie der Krankenquote abgeglichen werden, dies stand jedoch nicht im

Fokus der Arbeit; zudem wurden die Daten nicht von dem untersuchten Unternehmen zur

Verfügung gestellt.

Die Konstruktreliabilität gibt wieder, wie gut ein Konstrukt (latente Variable) durch die

ihm zugeordneten Faktoren gemessen wird. Die Untersuchung der internen Konsistenz mit

der Faktorreliabilität (p>=0,6) und Cronbachs Alpha (α>0,7) geben durchgehend gute

Werte wieder. Bei der Faktorreliabilität liegen alle Werte über 0,815 und bei Cronbachs

Alpha >0,802. Die Zahl der Faktoren, die den latenten Variablen zugeordnet wurden,

bewegen sich zwischen zwei und fünf. Mit der Hinzunahme zusätzlicher Items könnten

weitere wichtige Einflussfaktoren zu den jeweiligen Konstrukten mit in die Untersuchung

einfließen.

Die Messung der Konvergenzvalidität wurde mit der durchschnittlich erfassten Varianz

berechnet. Diese zeigt mit Werten >0,6 ebenfalls gute Ergebnisse.

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

180

Für die Signifikanzberechnung mit dem exakten Fisher-Test gelten die gleichen Aussagen

wie oben. Zusätzliche Eignungsüberprüfungen für die Analyse mit einem Signifikanztest

sind demzufolge nicht durchzuführen.

Kritisch kann zum Fragebogen angemerkt werden, dass viele Faktoren nicht in das

Strukturgleichungsmodell

eingeflossen

sind.

Der

Grund

dafür

war,

dass

ein

Strukturgleichungsmodell erstellt werden sollte, das eine gute Übersichtlichkeit und

Interpretierbarkeit bewahrt. Weitergehend wurden Fragen zur Validierung der subjektiven

Einschätzung verwendet. Ein weiterer Anlass lag in zusätzlich erwünschten Fragen von

Betriebsrat und Personalabteilung. Im Sinne einer Ökonomisierung des Instruments des

Fragebogens könnten jedoch Items, die zur Validierung von subjektiven Einschätzungen

genutzt werden, reduziert werden (vgl. Gollwitzer & Jäger, 2014, S. 41).

Die Untersuchung wurde in Form eines Querschnittdesigns angelegt. Insofern können

keine Interpretationen hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs vorgenommen werden. Für

zukünftige Analysen wird eine Folgeuntersuchung empfohlen, in der Interventionen und

Präventionen zum Einsatz von sozialen Ressourcen und einer gesundheitsorientierten

Führung durchgeführt und im Nachgang evaluiert werden. Diese Form der Untersuchung

wurde vom befragten Unternehmen jedoch nicht in Betracht gezogen.

7.2 Diskussion der Ergebnisse des Strukturgleichungsmodells

Der Aufbau des Strukturgleichungsmodells ist in Kapitel 4.2 beschrieben. Dabei erfolgte

die Untersuchung in drei Teilschritten. Der erste Untersuchungsschritt analysierte den

Zusammenhang der sozialen Ressourcen Wertschätzung, soziale Unterstützung und

Gesundheitsorientierung der Führungskraft mit Arbeitszufriedenheit und Gesundheit. Im

Ergebnis zeigt die Ressource Wertschätzung signifikante Zusammenhänge mit

Arbeitszufriedenheit und Wertschätzung. Die Hypothesen H1 und H2 werden somit

angenommen. Bei der Ressource der sozialen Unterstützung zeigt sich ein signifikanter

Zusammenhang mit Arbeitszufriedenheit, jedoch konnte kein signifikanter Zusammenhang

mit Gesundheit nachgewiesen werden. Demnach wird die Hypothese H3 verworfen und die

Hypothese H4 angenommen. Für die Ressource der Gesundheitsorientierung der

Führungskraft konnte weder ein signifikanter Zusammenhang mit der Arbeitszufriedenheit

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

181

noch mit der Gesundheit bewiesen werden. Die Hypothesen H5 und H6 müssen demnach

verworfen werden.

In

der

Zusammenfassung

konnten

die

Wirkung

von

Wertschätzung

auf

Arbeitszufriedenheit und Gesundheit sowie die Wirkung von sozialer Unterstützung auf

Arbeitszufriedenheit

bewiesen

werden;

ein

Zusammenhang

zwischen

sozialer

Unterstützung und Gesundheit hingegen nicht. Dasselbe gilt für den Zusammenhang

zwischen der Gesundheitsorientierung der Führungskraft und Arbeitszufriedenheit und

Gesundheit. Dies ist – auch im Rahmen der theoretischen Untermauerung – ein Ergebnis,

das einer weiteren Analyse bedarf. Dazu wurden im Nachgang Interviews mit den

befragten Mitarbeitern durchgeführt. In diesen Interviews wurde deutlich, dass die

Gesundheitsorientierung der Führungskraft nicht als ausschlaggebender Faktor für die

eigene Gesundheit wahrgenommen wurde: „Was meine Führungskraft macht, ist für mich

nicht wichtig. Ich bin selber für meine Gesundheit verantwortlich.“ Die eigene

Verantwortung für die Gesundheit gab also den viel stärkeren Ausschlag. Zum großen Teil

arbeiteten die befragten Mitarbeiter nicht im engen Kontakt mit der Führungskraft, sondern

an unterschiedlichen Arbeitsstandorten. Dies war bedingt durch projektorientierte

Arbeiten, in denen in einer „Matrix“-Organisation gearbeitet wird und an unterschiedlichen

Standorten. Zudem wurde an der sogenannten „Home-Office“Regelung teilgenommen.

Dadurch hat der Mitarbeiter die Möglichkeit, bis zu 50 % seiner Arbeitszeit von zu Hause

zu arbeiten. Die Folge sind höhere Anforderungen an die Selbstorganisation (vgl. Kapitel

2.1). Betrachtet man hierzu die Ergebnisse aus den Daten zur Work-Life-Balance, wird

dies eher positiv betrachtet. So äußerte sich der überwiegende Teil der Mitarbeiter zu

Fragen

der

Work-Life-Balance

neutral

oder

positiv.

Anscheinend

wird

die

Arbeitsplatzregelung mit der Möglichkeit zum Home-Office als Unterstützung

wahrgenommen, um private Verpflichtungen und Arbeitszeit in einen Ausgleich zu

bringen. Diese Möglichkeit der Flexibilisierung und Autonomie wird als positiv

aufgenommen und hat in der Regel einen positiven Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit.

Die Kehrseite der Flexibilität durch die Entgrenzung von Freizeit und Arbeit ist der Verlust

der Kontrolle über die Arbeitszeit. Es wird länger gearbeitet, Selbstausbeutung ist eine

mögliche Folge davon (Paridon, 2012, S. 81).

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

182

Diese Arbeitsform hat weiterhin eine Verringerung des „sozialen Klebstoffs“ zur Folge.

Der Vorgesetzte wird in seiner Vorbildfunktion schwächer wahrgenommen und auch

Maßnahmen am Arbeitsplatz zur Gesundheitsförderung entfalten nicht ihre volle Wirkung.

Die gleichen Auswirkungen wurden hinsichtlich der sozialen Unterstützung mit Wirkung

auf die Gesundheit berichtet. Kollegen aus dem Team und Vorgesetzte treten als

wahrgenommene Ressourcen zur sozialen Unterstützung und Sicherheit in den

Hintergrund (Kastner, et al., 2001, S. 37f.). Dafür übernehmen Kollegen, mit denen gerade

zusammengearbeitet wird, aus anderen Teams und externen Unternehmen sowie Freunde

und Familienangehörige diese Rolle. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die

größte Wertschätzung über die direkte Führungskraft vermittelt wurde. Die Wahrnehmung

von Wertschätzung ist also auch bei flexiblen Arbeitsformen maßgeblich mit dem

Vorgesetzten verbunden und von diesem erwünscht (Friedrich, 2010, S. 78). Diese Form

der

Unterstützung

wird

im

Konzept

der

Selbstwirksamkeit

als

Faktor

der

Gesundheitsförderung begriffen. Insofern ist gerade bei flexiblen Arbeitsmodellen die

empfundene Wertschätzung durch die Führungskraft ein wichtiger Faktor (Gunkel, et al.,

2014, S. 257ff.). Für weitere Untersuchungen ist dies ein Indikator, die Items um die

Personengruppen, von denen soziale Unterstützung empfunden wird, zu erweitern und

deren Auswirkungen auf Gesundheit zu überprüfen. Auch die Auswirkungen auf die

Bindung an die Organisationen sind hier ein wichtiger Aspekt. Hinsichtlich der

Gesundheitsorientierung

der

Führungskraft

wären

demgemäß

zusätzlich

die

Rahmenbedingungen der Gesundheitsorientierung der Organisation zu berücksichtigen.

Nach der Befragung wurde zusätzlich die Sitzplatzsituation durch ein Arbeitsplatzkonzept

mit freier Platzwahl verändert. Inzwischen gibt es keine fest zugeordneten Arbeitsplätze

mehr, sondern freie Wahl des Arbeitsplatzes. Es ist anzunehmen, dass sich im Zuge dieser

zusätzlichen fluiden Arbeitsplatzsituation die sozialen Bindungen zur Führungskraft und

zum

Team

verschlechtert

haben.

Dasselbe

ist

für

die

Wirksamkeit

von

gesundheitsförderlichen Maßnahmen anzunehmen, die sich direkt am Arbeitsplatz zeigen.

Für die Gestaltung ebendieser Maßnahmen sowie für zukünftige Forschungen ist dies ein

wichtiger Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt.

Die Ressourcen im Bereich der Person (Wertschätzung) und der Situation (soziale

Unterstützung) haben eine positive Wirkung auf die Arbeitszufriedenheit gezeigt. Die

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

183

Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen zeigt sich als ein zentraler Faktor für die

Arbeitszufriedenheit und damit nachfolgend auch für die Leistung (Jacobshagen &

Semmer, 2009, S. 13ff.; Klemenz, 2009, S. 91). Dass Wertschätzung die Gesundheit

positiv beeinflusst, konnte ebenso nachgewiesen werden; somit hat Wertschätzung das

Potenzial, als soziale Ressource einen Ausgleich zu Anforderungen und Belastungen zu

bilden (vgl. Kapitel 3.1.3). Dies entspricht ebenfalls dem Konzept der Gratifikationskrise

nach Siegrist (vgl. Kapitel 3.4.1). Dort bilden unter anderem immaterielle Faktoren einen

Gegenpol im Spannungsfeld von Anforderungen und Belastungen. Ein solcher

immaterieller Faktor ist die Wertschätzung. Hier konnte nachgewiesen werden, dass sie im

Sinne von Gratifikation eine salutogene Wirkung entfaltet. Nach dem salutogenen Konzept

kann Wertschätzung als dynamische Ressource zur Entwicklung und Förderung von

Gesundheit betrachtet werden (vgl. Kapitel 2.2.1).

Warum dies für Unternehmen Wettbewerbsfaktor und ökonomische Notwendigkeit ist,

wird im zweiten Untersuchungsschritt deutlich.

Zum einen gibt es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und

Gesundheit und zum anderen konnte ein signifikanter Einfluss von Arbeitszufriedenheit

und Gesundheit auf Leistung bewiesen werden. Die Hypothesen H7 und H8 werden damit

angenommen.

Wenn man Arbeitszufriedenheit mit der Qualität des Arbeitslebens in Beziehung setzt und

dies wiederum mit der empfundenen Lebensqualität verbindet, kann man sagen, dass

Arbeitszufriedenheit eine Quelle von Gesundheit ist (vgl. Antonovsky & Franke, 1997, S.

112f.). Ebenso spiegelt sich in diesem Ergebnis das Anforderungskontroll-Modell von

Karasek und Theorell (1979; 1990) wider. Die Mitarbeiter des befragten Unternehmens

sind

also

mit

ihrem

Arbeitsplatz

zufriedener,

wenn

sie

Handlungs-

und

Entscheidungsfreiheit, genügend Zeit und eine abwechslungsreiche Arbeit haben. Dies

wirkt sich wiederum positiv auf ihr Gesundheitsempfinden aus.

Unternehmen haben ein Interesse daran, dass ihre Mitarbeiter leistungsfähig sind. Mit

dieser Untersuchung konnte dargestellt werden, dass Leistung durch Arbeitszufriedenheit

und Gesundheit beeinflusst wird. Wenn nun die Arbeitszufriedenheit ein entscheidender

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

184

Faktor zur Motivation darstellt und Gesundheit die Fähigkeit zur Leistung unterstützt (vgl.

Kapitel 3.3.5), ergibt sich für Unternehmen ein Ansatzpunkt, Leistung besser zu fördern. In

einer Rückwärtsbetrachtung entsteht Leistung durch Arbeitszufriedenheit und Gesundheit

und diese durch Wertschätzung und soziale Unterstützung. Wenn nun Leistungsfähigkeit

der Mitarbeiter positive ökonomische Auswirkungen hat und diese ein Wettbewerbsvorteil

sind, dann sollten Mitarbeiter zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz und gesund sein.

Stellschrauben sind hier die Ressourcen der Wertschätzung und sozialen Unterstützung.

Die Gesundheitsorientierung der Führungskraft hatte in dieser Arbeit bedingt durch die

Arbeitsformen der untersuchten Organisation keinen Einfluss. Außer Acht gelassen werden

sollte diese bei zukünftigen Untersuchungen jedoch nicht; es bedarf allerdings einer

Anpassung der Items an die Situation der Organisations- und Arbeitsformen der jeweiligen

Organisation.

Kritisch kann angeführt werden, dass es weitaus mehr Einflussfaktoren auf Leistung gibt

als Arbeitszufriedenheit und Gesundheit; ebenso wie es eine Vielzahl von Einflüssen auf

Arbeitszufriedenheit und Gesundheit gibt. Im Fokus dieser Untersuchung standen jedoch

die

sozialen

Ressourcen

(Wertschätzung,

soziale

Unterstützung

und

Gesundheitsorientierung der Führungskraft) mit ihrem Einfluss auf Arbeitszufriedenheit

und Gesundheit und deren Einfluss auf Leistung. Im Ergebnis zeigt dieser Ausschnitt eines

komplexen Geflechts von Wirkzusammenhängen zu den genannten Konstrukten

zufriedenstellende Ansatzpunkte und Stellschrauben.

Im dritten Untersuchungsschritt wurde berücksichtigt, dass die Wirkrichtungen der

Konstrukte

nicht

einseitig

zu

lesen

sind.

Sie

hängen

vielmehr

in

beiden

Zusammenhangsrichtungen voneinander ab. Dies wurde für die wichtigsten Konstrukte in

einer rekursiven Analyse abgebildet. Im Ergebnis wurde gezeigt, dass Leistung signifikant

mit Arbeitszufriedenheit und Gesundheit zusammenhängt sowie mit Wertschätzung. Die

Hypothesen

H10,

H11

und

H12

werden

angenommen.

Ebenso

wird

durch

Arbeitszufriedenheit die empfundene Wertschätzung signifikant beeinflusst. Die

Hypothese H14 wird angenommen. Der Zusammenhang, dass Gesundheit die

Arbeitszufriedenheit beeinflusst, konnte nicht nachgewiesen werden. Die Hypothese H13

wird verworfen. Nicht bewiesen wurde ebenfalls, dass Gesundheit mit Wertschätzung

signifikant zusammenhängt. Die Hypothese H9 wird demnach verworfen. In der

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

185

Zusammenfassung bestätigten sich im Wesentlichen die Ergebnisse aus den

vorhergehenden Untersuchungsschritten sowie, dass die Konstrukte sich in beide

Pfadrichtungen beeinflussen. Eine Ausnahme dazu bildet, dass es keinen Zusammenhang

zwischen Gesundheit und empfundener Wertschätzung gibt. Dies kann mit wenig

Langzeiterkrankten zusammenhängen. Ist ein Mitarbeiter kurzzeitig krank oder in seiner

Leistung eingeschränkt, so bedauert man diesen. Erst ab einer längeren Erkrankungsdauer

wird der Ausfall als Belastung empfunden mit möglichen Auswirkungen auf die

Wertschätzung (Berner, 2008, S. 22).

7.3 Diskussion der Ergebnisse zum Modell der empfundenen Wertschätzung

Im vierten und letzten Untersuchungsschritt wurde analysiert, wie sich erwünschte und

empfundene Wertschätzung auf die Gesundheit auswirken. Dabei stand die Annahme im

Mittelpunkt, dass es individuell verschieden ist, was ein Mitarbeiter als Wertschätzung

erwünscht und empfindet. Die Untersuchung zu den verschiedenen abgefragten Formen

von Wertschätzung ergab: Verbale Bestätigung, monetäre Bestätigung, Berücksichtigung

von persönlichen Bedürfnissen und Übertragung von Verantwortung ergaben keine

signifikanten Zusammenhänge von erwünschter und empfundener Wertschätzung mit

Gesundheit. Lediglich eine gute Beurteilung der Zielerreichung ergab unter den oben

genannten Bedingungen einen signifikanten Zusammenhang. Die Hypothese H15 wird

somit verworfen. Zu beachten gilt es, dass die Aussagekraft der Untersuchung aufgrund

der geringen Antwortzahlen im Bereich der nicht erwünschten Wertschätzung

eingeschränkt ist. Für weitere Untersuchungen wird ein geändertes Untersuchungsdesign

empfohlen. So könnten durch abgestufte Beurteilungen in der Beurteilung von erwünschter

Wertschätzung

aussagekräftigere

Aussagen

erzielt

werden.

Dass

empfundene

Wertschätzung einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat, konnte in der

Untersuchung dargestellt werden (vgl. Kapitel 6.2.2). So wird Wertschätzung in dem

befragten Unternehmen empfunden und wirkt sich positiv auf das Gesundheitsempfinden

aus. Was nicht dargestellt werden konnte, ist, dass jeder Mitarbeiter eine spezielle

Anforderung an die Form der Wertschätzung hat. Hier scheint es so zu sein, dass ein

Wertschätzungsdefizit sich nicht in dem Wunsch nach einer bestimmten Form ausdrückt,

sondern vielmehr in dem Wunsch nach tatsächlich empfundener Wertschätzung (vgl. dazu

Zwack, et al., 2011). Ein Hinweis darauf könnte das Ergebnis der Form der Wertschätzung

„Gute Beurteilung der Zielerreichung“ sein. Hier wird durch eine strukturierte

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

186

Vorgehensweise der Bewertung und über regelmäßige Gespräche mit dem Mitarbeiter über

die Ziele und deren Erreichung ein Transfer sichergestellt. Zur weiteren Evaluation der

ausgeführten Ergebnisse im Kapitel 6.2.3 wurden im Nachgang Interviews mit

Mitarbeitern durchgeführt. Dabei wurden Mitarbeiter befragt, die häufig von zu Hause

bzw. in Projekten arbeiten sowie Mitarbeiter, die auch oder vorwiegend am eigentlichen

Arbeitsplatz tätig sind. Das Ergebnis der geführten Interviews zur Wertschätzung bei

Arbeitsplätzen, die überwiegend von „unterwegs“ und damit ein digitales Arbeiten

möglich oder notwendig machen, ist beachtenswert. Hier zeigen sich geänderte

Anforderungen

hinsichtlich

der

Empfindung

von

Wertschätzung

in

der

Kommunikationsform, der Formen von Wertschätzung sowie der Personengruppen von

denen Wertschätzung erteilt wird.

Die Frage nach erwünschter Wertschätzung wird durchgehend individualisiert beantwortet.

Damit wird die Auffassung vertreten, dass jeder Mitarbeiter bestimmte Formen von

Wertschätzung bevorzugt. Interessant war, dass Mitarbeiter, die vorwiegend am

Arbeitsplatz in der Organisation arbeiteten, dort ihr Bedürfnis nach Wertschätzung

befriedigten oder befriedigt haben wollten. „Dauerhaftes arbeiten von zu Hause oder von

unterwegs wäre Gift für mich und würde mich krankmachen. Arbeit ist eine wesentliche

Quelle der Wertschätzung für mich.“ Hier werden Faktoren der Gesundheitsförderung und

der Bindung an das Unternehmen deutlich. Bei Mitarbeitern, die vorwiegend digital

arbeiten, werden Veränderungen bei den Personen, bei denen Wertschätzung und soziale

Ressourcen

empfunden

werden,

angesprochen.

Kollegen,

mit

denen

gerade

zusammengearbeitet wird sowie Familienangehörige und Freunde, werden als Quellen von

Anerkennung angegeben. Grundsätzlich besteht jedoch der Wunsch, von der direkten

Führungskraft Wertschätzung zu erfahren (vgl. dazu auch Hinding & Kastner, 2014, S.

295f.). Die Möglichkeiten werden jedoch mit größerer Abwesenheit vom Arbeitsplatz in

der Organisation als eingeschränkt erlebt. „Ich sehe meinen Chef nicht so oft, und so

richtig weiß der auch gar nicht, was ich so mache. Ich fände es besser, wenn wir mehr

Kontakt hätten und er meine Arbeit wertschätzt.“ Zum einem wird es für den Vorgesetzten

also schwieriger, sich ein Bild von der Leistung seiner Mitarbeiter zu machen und zum

anderen fehlt es an Kontakten bzw. Kommunikationen, in denen Wertschätzung und

soziale Ressourcen „transferiert“ werden. Dies liegt auch darin begründet, dass die

Kommunikationsformen, die nicht direkt von Mensch zu Mensch geschehen, einen

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

187

Informationsverlust verursachen. In der schriftlichen Form fehlen Bild und Stimme, in

einem Telefonat fehlt das Bild, bei einer Videokonferenz wird die Gesamtheit der Situation

nicht ganz wahrgenommen und Berührungen sind nicht möglich. Diese fehlenden

Informationen können dazu führen, dass das, was gesagt werden soll, nicht „richtig“

ankommt und eine schnelle Reaktion dazu erschwert wird. Dies scheint auf eine

Bestätigung der Annahme hinzuweisen, dass erwünschte Wertschätzung bei digitalisierten

Arbeitsplätzen eine geeignete Form braucht, damit sie als solche wahrgenommen wird.

Eine Handlungsempfehlung im Allgemeinen könnte sein: Führungskräfte und Kollegen

machen schon viel „richtig“, wenn sie darauf achten, dass Wertschätzung „ankommt“,

indem zum Beispiel eine geeignete wertschätzende Kommunikationsform gewählt wird

(vgl. Kapitel 3.2.2). Wird diese Empfehlung mit den Ergebnissen der Untersuchung und

den geführten Interviews zur erwünschten und empfundenen Wertschätzung in Verbindung

gesetzt, hier war bei der strukturierten Herangehensweise der Zielbeurteilung bei einer

guten Zielbewertung der Gesundheitszustand höher, ergibt sich folgende Schlussfolgerung:

Bei sich ändernden Arbeits-, Organisations- und Lebensformen ändert sich auch die Art

und Weise wie und von wem Wertschätzung empfunden wird. Durch facettenreichere

Arbeits- und Organisationsformen wird die Arbeits- und Lebenswelt von Mitarbeitern

individueller und damit auch die Art und Weise durch wen Wertschätzung empfunden wird

(vgl. dazu auch Kastner, 2014b, S. 31). Um dieser Entwicklung gerecht zu werden und

gleichzeitig dem Rechnung zu tragen, dass die Führungskraft eine wichtige Quelle der

Anerkennung ist, bedarf es angepasster Kommunikationsstrukturen. Im Arbeitsumfeld

könnte eine strukturierte Form, in der sich bewusst mit den Themen Wertschätzung und

sozialen Ressourcen auseinander gesetzt wird, ein solcher Ansatz sein. So wären

beispielsweise geplante Kommunikationszeiten zu diesen Themen im direkten Austausch

mit der Führungskraft oder im Team eine Vorgehensweise zur Vermittlung und

Empfindung von Wertschätzung. Da dieses Ergebnis einen interessanten Ansatz für die

fortschreitende Digitalisierung von Arbeitsplätzen bietet, wäre eine tiefergehende

empirische Untermauerung wünschenswert.

7.4 Diskussion der Einzelergebnisse zu einer Gesamtinterpretation

Im Strukturgleichungsmodell konnte die Arbeitszufriedenheit als ein wichtiges Konstrukt

zur Beeinflussung von Leistung identifiziert werden. Sie beeinflusst in einem hohen Maße

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

188

die Gesundheit und Leistung und in der rekursiven Betrachtung wiederum die empfundene

Wertschätzung der Mitarbeiter. Auf die Arbeitszufriedenheit selbst wirken positiv

empfundene Wertschätzung und soziale Unterstützung. Dies entspricht Studien, die

Arbeitszufriedenheit in Verbindung mit Handlungsspielraum und sozialer Unterstützung

als salutogene Faktoren untersucht haben (Stadler & Spieß, 2002). Dass Wertschätzung die

Arbeitszufriedenheit unterstützt, wird in der Literatur immer wieder betont (Decker &

Fischbach, 2010, S. 11; Jacobshagen & Semmer, 2009, S. 13ff.; Siebecke, 2010, S. 8).

Durch Arbeitszufriedenheit werden wiederum die Wertschätzung auch im Sinne von

Selbstwert und Lebensqualität verbessert (Lesch, et al., 2011, S. 4). Obwohl der

Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Leistung in der Literatur kontrovers

diskutiert wird, so wird sie doch als Faktor zur Leistungsmotivation genannt (Kerkau,

1997, S. 68). In Verbindung mit Kompetenzen und Fähigkeiten sowie organisationaler

Unterstützung zur Leistung entsteht Leistungsfähigkeit. Dies entspricht der Formel

„Leistung = Wollen x Können x Dürfen“ (vgl. Kapitel 3.3.5).

Die Handlungsempfehlung aus der durchgeführten Untersuchung könnte daher lauten:

Sorge dafür, dass Mitarbeiter Wertschätzung empfinden. Biete soziale Unterstützung.

Schaffe Arbeitsplätze, die Handlungsspielraum und Sinnempfinden der Arbeit möglich

machen. Die Folge sind gesündere und mit ihrem Arbeitsplatz zufriedene und verbundene

Arbeitnehmer, Produktivitätssteigerungen und Wettbewerbsvorteile durch engagierte und

leistungsbereite Mitarbeiter. Über diese nicht neue Erkenntnis hinaus zeigt die

Untersuchung, dass sich mit neuen Arbeits-, Organisations- und Lebenswelten neue

Herausforderungen an die Vermittlung von sozialen Ressourcen ergeben. Bei

digitalisierten Arbeitsplätzen mit fluiden Organisationsstrukturen nehmen durch

abnehmende bzw. sich ändernde soziale Interaktionen die Möglichkeiten zum direkten

Austausch von Führungskraft und Kollegen ab (vgl. dazu auch Kastner, et al., 2001, S.

37f.). Mit der Folge, dass die Führungskraft in ihrer Rolle als Vorbildfunktion zum

gesundheitsförderlichen Verhalten eingeschränkt oder nicht mehr wahrgenommen wird.

Dies hat Einfluss auf die Maßnahmen zur Gesundheitsförderung in der Organisation und

deren Wirksamkeit. Die gesundheitsförderliche Wirkung der sozialen Unterstützung geht

ebenso verloren. Hier bedarf es neuer Formen und Strukturen zur gesundheitsförderlichen

Arbeitsplätzen.

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

189

Die Frage, ob Wertschätzung und soziale Ressourcen das Gesundheitsempfinden

verbessern und ein Gegengewicht zu Anforderungen und Belastungen bilden, kann positiv

beantwortet werden. In Verbindung mit der „Work-Life-Balance“-Wippe von Kastner (vgl.

Kapitel 3.1.3) sind Wertschätzung und soziale Ressourcen Stellschrauben zu einer

gesundheitsförderlichen Amplitude in der Wippbewegung. Eingebettet in das Konzept des

Leistungs- und Gesundheitsmanagements nach Kastner, sind soziale Ressourcen auf allen

drei Ebenen des PSO-Modells geeignet, als Maßnahmen zur Intervention, Prävention und

Innovation zu dienen. Sie haben das Potenzial Mitarbeiter gesünder zu erhalten und

betriebswirtschaftliche Kennzahlen und damit den Return on Investment durch Leistung zu

steigern (vgl. Kapitel 3.5).

Dass

sich

erwünschte

und

empfundene

Wertschätzung

positiv

auf

das

Gesundheitsempfinden

auswirkt,

lässt

sich

in

dieser

Arbeit

nicht

aus

den

Untersuchungsergebnissen

ableiten.

Vielmehr

wird

deutlich,

dass

empfundene

Wertschätzung einen positiven Einfluss auf Gesundheit hat. Wichtig ist es somit,

sicherzustellen, dass Wertschätzung beim Empfänger ankommt; denn nur dieser

entscheidet, ob er Wertschätzung empfindet oder nicht. In dem untersuchten Unternehmen

war die direkte Führungskraft zu 50 % die Quelle von empfundener Wertschätzung. Als

Handlungsempfehlung für die Führungskräfte könnte gelten, mit einer geeigneten

Kommunikationsform adäquat und authentisch ihre Wertschätzung „an den Mitarbeiter

bringen“. So ist das „Wie“ nach den Ergebnissen des befragten Unternehmens

entscheidender als das „Was“. Wertschätzung als individuell verpacktes Geschenk wirkt

demnach mehr als die Suche nach dem, was der einzelne Mitarbeiter in der jeweiligen

Form der Wertschätzung benötigt. Dies deutet auf die Wichtigkeit der Beziehung zwischen

Führungskraft und Mitarbeiter hin. Diese beeinflusst ebenso Gesundheit und Leistung

(Stadler & Spieß, 2005).

Fasst man die Ergebnisse zusammen, so entstehen neue Anforderungen in der Vermittlung

von sozialen Ressourcen in Zeiten von sich ändernden Arbeits- und Organisationsformen.

Ein Ansatzpunkt dazu könnte in einer strukturierten und geplanten Form bestehen, in der

Wertschätzung wie auch soziale Ressourcen Raum bekommen, vermittelt und empfunden

werden können. Näher ausgeführt wird dieser Ansatzpunkt in Kapitel 8.1 (Implikationen

für die Praxis).

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

190

7.5 Kritische Reflexion der Untersuchung

Ziel der Untersuchung ist es, positive Wirkzusammenhänge von sozialen Ressourcen,

Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und Leistung darzustellen. Gleichzeitig sollte die

Übersichtlichkeit und Interpretierbarkeit erhalten bleiben. Daher sind nicht alle

Wirkzusammenhänge des Strukturgleichungsmodells getestet worden. Es fand eine

Beschränkung auf die wesentlichen Konstrukte, die den Forschungsfragen zugrunde

liegen, statt. Sicherlich würde die Testung von mehr Einflussfaktoren und

Wirkzusammenhängen

einen

größeren

Erkenntnisgewinn

gewährleisten.

Zur

Handhabbarkeit und Stärkung der Analyse der leitenden Forschungsfragen der Arbeit

wurde jedoch eine Fokussierung auf diese eingehalten. Durch die Darstellung von

komplexen

Zusammenhängen

in

einem

Strukturgleichungsmodell

konnte

ein

Erkenntnisgewinn im Bereich der Wirksamkeit der sozialen Ressourcen auf

Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und Leistung erzielt werden und die Arbeitszufriedenheit

als ein wichtiges Konstrukt dazu identifiziert werden. Ebenso wurde die Wirkung von

fluiden Organisationsstrukturen mit virtuellen und digitalen Arbeitsplätzen sowie

Entgrenzung von Arbeits- und Freizeit näher beleuchtet. Hier gab es Erkenntnisse über die

Wirksamkeit der Gesundheitsorientierung der Führungskraft und der sozialen

Unterstützung in neuen Organisations- und Arbeitsformen. Eine weitere Erkenntnis daraus

war die Form der Vermittlung und Empfindung von individueller Wertschätzung.

Kritisch anzumerken ist, dass die Analyse im Bereich der erwünschten und empfundenen

Wertschätzung mit geänderten Items hinsichtlich der Erwünschtheit und deren Rangfolge

aussagekräftigere Ergebnisse hervorgebracht hätte. Das Ergebnis, dass eine strukturierte

Form der Vermittlung von Wertschätzung, wenn diese erwünscht ist, ein besseres

Gesundheitsempfinden zur Folge hat, bietet interessante Ansatzpunkte. Dieses ist jedoch in

der vorliegenden Untersuchung mit nur einem Item „schwach“ aufgestellt. Dies sollte in

Folgeuntersuchungen überdacht werden, ebenso wie weitere Forschungen zu digitalen

Arbeitsplätzen und wie soziale Ressourcen bei Mitarbeitern „ankommen“. Nichtsdestotrotz

wurde weiter ausgearbeitet, dass Wertschätzung nicht gleich Wertschätzung ist, sondern

dass zum Ausgleich von Wertschätzungsdefiziten eine tatsächlich empfundene

Wertschätzung vonnöten ist. Dazu gilt es, individuelle geeignete Formen zu finden.

Als Schlussbemerkung sei der „menschliche Faktor angeführt“. Dass soziale Ressourcen

7 Diskussion

_________________________________________________________________________

191

eine positive Wirkung auf Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und über diese auf Leistung

haben, wurde in dieser Arbeit dargelegt. Zu beachten ist, dass sie natürlichen Grenzen

unterliegen. Ebenso sind sie kein Allheilmittel, um jeglichen geänderten und steigenden

Anforderungen und Belastungen begegnen zu können. Vielmehr sind sie unter anderen

Faktoren, die als Stellschrauben zu der Person, Situation und Organisation eine Rolle im

Kontext von Leistung und Gesundheit eine Rolle spielen.

8 Zusammenfassung, Implikationen für die Praxis und Ausblick

_________________________________________________________________________

192

8 Zusammenfassung, Implikationen für die Praxis und Ausblick

Die vielleicht wichtigste Frage „Was bedeuten die Ergebnisse für die Praxis?“, wird im

folgenden Kapitel aufgegriffen und mit einem Ausblick abgeschlossen.

Wie in dieser Arbeit diskutiert wurde, werden durch neue Arbeits-, Organisations- und

Lebensformen die Dynaxität und damit die Anforderungen an Arbeitnehmer erhöht. Um

dieser Entwicklung gesundheits- und leistungsfördernd begegnen zu können, ist es für

Unternehmen aus humanitären und ökonomischen Gründen wichtig, gesundheitsfördernde

Ressourcen zu schaffen (vgl. Kapitel 2.1). In Kapitel 3.2 wurde aufgeführt, dass die

Beeinflussung

von

steigenden

Anforderungen

aufseiten

der

Mitarbeiter

und

Führungskräften Beschränkungen unterliegt, wohingegen die Förderung und Stärkung von

sozialen Ressourcen in Organisation, Situation und Person in diesem Kontext mehr

Ansatzpunkte bieten. So ist die konsequente Fokussierung auf Ressourcen aus Sicht der

Autorin ein vielversprechender Ansatzpunkt.

Für Organisationen stellt sich die Frage, welche Ressourcen gesundheitsförderlich sind und

wie diese im Kontext von Arbeit eingesetzt werden können. Einen Teilaspekt zur

Beantwortung dieser Fragestellung liefern die Ergebnisse der Untersuchung. Sie zeigen,

dass es einen Zusammenhang zwischen der empfundenen sozialen Ressource der

Wertschätzung und dem Gesundheitsempfinden gibt. So kann die in der Literatur viel

beachtete und diskutierte Wertschätzung am Arbeitsplatz die Gesundheit der Mitarbeiter

beeinflussen (Hinding, et al., 2010, S. 196; Kastner, 2010a, S. 93f.; Kuhnert, et al., 2010,

S. 172). Eine einfache Formel wäre demgemäß: Viel Wertschätzung verbunden mit keiner

„Entwertung“ (vgl. Kapitel 3.2.1) trägt zur Gesundheitsförderung bei. Dass diese Formel

jedoch so keine Anwendung finden kann, wurde ebenfalls in dieser Arbeit dargestellt (vgl.

Kapitel 3.2.1 und 6.2.3). Vielmehr wirkt die tatsächlich empfundene Wertschätzung auf

das Gesundheitsempfinden. Deshalb gilt es, sicherzustellen, dass Wertschätzung beim

Mitarbeiter „ankommt“. Dies kann mithilfe einer geeigneten Kommunikationsform

geschehen (vgl. Kapitel 3.2.2). Zu beachten ist ebenso, dass neue Arbeitsformen neue und

mehr formalisierte Kommunikationsformen notwendig machen. Hier kann die geplante

und

strukturierte

Kommunikation

zu

sozialen

Ressourcen

sicherstellen,

dass

Wertschätzung und soziale Ressourcen empfunden werden. Ebenso wird die

Sensibilisierung der Wahrnehmung für eine authentisch gemeinte Wertschätzung durch

8 Zusammenfassung, Implikationen für die Praxis und Ausblick

_________________________________________________________________________

193

den Mitarbeiter aufgenommen (z. B. durch Nachfragen). So sollte sich der Vorgesetzte

darüber bewusst sein, dass Wertschätzung auch als solche gemeint sein und in einer

angemessenen Form kommuniziert werden sollte (Schröer, 2010). Dass Führungskräfte die

wichtigste Quelle von Wertschätzung für den Mitarbeiter darstellen, wird ebenfalls in den

Ergebnissen der Untersuchung deutlich (vgl. Kapitel 6.2.3). Dessen müssen sich

Führungskräfte bewusst sein und entsprechend handeln. Kritisch ist hier anzumerken, dass

Führungskräfte zwar eine wesentliche Quelle von Wertschätzung sind, jedoch nicht die

einzige. Weiterhin ist Wertschätzung keine Einbahnstraße, vielmehr ist ein Klima

gegenseitiger Wertschätzung wünschenswert. Reick et al. (2007, S. 74f.) beschreiben dazu

im Rahmen einer Vertrauens-Fehler-Lern-Innovations-Gesundheits-Kultur den Einfluss

von Wertschätzung auf Gesundheitsempfinden, Motivation und Bindung an die

Organisation und damit den direkten Einfluss auf die Wertschöpfung. Ebenso spielen die

Eigenverantwortung bzw. die Selbstwertschätzung des Mitarbeiters eine nicht unerhebliche

Rolle. Wenn dieser in der Lage ist, sich selbst zu schätzen, kann er Wertschätzung, „die er

außerhalb seiner Haut erfährt“, besser wahrnehmen (vgl. Kapitel 3.2.1). In der

Zusammenfassung spiegelt sich dies in den folgenden drei Punkten wider:

• Die Führungskraft muss sich des Einflusses von Wertschätzung und sozialen

Ressourcen auf die Gesundheit bewusst sein .

• Quellen von Wertschätzung und sozialen Ressourcen sollten hinsichtlich der

Stellschrauben Person, Situation und Organisation und deren Interaktion gefördert

werden (Wertschätzungskultur).

• Kenntnis

bei

Führungskräften

und

Mitarbeitern

von

geeigneten

Kommunikationsformen sowie die Planung und Strukturierung dieser.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass Arbeitszufriedenheit durch empfundene

Wertschätzung und soziale Unterstützung positiv verstärkt wird. Für die Ressource der

sozialen Unterstützung gilt ebenso wie für Wertschätzung, dass sie als solche

wahrgenommen werden muss. Weiterhin darf sie nicht unerwünscht sein und so den

Selbstwert beeinträchtigen. Nur so kann sie ihre gesundheitsförderliche Wirkung entfalten.

Im beruflichen Kontext sind Quellen sozialer Unterstützung die Führungskraft und die

Kollegen (vgl. Kapitel 3.31). Insgesamt hat sich Arbeitszufriedenheit in der Untersuchung

als

ein

wichtiger

Faktor

zur

Beeinflussung

von

Gesundheit

und

Leistung

8 Zusammenfassung, Implikationen für die Praxis und Ausblick

_________________________________________________________________________

194

herauskristallisiert. In der rekursiven Betrachtung beeinflusst diese wiederum die

empfundene Wertschätzung. Stellschrauben zur Steigerung von Arbeitszufriedenheit sind:

• salutogene Ressourcen am Arbeitsplatz (vgl. Kapitel 3.3.3)

o Mitbestimmung an sozial geschätzten Entscheidungsprozessen

o angemessene Belastungsbalance

o soziale Unterstützung

• Erleben von Sinnhaftigkeit der Tätigkeit

• empfundene Wertschätzung

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass soziale Ressourcen Stellschrauben zur

Förderung von Gesundheitsempfinden und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter sind. Was

für Organisationen aus ökonomischen Gründen und als Wettbewerbsfaktor interessanter

sein dürfte, ist die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten. Hier zeigt die Untersuchung

deutlich, dass Leistung durch Arbeitszufriedenheit und Gesundheit maßgeblich positiv

beeinflusst

wird,

während

Leistung

in

der

rekursiven

Analyse

Gesundheit,

Arbeitszufriedenheit und Wertschätzung stark determiniert. Ungeachtet dieses Henne-Ei-

Problems bieten sich für Organisationen Ansätze, leistungsbezogene Faktoren günstig zu

gestalten und somit schlussendlich den Return on Investment zu verbessern ( vgl. Kapitel

3.5). Über diese bekannten Erkenntnisse hinaus erfordern neue Arbeits- und

Organisationsformen

geeignete

und

angepasste

Kommunikationsformen,

damit

Wertschätzung und soziale Ressourcen wahrgenommen werden können (vgl. Kapitel 7.3).

Diese könnten die folgenden Faktoren berücksichtigen:

• regelmäßige Kommunikation angepasst an die individuellen Arbeitsformen (z. B.

per Videokonferenz oder face-to-face)

• strukturiertes Vorgehen, indem ein bestimmter Ablauf und oder bestimmte Inhalte

durch geeignete Fragestellungen aufgegriffen

• geplantes Vorgehen, das sich aus Regelmäßigkeit und Strukturiertheit ergibt

Dies soll nicht nur sicherstellen das soziale Ressourcen beim Mitarbeiter „ankommen“

sondern der Mitarbeiter selber soll befähigt werden seine eigenen Ressourcen besser

wahrnehmen zu können und seine Bedürfnisse dazu zu formulieren.

Die gesammelten Erkenntnisse gilt es jedoch im Rahmen der natürlichen Beschränkungen

8 Zusammenfassung, Implikationen für die Praxis und Ausblick

_________________________________________________________________________

195

zu betrachten. Der Mensch hat keine feste Input-Output Relation (Kastner, 2010a, S. 88),

vielmehr gibt es natürliche und gesunde Grenzen zu beachten. Insbesondere die

Leistungsfähigkeit von Individuen gilt es so zu verstehen und zu pflegen. Dies bedeutet,

bei hohen Anforderungen muss es dem Mitarbeiter möglich sein, sein Gleichgewicht im

Sinne der Work-Life-Balance-Wippe zurückzugewinnen. Dazu müssen ausreichende

Phasen von Regeneration (Kastner, 2010a, S. 93) in Verbindung mit Förderung von

sozialen Ressourcen vorhanden sein.

Zu den bereits vorhandenen wissenschaftlichen Belegen lassen sich aus den vorgestellten

Ergebnissen weitere Forschungsansätze ableiten. So werden mehr und mehr Arbeitsplätze

im Zuge von globalem Wettbewerb sich weiter in Richtung Digitalisierung mit

unabhängigen und selbständig geprägten Arbeitsformen entwickeln. Hier ergeben sich

neue Herausforderungen wie z. B. neue Kommunikationsformen, Bindung der Mitarbeiter

an die Organisation, Fragen zur Gestaltung der Kultur sowie gesundheits- und

leistungsfördernde Aspekte für Unternehmen.

Diese Arbeit zeigt, dass soziale Ressourcen für Organisationen und deren Mitarbeiter eine

wertvolle Möglichkeit zur Gesundheits- und Leistungsförderung bieten. Wie dies in einer

digitalen Arbeitswelt genutzt werden kann, bedarf weiterer wissenschaftlicher

Untersuchungen und empirischer Fundierung. Gerade der Ansatz, dass bei digitalen

Arbeitsplätzen sich geänderte Kommunikationsformen zur Übermittlung von sozialen

Ressourcen entwickeln müssen, bedarf der weiteren Erforschung. Diese Fragestellungen

stehen auch im Zusammenhang mit dem Thema der individuellen Wertschätzung und

ihrem Einfluss auf das Gesundheitsempfinden. Hier zeigen sich interessante

Untersuchungsansätze.

So soll diese Arbeit motivieren, die diskutierten Fragestellungen von ressourcenorientierter

Gesundheits- und Leistungsförderung weiter zu verfolgen und evidenzbasierte Ansätze für

Mensch und Organisationen im Kontext sich permanent veränderter Rahmenbedingungen

zu erforschen.

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10 Anhang

_________________________________________________________________________

209

10 Anhang

10.1 Fragebogen

Fragebogen zu: "Der Einfluss von Wertschätzung auf die Wertschöpfung in Dienstleistungsunternehmen"

Zunächst haben ich einige demographische Fragen zu Ihrer Person, sie

sollen und werden dadurch nicht persönlich Identifiziert. Diese Fragen

dienen zu Gewinnung von Ergebnissen für differenzierte Maßnahmen in

den einzelnen Altersgruppen.

Angaben zur Person

<20

20-29

30-39

40-49

50-59

>60

Bitte geben Sie Ihr Alter an

männlich

weiblich

Bitte geben Sie Ihr Geschlecht an

ja

nein

Haben Sie eine disziplinarische Personalverantwortung?

ja

nein

Arbeiten Sie in Teilzeit?

0-1

2-5

6-15

>15

Wie viele Jahre sind Sie bereits bei xxx beschäftigt?

Bewertung des Persönlichen Wohlbefinden

Sehr schlecht

ziemlich schlecht

es geht so

ziemlich gut

sehr gut

Bitte beurteilen Sie mit Ihren Gesundheitszustand insgesamt?

Bitte geben Sie hier den von Ihnen eingeschätzten Gesamtzustand an.

Dieser umfasst Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden.

Bitte beurteilen Sie Ihren psychischen Gesundheitszustand?

Sehr schlecht

ziemlich schlecht

es geht so

ziemlich gut

sehr gut

Bitte geben Sie hier den von Ihnen eingeschätzten Zustand an.

Bitte beurteilen Sie Ihren physischen Gesundheitszustand?

Sehr schlecht

ziemlich schlecht

es geht so

ziemlich gut

sehr gut

Bitte geben Sie hier den von Ihnen eingeschätzten Zustand an.

10 Anhang

_________________________________________________________________________

210

Wie oft hatten Sie in den letzten 12 Monaten folgende Beschwerden?

(die Beschwerden traten 1-

4 mal auf)

die Beschwerden

traten ca. 5 mal auf

die Beschwerden

traten 5-12 auf)

die

Beschwerden

traten mehr als

1x im Monat

auf)

Nie

selten

manchmal

oft

sehr oft

Kopfschmerzen

Rückenschmerzen

Gelenk- und Gliederschmerzen

Magenbeschwerden/Verdauungsstörungen

Hautprobleme/Hauterkrankungen

Augenprobleme (Brennen, Rötung; Jucken, Tränen der Augen)

Schlaflosigkeit, Schlafstörungen

Energielosigkeit, Erschöpfung, allgemeine Unlust

Niedergeschlagenheit

nach der Arbeit nicht abschalten können

Sonstige Beschwerden (Freitext)

Sehr schlecht

ziemlich schlecht

es geht so

ziemlich gut

sehr gut

Wie beurteilen Sie Ihr Gesundheitsverhalten insgesamt?

Bitte geben Sie bei dieser Einschätzung zu Ihrem Verhalten an, etwas

für Ihre Gesundheit zu tun. Dieses umfasst Dinge für die körperliche und

seelische Gesundheit.(z. B. ich treibe Sport, ich ernähre mich gesund,

ich mache autogenes Training)

Stressmanagement und Leistungsfähigkeit

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Leistungsfähigkeit?

Sehr schlecht

ziemlich schlecht

es geht so

ziemlich gut

sehr gut

Im folgenden werden Sie um Ihre persönliche Einschätzung gebeten. Es

gibt kein "richtig" und kein "falsch". Kreuzen Sie so an, wie Sie dies

persönlich erleben.

unwahrscheinlich

nicht sicher

eher wahrscheinlich

ziemlich sicher

Ich glaube, dass ich, ausgehend von meinem jetzigen

Gesundheitszustand, meine derzeitige Arbeit auch in den nächsten zwei

Jahren ausüben kann?

Betrachten Sie bitte ausschließlich Ihren derzeitigen

Gesundheitszustand. Veränderungen in der Organisation oder Tätigkeit

sind nicht Gegenstand der Frage.

10 Anhang

_________________________________________________________________________

211

ca. 3 mal

mehr als 3 mal im

Jahr aber nicht

regelmäßig

wöchentlich

1-3 mal pro Woche

mehr als 3x pro

Woche

Wie oft haben sie in den letzten 12 Monaten die folgenden Aktivitäten

durchgeführt?

Nie

selten

manchmal

oft

sehr oft

Ich treibe Sport (Joggen, Gymnastik, Fitness- oder Krafttraining,

Fahrradfahren, Ballspiele, andere Sportarten)

Ich entspanne mich (Hinlegen, Ausruhen)

Ich rauche

Ich sorge dafür bzw. plane stressbehaftete Situation zu vermeiden

Ich habe ausreichend Schlaf (normalerweise 6-8 Stunden)

Ich trinke Alkohol

Ich ernähre mich ausgewogen

Ich bewege mich in der Natur (Wandern, Spazieren gehen)

Nie

selten

manchmal

oft

sehr oft

Trifft nicht zu

Behindert sie derzeit eine Verletzung oder Erkrankung bei Ihrer Arbeit?

Inwieweit beeinflusst Ihre Arbeit die folgenden privaten Aktivitäten

Nie

selten

manchmal

oft

sehr oft

Es ist schwierig privaten oder familiären Verpflichtungen nachzukommen

In muss Pläne für private oder familiäre Aktivitäten ändern

ja

nein

Bewertung der persönlich empfundenen Wertschätzung

Bitte beurteilen Sie die von Ihnen empfundene Wertschätzung durch

Sehr schlecht

ziemlich schlecht

es geht so

ziemlich gut

sehr gut

Trifft nicht zu

Bitte geben Sie hier die von Ihnen empfundene/wahrgenommene

Wertschätzung (Anerkennung) an.

Geschäftsführung

direkte Führungskraft

Kollegen in Ihrem Team

externe Kunden

Angehörige und Freunde

ich erfahre Wertschätzung durch (Freitext)

10 Anhang

_________________________________________________________________________

212

in welcher Art und Weise haben Sie, in den letzten 12 Monaten,

Wertschätzung durch die genannten Personengruppen erfahren

direkte Führungskraft

Kollegen in Ihrem Team

externe Kunden

Angehörige und

Kunden

Geschäftsführun

g

Trifft nicht zu

verbale Bestätigung (z.B. Wertschätzung der geleisteten Arbeit)

monetäre Bestätigung (z.B. Bonus, Gehaltserhöhung)

Berücksichtigung von persönlichen Bedürfnissen (z.B. Fortbildungen,

Arbeitszeitregelungen wie Teilzeit)

Eine gute Beurteilung der Zielerreichung im jährlichen

Mitarbeitergespräch

Übertragung von Verantwortung

Freitext

positiv beeinflusst

eher positiv

keinen Einfluss

eher negativ

negativ beeinflusst

wie schätzen Sie den Einfluss dieser Maßnahmen, zur Wertschätzung,

für sich persönlich ein

verbale Bestätigung (z. B. Wertschätzung der geleisteten Arbeit)

monetäre Bestätigung (z. B. Bonus, Gehaltserhöhung)

Berücksichtigung von persönlichen Bedürfnissen (z.B. Fortbildungen,

Arbeitszeitregelungen wie Teilzeit)

Eine gute Beurteilung der Zielerreichung im jährlichen

Mitarbeitergespräch

Übertragung von Verantwortung

Freitext

Bewertung von führungsrelevanten Fragen

Nie

selten

manchmal

oft

sehr oft

Meine direkte Führungskraft:

Unterstützt gesundheitsförderliches Arbeitsklima und bietet ggf. hilfreiche

Maßnahmen an (z. B. Unterstützung bei einem optimalen Arbeitsplatz,

Hinweis auf Aktionen und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung bei

Schafft die Voraussetzungen für ein hohes Wohlbefinden bei der Arbeit

(z.b. angenehmes Arbeitsklima, Unterstützung auch in sozialen

Fragestellungen)

achtet auf Einhaltung der Arbeitszeit (z.B. keine Emails nach

Feierabend)

Nie

selten

manchmal

oft

sehr oft

ist ein Vorbild für Gesundheitsförderliches Verhalten

achtet bei sich selbst auf Gesundheitsförderliches Verhalten

Freitext

Meine direkte Führungskraft unterstützt alternative Arbeitszeitmodelle

(z.B. Flex Office, Teilzeit, Elternzeit)

10 Anhang

_________________________________________________________________________

213

Bewertung des eigenen Arbeitsplatz

Nie

selten

manchmal

oft

sehr oft

Bitte geben Sie an wie zufrieden Sie mit den folgenden Bedingungen an

Ihrem Arbeitsplatz sind:

Bei meiner Arbeit mache ich etwas Ganzes, Abgerundetes

Wenn ich eine gute Idee habe, kann ich sie auch am Arbeitsplatz

verwirklichen

Bei wichtigen Dingen kann ich mitreden und mitentscheiden

Meine Arbeit ist abwechslungsreich

Ich habe genug Zeit meine Arbeit zu erledigen

Bei meiner Arbeit muss ich immer das Gleiche tun

Der direkte Vorgesetzte lässt mich wissen wenn ich meine Arbeit gut

gemacht habe

Ich erhalte Unterstützung von meinen Kollegen aus dem Team

Ich kann Probleme die bei meiner Arbeit auftreten mit meinen Kollegen

besprechen

Ich kann Probleme die bei meiner Arbeit auftreten mit meinem direkten

Vorgesetzten besprechen

Es gibt ein angenehmes Betriebsklima in meinem Team

Ich erledige meine Arbeit mit Freude

Welchen Einfluss haben die folgenden Dinge, an Ihrem Arbeitsplatz, auf

ihr Gesundheitsempfinden/Wohlbefinden?

positiv beeinflusst

eher positiv

keinen Einfluss

eher negativ

negativ beeinflu

eine regelmäßige Überschreitung der Arbeitszeit (z.B. Dauer der

Arbeitszeit, Schichtdienst, Flexibilität der Arbeitszeit)

die unangemessene Ausstattung meines Arbeitsplatzes hinsichtlich der

Ergonomie (z.B. körperliche Beanspruchung, Wechsel zwischen Stehen

und Sitzen)

das durchschnittliche Arbeitsvolumen innerhalb der regulären Arbeitszeit

ist regelmäßig zu hoch

die fehlende Unterstützung durch Kollegen in Ihrem Team

ein schlechtes Verhältnis zum direkten Vorgesetzten

die mangelnden Möglichkeiten zur Vereinbarung von familiären und

privaten Verpflichtungen

10 Anhang

_________________________________________________________________________

214

10.2 Anschreiben

Online-Befragung zu Wertschätzung und Gesundheit – Sie wurden ausgewählt- Bitte

teilnehmen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Rahmen meiner Dissertation an der TU Dortmund beschäftige ich mich mit der Frage,

welche Auswirkung die erlebte Wertschätzung auf die Gesundheit und die

Arbeitsplatzzufriedenheit von Mitarbeitern in Dienstleistungsunternehmen hat.

Die Befragung soll Aufschluss darüber geben, wie Sie als Mitarbeiter von Vodafone

Deutschland Wertschätzung erfahren. Wie zeigt sich Wertschätzung in Ihrer täglichen

Arbeit und wie wirkt sie sich (oder der Mangel an Wertschätzung) auf Ihr persönliches

Gesundheitsempfinden aus?

Mein Ziel ist es, auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse Handlungsempfehlungen zur

Nutzung von Wertschätzung, als Ressource zur Verminderung von Belastungen und Stress,

zu

erarbeiten.

Dazu

ist

Ihr

Beitrag

von

großer

Bedeutung.

Die Befragung erfolgt absolut anonym und ist mit dem Betriebsrat abgestimmt. Ihre

Antworten können NICHT Ihrer Person zugeordnet werden! Die Auswertung erfolgt nur

nach Personengruppen. Ihre Daten werden streng vertraulich behandelt.

Bitte nutzen Sie die Gelegenheit bis zum xx.xx Ihre Meinung zu der erlebten

Wertschätzung in Vodafone zu äußern.

Hier geht es zur Befragung.

Hinweis: Um technischen Schwierigkeiten vorzubeugen, benutzen Sie bitte den Standard-

Browser (Internet Explorer).

10 Anhang

_________________________________________________________________________

215

Die Bearbeitungszeit beträgt ca. 20 Minuten.

Haben Sie Interesse an den Befragungsergebnissen? Bitte senden Sie mir dazu eine kurze

E-Mail mit dem Betreff „Befragungsergebnisse“

Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte an mich. (klaudia.holzaht@vodfone.com)

Bei technischen Fragen wenden Sie sich bitte an Anja Bank. (anja.bank@vodafone.com)

Vielen Dank für Ihre Unterstützung und Ihren Beitrag.

Mit freundlichen Grüßen

10 Anhang

_________________________________________________________________________

216

10.3 Deskriptive Statistik der Items

N

Gültig Fehlend

Mittelwert Median

Standard-

abweichung

Ges_ins

370

18

2.16

2.00

.678

Ges_seel

367

21

2.24

2.00

.871

Ges_kör

369

19

2.14

2.00

.699

Kopfsch

347

41

2.91

3.00

1.342

Rückensch

328

60

1.84

1.00

1.497

Gel.schm

344

44

2.03

2.00

1.136

Magenbe

347

41

2.29

2.00

1.266

Hautprob

344

44

1.83

1.00

1.182

Augenpro

348

40

2.38

2.00

1.350

Schlafl

344

44

2.50

2.00

1.316

Energiel

348

40

2.77

3.00

1.246

Niederge

344

44

2.29

2.00

1.249

n_abschal

345

43

2.76

2.00

1.342

s_Beschw

246

142

1.75

1.00

1.077

Ges_verh

355

33

2.45

2.00

.795

Leistungsf

350

38

2.14

2.00

.720

L_in_2Jahr

352

36

1.33

1.00

.645

Sport

345

43

3.61

4.00

1.009

entspannen

330

58

3.40

4.00

1.101

str_Situa

306

82

2.72

3.00

1.101

Alkohol

326

62

2.75

3.00

1.083

Ernährung

335

53

3.79

4.00

.916

Wandern

341

47

3.46

3.00

1.013

Ein_b_Arb

168

220

2.10

2.00

.943

pri_Verpf

340

48

2.88

3.00

1.061

Pläne_än

339

49

2.83

3.00

1.025

WS_GF

290

98

2.98

3.00

.939

WS_FK

332

56

3.73

4.00

1.077

WS_Koll

331

57

3.99

4.00

.894

WS_Kund

239

149

3.94

4.00

.884

WS_Ang

324

64

4.29

4.00

.800

WS_so

82

306

3.98

4.00

.769

WS_Freit

388

0

.13

.00

.333

WS_GF_v

388

0

.65

1.00

.477

10 Anhang

_________________________________________________________________________

217

N

Gültig Fehlen

Mittelwer

Median

Standard-

abweichung

WS_FK_v

388

0

.60

1.00

.491

WS_Koll_v

388

0

.36

.00

.482

WS_Kund_v

388

0

.57

1.00

.496

WS_Ang_v

388

0

.11

.00

.308

WS_so_v

388

0

.04

.00

.193

WS_v_na

388

0

.26

.00

.437

WS_GF_m

388

0

.39

.00

.489

WS_Koll_m

388

0

.00

.00

.000

WS_Kund_m

388

0

.01

.00

.088

WS_Ang_m

388

0

.01

.00

.101

WS_so_m

388

0

.28

.00

.451

WS_m_na

388

0

.03

.00

.173

WS_GF_B

388

0

.47

.00

.500

WS_Kund_B

388

0

.03

.00

.166

WS_Ang_B

388

0

.00

.00

.051

WS_so_B

388

0

.28

.00

.451

WS_B_na

388

0

.02

.00

.124

WS_Koll_Z

388

0

.00

.00

.051

WS_Kund_Z

388

0

.01

.00

.072

WS_Ang_Z

388

0

.01

.00

.072

WS_so_Z

388

0

.20

.00

.399

WS_Z_na

388

0

.04

.00

.205

WS_Kund_V_

388

0

.11

.00

.308

WS_so_V_2

388

0

.18

.00

.387

WS_V_na_2

326

62

4.52

5.00

.743

WS_Freit_2

305

83

4.38

5.00

.910

Ws_erw_v_2

287

101

4.36

5.00

.824

Ws_erw_m_2

303

85

4.22

4.00

.897

Ws_erw_B_2

307

81

4.27

4.00

.857

Ws_erw_Z_2

172

216

4.26

4.00

.856

FK_ges_Arb

289

99

3.08

3.00

1.395

FK_Wohlb

309

79

3.45

4.00

1.277

FK_Arb_z

285

103

2.88

3.00

1.406

260

128

2.88

3.00

1.225

10 Anhang

_________________________________________________________________________

218

N

Gültig Fehlen

Mittelwer

Median

Standard-

abweichung

FK_Vorb

301

87

3.84

4.00

1.251

AZ_ganzes

310

78

3.77

4.00

.937

AZ_verwirk

321

67

3.57

4.00

.916

AZ_mitr

324

64

3.38

4.00

1.005

AZ_abwe_r

328

60

3.98

4.00

.950

AZ_Zeit

327

61

3.08

3.00

1.064

AZ_k_abwech

323

65

2.28

2.00

.983

SU_FK_Lob

320

68

3.48

4.00

1.097

SU_KO

322

66

3.98

4.00

.893

SU_KO_Pr

320

68

4.05

4.00

.896

SU_FK_Pr

324

64

3.97

4.00

.965

SU_BK

322

66

4.08

4.00

.932

Arb_Freude

325

63

3.84

4.00

.828

Übers_Arbz

284

104

1.99

2.00

.853

Ws_erw_v_g

326

62

1.48

1.00

.743

Ws_erw_m_g

305

83

1.62

1.00

.910

Ws_erw_B_g

287

101

1.64

1.00

.824

Ws_erw_Z_g

303

85

1.78

2.00

.897

Ws_erw_V2_g

307

81

1.73

2.00

.857

Ws_erw_so_g

172

216

1.74

2.00

.856

Übers_Arbz_g

305

83

3.78

4.00

.716

m_Ergo_g

293

95

3.55

4.00

.853

h_Arbeitsv_g

302

86

3.82

4.00

.831

feh_SU_KO_g

269

119

3.82

4.00

.833

feh_SU_FK_g

268

120

4.14

4.00

.940

mang_WLB_g

284

104

4.01

4.00

.853

WS_FK_m

388

0

.26

.00

.437

WS_FK_B

388

0

.47

.00

.500

WS_Koll_B

388

0

.09

.00

.291

WS_GF_Z

388

0

.02

.00

.124

WS_FK_Z

388

0

.60

1.00

.491

WS_GF_V_2

388

0

.13

.00

.333

WS_FK_V_2

388

0

.65

1.00

.477

WS_Koll_V_2

388

0

.60

1.00

.491

WS_Ang_V_2

388

0

.57

1.00

.496